In Ausgabe 08/07 testeten wir Loki: Im Bannkreis der Götter. Das Action-Rollenspiel erreichte eine Wertung von 52 Spielspaßpunkten. In der Test-Abrechnung stand: "Das 64 MB große Update 1 hat einige Fehler beseitigt. Zurück bleiben genug, um die Spielspaß-Wertung ernsthaft zu belasten. Liefe Loki reibungslos, wäre eine Wertung im mittleren 60er-Bereich denkbar." Inzwischen erschien mit dem Update 1.0.5.0 der dritte Patch. Er gab den Anstoß, Loki ein weiteres Mal in des Testers Hände zu geben. Sie gehören Thomas Weiß und Stefan Weiß. Die beiden verkünden im Folgenden ihre neue Meinung.
Thomas Weiß
"Mit meiner vergleichsweise niedrigen Wertung habe ich mich als Zielscheibe für allerlei Kritik aufgestellt. Eine Reihe von Spielern fand Loki ungerecht behandelt. Das ist eine Meinung, die ich respektiere, aber nicht teile. Denn ungeachtet aller spielerischen Unzulänglichkeiten: Wenn ein Produkt wegen einer Vielzahl von Bugs nur eingeschränkte Spielbarkeit vorweist, muss die Wertung dieses Problem reflektieren. Augen beim Testen zuzudrücken hilft niemanden. Konsumenten würden sich ärgern, durchschnittlich 45 Euro für Unfertiges zu zahlen; und die Hersteller fühlten sich bestätigt in dem Vorgehen, ihre Spiele verfrüht zu veröffentlichen, um später Pflaster draufzukleben.
Dies gesagt, lassen Sie mich nun zum eigentlichen Thema dieser Meldung kommen: dem Nachtest. Ich habe mich im Gegensatz zum ersten Abenteuer für den nordischen Barbaren entschieden; eine weise Wahl, wie sich herausstellen sollte. Nicht nur scheint mir die Kombination aus Fähigkeiten breiter und ausgewogener als bei der Schamanin, auch die Umgebungen variieren stärker in Aussehen und Monsteraufkommen. Als Schamanin gab es wenig Anlass, einen anderen Zauberspruch zu wählen als jenen Totenkopf als Distanzzauberspruch, der Barbar hingegen profitiert vom munteren Durchwählen allerlei Fähigkeiten: Da stoße ich einen Kriegsschrei aus, der den Wutbalken ankurbelt, stürme dann mittels Rush-Skill die Gegnerhorde und führe ein, zwei Spezialschläge aus. Das hat Rhythmus, das macht Spaß. Und den ersten Bossgegner, Fenris, muss ich in eine Falle locken, statt monoton totzuklopfen. Allein durch diese Variation verdient sich Loki ein paar Spielspaß-Punkte mehr; gepaart mit der angepassten Drop-Rate - blaue Gegenstände sind nun keine seltene Seltenheit mehr, sondern regnen nach dem Erlegen von Anführern regelrecht auf den Spieler herab - sehe ich den Durchbruch in die 60er-Region.
Aber mehr? Ich fürchte, da ist noch zu vieles, das den Spielspaß würgt. Selbst mit Update 1.0.5.0. stolpere ich alle paar Meter über Ungereimtheiten, die wohl unsauberer beziehungsweise übereilter Programmierung zuzuschreiben sind. So explodieren Truhen immer noch in einer Häufigkeit, die einen überlegen lässt, welchen spielerischen Nutzen das bringen soll, und zwar tun sie das ständig, wenn man sie anklickt. Nun wäre entgegenzuhalten, dass man derlei Truhe einfach in Ruhe lassen soll, weiß man doch, dass sie einem Schaden zufügen. Nur hören sie schlicht nicht auf zu glitzern, was impliziert, dass dort Gegenstände zum Abräumen bereitliegen.
Apropos Gegenstände: Ich klicke meine Beute an, die Bücken&Aufheben-Animation wird abgespielt, doch die gewünschten Objekte bleiben weiterhin liegen. Das ist kein Weltuntergang, aber irritierend hinsichtlich der Menge an Gegenständen, die man aufzuklauben pflegt. Ein Doppelklick nimmt sich der Sache an, schont aber nicht gerade die Finger; genauso lässt sich auf den entsprechenden "Aufnehmen"-Button klicken, doch das erfordert zielgenaues Ansteuern des selbigen mit dem Mauscursor, was den Spielverlauf unangenehm ausbremst. Und ein Hack-and-Slay-Programm wie Loki hat von seinem rauschenden Tempo zu profitieren.
Das Balancing ist mir weiterhin suspekt. Es hat sich im Segment Gegenstände gebessert, entbehrt in Sachen Gold aber jeder spielerischen Nützlichkeit. Schon nach kurzer Zeit habe ich Wahnsinnsbeträge auf dem Konto; der Einkauf von Heil- und Manatränken reduziert diese Menge in einer zu vernachlässigenden Größe. Was soll ich mit all der Kohle? Einzig vernünftig ist, blaue Gegenstände beim Händler einzukaufen und am Opferalter gegen Fähigkeitenpunkte einzutauschen. Doch Spaß bereitet mir das nicht, zumal es keinen "Alles opfern"-Knopf gibt. Jedenfalls habe ich keinen gefunden.
So clever das Inventar in Aufbau und Handhabe ist: Es wird noch immer von einer unangenehmen Verzögerung begleitet, die stark nach einem Speicher-Problem riecht. Man fährt mit dem Cursor über einen Gegenstand und muss in zwei von drei Fällen erstmal ein paar Sekunden warten, bis das Programm die Werte ausspuckt. Diese Art von Lag ist ärgerlich und führt dazu, dass man sich gelegentlich verklickt. Warum kriegt man sowas selbst mit dem dritten Patch nicht in den Griff?
Ohnehin sind mir bei der Steuerung Umständlichkeiten aufgefallen. Abgesehen von der Item-Aufhebe-Problematik und dem Lag im Inventar ist es beispielsweise so, dass man mit gedrückter Shift-Taste keine Heiltränke schlucken kann. Das ist insofern ungünstig, als die Amazonin mit Pfeil und Bogen arbeitet, und der setzt eine rege Benutzung eben jener Taste voraus. Ähnlich schwer wiegt auf dem Spielspaß, dass der Barbar den automatischen Angriff verliert, sobald der Gegner seine Position wechselt. Er muss nur ein paar Schritte zurückmachen und schon bedarf es erneutem Klicken, damit der Barbar wieder zuhaut. Auto-Attack wird auch unterbrochen, wenn der anvisierte Gegner das Zeitliche segnet und man den Cursor auf den nächsten Feind richtet - man muss wieder klicken, manchmal auf lächerlich kleine Hotspots, die zu treffen nicht immer auf Anhieb gelingt. Dann veranstaltet die Spielfigur einen unfreiwillig hektischen Hühnertanz, indem sie wie aufgescheucht herumtrippelt, bis sie sich endlich dem Feind widmet.
Das sind alles Fehler, die im Einzelnen keine weltbewegenden Spielspaß-Einbrüche bewirken, in ihrer Summe aber einen Schneid kriegen, der den Einfall in die 70er-Region verhindert. In Bezug aufs Genannte und darauf, dass der Mehrspieler-Modus nun halbwegs funktioniert, schlagen wir zehn Punkte auf die Wertung drauf. Macht nach Adam Riese: 62%."
Stefan Weiß
"Gefühlte 100.000 erlegte Jaguare und geschätzte 500.000 Untote hat mein ägyptischer Kampfmagier hinter sich gelassen. Dabei immer schön brav jeden neuen Patch seit Erscheinen des Spiels installiert. Die Liste der Verbesserungen war lang, doch noch länger sind die Bug-Berichte der Community. Ich selber habe jetzt alle vier Kapitel von Loki ohne große Probleme spielen können, doch allein die Tatsache, dass zum Beispiel das Inventar noch immer mehr als nur schneckenträge reagiert, bringt mich auf die Palme. Auch das unausgeglichene Drop-Rating der Gegenstände könnte inzwischen besser sein. Dazu laufe ich mit sage und schreibe je 400 Heil- und Manatränken im Gürtel plus über 8 Millionen-Goldstücken auf dem Konto durch die Levels, die sich optisch und spielerisch viel zu schnell abnutzen. Ich schlage gut und gern 10 Punkte auf die bisherige Wertung drauf, aber für eine 70 reicht es nicht."
Ein Nachtest ist stets eine Niederlage für das angewandte Testsystem, insbesondere dann, wenn ein Nachtest aufgrund eines Patches erforderlich wird. Denn zum einen zeigt dies einerseits an, dass entweder nicht die Verkaufsversion (sondern z.B. eine unfertige Pre - Goldmaster Version) getestet wurde, oder die getestete Verkaufsversion unfertig war. In letzterem Fall (u.a. Loki, Gothic III - wenn auch bei letzterem nicht so schwer wie dies bei Loki war) bedeutet ein Nachtest ein Nachgeben gegenüber der Community und insoweit inkonsequentes Testverhalten (ihr steht nicht zu euren Tests bzw. könnt diese bewertungen nicht befriedigend begründen). Insgesamt würde ich Aufwertungen durch Patches zwar ermöglichen, doch diese sollten beschränkt werden auf die ersten drei Patches (aller guten Patches sind drei) und auf eine einstellige Aufwertung.
Interessant dabei ist (und dies spricht für ein Nachlassen eurer Testkompetenz gerade im Bereich RPG), dass noch in Ausgabe 6/07 beim Action - RPG Dawn of Magic sowohl Legend als auch Loki - zwei Spiele, die damals noch nicht erschienen waren ! - als besser dargestellt wurden. Wie jetzt nach den Testberichten der Zeitschriften deutlich ist, muss sich Dawn of Magic sicher nicht hinter diesen Spielen verstecken; eher ist es besser als diese.
Loki ist zudem weit unterschiedlich von euch bewertet worden als in anderen Zeitschriften - ein Belassen beim Testergebnis von 52 % wäre zumindest konsequent gewesen.
Hallo, mal eine Frage an die Spieleentwickler/ Publisher: Ist es einfach nur Unfähigkeit oder warum schafft ihr es seit ca. 1 Jahr nicht, fertige Spiele auf den Markt zu bringen? Diese Nachtests nach erfolgten Patches; Ich weiß nicht, was ich davon halten soll. 45 € für ein Spiel ist wahrlich kein billiges Vergnügen. Ich erwarte, nein verlange, hier auch einen adäquaten Gegenwert, d. h. ein Produkt, welches auch ohne dreimaliger Nachbesserung der Kauferwartung (hier: nicht Spielspass, sondern Fehlerfreiheit!) entspricht.
Ich frag mich mit was für einer krücke von rechner ihr Loki getestet habt, das ihr im inventory paar sekunden verzögerung habt. *kopfschüttel*
Ich hab mit nem C2D 6320 @ 2,2 2GB RAM und ner 7950GT & betriebssystem WinXP Prof, nich eine millisekunde verzögerung ! bei 1280x1024 und full details
Hallo
Auch da gibt es wohl unterschiedliche Erfahrungen. Ich habe diese Verzögerungen leider auch. Zwar nicht immer, aber im Schnitt so bei jedem 5ten Gegenstand. Mein System: C2D 6600 @3,4, 2GB Corsair Ram, Asus EN 8800GTX, MB Asus P5W DeLuxe, Soundblaster Audigy2 ZS, WinXP Prof mit allen SP´s. Details 1680x1050x32, alle Details max. Treiber selbstverständlich auf dem neuesten Stand.
Also alles auf den vermeintlichen unterdimensionierten Testrechner zu schieben, ist wohl mal wieder der bequemste Weg, aber wohl der falsche Ansatz.
Loki = 40€ aus dem Fenster rauswerfen. War leider mein Fall... schade eigentlich, habe einiges von Loki erwartet und jetzt verstaubt die DVD vor sich hin.
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