
Joachim Herrmann (CSU), bayerischer Innenminister.
Nachdem der bayerische Innenminister Joachim Herrmann vehement ein Verbot so genannter Killerspiele forderte, baten wir den in Spielerkreisen umstrittenen Politiker, zwölf Fragen von uns zu beantworten. Bitte beachten Sie, dass man uns nur die Chance ließ, die Fragen via E-Mail zu senden. Eine Reaktion auf die Antworten war uns somit nicht möglich.
PC Games: Herr Minister Herrmann, Sie fordern ein Herstellungs- und Vertriebsverbot für sogenannte "Killerspiele"; diese Forderung findet sich auch im CSU-Wahlprogramm. Wie definieren Sie "Killerspiele"?
Herrmann: Im Unterschied zu vielen normalen Computerspielen haben Killerspiele menschenverachtende Gewalt zum Gegenstand. Der Spieler bringt virtuell, aber aktiv andere Menschen auf teilweise bestialische Art und Weise um. Deshalb bin ich für ein Herstellungs- und Verbreitungsverbot solcher Spiele.
PC Games: Sie wollen die Herstellung dieser Spiele in Deutschland verbieten - welche "Killerspiele" sind Ihres Wissens nach in Deutschland bereits produziert worden?
Herrmann: Ich fordere nicht nur ein Herstellungs-, sondern auch ein Verbreitungsverbot virtueller Killerspiele. Deshalb ist die Frage, wo Killerspiele produziert werden, unerheblich.
PC Games: Wir beschäftigen uns von Berufs wegen seit fast 20 Jahren mit Computer- und Videospielen, indes ist uns in diesem Jahrtausend noch kein Spiel untergekommen, das in Deutschland legal erhältlich ist und "bei denen der Spieler Pluspunkte dafür erhält, dass er seine Gegner auf möglichst grausame Weise zu Tode quält." Sie sind ausgewiesener Experte auf diesem Gebiet - können Sie uns helfen?
Herrmann: Mir ist eine Darstellung gezeigt worden, wo im Spiel "Der Pate / Don Edition" ein brutaler Verbrecher mit einer sogenannten "sizilianischen Kerze" eine Krankenschwester abfackelt. Die Frau verbrennt unter erbärmlichem Todesgeschrei. Dafür erhält der Spieler Punkte. Dieses Spiel kann in Deutschland gekauft werden.
PC Games: Bei Ihrer Pressekonferenz am vergangenen Montag haben Sie die Wirkung von brutalen Computerspielen mit Kinderpornographie verglichen und wortwörtlich davon gesprochen, dass "Dinge, die virtuell am PC umgesetzt werden, irgendwann auch in der Realität umgesetzt werden." Womit begründen Sie diese These? Können Sie verstehen, wenn sich viele Millionen Erwachsener durch eine solche Aussage kriminalisiert und dadurch verletzt fühlen?
Herrmann: Niemand behauptet, dass Killerspiele monokausal für Gewalttaten wie z.B. Amokläufe oder andere Straftaten verantwortlich sind. Es gibt aber über die gefährliche Wirkung von Killerspielen, gerade auf labile Charaktere, in der Wissenschaft keine ernsthaften Zweifel. Die Amokläufe von Erfurt oder von Emsdetten wurden von Tätern begangen, die intensiv Killerspiele gespielt haben. Nach der übereinstimmenden Erkenntnis amerikanischer und deutscher Wissenschaftler löst dies bei labilen Persönlichkeiten Desensibilisierungsprozesse aus und schränkt die Empathiefähigkeit weit stärker ein als das passive Betrachten eines entsprechend brutalen Films.
Ich glaube nicht, dass Menschen, die auf ihren Computern aktiv reihenweise Leute umbringen, die am Boden liegende angeschossene Opfern "regelrecht hinrichten", so dass das Blut spritzt - dass diese Menschen sich durch meine Worte verletzt fühlen können. Wenn sie virtuelle Grausamkeiten verüben, müssen sie schon auch meine Argumente aushalten.
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