Sind PC-Spiele Arbeit?
Die Frage ist keine Frage, richtet man sie an einen Redakteur der PC Games. Spielen gehört zum Tagesgeschäft. Spiele einzuschätzen und zu bewerten ebenfalls. Doch wie sieht es eigentlich im Privatleben aus? Nehmen wir hierzu ein praktisches Beispiel: Mich. Da ich so gut wie jeden Tag nur am Arbeits-PC sitze, News tippe und nur noch wenig für's Heft arbeite, bleibt mir nur die Flucht ins private Spielvergnügen. Werfe ich dazu einen Blick ins Regal, greife ich zumeist nach einem Spiel für die Xbox 360. Warum? Ein Xbox-Spiel lege ich ein, verkrieche mich auf die Couch und zücke das kabellose Gamepad. Ich spiele, um zu entspannen.
Doch gibt es Tage, Sonntage sind dafür prädestiniert, an denen ich mich vor den PC hocke, mir eine Cola und ein Sandwich zubereite und mich in den heißen Kalten Krieg in World in Conflict stürze. Das sind Tage, an denen ich arbeiten will, mir Taktiken und Strategien überlege, um den virtuellen Feind zurück zu drängen. PC-Titel sind zumeist fordernder, regen das Hirn an und verlangen Konzentration. So kommt es mir jedenfalls vor. Es gibt Titel, die ich nur auf dem PC und ausschließlich auf der Konsole spielen würde. Ein World in Conflict, ein Command & Conquer 3 oder ein Two Worlds haben auf einer Konsole nichts verloren. Stupides Geballer, einfache Rennspiele und Casual-Games wie Guitar Hero - alle Titel, die keine Einarbeitungszeit benötigen - zocke ich lieber auf der 360.
Bin ich ein Einzelfall? Kommt nur mir es so vor, dass reine PC-Titel immer mehr zu Arbeit werden, mehr von dem Spieler fordern? Doch werfe ich einen Blick zurück, auf die Anfänge der Spielkultur, wird mir klar, dass man früher noch weitaus mehr von Spielen gefordert wurde. Man denke an hochkomplexe Rollenspiele wie Wizardry, insbesondere den vierten Teil namens Return of Werdna. Würde mir heute ein solcher Titel vorgesetzt, ich würde ihn mit Nichtbeachten strafen. Zu komplex, zu schwer, zu anstrengend. Ist es heute also Kritik auf hohem Niveau? Oder sind es gar die Spielekonsolen, die den Eindruck erwecken, PC-Spiele seien komplexer, vielleicht schon zu komplex. Oder ist es das heutige Verständnis des Mediums Spiel? War es früher noch eine Sache Weniger, gehört es heute zur Allgemeinkultur. Spiele erobern mehr und mehr das Familienhaus, Spiele sind über die Zeit Massenkompatibel geworden und rücken daher auch immer mehr ins Interesse der Politik. Stichwort: Killerspiele.
Gewöhnt man sich also zusehends an simple Titel wie Boogie (Wii), Buzz! (PS 2) oder Rayman Raving Rabbids (Wii) und schließt aus der Gewohnheit das für sich selbst geltende Faktum der Komplexität heutiger PC-Spiele?

Wir reden ja von Arbeit. Je nach Fortlauf des Spieles muss man ab 12 bis hin zu 21 Trooper "betreuen". Aus einer Auswahl von 35 Troopern stellt man sich zu Begin 12 zusammen, schaut von jedem einzelnen die Werte durch, liesst die Info's zu den Feinden im Einsatzgebiet und rüstet dann jeden einzeln mit Waffen und Zubehör (Zielsystem, Fernglas, Heilmittel usw.) aus. Das nimmt schon Zeit in Anspruch.
Jetzt startet man den Einsatz und schaut was sich da abspielt, folgt dem Auftrag und bekommt evtl. während der Mission neue Ziele zugewiesen. Das ganze hört sich jetzt ziemlich normal an. Der Kasus Knacktus ist aber, man darf nur nach dem Einsatz speichern. Schlägt der Einsatz fehl weil die Truppe bzw. der Truppführer stirbt, kann man neu starten, das aber auch nur 3 mal. Scheitert man ein viertes mal, fangen wir wieder oben bei der Auswahl der 12 Leute an....
Also geht man behutsam vor um auch durchzukommen, zumal der RPG Anteil die Trooper auch aufsteigen lässt und man keinen verlieren möchte. Hab da so manche Mission neu angefangen weil mir 3-4 Leute hops gegangen sind :D Vorher soll man auch vorher wissen das plötzlich neben der Truppe ein Bugloch aufgeht oder ein riesen Tank-Bug aus dem Boden gekrochen kommt *g*
Aber man läßt sich auf die "Arbeit" auch nur ein, weil das Spiel richtig Fun macht und die Filmatmosphäre gut rüber bringt, ohne das man den Film unbedingt "nachspielt".
Diese "Arbeit" gibt es heutztage nicht mehr weil jedes Spiel, sei es auch nur mit Savepoints, ein Speichersystem während des spielens hat. Demnach müssten die Redakteure heutzutage von Spaß reden und nicht von Arbeit ;)
1. Zum einen entsteht Spaß durch das Wesen und das Gameplay des Spieles selbst. Darunter fällt intuitive Bedienung, Freiheit, Stimmigkeit und Atmosphäre, Grafikpracht, Action und Spannung.
2. Ein weiterer Reiz des Spieles ist es eine gewisse Macht und Verantwortung zu besitzen bzw. zu übernehmen, zu planen, kreativ zu sein, zu optimieren, zu verwalten und zu sammeln.
3. Und dann gibt es da nach die Freude ein Ziel zu verfolgen und eine Herausforderung zu meistern; garniert mit Problemen, einer guten KI und hoher Komplexität.
Da diese Spielspaßelemente je nach Genre und persönlicher Erwartung anders sind, ist es schwer möglich diese objektiv zu bewerten zu zu vergleichen. Ob es sich nun um ein hochkomplexes, schweres Rollen- oder Strategiespiel handelt oder ein Konsolen-Fun-Racer, sagt nichts über den Spielspaß aus.
Und scheinbar hat wohl der Mittelweg am meisten Erfolg. Frei nach Blizzards Motto: "Einfach zu lernen, schwer zu meistern!"
Am liebsten wären wohl den meisten Spielern nicht nur Schwierigkeitsgrade sondern auch gewisse Komplexitätsstufen (je nach Spiel) - gerade bei Rollenspielen, Wirtschaftssimulationen und Strategiespielen.
Vor allem bei Rollenspielen finde ich die Entwicklung der letzten Jahre sehr schade. Weg vom Mikromanagement, ausführlichen Charakterwerten, innerer Stimmigkeit, komplexen, entscheidungsrelvanten Stories, rundenbasierten, taktischen Kämpfen, stimmungsvollen Details und Gimmiks hin zur Vereinfachung. Kämpfe stehen im Mittelpunkt, mit viel Action, Equipment-Sammelwut und Klick- und Heiltrankorgien.
Der Diablo- und Nach-Diablo-Generation mag dies ja gefallen, aber es gibt immer noch die besagten Wizardry-Spieler, die sich wieder mehr Komplexität wünschen.
Wieso? Weil gerade auch PC-Titel immer mehr dazu neigen möglichst anspruchslos zu werden, und das schlimmste dabei: die Spiele-Tester/Redakteure forcieren das auch noch mit entsprechenden Wertungen. Beispiele gibt es genug. Ein Europa Universalis zB ist sicherlich nicht leicht zugänglich, aber setzt man sich damit auseinander (und sieht man auch mal über die nicht mehr ganz zeitgemässe Grafik hinweg) so stellt es für wahre Strategen geradezu ein El Dorado da. Die Wertung war aber eher unterirdisch.
Ebenso Supreme Commander - imo eines der ganz wenigen Echtzeitstrategie-Spiele, die diesen Namen überhaupt verdient haben! Denn Strategie ist hier gefragt wie in keinem anderen Konkurrenztitel, vor allem kommt es hier nicht auf die schnellsten Mausklicks an.
Und was ist? Der Titel hat es mit seinen mickrigen 77% nichtmals in den berühmt berüchtigten PCGames-Einkaufsführer geschafft. Dafür stehen aber so einfältige Dinger wie SuM2 ganz oben
Auch so "Hirn aus und losballer" Spiele wie Doom3 kommen ja gut an. Von Kritik über den simplen Spielablauf keine Spur.
Aber vielleicht trifft man damit ja doch eher den gegenwärtigen Geschmack der Spieler. Als neulich die Jericho-Demo erschien haben sich doch tatsächlich mehrere Leute über diese Sequenz beschwert bei der man ziemlich zügig eingeblendete Tasten drücken muss. Einerseits kann ich die Kritik nachvollziehen, anderereits sind doch gerade solche Elemente, die Schnelligkeit, Geschicklichkeit und Reaktionsvermögen erforden genau das was Computerspiele ausmachen, oder zumindest einst ausmachten. Früher als nur das Gameplay zählte und nicht irgendwelche Grafik-Spielereien.
Eine spielerische Herausforderung, die auch ruhig mal etwas schwieriger sein darf.
Will ich mich NUR entspannen und von etwas berieseln lassen, dann hau ich lieber ne DVD rein oder lese ein Buch. Wenn ich ein Spiel spiele dann will ich aber auch ein gewisses Mass an Herausforderung, und je mehr dabei auch der Hirnschmalz gefordert wird, desto besser. ;-)
Also ich weiss nicht, ob es wirklich einen Unterschied zwischen PC- und Konsolen-Spielen gibt, meiner Meinung nach sind beide Kategorien etwas seicht geworden....
Nun zu Deiner Frage: GEISTIG anspruchsvoll sind für mich (wie schon in meinem vorigen Beitrag erwähnt) vor allem Adventures (nicht Action-Adventures) sowie komplexere Rollenspiele. Erstere, weil sie eine Art Gehirntraining sind, letztere, weil sie den Spieler über die eigenen Entscheidungen reflektieren lassen. Nichtlineare Rollenspiele nun gab es bis vor kurzem auf Konsolen gar nicht (Bugs konnten ja nicht ausgemerzt werden), erst jetzt öffnet sich der Markt (s. "Oblivion").
Schließlich haben ja die Konsolen ihre Arcade-Wurzeln, weshalb vor allem die Geschicklichkeit eine große Rolle spielte und spielt. Diese Spiele sind deshalb meist eher anspruchsvoll in betreff Fingerfertigkeit (eben die nahezu konsolenexklusiven Jump'n'Runs und Beat 'em Ups). Beides (geistiges und Geschicklichkeit) zusammen geht aber schwer, was auch gar nicht schlimm ist. Ich habe nirgendwo gesagt, dass ich Konsolenspiele deshab nicht mag, im Gegenteil, die Mischung macht's. Nur fehlen mir mittlerweile eben die intelligenteren Spiele (vor allem auf dem PC!), weshalb ich etwas enttäuscht bin. Das als Angriff in Richtung Konsole zu werten, halte ich für seltsam.
Bei der Entwicklung von Multiplattformtiteln landet man also automatisch auf dem kleinsten gemeinsamsten Nenner, d.h. auch geistiger Anspruchslosigkeit
Mir geht es aber nun um den Inhalt der Spiele, und da ist bei fast allen aktuellen Spielen nix los. Nur Oblivion bietet ein wenig Anspruch, aber seid nicht böse, auch dieses hochgelobte Teil will nicht so recht anlaufen, zu beliebig zufallsgeneriert wirkt alles, zu steril. Da wirken die eigenen Entscheidungen, die man mit dem Charakter trifft, mit einem Mal völlig egal und unwichtig. Wozu noch den Kopf benutzen?
Was ich mit meiner Kritik an Multiplattformtiteln nun aber grundsätzlich meinte: Sie sind auf die größtmögliche Zielgruppe programmiert (allein schon die Programmierung für viele Plattformen zeigt das) und das geht fast immer auf Kosten eines etwas komplexeren Inhalts. Stattdessen wird glattgebügelt. Statt Film Noir à la Max Payne gibt's das platte Stranglehold, auch das in seiner Gedankenwelt ziemlich intelligente Biosock macht mir zu viele Geständnisse an die Gelegenheitsspieler, sodass die zu Beginn noch vielschichtige Story am Ende immer platter gerät.
Insgesamt finde ich eine Mischung geistig und technisch anspruchsvoller Spiele ideal; erstere findet man leider immer seltener.
Zum Kernthema, der Intelligenz in Spielen: Nur zur Klarstellung meine ich damit nicht, dass man ewig grübelnd vor dem PC oder Konsole hocken muss. Schon Innovation im Gameplay (damit meine ich NICHT die Exosuit in Crysis, mit der man dann - Innovation, Innovation - höher springen kann etc.), die neue Spielweisen verlangen, fordern das Gehirn. Auch eine Geschichte, die einen mit einer interessanten Gedankenwelt konfrontiert (da kann Bioshock durchaus punkten, das großartige Eternal Darkness sei nicht unerwähnt, für den PC wären da Day of the Tentacle & co., Gothic, System Shock, aktuell Stalker usw.), löst Reflektion aus und fordert gewissermaßen. Vom Spiel gefordert zu werden (nicht nur in puncto Geschicklichkeit), nicht alles auf dem Silbertablett serviert bekommen, die kluge Spielmechanik zu entdecken, Entscheidungen zu treffen, das ist großartig.
Sehr gute Diskussion.
Mir ist auch schon vor geraumer Zeit das Gefühl gekommen, dass die Spiele immer einfacher zu werden scheinen. Den Beweis dafür hat nun- so finde ich- Tomb Raider Anniversary geliefert. Da ich den ersten Teil damal kaum gespielt habe, war/ ist in Anniversary für mich alles neu. Im direkten Vergleich zu Legend muss ich sagen ist der neue alte Teil um einiges schwerer, obwohl er von der Steuerung gleich ist.
Ähnlich verhält es sich mit der Burnout Reihe auf der PS2, dort hab ich auch alle Teile (bis auf Dominator) durchgespielt und hab vor kurzen mal wieder den ersten eingeworfen. Ich hab nicht mal eine Runde geschafft, weil vorher der Timer für den nächsten Checkpoint abgelaufen ist. :-o