Drakensang-Macher: Deutschland muss Finanzierung und Image der Spielebranche verbessern
Im Exklusivinterview fordern die Drakensang-Entwickler eine verbesserte Förderung deutscher Entwickler und eine politische Anerkennung der Spielebranche.
Quelle: dtp
Claas Wolter von Drakensang-Publisher dtp
Vor drei Monaten wurde in München zum ersten Mal der amtliche Deutsche Computerspielpreis verliehen. Die Bundesregierung und die deutsche Spieleindustrie wollen damit explizit kulturell oder pädagogisch wertvolle Computer- und Videospiele auszeichnen. An die Sieger (darunter Bestes Browsergame, Bestes Kinderspiel, Bestes Studentenkonzept) wurden insgesamt 600.000 Euro ausgeschüttet - eine Menge Geld, das explizit die Entwicklung von Spielen in Deutschland fördern soll.
Der große Sieger des Abends - wie schon beim Deutschen Entwicklerpreis einige Monate zuvor - ist das Schwarze-Auge-Rollenspiel Drakensang, finanziert und vermarktet vom Hamburger Publisher dtp (Venetica, Divinity 2), entwickelt von der Berliner Firma Radon Labs. Wir sprachen mit dtp-Pressesprecher Claas Wolter (Foto) und Radon-Labs-Geschäftsführer André Blechschmidt, wie das Preisgeld von 300.000 Euro investiert wird.
PC Games: Drakensang war der große Abräumer des Deutschen Computerspielpreises am 31. März. Für das "Beste deutsche Spiel" und das "beste Jugendspiel" gab es insgesamt 300.000 EUR. Ist das Preisgeld schon auf euren Konten und was genau passiert mit dem Geld?
Der Großteil des Geldes, nämlich 70 Prozent, kommt Radon Labs zugute, so sehen es die Statuten des Computerspielpreises vor. Das Geld soll zudem, so sagen es die Statuten weiter, für weitere Spiele-Entwicklungen in Deutschland verwendet werden - wofür wir es auch sehr gern einsetzen, denn wie man sieht, entstehen hierzulande hochqualitative und sehr erfolgreiche Games. Und nachdem Drakensang ausgezeichnet wurde, würde es natürlich Sinn machen, das Geld in die weitere Entwicklung der Reihe zu investieren.
PC Games: Wie, wo und mit wem habt ihr euren Sieg gefeiert?
Mit der ganzen Belegschaft und viel Sekt und Hellem Ferdoker, wie's sich gehört.
PC Games: Was müsste - jenseits solcher Fördergelder - noch passieren, damit es in Deutschland mehr hochkarätige Studios, fähige Spieleprogrammierer und Ausbildungsplätze für Nachwuchstalente gibt?
Die Fördergelder sind ein sehr wichtiger Schritt, machen Mut und helfen - wir sind froh, dass sich hier in Deutschland endlich etwas in die richtige Richtung bewegt, denn noch vor einigen Jahren gab es so gut wie gar keine Förderungen für unsere Branche. Dass wir die Förderungen alle dringend brauchen, zeigt ein Blick auf die Entwicklungskosten: Ein gutes Spiel kostet Millionen, und die hat kein Unternehmen einfach so in der Portokasse. Mit Förderung allein ist natürlich auch kein Spiel zu finanzieren und es ist auch nicht sinnvoll. Es müssen also weitere Finanzierungsinstrumente wie Fonds, Bankdarlehen, Bürgschaftsprogramme, etc. entwickelt werden, um eine nachhaltige Finanzierung der Branche zu gewährleisten.
Zusätzlich zum Geld brauchen wir dringend politische Anerkennung für unsere Branche. Die ewigen Killerspielediskussionen müssen auf eine seriösere und fairere Ebene gebracht werden. Es darf nicht sein, dass regelmäßig eine ganze Branche pauschalisiert verteufelt wird. Weiterhin benötigen wir international erfahrene Arbeitskräfte, die Know How mitbringen, wie Spiele für die verschiedenen Weltmärkte designt sein müssen - diesem Personal muss es auf einfachem Wege möglich sein, in Deutschland arbeiten zu können, hier eine Wohnung zu finden etc.
Und, ganz richtig, der Nachwuchs muss her - damit es jungen Leuten leichter fällt, sich für eine Karriere in der Gamesbranche zu entscheiden, müssen anerkannte Ausbildungen abseits der klassischen Kaufmannsberufe her, damit der Begriff "Spieleprogrammierer" nicht länger wie ein abenteuerlicher Quereinstieg klingt, sondern ein Beruf mit Zukunft ist.
PC Games: Einsendeschluss für den nächsten Deutschen Computerspielpreis ist voraussichtlich Anfang 2010 - schafft Ihr es, mit Drakensang: Am Fluss der Zeit an den Start zu gehen?
Nach dem derzeitigen Plan: ja.

Aber ich denke, PC eignet sich genau so gut für Ost-RPGs wie Konsole für West-RPGs, man muss es nur richtig machen.
Ganz anders sieht das hingegen z.B. bei Rollenspielen aus.
Da weicht gerade der asiatische Markt sehr stark vom europäischen markt ab.
Bei Rollenspielen für Asien könntest du recht haben, kenn jetzt die Zahlen zu WoW in Asien aber auch nicht.
Werden dort nicht sowieso viel mehr RPG's auf der Konsole gespielt, als auf dem PC?
Dann kann man jedes Design für den asiatischen Markt sowieso vergessen, wenn es ein reines PC-RPG-Spiel ist.
Bin da aber ehrlich gesagt nicht auf dem neuesten Stand.
Meines wissens hatte z.B. Starcraft in Asien nicht weniger Erfolg, als in den USA. Wurde dieses Spiel den für den asiatischen Markt angepasst?
Okay, 100% sicher bin ich mir nicht, aber wenn ich auf dem südkoreanischen Sender Arirang(bestimmt falsch geschrieben) die Begeisterung im E-Sport bei diesem Spiel anschaue, bin ich gar nicht mehr so überzeugt davon, das diese These mit den unterschiedlichen Märkten stimmen muß.
Wahrscheinlich gibt es auch Gegenbeispiele, aber ich denke letztendlich kommt es doch auf die Qualität des Spieles an.
Ganz anders sieht das hingegen z.B. bei Rollenspielen aus.
Da weicht gerade der asiatische Markt sehr stark vom europäischen markt ab.
Es gibt schon Gründe, wieso es deutsche Spiele im Ausland so schwer haben.
Die Kunst ist halt, dies zu schaffen, ohne dass man das Gesamtkonzept verwässert, sodass es am Ende keinem mehr gefällt, weil es sich nur noch um einen großen Kompromiss handelt. Ideal wären sicher stark auf die jeweiligen Märkte angepasste Versionen eines Spiels, was sich aber wiederum extrem in höheren Entwicklungskosten niederschlagen würde und sich wohl selten lohnt (oder aber sich lohnen würde, nur hohes Risiko bedeutet).
Okay, 100% sicher bin ich mir nicht, aber wenn ich auf dem südkoreanischen Sender Arirang(bestimmt falsch geschrieben) die Begeisterung im E-Sport bei diesem Spiel anschaue, bin ich gar nicht mehr so überzeugt davon, das diese These mit den unterschiedlichen Märkten stimmen muß.
Wahrscheinlich gibt es auch Gegenbeispiele, aber ich denke letztendlich kommt es doch auf die Qualität des Spieles an.
wobei es sicher demnächst soweit kommen wird das diverse firmen Steuergeld für spieleentwicklung wollen
Wünschen kann man sich alles, ob es erfüllt wird ist eine ganz andere Frage