Am Stand von Funcom ging es heftig zu: Community Manager Oliver Kunz präsentierte das Online-Rollenspiel Age of Conan: Hyborian Adventures. Ein aufregender Titel, über den hierzulande allerdings nur wenig berichtet wurde. Ein Grund dafür könnte die heftige Gewaltdarstellung sein - ein Zugeständnis an die raue, aus Buch- und Filmvorlagen bekannte Welt Hyboria, in der das Spiel angesiedelt ist. Bevor wir also mit der Präsentation beginnen, wollen wir zunächst von Oliver wissen, ob, wie und in welchem Zustand man das Spiel in Deutschland veröffentlichen wird.
Oliver: "Das Blut geht vermutlich in Ordnung. Eher das Abhacken von Armen und Beinen halten wir für problematisch. Das kann ich dir jetzt aber gerade nicht zeigen, aus offensichtlichen Gründen (Oliver deutet hinter sich auf den Stand, an dem sich auch Jugendliche aufhalten). Wenn wir etwas ändern müssen, dann höchstwahrscheinlich so: Die Spielfigur führt die Kampfanimation aus, der Schaden wird normal berechnet - doch der Kopf bleibt am Schluss dran."
PC Games: Das heißt, ein deutscher Release ist fest geplant, obwohl ihr wahrscheinlich hier und da etwas kürzen müsst?
Oliver: "Richtig, das Kürzen ist kein Problem. Wir nehmen notfalls auch das Blut raus, wenn es erforderlich ist. Eine Indizierung kommt für uns nicht infrage, eine Alterseinstufung muss in jedem Fall sein."
Age of Conan beginnt als Einzelspielertitel und entwickelt sich nach und nach zu einem vollwertigen Online-Rollenspiel. Die ersten 20 Charakter-Levels ist man nämlich mehr oder weniger auf sich allein gestellt. So bringt Funcom dem Spieler alle Details und Feinheiten in Ruhe bei und lässt ihn gleichzeitig eine gute Geschichte erleben. Danach geht es raus in die offene, persistente Welt bis hoch zu Stufe 80, der Levelgrenze. Zusätzlich gibt es noch jeweils 20 PvP-und Handwerks-Levels.
Oliver: "So, jetzt zeige ich dir mal die Charaktererstellung. Es gibt drei Rassen, die Cimmerier, Aquilonier oder Stygier. (Nach fünf Levels wählt man auch eine Basisklasse - Krieger, Schurke, Priester und Magier. Später, ab Level 20, entscheidet man sich dann noch mal zwischen drei Unterklassen, Anm. der Redaktion). Es gibt auch massenhaft Schieberegler, über die ich das Aussehen meines Charakters sehr genau bestimmen kann. Ich glaube, so detailliert und in der Form hat man das noch in keinem Online-Rollenspiel gesehen."
Da hat er Recht! Man sieht seine Spielfigur im Bauch einer Galeere, zusammen rudernd mit Dutzenden anderen Männern und Frauen. Die vielen Einstellungsmöglichkeiten erlauben sehr abwechslungsreiche und martialisch anmutende Charaktere, mit wilden Frisuren und tiefen Narben über den muskulösen Körpern verteilt. Eine Zwischensequenz zeigt danach, wie das Schiff kentert und die Spielfigur an den Strand einer Pirateninsel gespült wird. Man trägt nur einen Fetzen Leder am Leib, ein zerbrochenes Ruder muss als notdürftige Waffe herhalten. Die erste Aufgabe lautet, die Piratenstadt zu erreichen, um dort ein Schiff in Richtung Heimat aufzugabeln. Direkt am Strand trifft man auf den ersten Nichtspielercharakter, der über die Situation informiert und Starthilfen bereithält. Oliver merkt an: "Die wichtigen Dialoge werden von deutschen Profisprechern vertont, das sind schon einige Tausend Textzeilen!"
Oliver stapft mit seiner Spielfigur los in den Dschungel und präsentiert beim erstbesten Gegner das brandneue, actionbetonte Kampfsystem. Anstatt den Feind einfach nur anzuklicken, muss man die Richtung der Kampfbewegungen vorgeben. Anfangs sind es drei, deren Anzahl wächst aber auf insgesamt sechs an. Jeder Schlag wird "von Hand" ausgeführt, die Tasten dafür lassen sich natürlich umbelegen. In der richtigen Abfolge löst man so Kombos aus, die im Kampf über Sieg und Niederlage entscheiden. Je aufwendiger die Bewegung, desto höher sind die Ausdauerkosten. Zauber führt man ganz ähnlich aus. Es genügt also nicht, beispielsweise nur auf einen Button für "Feuerball" zu klicken. Gleiches gilt auch fürs Bogenschießen. Ein Fadenkreuz wird eingeblendet, genau wie bei einem Shooter. Ob man den Gegner trifft, hängt sowohl von den Statuswerten als auch vom eigenen Geschick beim Zielen ab. Bei Kämpfen zu Pferd wird sogar die Wucht des Aufpralls mitberechnet. Ein Schwerthieb aus vollem Galopp ist beispielsweise enorm durchschlagskräftig.
Auf die Frage, ob auch Physik zum Einsatz kommt, antwortet Oliver in Form eines subtilen Themenwechsels.
Oliver: "Physik? Nicht so direkt, nein, auf ein Ragdoll-System haben wir beispielsweise verzichtet. Dafür passt sich aber das Verhalten des Gegners an: Greife ich zum Beispiel immer nur mit Schlägen von links oben an, wird der Gegner auch verstärkt in dieser Richtung abblocken. Überhaupt ist die KI ziemlich cool: NPCs gehen beispielsweise etwas essen, wenn sie Hunger haben - es sei denn, es handelt sich um besonders wichtige Figuren. Diese sollen an Ort und Stelle bleiben, denn man soll sie ja leicht wiederfinden. Sie legen sich auch schlafen, gehen jagen oder rufen in einem aussichtslosen Kampf Unterstützung herbei. Außerdem können Gegner den Spieler nicht einfach so durch eine Wand wahrnehmen und angreifen - wird man nicht erkannt, baut der Feind eben auch keine Aggro auf!"
Die Vorführ-Version auf der RPC läuft noch auf einer DirectX9-Grafikkarte, das fertige Spiel wird auch Direct X 10 unterstützen. (Folgen Sie den Links unterhalb dieses Artikels, um mehr Informationen und Vergleichsbilder zur Direct-X-10-Grafik von Age of Conan zu erhalten!) Doch auch im guten alten DX-9-Betrieb ist die Online-Schlachtplatte eine optische Gaumenfreude. Schwungvoll animierte, detailreiche Charaktere, blühende Flora und Fauna, schick glänzendes Wasser und eine satte Farbgebung könnten Age of Conan zum visuell besten Online-Rollenspiel 2007 krönen.
PC Games: In welchem Zustand befindet sich das Spiel derzeit? Ist es inhaltlich schon fertig?
Oliver: "Ja, jetzt geht es ,nur‘ noch ums Optimieren und Balancen, vor allem im PvP (PvP = Spieler gegen Spieler, Anm. der Redaktion)."
PC Games: Gutes Stichwort! Wie sieht der PvP in Age of Conan denn genau aus? Oliver: "Oh, da gibt es einiges! Grundsätzlich gibt es die typischen kleineren Scharmützel und Arenen (beispielsweise Capture the Flag oder King of the Hill, Anm. der Redaktion). Im Endgame werden Spielergilden außerdem die Möglichkeit haben, Burgen zu errichten und sie gegen andere Spieler zu verteidigen!"
PC Games: Burgen errichten? Wo macht man denn das?
Oliver: "Es gibt eine spezielle Zone, in der man an bestimmten Slots bauen kann, insofern man über die nötige Menge an Rohstoffen verfügt. Andere Gilden belagern und erobern die Burgen dann in riesigen PvP-Schlachten mit Rammböcken, Formationen, Katapulten, Bogenschützen und einfach allem Drum und Dran."
PC Games: Klingt heftig. Wie viele Spieler werden daran beteiligt sein?
Oliver: "Das prüfen wir noch, derzeit gehen wir von 50 bis 100 Spielern pro Schlacht aus - das ist ja auch eine Frage der Performance. Neben den epischen Belagerungen haben wir auch noch einen witzigen Modus eingebaut, der sich ,Betrunkenes Raufen‘ nennt. Da lassen sich die Spieler einfach zulaufen, um sich anschließend ordentlich zu verprügeln, ohne dass man sich um irgendwas Gedanken machen muss. Da spielt auch der eigene Level keine Rolle. Selbst ein Level-20-Charakter könnte dann einen Spieler auf Stufe 80 umhauen."
Ein Blick in das Charaktermenü und Inventar stimmt uns sehr zufrieden: Hier finden sich alle nötigen Informationen fein und übersichtlich aufgereiht. Auch lieb gewonnene Komfort-Funktionen wie das Teilen von Quests in der Gruppe sind mit an Bord.
PC Games: Wie seht ihr eure Chancen auf dem Markt angesichts all der Konkurrenz?
Oliver: "Ich bin davon überzeugt, dass Age of Conan eine große Fangemeinde finden wird. Klar, World of Warcraft werden wir wohl nicht angreifen, das ist auch gar nicht möglich. Wir machen aber beispielsweise ein klares Spiel für Erwachsene und im Genre sind schon viele Spieler eine lange Zeit dabei. Für die wird Age of Conan ganz besonders interessant, eben weil es eine reifere Community anspricht."
Unser Eindruck: Age of Conan gehört zu den vielversprechendsten Online-Rollenspielen des Jahres. Nicht nur die Grafik ist bemerkenswert, auch das actionbetonte Kampfsystem bringt frischen Wind (und Blut) ins Genre. An den Produktionswerten gibt es nichts zu bemängeln: Aufgeräumte Menüs, stimmungsvolles Design und eine orchestrale Musikuntermalung der Sorte "episch" zeigen, dass Funcom seine Hausaufgaben gemacht hat. Etwas skeptisch sind wir lediglich noch beim PvP: Die Schlachten mitsamt Burgenbau und Belagerungen klingen spektakulär- sicher, doch gesehen haben wir noch nichts davon. Ob das wohl hinhaut?
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