Tausendmal geklickt, tausendmal ist was passiert: Dieses Action-Rollenspiel liefert massig Gegenstände, Erfahrungspunkte und Levelaufstiege.
Der Trick, Spieler an ein Spiel zu binden, ist so genial wie simpel: Man gebe ihnen das Gefühl, die nächste Belohnung wäre gleich ums Eck. Silverfall weiß das. Der Erfahrungspunktebalken steht immer kurz vorm Ende, alle paar Gegner fällt ein Gegenstand auf den Boden, der einer Betrachtung wert ist, und meistens sind die Quests so kompakt, dass der "Nur noch diese eine Sache"-Mechanismus greift.
Das Spiel startet in Silverfall, der Hauptstadt. Monster wüten in den Straßen, Einwohner flüchten in Panik. Sie haben die Steuerung über einen Erzmagier und den Hotkey-Balken voller Fähigkeiten: Blitze, Feuerbälle, Eisgeschosse. Der Zauberer spielt sich so mächtig, als hätte man einen Cheat aktiviert. Hat man natürlich nicht, es handelt sich ums Tutorial: Gegnerkloppen im Schongang. Man lernt, dass die Zifferntasten zwischen den Fertigkeiten hin und her schalten. Dass die linke Maustaste einen Angriff mit der Waffe bewirkt, die rechte einen Spruch abfeuert. Dass sich die Perspektive nach Betätigung der Cursor-Tasten drehen lässt. Dass alles in Echtzeit abläuft. Wird die Hektik dabei zu groß, aktiviert man die Pausenfunktion und wirft in Ruhe einen Heiltrank ein.
Die Tücken der Steuerung Nach dem Tutorial ist man ein Nobody, ein Stufe-1-Krieger, ein Flüchtling wie all die anderen. Provisorisch das Lager in der Wildnis. Außen herum blubbert ein Sumpf, von Untoten bewohnt. Hier sammeln Sie Erfahrungspunkte und steigen im Level auf. Was sich sofort ins Suchtgedächtnis einbrennt: dieses erhabene Gefühl, wenn man Punkte auf Nahkampf-, Zauber- oder Heilfähigkeiten erteilt. Level-ups haben unmittelbar Auswirkungen aufs Spielgeschehen: Der Rundumschlag ist mächtiger, der Feuerball größer, der abgefeuerte Pfeil schneller - Charakterentwicklung als treibendes Element.
Auch der Jagdtrieb wird stimuliert: Ein Druck auf die "Alt"-Taste blendet die Beute ein, die erledigte Feinde zurücklassen. Farben kennzeichnen ihre Qualität. So sehen Sie auf den ersten Blick, ob sich's lohnt, für ein liegen gelassenes Schwert den Buckel krumm zu machen respektive zu klicken. Überhaupt wird viel geklickt in Silverfall. Doch Sie müssen nicht für jeden Schwerthieb die Maustaste betätigen - es genügt, sie einmal zu klicken und danach gedrückt zu halten.
Ungeachtet dieser Erleichterung gibt die Steuerung oft genug Anlass zum Fluchen. Etwa wenn große Hindernisse in der Landschaft den Blick aufs Geschehen versperren: Bäume, Hütten, Wände. Um die Übersicht zu wahren, muss man die zu sensibel geratene Kamera drehen. Ständig. Hinzu kommen unnötig große Hotspots: Häufig entstehen so unfreiwillige Gespräche mit den Partymitgliedern, weil man in der Nähe ihrer Person auf den Boden klickt. Ganz schön nervig!
Story und das Drumherum Silverfall rühmt sich damit, zwei Spielweisen zu ermöglichen: Natur und Technik. In Wahrheit ist das sehr unspektakulär. Manche Gegenstände lassen sich nur anwählen, wenn Ihre Affinität Richtung Technik geht. Andere brauchen einen höheren Natur-Wert, genauso wie einige Fähigkeiten. Schade, von diesem Feature hatten wir uns mehr erhofft!
Quests legen Ihre Neigung fest. Ein Druide will, dass Sie sich als Umweltschützer aufspielen und die Büffel vor ihrer Ausrottung bewahren; ein Schmied dagegen bittet um die Beschaffung von Teilen, die er zum Bau eines Zeppelins benötigt - es ist Ihre Entscheidung, wem Sie helfen. Ein Pfeil zeigt an, in welche Richtung Sie der ausgewählte Auftrag führt. Ohne diesen würde man sich in der hübschen, aber optisch ausdruckslosen Welt rasch verlaufen.
Die meisten Missionen sind simpel in Aufbau und Ablauf. Was Silverfall an Story aufweist, reicht von nett bis unbeholfen. Die Autoren waren sich beispielsweise nicht zu schade, vor Klischees triefende Enthüllungsszenen einzubauen, in denen sich der Vater einer Hauptfigur als solcher zu erkennen gibt. Bedeutungsschwangere Musik als ekelhaft süßes Sahnehäubchen obendrauf.
Die überraschend gute Sprachausgabe hilft, über diese Peinlichkeiten hinwegzusehen; die Sprecher betonen mit Gespür für Situation und Charakter. Schade, dass nicht alle der NPCs reden! Häufig setzt einen Silverfall nämlich nur schnöde Textkästen vor. Wir hätten uns eine durchgehende Sprachausgabe gewünscht. Doch das sind bloß ein paar Peanuts bei einem sonst schönen Action-Rollenspiel, dessen Betonung auf Action liegt: Hier wird geklickt, gesammelt und gemetzelt, bis man sich augenreibend wundert, dass schon wieder die Sonne aufgeht.
Die Grafik könnte besser laufen, die Kamera hat Macken. Trotzdem: Silverfall ist gut.
Ein Stufenanstieg reichte für die Gewissheit, dass ich nicht zu spielen aufhöre, bis ich mindestens Level 30 bin. Es gibt zu viele spannende Möglichkeiten beim Ausbau der Fähigkeiten, als dass ich vorzeitig von Silverfall wegkäme. Leider haben die Entwickler bei all dem ausgeklügelten Charakterdesign vergessen, den Rest zu frisieren. So finde ich die Optik mit ihrem Comic-Anstrich zwar hübsch, doch technisch ist sie eine kleine Katastrophe: Silverfall ruckelt und zuckelt zuweilen, dass ich mich frage, ob die Grafikkarte einen Hitzeschlag erlitten hat. Auch die Bedienung gibt Anlass zum Ärger von der ungenauen Hotspot-Abfrage bis hin zur fehlenden Sortierfunktion im Inventar finden sich Problemchen, die den Spielspaß dämpfen. Von dem bleibt aber immer noch genug übrig, um eine Empfehlung auszusprechen.