Sam & Max: Bright Side of the Moon
SCHOCKMOMENT In einer dramatischen Szene verliert Max sowohl Schusshand, als auch Magen und Stummelschwanz. Sam schwört bittere Rache!
Seit der ersten Episode von Sam & Max sind mehrere Monate vergangen. Unter Mithilfe des Spielers hat das rabiate Duo seitdem eine Menge erreicht: Hund und Hase verprügelten eine Bande von Kleinwüchsigen, avancierten zu TV-Stars und legten der Spielzeugmafia das Handwerk. In Folge vier übernahm Max das Amt des US-Präsidenten, eine Episode später sabotierte er zusammen mit Sam mal eben das gesamte Internet. Auch die Aufgabe in Bright Side of the Moon scheint dem Größenwahn entsprungen: Retten Sie die Erdbevölkerung vor kollektivem Frohsinn und Heiterkeit!
In Folge sechs laufen alle Handlungsfäden zusammen und das Leitthema erreicht seinen Höhepunkt: Hugh Bliss, der ätzend-fröhliche Illusionskünstler, steckt hinter den Ereignissen der ersten Staffel! Er ist der Erzschurke, der die Weltbevölkerung mithilfe einer gewaltigen Psycho-Kanone zu versklaven versucht. Der Mond stellt dabei den neuen Schauplatz für das langersehnte Finale. Ein unverbrauchtes Szenario also, das jedoch kaum genutzt wird: Unsere Helden spazieren dort genau so wie auf der Erde umher, die Mondfahrt bleibt völlig unkommentiert. Warum haben die Entwickler hier nicht ein schönes Rätsel eingebaut, über das man an ein Raumschiff gelangt? Man fühlt sich so ein wenig in die turbulente Handlung hineingeschleudert.
Ein Großteil des Spiels findet auf der vertrauten Straße vor dem Büro sowie in Hugh Bliss' neuem Tempel statt. Man trifft nur auf alte Bekannte, frische Charaktere gibt es diesmal nicht. Im Vergleich zu den Vorgängern wirkt das ein wenig uninspiriert. Der Humor lässt zudem einige der satirischen Untertöne vermissen. Anstelle von feinsinnigem Augenzwinkern regiert hier das enthemmte Chaos. Das ist zwar ebenfalls verdammt lustig, aber eben nicht so clever wie in früheren Folgen.
Erst zum Schluss der rund zwei Stunden Spielzeit geben die Entwickler noch einmal Gas: Der "Bosskampf" in vier Etappen ist so schmarzhumorig und temporeich, wie man es sich als Fan der Reihe wünscht. Natürlich sind die Rätsel zwar anspruchslos, aber auch fantasievoll. Und doch sind uns diesmal zwei Kopfnüsse negativ aufgefallen, die das Absuchen des altbekannten Büros erfordern. Das mag man als Fluch eines Episodenspiels bezeichnen, doch wir finden: Wenn Hotspots die gesamte Staffel über nicht zu gebrauchen waren, sollten sie nicht urplötzlich und zum Schluss von Bedeutung sein. Deutlichere Hinweise hätten hier Frustpotenzial vermindert.
Die englischen Synchronsprecher sind abermals erschreckend professionell, wenn sie ihre geschliffenen, von Kennerhand geschriebenen Textzeilen intonieren. Ähnliches gilt für den jazzigen, teils recycelten Soundtrack, der selbst nach einem halben Jahr keinerlei Qualitäten eingebüßt hat. Nur wenige Spiele klingen so gut! Ein Wermutstropfen ist wieder die niedrige Tonqualität, ein Zugeständnis an das kompakte Download-Format. So wurde zugunsten einer geringen Dateigröße gelegentliches Knacken und Rauschen in Kauf genommen, was den ansonsten herausragenden Eindruck von Sound und Musik ein kleines bisschen trübt.
Was bleibt, ist der geglückte, teils großartige Abschluss eines Experiments namens Episodenadventure. Ein schönes Finale, das zwar ruhig noch einen Tick bissiger hätte sein dürfen, dafür aber trotzdem noch die meiste Konkurrenz weit hinter sich lässt.
