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13.03.2009 15:47 Uhr
CSU wettert gegen Gewaltspiele.

Bayerische Landesregierung fordert ein strengeres Verbot von Gewaltspielen

Nach dem Amoklauf des Tim K. in Winnenden beginnt - erneut - eine hitzige Diskussion über so genannte "Killerspiele. Heute trat die bayerische Landesregierung in den Vordergrund und verlangt in Person von CSU-Innenminister Joachim Herrmann strengere Verbote von Gewaltspielen.

Die Webseite von Joachim Herrmann (CSU).
"Man muss sich endlich aufraffen und die brutalsten Spiele verbieten", so Herrmann. Dazu will er sich, laut Informationen des Focus, im Bundesrat einsetzen. Die bisherige Gesetzgebung reicht Herrmann nicht aus. "Das ist keine Frage der Medien- oder Kunstfreiheit mehr", mahnte er gegenüber dem Münchener Merkur. Unterstützung erhält Herrmann von Prof. Christian Pfeiffer, dem Direktor des Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsen. Gewaltspiele seien ein Programm zum Abstumpfen. Wer bereits voller Hassgefühle sei, wer sich gedemütigt und weggestoßen fühle, benutze Killerspiele manchmal auch zur Vorbereitung eines Amoklaufs. Die Tötungsbereitschaft durch brutale Computerspiele steige massiv. Das sei erwiesen.

Kein Handlungsbedarf laut Bundesregierung
Die Bundesregierung sieht jedoch keinen Handlungsbedarf. Ein Sprecher des Bundesfamilienministeriums betonte: "Die Gesetzeslage ist eindeutig. Es gibt ein klares Verbot dieser Spiele". Der Bundesverband Interaktive Unterhaltungssoftware beschreibt die Debatte in einer Pressemitteilung als unangemessen und nicht zielführend. In einem Interview mit PC Games betonte Olaf Wolters, Chef des BIU, dass der Staat stärker in die Pflicht genommen werden müsse, die bestehenden gesetzlichen Bestimmungen durchzusetzen.

Doch nicht nur Hermann, Pfeiffer und die CSU wettern gegen die so genannten Killerspiele: "Depressionen allein produzieren noch keinen Massenmörder", sagt der leitende Redakteur des Tagesspiegel Malte Lehming. "Killerspiele am Computer" hingegen förderten "aggressives Verhalten bei Jugendlichen", so der Journalist weiter. Außerdem sei es statistisch betrachtet so, dass Jugendliche "bei der virtuellen Gewalt" lernen würden, "dass Brutalität belohnt wird, etwas Gutes ist" und fragt"Was spricht für solche Spiele, abgesehen von dem 'Kick‘? Nichts, rein gar nichts. Jugendliche dürfen nicht wählen, keinen Joint rauchen, keinen Wodka trinken, aber sie dürfen am Computer lernen, wie man wehrlose Menschen hinrichtet?".

"Die emotionale Verkümmerung in unserer Gesellschaft"
Auch Sabine Schiffer, Leiterin des Erlanger Instituts für Medienverantwortung, warnt in einem Interview: "Wir müssen uns grundsätzlich Gedanken um die drohende emotionale Verkümmerung in unserer Gesellschaft machen, in der Kinder mit tatsächlichen und vermeintlichen Bildungsangeboten zugeschüttet werden und die Bildung von echtem Interesse, Mitgefühl und Verantwortung gar noch als störend für die Karriere vermittelt wird." Sie wirft auch der Branche vor, den Streit um die Wirkungsforschung von gewaltsamen Spielen zu inszenieren. Das diene "vor allem dazu, Zeit zu gewinnen." Und zwar "für die Vermarktung zweifelhafter Produkte, die ein hohes Suchtpotenzial haben wie Onlinespiele."

Psychologe und Professor für Medienpsychologie Helmut Lukesch differenziert da etwas mehr. Zu Beginn des Gesprächs stellt er klar, dass eine solche Tat "multikausal und nicht eindimensional bedingt" ist. Er meint, dass durch Computerspiele "gewisse Einstellungen und Bereitschaften" geweckt würden, die sich dann "in einer bestimmten Situation auswirken können", denn "Spiele bieten Konfliktlösungen an.". Er fordert zudem, dass sich die Computerspielindustrie "von den aggressiven Spielen" trennen und "diesen menschenverachtenden Schrott nicht mehr verbreiten" sollte. Das wäre auch seiner Meinung nach kein "kultureller Verlust". Trotzdem gibt er zu bedenken, dass es Spieler gibt, die "das Geschehen kognitiv ganz anders" verarbeiten und "nicht komplett in die Story" eintauchen. Jedoch zählen seiner Meinung nach dazu eher Extremspieler, die diese Spiele als Sport ansehen. Professor Lukesch kritisiert aber auch, dass die Alterskontrolle bei Filmen besser funktioniere als bei Spielen: "An Computerspiele, die wie Grand Theft Auto 4 ab 18 freigegeben sind, kommt anscheinend jeder 14- oder 15-Jährige ran."

Ebenfalls interessant:
Der Amoklauf von Winnenden: Gewaltspiele sind nicht der einzige mögliche Auslöser
Amokläufe, Täter, Studien, Hintergründe: Deutschlands hitzige Diskussion über "Killerspiele"
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(Sebastian Thöing / Vanessa Glöckler)
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85 Kommentarezum Artikel

Alle Kommentare lesen
Shadow_Man - 17.03.2009 01:16
Zitat: (Original von Malex am 16.03.2009 22:02)
"Jugendliche dürfen nicht wählen, keinen Joint rauchen, keinen Wodka trinken, aber sie dürfen am Computer lernen, wie man wehrlose Menschen hinrichtet?"

Sie trinken aber trotzdem Wodka und rauchen Joints, villeicht ja gerade weil! es verboten ist. Was passiert wenn man "Killerspiele" verbietet?
Noch mehr Leute besonders Jugendliche die sich profilieren werden gewalttätige englische Spiele spielen wobei sie aber sicherlich keines kaufen werden sondern sie sich illegal im Internet holen. Ist und war schon immer so, meine Meinung als frischer 18-jähriger mit einem jüngerem Bruder.


Alles was verboten wird, löst erst recht einen Reiz aus und wird für die Jugendlichen zu einer Art Statussymbol.
Sieht man doch auch manchmal bei diversen Spielen, von denen in den Medien berichtet wurde und sie irgendwann indiziert oder gar ganz verboten wurden. Die Händler in Österreich oder im Ausland konnten sich dann vor Bestellungen nicht mehr retten.
Wenn ein Spiel hier verboten wird, dann bestellen sie es einfach aus dem Ausland oder laden sich es aus dem Internet.
Malex - 16.03.2009 22:02
"Jugendliche dürfen nicht wählen, keinen Joint rauchen, keinen Wodka trinken, aber sie dürfen am Computer lernen, wie man wehrlose Menschen hinrichtet?"

Sie trinken aber trotzdem Wodka und rauchen Joints, villeicht ja gerade weil! es verboten ist. Was passiert wenn man "Killerspiele" verbietet?
Noch mehr Leute besonders Jugendliche die sich profilieren werden gewalttätige englische Spiele spielen wobei sie aber sicherlich keines kaufen werden sondern sie sich illegal im Internet holen. Ist und war schon immer so, meine Meinung als frischer 18-jähriger mit einem jüngerem Bruder.
l1kw1d - 16.03.2009 19:51
Vor kurzem in einer Signatur gefunden:

"Das Leben ist ein Spiel und der Tod ist das Ziel. Selbstmörder/Mörder sind Cheater".
l1kw1d - 16.03.2009 19:51
"An Computerspiele, die wie Grand Theft Auto 4 ab 18 freigegeben sind, kommt anscheinend jeder 14- oder 15-Jährige ran."

Stimmt nicht, bei Filmen ist es nicht besser, meiner Erfahrung sogar eher leichter.

Bestes Beispiel vor ein paar Tagen wieder erzählt bekommen: Junge (unreife^^) höchstens 14jährige Mädels wollen unbedingt einen Film sehen der aber nach Auskunft des Thekenmitarbeiters "leider" erst ab 18 freigegeben ist. Mädels gucken enttäuscht, aber "Bing" Papa ist ja dabei und wenn er ihn auf seine Karte ausleiht ist das ja kein Problem. Papa will dafür nur ein bisschen mehr Hausarbeit von den Küken sehn, soviel dazu...

Nicht die Freigabe ist das Problem, sondern die Durchsetzung und schade, dass der jüngste Vorfall wieder mal als Sprungbrett für gewisse Politiker dient, das ist geschmacklos.

Im übrigen ist es nicht nur eine Frage des Alters, ob man Angst vor gewissen Titeln (Filmen und/oder Spielen) bekommt. Bin schon weit über 18, aber bei Silent Hill und The Suffering kann man schon Schi... bekommen, aber genauso eben bei Bioshock und wenns einem zuviel wird, hört man halt mal auf und macht nen Päuschen oder mal das Licht an bzw. die Rollos hoch...;)

Machen wir uns nichts vor, wer gewisse Spiele haben möchte, bekommt sie auch (auf welche Weise auch immer). Hier liegt es in der Verantwortung eines jeden und auch der Eltern, gewisse Warnsignale, die ja auch beim Amokläufer wohl sichbar waren zu erkennen. Ist er schon so isoliert, dass keiner sich um ihn kümmert und er auch noch die Möglichkeit hat, an Waffen zu kommen (sorry, aber die sollte man nie unverschlossen aufbewahren :/) und ist schon in Behandlung wegen psychischer Probleme muss man wachsam sein. Sowas entwickelt sich nicht von eben auf jetzt, das ist ein langer Prozess und auch nicht jeder Mensch ist wirklich zu so etwas fähig und sieht nur solch eine Handlung als "Endlösung", welche im Endeffekt die schwächste und schlechteste Lösung ist.
Privatperson - 16.03.2009 17:53
Es mag sein, das manche emotional nicht mit Computerspielen umgehen können. Deshalb sind brutale Spiele ja auch ab 18 Jahren.
Ein Verbot bringt jedoch nichts, da nur mental gereifte Gelegenheitsspieler zwischen 25-40 Jahren vor diesen Spielen "geschützt" sind, weil sie sich diese Games nicht auf dem Schulhof und/oder illegal im Internet besorgen.

Die Ursachen für die "drohende emotionale Verkümmerung in unserer Gesellschaft" darf nicht nur auf Computern mit installiertem Counter Strike gesucht werden.

Und im Umkehrschluss müssten dann noch viele andere Dinge wie auch Alkohol verboten werden, wenn man bedenkt wieviele Tote der im Straßenverkehr verursacht.
In Bayern wohl undenkbar.
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