Oft wurde ich in den vergangenen Tagen von Zeitungs- und Radiojournalisten, Lesern, Spieleentwicklern gefragt: Warum macht ihr das? Bringt das denn überhaupt was?
Eines ist sicher: In den kommenden drei Wochen werden Ihnen und uns die bayerischen Politiker - in Ihrem regionalen Wahlkreis sowie auf Landesebene - ganz aufmerksam zuhören. Weil wir sie dort packen, wo es weh tut: bei den Wählerstimmen.

Gehen in Liberty City bald die Lichter aus? Hochrangige Politiker wie Joachim Herrmann fordern ein Verbot einzelner Action-Spiele.
Die CSU bangt bekanntlich um die berühmten "50 % +x". Bei einer vergleichbaren Wahlbeteiligung wie vor fünf Jahren können einige tausend Stimmen das Zünglein an der Waage sein - und wer, wie Bayerns Innenminister, aus offenkundig Wahlkampftaktischen Gründen seine potenziellen Wähler attackiert, kriminalisiert und
Action-Spiele für ein erwachsenes Publikum auf eine Stufe mit Kinderpornographie und Nazipropaganda stellt, darf sich nicht wundern, wenn der Gegenwind etwas stärker ins Gesicht bläst.

Die Fürther Nachrichten berichten in ihrer Samstagsausgabe über die Aktion von PC Games.
Besonders auf die 400.000 deutschen Käufer, Spieler, Fans von
Grand Theft Auto 4 hat sich Herrmann - souffliert von Professor Pfeiffer - in dieser Woche
eingeschossen. Sofort indizieren, sagt der Kriminologe. Gleich ganz verbieten, sagt der Innenminister.
Counter-Strike - das zweite namentlich genannte "Killerspiel" - wird von vielen Millionen Erwachsener zwischen Flensburg und Garmisch gespielt. Mindestens Professor Pfeiffer weiß genau, dass die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien (BPjM, damals noch BPjS) den Indizierungsantrag bereits 2002 abgelehnt hat - und trotzdem wird das Thema alle paar Monate wie die sprichwörtliche Sau durchs Dorf getrieben.

Die Berliner taz widmet der Kampagne einen ausführlichen Artikel in ihrer Ausgabe vom 8. September 2008.
In einem Interview mit der
ZEIT sagt der bayerische Minister: "Ich glaube nicht, dass es in unserer freiheitlichen Gesellschaft einen Anspruch auf solche Computerspiele gibt." Ja, Herrschaftszeiten, nach welchen Kriterien soll der Staat mündigen Bürgern in einer "freiheitlichen Gesellschaft" den Medienzugang vorzensieren? Wie muss ich mir den staatlichen Eingriff in meine Privatsphäre genau vorstellen? Ich sehe mich vor meinem geistigen Auge
GTA 4 spielen, gemütlich auf dem Sofa, während sich draußen eine Sondereinheit der Polizei an der Terrassenscheibe abseilt...Handzeichen...Funksprüche..."Ja, spielt grad...rast mit einem geklauten Motorrad durch Liberty City...hat einem LKW die Vorfahrt genommen...wir gehen jetzt rein...ZUGRIFF!"
Freunde, dazu DARF man nicht schweigen. Nicht in Bayern, nicht in Deutschland.
Uns geht es um das "Einfangen" übereifriger Politiker, keinesfalls um eine "Wahlempfehlung", ich selbst komme aus einem politisch eher konservativ geprägten Elternhaus. Nur: Wir sehen PC Games als Interessensvertretung von vielen hunderttausend Menschen unseres Landes, die in ihrer Freizeit Computer- und Konsolenspiele spielen. Genauso, wie sich der ADAC als Interessensvertreter der Autofahrer GEGEN Tempolimits und Mautgebühren und FÜR kinderfreundliche Raststätten und sichere Tunnels stark macht.
Wenn nicht wir als Fachpresse, wer dann?
Studenten wehren sich gegen Studiengebühren, Anwohner gegen einen Flughafenausbau, Familien gegen Atommüllendlager - und wir gegen Diskriminierung und Kriminalisierung von erwachsenen Menschen. Die genau abwägen sollten, wem sie am 28. September ihre Stimme(n) geben.
Wir bitten Sie:
Machen Sie mit! Ich wünsche Ihnen ein erholsames Wochenende
Ihre
Petra Fröhlich
PS: "Ich wähle keine Spielekiller" ist eine Aktion, der sich jede Fansite, jeder Clan, jedes Unternehmen anschließen kann. Wir nehmen Ihre Website bzw. Ihr Logo gerne in die Fußzeile des Anschreibens auf - E-Mail genügt.