Test zu Bioshock: Der unbequemste Ego-Shooter des Jahres

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Test zu Bioshock: Der unbequemste Ego-Shooter des Jahres
Quelle: 2k Games

Bioshock im Test: Der unbequemste Ego-Shooter dieses Jahres ist gleichzeitig der beste bislang, grafisch wie spielerisch.

Bioshock weicht der Shooter-Norm mutig aus, und wenn Sie sich zur Unterwasser-Thematik im 50er-Jahrestil nicht hingezogen fühlen, so sollten Sie dem Spiel trotzdem eine Chance geben. Beim Antesten erledigt sich das Problem der Ungewöhnlichkeit nämlich von selbst. Bioshock packt, saugt ein, schüttelt durch und spuckt wieder aus, Widerstand zwecklos. Es gehört zum Besten, was die Industrie in den vergangenen Jahren hervorgebracht hat. Mit einer Spannungskurve so konstant hoch, dass man am liebsten zwanzig Stunden dranbleiben möchte. Bis es zum persönlichen Bioshock kommt, dem Kreislaufkollaps.

Der Atmosphäre gebührt das größte Lob. Grafik, Sound und Spielablauf führen eine Symbiose, wie man sie zuletzt in Half-Life 2 erlebt hat. Dort war die Stimmung eines Überwachungsstaates allgegenwärtig, hier ist es die einer zerbrochenen Gesellschaft und geplatzter Träume. Die Droge Adam sollte Auserwählte schöner, stärker und intelligenter machen, würdig des Wohnens in Rapture, der Unterwasserstadt für Besserwissende und -verdienende. Hätten die Forscher bloß den pharmazeutischen Grundsatz "Keine Wirkung ohne Nebenwirkung" beachtet. Denn nicht nur wurden die Bewohner aufgeputscht, auch dem Wahnsinn fielen sie anheim.

Seitdem liegt Rapture geisterhaft leer auf dem Meeresgrund, bewohnt von einigen übrig gebliebenen Verrückten, die die Anwesenheit anderer in einen Blutrausch versetzt. Sie sind ein solcher Anderer, zum Aufenthalt gezwungen nach einem Flugzeugabsturz irgendwo im Nirgendwo.

Bioshock (jetzt kaufen 44,24 € / 17,99 € ) verarbeitet dieses Thema mit Gespür für Dramatik, was bemerkenswert ist, bedenkt man, dass schlichte Tonbandaufzeichnungen die Geschichte zu tragen vermögen. Personen tauchen selten auf, und wenn, dann meistens als Silhouetten.

Rapture-Erbauer und Bösewicht Andrew Ryan ist lange Zeit über Lautsprecher zu hören. Er spricht zum Spieler wie einst Shodan, der Supercomputer in System Shock. Seine Worte sind sorgfältig gewählt und zeugen von rhetorischer Raffinesse. Das erzeugt das Gefühl, einen Intellektuellen zum Gegner zu haben, einen unberechenbaren, von Größenwahn getriebenen Psychotiker, dessen Sicherungen zwar durchgebrannt sind, der aber immer noch genug Grips hat, damit Ihr Leben zur Hölle wird.

Atlas ist Ihre Verbindung zur Normalität. Über Funk hilft er mit Tipps und weist den Weg. Es scheint, als wäre Atlas der einzige Freund unter einer Horde Gemeingefährlicher. Man sehnt sich nach seinem Kontakt, möchte ihm gern die Hand schütteln und mitteilen, wie froh man doch ist, nicht allein zu sein in dieser feindseligen Welt. Doch Bioshock zelebriert die Abwesenheit physischer Nähe und treibt den Spieler genussvoll in die Isolation.

Jeder gegen jeden - Alle sind aufs Adam scharf, das die kleinen Mädels (vorn von Rauch umweht) in sich tragen. Deswegen entbrennt auch gelegentlich ein Kampf zwischen Ihre Feinden. Quelle: 2k Games Jeder gegen jeden - Alle sind aufs Adam scharf, das die kleinen Mädels (vorn von Rauch umweht) in sich tragen. Deswegen entbrennt auch gelegentlich ein Kampf zwischen Ihre Feinden. Einmal agiert Atlas ein paar Meter entfernt, abgeschottet von einem Panzerglas, durch das Sie Tragisches mitbekommen - Ihre Hilflosigkeit ist der Kraftstoff, über den die Atmosphäre funktioniert. Solche Szenen gibt es häufig, sie machen den Shooter schwer konsumierbar für jene, die sich leicht runterziehen lassen. Bioshock ist wie der Verkehrsunfall, zu den man den Kopf nur widerwillig dreht. Sehen will man nichts, aber eine morbide Neugierde verbietet das Wegschauen.

Der Reiz weiterzuspielen entsteht auch aus Kontrasten heraus. Da sind, zum einen, die Umgebung und ihre wunderschöne Dekoration. Die Räume ähneln gestalterisch denen von Hotels oder Themenparks, überbordend in Detailreichtum und Schnörkel, von Äußerlichkeiten zur guten Laune geprügelt. So wurden Automaten mit Clownsgesichtern verziert, die blinken und lachen, wenn man sich ihnen nähert: "Ha, ha, ha, willkommen im Zirkus der Werte", heißt es da quälend gestelzt, als befände man sich auf einer misslungenen Kirmes. Überall finden sich Zeichnungen, die Menschen mit übertrieben zufriedenen Gesichtern zeigen. Alles erscheint so aufgebauscht fröhlich, dass man nicht umhin kommt, die Verschwörung zu vermuten. Und pausenlos befällt einen eine namenlose Ahnung, eine Art dunkles Vorgefühl, das der Katastrophe vorausgeht. Dadurch haftet Bioshock etwas Unangenehmes, aber gleichzeitig Spannendes an.

Test zu Bioshock: Der unbequemste Ego-Shooter des Jahres (1) Quelle: 2K Games Test zu Bioshock: Der unbequemste Ego-Shooter des Jahres (1) Dann sind da, zum anderen, die Mordlustigen. Schon von Weiten kündigen sie sich an; manchmal hallt ein irres Gekicher durch die Gänge, manchmal ein verzweifelter Monolog, den zu erschließen unmöglich ist, weil er dem Hirn von Psychopathen entspringt. Auch ihr Aussehen ist entstellt. Doch darf man nicht den Fehler begehen und motorische Defizite erwarten, denn das Gegenteil ist der Fall. In Bioshock kriegen Sie es mit genetisch veränderten Athleten zu tun. Die springen, sprinten, schlagen Saltos und hauen ab, wenn ihre Lebensenergie zu Neige geht. Auf dem empfehlenswerten mittleren Schwierigkeitsgrad fordern die Kämpfe mehr, als man vom Genre gewöhnt ist.

Dunkles Vergnügen - Sadist Sander Cohen hat den Temperatur-Regler in den Minusbereich gedreht, was zur Spontan-Erfrierung der Anwesenden führte: In Fort Frolic ist alles Leben abgestorben. Quelle: 2k Games Dunkles Vergnügen - Sadist Sander Cohen hat den Temperatur-Regler in den Minusbereich gedreht, was zur Spontan-Erfrierung der Anwesenden führte: In Fort Frolic ist alles Leben abgestorben. Erschwerend hinzu kommt die Knappheit von Munition und Eve, das in anderen Spielen Mana hieße, weil man es zum Einsatz von Fähigkeiten braucht. Der Mangel an Patronen gibt Bioshock einen Hauch von Survival (das Wort bezeichnet im Jargon das konstant knappe Vorbeischrammen am Bildschirmtod): Man muss sich anstrengen, haushalten, kategorisch Gebiete durchsuchen in der Hoffnung, Futter fürs Magazin aufzutreiben. Jeder Raum ist vollbepackt mit Schubladen, Schränken, Containern, Regalen, Mülleimern, Kisten. Alles lässt sich anklicken, und fast überall findet sich Gegenstände, auch wertlose. Whisky zum Beispiel lohnt nicht, er saugt Energie ab. Außer Sie haben die Fähigkeit "Trinker" erworben, dann bewirkt Alkohol ein leichtes Anwachsen der Health-Anzeige.

Dass man über alle 20 Spielstunden verteilt Fähigkeiten lernt und vorhandene ausbaut, bewahrt die Motivation vor Einbrüchen und sorgt gelegentlich sogar für einen Schub.
Am deutlichsten wird das, sobald Sie die Fotokamera bekommen und Bilder knipsen können. Jedes Motiv bringt Ihnen Punkte ein, die sich nach einer bestimmten Menge in neue Fähigkeiten wandeln. Sie werden sich dabei ertappen, die Gegner in bestmöglicher Pose ablichten zu wollen, denn dann winken Boni, darunter Banales wie zusätzlicher Schaden, aber auch Interessantes: So kriegt, wer fleißig Fotos der Little-Sister-Mädchen anfertigt, irgendwann mehr Adam gutgeschrieben.

Test zu Bioshock: Der unbequemste Ego-Shooter des Jahres (2) Quelle: 2k Games Test zu Bioshock: Der unbequemste Ego-Shooter des Jahres (2) Adam lässt sich an Automaten gegen zusätzliche Slots und Stärke-Upgrades eintauschen, es ist unverzichtbar fürs Vorankommen. Zuzuschauen, wie die Figur eine Entwicklung zum Superheld durchmacht, bereitet enorme Freude.
Trotzdem ist Bioshock in erster Linie ein Action- und kein Rollenspiel; aber eines, das sich der Abwechslung und dem Erhalt des Spaßes jenseits der 10-Stunden-Grenze verschrieben hat.

Den Little Sisters und Big Daddys fällt eine Schlüsselrolle zu. Die Erstgenannten sind Mädchen von geschätzten fünf Jahren, die Zweiten wuchtige Roboter, fungierend als Bodyguard. Um ans Adam der Little Sisters zu gelangen, müssen Sie die Big Daddys ausschalten - ein Unterfangen, das blaue Flecken nach sich zieht. Die Gefechte sind anfangs überraschend anspruchsvoll, regelmäßig sollten Sie die Umgebung in Ihre Taktik miteinbeziehen. Vorteile bieten etwa Geschütztürme, die nach einem erfolgreichen Hack-Versuch Gegner angreifen. Auch umgepolte Überwachungskameras erleichtern die Schießereien: Rückt ein Feind in ihr Sichtfeld, heult ein Alarm los, der eine Minute lang Minihelikopter mit aufmontierten Geschützen herbeiruft.

Handhabe - Die vorn herausragenden Arme sind in Shootern zwar üblich, in Bioshock aber besonders hübsch gelungen. Hier lädt der Held das Maschinengewehr nach. Quelle: 2k Games Handhabe - Die vorn herausragenden Arme sind in Shootern zwar üblich, in Bioshock aber besonders hübsch gelungen. Hier lädt der Held das Maschinengewehr nach. Je tiefer Sie in Rapture vordringen, desto leichter gestalten sich Big-Daddy-Prügeleien. Zum Ende hin wünscht man sich einen Tick mehr Variation und Herausforderung. Das ist der Preis, den Bioshock für eine vergleichsweise umfangreiche Spielzeit zahlt. Schön wäre gewesen, hätten die Entwickler für den Schluss ein paar neue KI-Kniffe eingebaut. Derlei verzeiht man hinsichtlich der restlichen Qualitäten aber locker.

Die Zwischenbosse beispielsweise - kein anderes Computerspiel lässt dermaßen kranke Persönlichkeiten auftreten. Die Auszeichnung fürs innovativste Gegner-Design geht an Sander Cohen, einem Kunstvernarrten und Musikliebhaber. Cohen führt Selbstgespräche, die ihm im richtigen Leben sofort ein Ticket in die Geschlossene einbrächten, Sicherheitsverwahrung inklusive. Wie Bioshock seine Darbietungen inszeniert, ist einzigartig.
So setzen Sie später Fuß in eine große Halle; das Licht verdunkelt sich; Vorhänge werden sichtbar; langsam senken sich Leichen in seltsamen Posen von der Decke herab, festgehalten von Fäden wie Marionetten. Der Soundtrack untermalt diese Szene mit orchestralen Tönen, die Cohen summend begleitet. Wer sich davon nicht mitreißen lässt, dessen Begeisterungsfähigkeit hat einen Knacks.

Ablenkung - Die Fähigkeit „Insektenschwarm“ schickt eine Horde Bienen auf den Feind. Der schlägt dann wild mit den Armen, um die Plage loszuwerden. Sie haben Zeit zu handeln. Quelle: 2k Games Ablenkung - Die Fähigkeit „Insektenschwarm“ schickt eine Horde Bienen auf den Feind. Der schlägt dann wild mit den Armen, um die Plage loszuwerden. Sie haben Zeit zu handeln. Der Grafik ist ständig anzumerken, mit welcher Mühe sie entstanden sein muss. Sie hat nicht nur technisch, sondern auch künstlerisch eine Menge drauf. Schon die Farbgebung verdient Respekt: In der Werkstatt von Hephaestus glimmt ein feuriges Rot, Fort Frolic transportiert mit seiner bunten Leuchtschrift das Bild von Theater und Schauspiel, Point Prometheus, das Wohnviertel, erscheint kühl und nüchtern. Der Schattenwurf kümmert sich um Grusel. Wenn Scheinwerfer leuchten und eine Kreatur ins Licht hüpft, bildet sich an Wänden ein wild tänzelndes Schwarz. Von nah jagen die Gegner-Models erst recht Angst ein: Schießt man ihnen die Maske vom Gesicht, kommt ein blutiges Gesicht zum Vorschein, zerkratzt vor Wahn und zur Fratze verzogen. Die Gestaltung birgt das Potenzial, Empfindsame bis in ihre Träume hinein zu verfolgen, so hübsch unheimlich geben sich die von Adam zerstörten Junkies. Zusammen mit der unschlagbar guten Sprachausgabe gehört die Präsentation zum Phänomenalsten, das Spieler bislang erleben durften.

Da in Deutschland eine Paranoia herrscht, was Gewalt in Spielen angeht, fühlten sich die Entwickler zu einer Entschärfung der deutschen Version von Bioshock gedrängt. Blutfontänen verhalten sich demnach sanfter, und von Flammen entstellte Körper sind optisch eine Prise zahmer. Die Zensurschere wurde so behutsam eingesetzt, dass man nicht merken würde, die gekürzte Fassung zu spielen. Hier braucht niemand auf Grauimporte auszuweichen; die Atmosphäre hat die Anpassungen ohne Stilverlust überstanden.

Meinung

Wertung zu Bioshock (PC)

Wertung:

9.0 /10
Pro & Contra
Charaktere mit ausgeprägten Persönlichkeiten, gestützt von einer aufwendigen dt. SprachausgabeEine fantastische Präsentation inszeniert ein unverbrauchtes Unterwasser-SettingReiche Auswahl an Waffen, Patronen und FähigkeitenVergleichsweise großer Umfang
Minimale Ermüdungserscheinungen zum Ende hin, weil die Spielfigur zu mächtig wird
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    • Kommentare (159)

      Zur Diskussion im Forum
      • Von proheada123 Spiele-Novize/Novizin
        Was für ein außergewöhnliches Spiel , für mich nach Grand Theft Auto 4 das beste überhaupt da kann kein Crysis, Call of Duty, assassins creed oder halo mithalten ! Was für ein tolles game , in allen Kritikpunkten. 94/100 :)
      • Von proheada123 Spiele-Novize/Novizin
        Was für ein außergewöhnliches Spiel , für mich nach Grand Theft Auto 4 das beste überhaupt da kann kein Crysis, Call of Duty, assassins creed oder halo mithalten ! Was für ein tolles game , in allen Kritikpunkten. 94/100 :)
      • Von Delor NPC
        AW: Spieletest -- Bioshock

        Das irreführendste an Bioshock ist meiner Meinung nach der Vergleich mit so Edelspielen wie System Shock 2 oder Deus Ex.

        Vielleicht bin ich als älterer Zocker auch nur von den alten Kultgames beeinflusst, aber wenn "Shock" drauf steht, dann will ich auch ein "Shock" haben. Wenn es mir nur um Grafik, Story und Ballern geht, dann kann ich auch ein Crysis spielen.

        Bis auf die Grundstruktur hat Bioshock nämlich nicht sehr viel mit SysShock2/Deus Ex gemein. Charakterwerte sucht man vergebens und selbst ein Inventar schien den Machern etwas Überlfüssiges zu sein, dessen Bedienung den "modernen Shooter-Zocker" eventuell überfordern könnte?!?!?

        Die ganzen Waffen, deren Aufwertung sowie die Pseudo-Magie (Plasmide etc.) sind ja im Grunde genommen nichts weiter als Elemente, die man in abgewandelter Form auch in anderen Ego-Shootern findet. Von RPG-Elementen sind die allesamt aber so weit entfernt wie M31 von der Erde :-)

        So betrachtet ist Bioshock zwar ein toller Shooter mit einer grandiosen Atmosphäre, aber sowohl die Abkehr von den Grundwerten eines System Shock 2 als auch die Shooter-Typische kurze Spielzeit degradieren es zu einem klassischen Vertreter unserer "Grafik und Ballern ist alles - Zeit".

        Daher "nur" 75 von 100 von mir.
      • Von Wildchild666 Hobby-Spieler/in
        AW: Spieletest -- Bioshock

        würde diesem spiel definitiv einen daumen nach oben geben, bzw. 5 von 5 sternen :)
        hab es sehr genossen.
      • Von kingoftheplanet NPC
        AW: Spieletest -- Bioshock

        hi!

        ich habe das games jetzt durchgespielt und kann sagen, dass ich es gerne gepielt habe.
        von "einsaugen" und "ausspucken" der atmosphäre kann aber keine rede sein.

        zuwenig abwechlsung bieten mir die paar gegnertypen, zuwenig spannung und atmosphärische dichte kommen auf. die cineastischen und gescripteten szenenwechsel kommen aber sehr motivierend daher!

        die mittelflache gamer-story ist ok und bietet einen nichtlinearen spielablauf, der leider zu früh und abrupt endet.

        immerhin ein kurzweiliger spielspass in einem originellen schauplatz.

        Bewertung: 85points ;)
      • Von Piy NPC
        AW: Spieletest -- Bioshock

        klasse artikel, klasse spiel ^^
        wird gekauft punkt xD
      Direkt zum Diskussionsende
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