Thomas Weiß ist The Witcher #1
Seit Dienstag diese Woche haben wir eine fingerprinted, also individuell auf uns abgestimmte DVD mit The Witcher drauf. Es dauerte zwei Tage, bis wir die Version zum Laufen bekamen. Ständig warf uns die Sicherheitsvorkehrung der Online-Aktivierung Knüppel zwischen die Beine, die Verwendbarkeit der CD-Keys reduzierte sich bei jedem Versuch, irgendwann mussten wir neue anfordern, alle alten waren verbraucht, umsonst. Es war, wie Stefan so schön sagte, verhext.
Daraufhin nahm ich mir die Version mit nach Hause, wo die Online-Aktivierung keinerlei Schwierigkeiten bereitete - seit vorgestern Abend darf ich The Witcher spielen, auf einem mittelmäßigen Rechner zwar, aber immerhin.
Die Version war ursprünglich zum Test gedacht, allerdings ließ uns Atari regelmäßig eine Liste mit "known issues" zukommen, Problemen also, von denen die Programmierer wissen und daran feilen. Jene Liste wurde schließlich so lang, dass wir uns dazu entschlossen, vorerst auf eine finale Wertung zu verzichten; zu unfertig wäre die aktuelle Fassung als dass sie uns ein deutliches Bild von der Qualität des Spiels geben könne.
Uns ist bekannt, dass Rollenspieler derzeit eine Art selektive Wahrnehmung haben: Jeder Bug, jede Ungereimtheit springt ins Auge und erinnert dran, welchen Ärger das so sehr erwartete und so sehr enttäuschende Gothic 3 erzeugte.
Lassen Sie mich im ersten Teil dieses Tagebuchs auf ausschweifende Beschreibungen verzichten und rasch zur Sache kommen: Mir gefällt das Spiel. Es ist außerordentlich atmosphärisch, sieht gut aus, enthält fantasievolle Quests mit ungeahnten Ausgängen. Und zum rollenspieltypischen Sammeln von Erfahrungspunkte und Levelaufstiegen sei gesagt: beides große Spaßfaktoren.
Ich war angetan vom Prolog, der damit beginnt, dass der Hexer in einer Burg mit seinen Freunden den Angriff eines Bösewichts namens Professor abwehren muss: Lässig schlendernd, mit aller Seelenruhe tritt ein bebrillter Fiesling auf den Plan, hinter ihm ein Monster, so groß wie ein Kleinbus. Der Anfang ist ungewöhnlich stark mit Action und Skripts und coolen Kameraschwenks bei Zwischensequenzen versetzt; dabei rechnete ich mit einem lahmen Tutorial, wie woanders gang und gäbe. Ich wurde positiv überrascht.
Aus der exzellent abgestimmten Mittelalter- und Fantasy-Stimmung reißt einen nur die Sprachausgabe regelmäßig heraus; manche deutsche Sprecher lernen noch, wie man richtig betont. Laut Atari wird die Sprachausgabe weiter optimiert; was genau damit gemeint ist, bringen wir für Sie in Erfahrung.
Dass ich gleich anfangs über einen Bug stolperte, will ich nicht verschweigen. Meine Magierfreunde räumten einen Berg Schutt aus dem Weg, um ins Innere der Burg vorzudringen. Ich nahm das zum Anlass für eine Zwischenspeicherung; dann musste ich das Spiel kurz beenden. Als ich es wieder geladen hatte, war der eben freigesprengte Pfad erneut verschüttet, ich dahinter, abgesperrt. Geschätzte 15 Minuten rannte ich im Vorhof der Burg umher, ständig überlegend, ob ich irgendwas übersehen, vergessen, missverstanden hatte. Da war nichts. Ich startete das Spiel also komplett neu und verzichtet auf einen Ladevorgang nach besagter Sequenz: Siehe da, es ging einwandfrei weiter.
Die darauf folgende Action hat mir gut gefallen: Zuschlagen, wenn der Mauscursor sich in eine flammende Klinge verwandelt, schon wirbelt der Hexer sein Schwert in ausschweifenden Komboattacken durch die Gegner. Ich übertreibe nicht, wen ich die Gefechte als Metzelei beschreibe: Da wird so heftig geprügelt, so stark geblutet und durch die Luft geschleudert, dass es eine wahre Freude ist - und nein, im wirklichen Leben quäle ich keine kleinen Tiere.
Wer meine Tests kennt, der weiß, dass ich an Spiele hohe Ansprüche stelle und Ungereimtheiten hart bestrafe. Auch der Hexer kriegt keine Sonderbehandlung mit Samthandschuhen. Und trotzdem: Ich bin wahrlich angetan, und das TROTZ Bugs, TROTZ ewig währender Ladezeiten und TROTZ Sprachausgaben-Irritationen - The Witcher ist ein gutes Spiel.
Ich melde mich morgen wieder mit weiteren Eindrücken. Anbei Screenshots, die einiges aus den beschriebenen Anfangsszenen zeigen.
Schönes Wochenende,
Hey, wißt ihr, ob es Möglich sein wird (das spiel ist ja multilingual) die englische Sprachausgabe mit Deutschen Untertitel zu spielen?
mich würde interessieren ob du schon ungefähr sagen kannst welche wertungsregionen the witcher erreichen wird (70ger 80ger oder hat es sogar das zeug zu ner 90ger?)
möchte es bestellen und nicht wieder so nen dummen fehler wie mit gothic3 machen
wenn man sich auf die PCG verlässt, ist man bei einem ehrlichen Test leider verlassen
Auch von mir schönen Dank für dieses preview. Das mit der miesen Sprachausgabe ist zwar etwas ernüchternd (da würde ich lieber eine etwas schlechtere Grafik in Kauf nehmen) aber abgesehen davon sind die Ersteindrücke recht vielversprechend.
die englische sprachausgabe existiert gute 2 monate länger als die deutsche, von daher besteht zumindest theoretisch die möglichkeit, dass auf eventuelles feedback reagiert wurde
2 monate sind ja lang genug, um ein paar sachen neu aufzunehmen