Geschäftig eilen Zwerge, beladen mit Pulverfässern, in einer großen Halle hin und her. "Los, beeilt euch!", bellt einer der kriegerisch dreinblickenden Langbärte. Noch während wir die Szene begutachten, keucht eine atemlose, schlappohrige Kreatur namens Vekk heran. "Es ist zu spät, die Zerstörer haben schon das Kontrollzentrum überrannt!" Den Kopf voller Fragen stürzen wir uns mit unserer Heldengruppe durch das nächstgelegene Portal und betreten das Gebiet der fernen Zittergipfel - willkommen im Abenteuerland von
Eye of the North.
Falls Sie von
Guild Wars noch nichts gehört haben, lesen Sie bitte zuerst den Extrakasten "Die heilige Dreifaltigkeit" (rechts oben). Fans der erfolgreichen Online-Rollenspielserie schmökern gleich weiter: Der Story-Auftakt gestaltet sich spannend. Eine neue Macht (die Zerstörer) zieht durch Tyria, dem Kontinent der Prophecies-Kampagne, und bedroht sowohl die skandinavisch anmutenden Norn als auch das Volk der fremdartigen Asura. So führen die Entwickler gleich zu Beginn des Spiels die neuen NPC-Rassen ein. Im Vergleich zur Nightfall-Kampagne hat sich die Qualität der Zwischensequenzen weiter verbessert. Wo vorher stocksteife NPCs standen, agieren nun hübsch animierte Figuren und tragen zu deutlich mehr Dramaturgie bei.
Ärgerlich nur, dass man bei Spielbeginn nicht an allen Reisepunkten erfährt, wo es in den Norden geht. Besitzer des ersten
Guild Wars (
Prophecies) gelangen zum Beispiel in Löwenstein an die Überführungsquest zu den neuen Gebieten. Im Verlauf der packenden Kampagne schalten Sie an spärlich gesäten Reisepunkten neue Helden (insgesamt zehn) und Fertigkeiten (insgesamt 150) frei, was motiviert.
Weniger anspornend sind die mitunter elend lang geratenen Laufwege in den neuen Gebieten. Es gibt in gewohnter Weise massig cool designte Monster, trotzdem stellt sich nach einigen Stunden ein gewisser Ermüdungseffekt ein. Vor allem dann, wenn Sie versuchen, allein mit NPCs loszuziehen.
Eye of the North richtet sich klar an erfahrene Spieler(gruppen), die aufeinander abgestimmt und perfekt geskillt sind. Das ist bitter nötig, denn die Gegner (oft auf Stufe 28) patrouillieren in größeren Gruppen. Dies gilt erst recht, wenn Sie einen der 18 frisch installierten Dungeons betreten, die mit knackig schweren Widersachern und reichlich Beute bestückt sind.