Schon seit 15 Jahren wuseln sie über die heimischen Bildschirme, bauen Häusle im Miniformat, fällen Bäume, die nicht größer sind als eine Fingerkuppe:
Die Siedler. Die Geburtsstunde datiert sich auf das Jahr 1993, das erste Spiel erschien für den Amiga. Volker Wertich - der geistige Vater tausender Fischer, Holzfäller und Jäger. Mittlerweile zählt die Serie sechs Teile (ein siebter steht schon in den Startlöchern), elf Erweiterungen und zwei Remakes -
die Siedler ist die längste deutsche Spielreihe. Wir rollen die Geschichte auf und beleuchten die Entwicklung der kleinen Wuselmänner. Heute von
Die Siedler: Das Erbe der Könige bis
Die Siedler: Aufbruch der Kulturen (
die Entwicklung der Serie von Teil 1 bis 4 lesen Sie hier).

Die Siedler: Das Erbe der Könige
Die Siedler: Das Erbe der Könige Ein Wind of Change weht durch die
Siedler-Reihe: es wechselt nicht nur der Publisher (Ubisoft), sondern auch das Spielprinzip. Die Siedler werden strategisch, bauen keine Produktionsketten, sondern Kanonen, bringen sie in Stellung, führen Kriege. Sie wuseln nicht mehr, sie leben, kämpfen und expandieren. Aus Aufbau-Strategie wurde Echtzeit-Strategie - kein Wunder, dass die 5 hinter dem Titel fehlt. Warum sich Blue Byte neu orientierte, verrät Benedikt Grindel, der seit
Die Siedler 4 dem Entwicklerteam angehört: "Das war ein sehr langer Prozess. Als wir mit
Die Siedler 5 anfingen, haben wir uns ganz intensiv mit der Marke auseinandergesetzt. Zu dem Zeitpunkt war die Serie nur in Deutschland richtig erfolgreich und wir haben uns gefragt, wie wir das ändern können, wie wir Interface und Einstieg überarbeiten, wie wir eine gute Geschichte erzählen. Daraus entstand dann
Die Siedler 5."
In technischer Hinsicht hat sich viel getan:
Die Siedler: Das Erbe der Könige besticht durch komplette Dreidimensionalität, DirectX-9-Unterstützung und bildhübsche Grafik, die zum gegebenen Zeitpunkt kaum detaillierter hätte sein können. Ebenfalls neu: Die Kamera war nicht nur frei zoom-, sondern auch drehbar. Spielerisch sorgt ein Technologiebaum für etwas Tiefgang, Regen, Schnee und Sonnenschein nehmen Einfluss auf die Spielwelt, taktische Elemente, wie man sie bei den Siedlern bis dato noch nicht gesehen hat. Aber ins größte Staunen versetzt ein optischer Aspekt: Die Siedler selbst, einst putzige, kleine Winzlinge, man hätte sie am liebsten geknuddelt, sind erwachsen geworden, nicht mehr so überzeichnet. Auch die Gebäude haben den Charme des Comic-Looks abgelegt - kunterbunt war gestern, realistisch-trist ist heute.
Aber war der Wechsel eine gute Idee? Die Entscheidung darüber ist nicht einfach -
Die Siedler: Das Erbe der Könige ist ein gutes Spiel (85% in in Ausgabe 01/05). Anhänger der
Siedler-Reihe waren trotzdem enttäuscht, denn kaum typische Elemente haben es in den fünften Teil geschafft. Auf der anderen Seite ist die Konkurrenz im Echtzeit-Strategie-Genre übermächtig:
Spellforce und
Der Herr der Ringe: Die Schlacht um Mittelerde übertrumpfen die Siedler deutlich. Nichtsdestotrotz sprechen die Verkaufszahlen für die Neuorientierung: "Die Umstellungen im Grafikstil und Spielprinzip sind vom Kunden vollauf angenommen worden. Der aktuelle Erfolg zeigt sich Woche für Woche in stabilen Abverkaufszahlen. Damit wird der Mut, den unsere Entwickler zur Auffrischung der Serie hatten, belohnt", so Ralf Wirsing von Ubisoft Deutschland kurz nach der Veröffentlichung des Spiels.
Kein Wunder, dass Ubisoft zwei Add-ons in Auftrag gab: Sowohl Nebelreich (85% in Ausgabe in Ausgabe 05/05), als auch Legenden (78% in Ausgabe 10/05) erschienen noch im selben Jahr. Während ersteres mit einer neuen Kampagne und einem Editor daherkam, dümpelte Legenden lieblos nebenher. Es fehlten neue Missionen, Gebäude, Technologien und all das, was man sonst noch von einem Add-on erwarten würde.