Spezial

15.09.2008 15:44 Uhr
Joachim Herrmann im exklusiven Interview mit PC Games

"GTA 4 hätte indiziert werden müssen" - Zwölf Fragen an Bayerns Innenminister Joachim Herrmann

Joachim Herrmann (CSU), bayerischer Innenminister.
Nachdem der bayerische Innenminister Joachim Herrmann vehement ein Verbot so genannter Killerspiele forderte, baten wir den in Spielerkreisen umstrittenen Politiker, zwölf Fragen von uns zu beantworten. Bitte beachten Sie, dass man uns nur die Chance ließ, die Fragen via E-Mail zu senden. Eine Reaktion auf die Antworten war uns somit nicht möglich.

PC Games: Herr Minister Herrmann, Sie fordern ein Herstellungs- und Vertriebsverbot für sogenannte "Killerspiele"; diese Forderung findet sich auch im CSU-Wahlprogramm. Wie definieren Sie "Killerspiele"?

Herrmann: Im Unterschied zu vielen normalen Computerspielen haben Killerspiele menschenverachtende Gewalt zum Gegenstand. Der Spieler bringt virtuell, aber aktiv andere Menschen auf teilweise bestialische Art und Weise um. Deshalb bin ich für ein Herstellungs- und Verbreitungsverbot solcher Spiele.

PC Games: Sie wollen die Herstellung dieser Spiele in Deutschland verbieten - welche "Killerspiele" sind Ihres Wissens nach in Deutschland bereits produziert worden?

Herrmann: Ich fordere nicht nur ein Herstellungs-, sondern auch ein Verbreitungsverbot virtueller Killerspiele. Deshalb ist die Frage, wo Killerspiele produziert werden, unerheblich.

PC Games: Wir beschäftigen uns von Berufs wegen seit fast 20 Jahren mit Computer- und Videospielen, indes ist uns in diesem Jahrtausend noch kein Spiel untergekommen, das in Deutschland legal erhältlich ist und "bei denen der Spieler Pluspunkte dafür erhält, dass er seine Gegner auf möglichst grausame Weise zu Tode quält." Sie sind ausgewiesener Experte auf diesem Gebiet - können Sie uns helfen?

Herrmann: Mir ist eine Darstellung gezeigt worden, wo im Spiel "Der Pate / Don Edition" ein brutaler Verbrecher mit einer sogenannten "sizilianischen Kerze" eine Krankenschwester abfackelt. Die Frau verbrennt unter erbärmlichem Todesgeschrei. Dafür erhält der Spieler Punkte. Dieses Spiel kann in Deutschland gekauft werden.

PC Games: Bei Ihrer Pressekonferenz am vergangenen Montag haben Sie die Wirkung von brutalen Computerspielen mit Kinderpornographie verglichen und wortwörtlich davon gesprochen, dass "Dinge, die virtuell am PC umgesetzt werden, irgendwann auch in der Realität umgesetzt werden." Womit begründen Sie diese These? Können Sie verstehen, wenn sich viele Millionen Erwachsener durch eine solche Aussage kriminalisiert und dadurch verletzt fühlen?

Herrmann: Niemand behauptet, dass Killerspiele monokausal für Gewalttaten wie z.B. Amokläufe oder andere Straftaten verantwortlich sind. Es gibt aber über die gefährliche Wirkung von Killerspielen, gerade auf labile Charaktere, in der Wissenschaft keine ernsthaften Zweifel. Die Amokläufe von Erfurt oder von Emsdetten wurden von Tätern begangen, die intensiv Killerspiele gespielt haben. Nach der übereinstimmenden Erkenntnis amerikanischer und deutscher Wissenschaftler löst dies bei labilen Persönlichkeiten Desensibilisierungsprozesse aus und schränkt die Empathiefähigkeit weit stärker ein als das passive Betrachten eines entsprechend brutalen Films.

Ich glaube nicht, dass Menschen, die auf ihren Computern aktiv reihenweise Leute umbringen, die am Boden liegende angeschossene Opfern "regelrecht hinrichten", so dass das Blut spritzt - dass diese Menschen sich durch meine Worte verletzt fühlen können. Wenn sie virtuelle Grausamkeiten verüben, müssen sie schon auch meine Argumente aushalten.

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231 Kommentarezum Artikel

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Thommyb4480 - 17.03.2009 10:43
Zitat: (Original von XBardoX am 15.09.2008 16:02)
Der hat sie doch nich mehr alle.....Ich bin ja mal gespannt wann da Crytek und co. ein Wort drüber verlieren


Was denkst du was die sagen werden ?? Gar nichts weil die nichts zu melden haben!
Klar hat der Typ noch nie ein Spiel gespielt und ist mit Sicherheit nicht so ein "Fachmann" wie wir. Ich spiele seit mehr als 15 Jahren "Killerspiele" und war auch immer so eingestellt wie die meisten der kleinen Scheißer hier im Forum. Inzwischen bin ich aber Familienvater und denke auch etwas anders über diese Spiele. Allerdings sehe ich weniger das Problem in der USK und FSK sondern in dem wie die Kids an die Spiele kommen. Man sollte das ganze eher anders lösen um die "Kinder" von diesen Spielen weg zu bekommen.

Und das die Jugend immer gewalttätiger wird sieht man doch schon auf der Straße. Zu meiner Jugend haben wir unsere Streitereien noch mit Fäusten ausgetragen. Heute hat jeder verf.. kleine Scheißer ein Messer oder ne Gaspistole dabei. Und dank der amerikanischen Musikbranche ist es Cool wenn man angeschossen wurde wie 50Cent. Schlimm genug das ihr schlechte Musik macht.
Leertaste - 05.01.2009 19:03
Interessant finde ich auch, dass er oft einfach nur ausweicht. Ich glaube ein Gespräche mit diesem Herrn wäre recht amüsant.

Wenn man nur von Regenwurm Ahnung hast und es kommt Elefant dran, muss man eben über den Rüssel zum Wurm und dann was sagen...  

PS: Ja, ich hab aufs Datum geschaut...  
Shadow_Man - 05.01.2009 18:45
Zitat: (Original von Patty-Pat93 am 30.12.2008 11:31)
Also wie sollen wir das verstehen wenn er noch nie ein Video Spiel gspielt hat, na toll er hat eine Szene aus de Spiel gesehn, Super! Wenn er sich mal hinhocken würde und ein Super Spiel wie GTA4 oder Bioshock spielen würde dann würde er seine Aüßerungen zurücknehmen, aber nein, immer seine Meinung geben obwohl er keine Ahnung hat!!


Wahrscheinlich wurde ihm dann extra noch die brutalste Szene eines Spieles gezeigt und er denkt, dass alle Spiele so seien.
Patty-Pat93 - 30.12.2008 11:31
Also wie sollen wir das verstehen wenn er noch nie ein Video Spiel gspielt hat, na toll er hat eine Szene aus de Spiel gesehn, Super! Wenn er sich mal hinhocken würde und ein Super Spiel wie GTA4 oder Bioshock spielen würde dann würde er seine Aüßerungen zurücknehmen, aber nein, immer seine Meinung geben obwohl er keine Ahnung hat!!
Mayphisto - 16.12.2008 16:33
Ich verstehe schon, was er meint. Als ich die Schattendarstellung in GTA IV gesehen habe, empfand ich auch ein sehr starkes und geradezu animalisches Bedürfnis, den zuständigen Grafiker von R* mal kräftig in den Arm zu zwicken.
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small button News - 02.22 Uhr - Freitag 18.12.2009

Potsdamer Forscher: "Kein Zusammenhang zwischen Gewalttaten und Computerspielen"

Infinity Wards Modern Warfare 2 sei "Dank", steht das leidige Thema "Killerspiele" momentan wieder ganz oben auf der Agenda diverser, nicht nur branchenfremder Publikationen. So auch bei der in Potsdam ansässigen Märkischen Allgemeinen (MAZ), [url=http://www.maerkischeallgemeine.de/cms/beitrag/11684384/64289/In-der-digitalen-Welt-gelten-andere-Gesetze-als.html]die in einem aktuellen Artikel zum Thema[/url] allerdings nicht nur die altbekannten, klischeebehafteten Argumente der Computerspiele-Kritiker wiederkäut, sondern eine wirkliche Kompetenz auf dem Gebiet zu Wort kommen lässt: Dr. Stephan Günzel vom [url=http://www.digarec.org/]Potsdamer Zentrum für Computerspielforschung[/url] (Digarec).[IMG=1231944]Der studierte Philosoph vertritt dann auch eine eher differenzierte Sicht der Dinge und sieht keinen Zusammenhang zwischen der Begehung von Gewalttaten und dem Spielen gewalthaltiger Computerspiele. Viel eher sei es sogar so, dass vorhandene Gewaltphantasien im Spiel ausgelebt werden könnten. [br] [br]Auch den sorglosen Umgang mit dem populistischen Begriff des "Killerspiels" sieht Günzel kritisch, da sinnlose Anwendung von Gewalt fast nie Inhalt von Computerspielen sei. Die Rahmenhandlung eines Spiels liefere in fast allen Fällen eine, wie auch immer geartete Legitimation, für das Geschehen auf dem Bildschirm. [br] [br]Befragt zum Thema Suchtgefahr von Computerspielen (laut einer Studie des [url=http://www.kfn.de/home.htm]Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsen[/url] sind 3% der männlichen Neuntklässler betroffen), antwortet er, dass insbesondere Online-Rollenspielen wie World of Warcraft, durchaus eine solche bergen würden. Es existierten durchaus Fälle, in denen Spieler die virtuellen Welten bereits dem -neudeutsch- "Real Life" vorziehen würden. Grund sei, dass im Spiel, im Gegensatz zur Wirklichkeit, meist nur das Treffen von äußerst simplen Entscheidungen gefragt sei ("Schiessen? - Ja./Nein."). [br] [br][ivwgallery]

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