Klassischer Vertreter der Kategorie: gut gedacht, schlecht gemacht. Bei den zünftigen See- und Landschlachten kämpfen Sie nicht nur gegen den Feind.
Die Spartaner waren zähe Hunde, das weiß jedes Kind - oder zumindest die Kinogänger, denn derzeit lässt der Film 300 die Legende der gnadenlosen Kämpfer wieder aufleben. Doch selbst wer nicht an das filmisch inszenierte Wunder glaubt, zollt immerhin auch heute noch durch den Begriff "spartanisch" der kargen Lebensweise der Soldaten bei ihrer harten Ausbildung Respekt.
Nach den ersten Spielstunden des vorliegenden Echtzeit-Strategietitels wünscht man sich allerdings, die Entwickler hätten selbst ein Quäntchen mehr der strengen Disziplin besessen. Vielleicht hätten sie so einen Gutteil der vielen kleinen Fehler vermieden, die den virtuellen Lakoniern nun den Einzug in den Olymp der Echtzeit-Strategiespiele verwehren.
Schlacht-Fest Von etwaigen Hoffnungen auf putzig-wuselige Männchen sollten Sie sich ob des Themas gleich verabschieden, denn von Kindergeburtstag ist Ancient Wars: Sparta weit entfernt. Gebäude, Landschaft und vor allem Wasserflächen sehen adrett aus, Ihre Untertanen zeigen einfallsreiche Animationen, klopfen beispielsweise nicht tumb auf Gebäuden herum, sondern werfen situationsgerecht mit brennenden Fackeln.
Sobald die wilde Horde die Schwerter schwingt, geht es ordentlich zur Sache. Dann besudeln Blutfontänen das Schlachtfeld, Lanzen durchbohren die Torsos der Kombattanten, Soldaten segeln von martialischen Kräften getroffen wie Puppen durch die Lüfte. Letzteres wirkt dann so überzogen, dass es fast als Slapstick durchgeht.
Weg vom Einheitsbrei! 27 Missionen mit drei Parteien (Spartaner, Perser, Ägypter), mal mit ausgiebigem Basenbau, mal mit einer Handvoll Einheiten gegen eine Übermacht - auf dem Markt tummeln sich zig Echtzeit-Strategietitel, die ähnliche Kost bieten. Ancient Wars: Sparta hebt sich mit ein paar frischen Ideen nur leidlich von der Masse ab, denn die wirken, statt das Genre zu revolutionieren, eher unterschwellig. Allen voran basteln Sie aus verschiedenen Einheitentypen und Ausrüstung Soldaten nach Ihren Wünschen.
Arbeiter sammeln die Waffen der Gefallenen ein und stocken somit das Arsenal auf. Pfeile werfen Reiter aus den Sätteln, herrenlose Tiere übernehmen Sie kurzerhand. Zur See vollführen Schiffe Rammmanöver oder gehen längs bei, die Kämpfer an Bord stürmen den gegnerischen Kahn und übernehmen das Kommando.
Die Handlung erleben Sie als Film in verwaschener Spielgrafik, versehen mit unmotivierten Sprechern, bei denen Sie geradezu Gedanken lesen können (Sprecher: "Sie greifen an", klingt wie: "Ach nee, nicht schon wieder!"). Und was machen Sie nach der Kampagne? Der Mehrspielerteil lief bei uns nicht. Allerdings sind die neun Karten mit einem Spielmodus ohnehin nicht gerade üppig, als Option haben Sie tatsächlich nur Team und Farbe. .
Auf Niedlichkeit verzichte ich gerne auf die Bugs allerdings auch.
Das Spiel besteht nicht nur aus Fehlern, wie der Kasten links suggeriert, sondern macht ausgenommen Frustmomente bei einigen Seeschlachten tatsächlich Laune. Über den Daumen gepeilt knabbern die Bugs jedoch zwei, drei Prozentpunkte vom Spielspaß ab. Das ist ärgerlich, wenngleich durch einen Patch behebbar. Für den Rest des Spiels werfe ich den Begriff grund-solide in die Runde in dem nicht umsonst etwas von gewöhnlich mitschwingt. Denn die neuen Features sind nett, bedeuten aber kein frisches Spielerlebnis. Für meinen Geschmack sind zudem die Aufbauphasen zu langwierig geraten, auch wenn Sie Ressourcen aus mehreren Bergwerken beziehen. Wenigstens geht es dann bei den Schlachten ordentlich zur Sache selbst die Schiffskämpfe wären ohne Bugs spannend.