
Die Webseite von Joachim Herrmann (CSU).
"Man muss sich endlich aufraffen und die brutalsten Spiele verbieten", so Herrmann. Dazu will er sich, laut Informationen
des Focus, im Bundesrat einsetzen. Die bisherige Gesetzgebung reicht Herrmann nicht aus. "Das ist keine Frage der Medien- oder Kunstfreiheit mehr", mahnte er gegenüber dem Münchener Merkur. Unterstützung erhält Herrmann von Prof. Christian Pfeiffer, dem Direktor des Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsen. Gewaltspiele seien ein Programm zum Abstumpfen. Wer bereits voller Hassgefühle sei, wer sich gedemütigt und weggestoßen fühle, benutze Killerspiele manchmal auch zur Vorbereitung eines Amoklaufs. Die Tötungsbereitschaft durch brutale Computerspiele steige massiv. Das sei erwiesen.
Kein Handlungsbedarf laut Bundesregierung Die Bundesregierung sieht jedoch keinen Handlungsbedarf. Ein Sprecher des Bundesfamilienministeriums betonte: "Die Gesetzeslage ist eindeutig. Es gibt ein klares Verbot dieser Spiele". Der Bundesverband Interaktive Unterhaltungssoftware beschreibt die Debatte in einer
Pressemitteilung als unangemessen und nicht zielführend. In einem
Interview mit PC Games betonte Olaf Wolters, Chef des BIU, dass der Staat stärker in die Pflicht genommen werden müsse, die bestehenden gesetzlichen Bestimmungen durchzusetzen.
Doch nicht nur Hermann, Pfeiffer und die CSU wettern gegen die so genannten Killerspiele: "Depressionen allein produzieren noch keinen Massenmörder", sagt der leitende Redakteur des
Tagesspiegel Malte Lehming. "Killerspiele am Computer" hingegen förderten "aggressives Verhalten bei Jugendlichen", so der Journalist weiter. Außerdem sei es statistisch betrachtet so, dass Jugendliche "bei der virtuellen Gewalt" lernen würden, "dass Brutalität belohnt wird, etwas Gutes ist" und fragt"Was spricht für solche Spiele, abgesehen von dem 'Kick‘? Nichts, rein gar nichts. Jugendliche dürfen nicht wählen, keinen Joint rauchen, keinen Wodka trinken, aber sie dürfen am Computer lernen, wie man wehrlose Menschen hinrichtet?".
"Die emotionale Verkümmerung in unserer Gesellschaft" Auch Sabine Schiffer, Leiterin des Erlanger Instituts für Medienverantwortung, warnt in einem
Interview: "Wir müssen uns grundsätzlich Gedanken um die drohende emotionale Verkümmerung in unserer Gesellschaft machen, in der Kinder mit tatsächlichen und vermeintlichen Bildungsangeboten zugeschüttet werden und die Bildung von echtem Interesse, Mitgefühl und Verantwortung gar noch als störend für die Karriere vermittelt wird." Sie wirft auch der Branche vor, den Streit um die Wirkungsforschung von gewaltsamen Spielen zu inszenieren. Das diene "vor allem dazu, Zeit zu gewinnen." Und zwar "für die Vermarktung zweifelhafter Produkte, die ein hohes Suchtpotenzial haben wie Onlinespiele."
Psychologe und Professor für Medienpsychologie Helmut Lukesch
differenziert da etwas mehr. Zu Beginn des Gesprächs stellt er klar, dass eine solche Tat "multikausal und nicht eindimensional bedingt" ist. Er meint, dass durch Computerspiele "gewisse Einstellungen und Bereitschaften" geweckt würden, die sich dann "in einer bestimmten Situation auswirken können", denn "Spiele bieten Konfliktlösungen an.". Er fordert zudem, dass sich die Computerspielindustrie "von den aggressiven Spielen" trennen und "diesen menschenverachtenden Schrott nicht mehr verbreiten" sollte. Das wäre auch seiner Meinung nach kein "kultureller Verlust". Trotzdem gibt er zu bedenken, dass es Spieler gibt, die "das Geschehen kognitiv ganz anders" verarbeiten und "nicht komplett in die Story" eintauchen. Jedoch zählen seiner Meinung nach dazu eher Extremspieler, die diese Spiele als Sport ansehen. Professor Lukesch kritisiert aber auch, dass die Alterskontrolle bei Filmen besser funktioniere als bei Spielen: "An Computerspiele, die wie Grand Theft Auto 4 ab 18 freigegeben sind, kommt anscheinend jeder 14- oder 15-Jährige ran."
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