Test: The Abbey auf dem Beichtstuhl
Ein Mönch lugt grimmig unter seiner Kapuze hervor, in seiner Hand ein blutiger Dolch: das Motiv, welches die Hülle von The Abbey ziert und zum Kauf verleiten soll. So steht, nein, so stand das Spiel stapelweise im Regal, denn kurz nach Release ging der Aufschrei durch sämtliche Internet-Foren: Das Adventure leidet unter Bugs. Von Abstürzen ist die Rede, von Installationsfehlern, verschwundenen Spielständen.
Viele der gezeichneten Hintergründe sehen wundervoll aus. Auch die 3D-Charaktere sind von eigentümlichem, aber gelungenem Stil.
Auch inhaltlich tobt der Fehlerteufel: Gegenstände überlagern einander im Inventar, wichtige Hotspots lassen sich nicht anklicken. Viele Käufer klagen laut - der Publisher reagiert mit dem kostenlosen Austausch des Spiels. Ein erster Patch ist bereits erschienen.
Abseits dieser technischen Mängel präsentiert Crimson Cow mit The Abbey ein gutes, zuweilen herausstechendes Adventure. Es handelt von Leonardo, einem ungewöhnlichen Helden, der das Amt eines Ermittlers sowie das eines Mönches in sich vereint. Gemeinsam mit seinem Schüler Bruno untersucht er den Mordfall in einem abgeschiedenen Kloster. Schnell verdichtet sich die Handlung, als weitere Morde folgen und Leonardo die Puzzlestücke aus Indizien und Vermutungen zusammenfügt.
Gelegentlich arbeiten die Entwickler mit interessanten Perspektivwechseln.
Die Geschichte ist spannend, weil die wenigen Charaktere samt und sonders verdächtig sind, weil Dialoge von erstklassigen Sprechern intoniert werden. Und weil der düstere Krimi bis zum Schluss auf einer erzählerischen Geraden bleibt, ohne sich in abstrusem Fantasy-Kitsch zu verirren. Auch atmosphärisch ist das Spiel dank guter Comic-Grafik und wundervoll dramatischem Orchester-Soundtrack ein echter Gewinn fürs Genre.
Bugs lassen sich patchen, spielerische Mängel jedoch nur schwer - und solche gibt es in The Abbey. Einige Hotspots sind etwa so gut versteckt, dass man sie mit bloßem Auge kaum wahrzunehmen vermag. Das wäre kein Problem, gäbe es eine Hotspot anzeige, wie sie im Genre schon lange üblich ist. Nun, es gibt sie nicht und so sucht man nicht selten bis zur letzten Verzweiflungstat: der Komplettlösung.
Wo geht es hier zum Hospital? Liegt die Schmiede weiter links? Ohne die Ingame-Karte findet man sich kaum zurecht.
Dies geht mit der schlechten Hilfestellung des Spiels einher: Das Tagebuch setzt einem nur lange Texteinträge vor, die mühsam durchgeklickt werden müssen - wenig nützlich. Leonardo selbst kommentiert viele Aktionen schlicht mit "Das geht nicht", anstatt dem Spieler einen Tipp zu geben. Und dann sind da noch Rätsel, auf deren Lösung niemand kommt, der nicht stur die Hotspots abklappert: Die Entwickler fordern dem Spieler unlogische Denkweisen ab, was den Spielspaß kräftig dämpft. Da nervt es auch, dass sich die wenigen Locations mehrmals im Spielverlauf ändern und dabei scheinbar wahllos mit neuen Hotspots bestückt werden. Ohne bitter nötige Hilfestellung ist man da schnell verloren - und die wird man so schnell wohl durch keinen Patch bekommen.

Ich würde mir diese Objektivität manchmal bei anderen TopTiteln auch wünschen (siehe Crysis ;)).
The Abbey lag in schöner Pappschachtel mitten unter den "Top-Spielen" zusammen mit Mass Effect, Crysis und Co während Edna überhaupt nicht zu finden war :-S .