Testbericht

17.02.2007 09:00 Uhr

War Front: Turning Point

Zweiter Weltkrieg alternativ: Der Führer stirbt, Deutschland ist Siegermacht und Atomschläge zählen zu den lustigsten Attraktionen. Juchhei!?

PC Games-
Spielspaß-Wertung
(Ausgabe 03/2007)
75%
Durchschnittliche
Lesertestwertung:
        
- %

Sie benötigen den kostenlosen Flash-Player von Macromedia, um Gamesvote-Votes abgeben zu können. Außerdem muss JavaScript bei Ihrem Browser aktiviert sein.


Die wirklich wahrste Wahrheit über den Zweiten Weltkrieg - das wäre eigentlich der passende Name für diesen Ausbund an historischer Unkorrektheit. Das Echtzeit-Strategiespiel startet mitten in London, wo die Deutschen gerade dabei sind, die letzten tapferen Verteidiger zu überrennen - mit Raketenrucksäcken bestückten Kommandosoldaten, einem gepanzerten Zeppelin und dem kugelfesten Nationalhelden Roland Hellmann.

Witz komm raus ...
Sie haben das aus dem Geschichtsunterricht anders in Erinnerung? Vermutlich. Aber darin besteht der eigentliche Reiz des Spiels. Die Charaktere, Dialoge und üppigen, actionbetonten Zwischensequenzen strotzen nur so vor Klischees und platten Anspielungen. Hierzu sei angemerkt: im Kino mit dem Helge funktioniert Klamauk dieser Art gelinde besser. Im Spiel kommt es einfach nicht so wirklich lustig rüber, die Atmosphäre dümpelt deswegen auf seichtem Niveau.

Wunderwaffen
Entscheidend ist aber in der Schlacht und hier sind der Witz am Spiel tatsächlich die der Entwicklerfantasie entsprungenen Spezialeinheiten und Superwaffen (Beispiele siehe Kasten Seite 96: "Die Superwaffen"), die erst der hypothetische Hintergrund möglich macht.
Damit können Sie den Gegner nämlich richtig ärgern und den Schlachtverlauf entscheidend beeinflussen. So legt eine seismische Bombe der Alliierten ganze Häuserreihen in Schutt und Asche.

Ein russischer Eis-Panzer stoppt kurz vor der Basis eine anrückende Panzerkolonie - die festgefrorene Blechlawine zerbröselt dann unter lediglich wenigen Treffern. Doch wie Echtzeit-Strategen wissen, wollen alle Waffen und Technologien mit Bedacht eingesetzt werden.
Der erwähnte Bomber kommt nämlich gar nicht erst bis in die Feindbasis, wenn sich nicht zumindest Bodentruppen um die Flugabwehrstellungen kümmern und eigene Jäger angreifende Flieger vom Himmel fegen. Auch verursacht der Eis-Panzer allein kaum Schaden - es kommt also immer auf die richtige Kombination an.

Allein unterwegs
Der Einzelspielermodus bietet zwei Kampagnen, auf Seiten der Alliierten und der Deutschen. Als russischer Befehlshaber agieren Sie nur im Mehrspielerteil und in schnellen Partien gegen den Computer. Sie schlagen sich dabei durch Schauplätze in England, Italien, Deutschland und dem verschneiten Russland. Überraschende Ereignisse und spezielle Örtlichkeiten wie der Moskauer Kreml mit entsprechend gestalteten Bauten würzen die Aufgaben. Wenig überraschend für gewiefte Echtzeit-Strategen sind dagegen die Spielmechanik und die Aufgabenstellung der 22 Missionen.
Letztere läuft im Prinzip auf immer zwei gleiche Strickmuster hinaus:

Sie stapfen mit einer Handvoll Kämpfer durch die Pampa und befreien beispielsweise Gefangene aus Lagern. Hierbei kommen vor allem die Helden, bei jeder Partei drei Charaktere, zur Geltung. So ein gestählter Roland Hellmann verfügt je nach erreichter Erfahrungsstufe über eine aktive und mehrere passive Fähigkeiten, teilt adäquat aus und steckt das Zigfache eines Infanteristen ein - für den Einzelspielerteil vielleicht sogar etwas zu viel, denn so gestaltet sich das nicht sonderlich spannend: Einfach nicht zu weit vorrücken, den Protagonisten das Feuer auf sich ziehen lassen und ab und zu warten, bis die angeschlagene Bande wieder genesen ist.

Die zweite Variante: Basis aufbauen, forschen und Armee vergrößern. Als Einzelspieler können Sie meist gemächlich vorgehen, später gibt es allerdings schon mal knapp gesteckte Zeitvorgaben und Rohstoffengpässe, falls Sie nicht weitere Vorkommen sichern. Ärgerlich ist nur, dass Sie manche Ziele kaum erledigen können, wenn Sie nicht vorher wissen, was passiert. Das betrifft allerdings nur ein paar wenige Missionen gegen Ende der Feldzüge.

Partei ergreifen!
Drei Nationen - das bedeutet unterschiedliche Stärken und Schwächen. Gemein haben alle fast identische grundlegende Einheiten. Auch benötigen alle Geld, das sie von Minen und Schrottplätzen vermittelst eines Lagers und Transportlastwagen sammeln, durch eroberte Ölquellen und Banken steigern oder einmalig durch auf dem Spielfeld abgeworfene Kisten aufstocken.

Bei der Stromversorgung - es sind nur zwei Ressourcen - gibt es schon Differenzen. Während russische und deutsche Gebäude auf Kraftwerke angewiesen sind, pfeifen die Amis darauf, stehen immer unter Strom und haben somit ein empfindliches Ziel weniger. Die US-Boys besitzen auch die fortschrittlichste Radartechnologie und die stärksten Bombenangriffe. Die Deutschen punkten mit einer Truppenausbildung, die den Einheiten auf Anhieb Erfahrung spendiert, sowie mit V1- und V2-Raketen, die zwar von der Reichweite her begrenzt, aber im Gegensatz zu Bombern nicht zu stoppen sind.

Alles schon mal gesehen?
Alles schön und gut. Aber was War Front fehlt, sind echte Neuerungen. Nicht nur vom Spielgefühl (siehe Kasten Seite 95: "Moment - das kennen wir doch!") her kommt man sich beinahe vor wie bei C&C: Generäle mit Weltkriegsanleihen. Das ist an sich nicht schlecht, aber frische Ideen hätten dem Titel auf die Sprünge geholfen. Innovationen wie einen Armee-Controller à la Paraworld oder das komfortable Einheiten-Management und die Atmosphäre eines Company of Heroes gibt es nicht, von bescheidenen Ansätzen abgesehen.

Zwar können Sie bei Flak- und Panzerabwehrbunkern das Geschütz in einer Ego-Ansicht steuern und selbst schießen, sodass das Bauwerk mehr aushält - aber das ist praktisch nie für ein Gefecht relevant. In der Hitze des Gefechts haben Sie ohnehin nicht die Zeit und da die Performance in dieser Ansicht unglaublich einbricht, ist es im Getümmel äußerst schwierig, überhaupt zu zielen. Das war schon mal in wesentlich umfangreicherer Weise angekündigt, nämlich mit selbst steuerbaren Panzern.

Davon geblieben ist nur eine Verfolgerkamera, zum Spielen unbrauchbar und zu unflexibel, um näher ans Geschehen zu kommen. Aber dass sich selbst die normale Spielansicht nur minimal kippen und kaum ans Geschehen heran- oder wegfahren lässt, ist ärgerlich. Denn nichts liegt uns ferner, als die detailverliebte Grafik mit gekonnten Beleuchtungs- und Wettereffekten, bildhübschen Landschaften, glitzernden Wasserflächen und Tageszeitenwechsel als hässlich zu bezeichnen - sie ist fast auf Tuchfühlung mit den Referenzspielen.

Dass alles ein wenig angestaubt wirkt, liegt vielleicht daran, dass der Titel ursprünglich schon vor rund einem Jahr erscheinen sollte. Immerhin haben die Programmierer die Zeit genutzt und noch an einigen Stellen gefeilt, wenn wir beispielsweise an unsere Version aus dem Lesertest (PC Games 10/06) denken. So konnten wir kaum Macken ausmachen. Ein paar der eigenen Einheiten ließen sich manchmal beschießen, ohne zu reagieren, aber das war auch schon alles - selbst die Wegfindung klappt ordentlich.
  Der Beitrag ist noch nicht bewertet.  
button right arrow Diesen Artikel weiterleiten



3 Kommentarezum Artikel

Alle Kommentare lesen
NinjaWursti - 23.11.2007 19:20
Hmm, interessant, überleg ob ichs mir auch holen soll, da der Preis in einem laden auf 10Sfr. runter ist!   also etwa 6€ oder so...
ganswijk - 24.09.2007 05:39
I have just bought the game here in the Netherlands (priced down from 49.99 to 17.90 euro) but I like it a lot. I have only played the tutorial and the first mission yet, but the graphics are very stunning and everything works as you would expect it to work in a war RTS game like Blitzkrieg, Panzers and C&C Generals.

An interesting feature is that you can personally man turrets in a FPS way, but I haven't actually used that against enemy troops yet.

Conclusion: This game is very good in it's category. In fact I prefer it over C&C Generals and Panzers and perhaps even over Blitzkrieg 1, but I can't say yet. I haven't played Blitzkrieg 2 yet. It's still on the to-play pile.
Kalle841 - 18.02.2007 18:49
Also ich bin mit WF sehr zufrieden. Gut man brauch halt ein bischen übung aber dann fliegen die fetzen ! Und mit hoher G-einstellung sieht das alles einfach nur geil aus, besser als auf den (pc-games bildern)   auf jeden fall.
Und die demo bitet nur einen blasen vorgeschmack auf die voll-Ver
Meine pers. wert. liegt weit höher. (bin halt jetzt nicht mehr ganz Objektiv)  
SYSTEM - 18.02.2007 18:49
Jetzt ist Ihre Meinung gefragt: Hier können Sie Ihren Kommentar zum Artikel veröffentlichen und mit anderen Lesern darüber diskutieren.
Wollen Sie einen Kommentar abgeben ?
Melden Sie sich bitte an oder registrieren Sie sich, wenn Sie noch keine Kennung besitzen.
button arrow right Registrieren
Anzeige

Allgemeine Infos

Name War Front: Turning Point
Genre Echtzeit-Strategie
Webseite http://www.war-front.de/
Hersteller Digital Reality
Anbieter 10tacle
VÖ-Termin 05.02.2007 - zu diesem Produkt einen Lesertest schreiben!
Preis nicht bekannt
Plattformen: pc.gif
button arrow right weitere Produktinfos
Anzeige

Alle Artikel zum Thema

button arrow right Zu den aktuellen Artikeln



News-Ticker

Top Anno 1404: Venedig-Lösung: Tipps und Tricks zum Spionagesystem (0)
Top Das Phänomen Farmville: Der Reiz hinter dem simplem Facebook-Spiel (0)
Top Der PC Games Podcast 37: C&C 4, Fallout: New Vegas, Portal 2 und Nonsens (38)
Montag, 22.03.2010
11:57 Anno 1404: Venedig-Lösung: Tipps und Tricks zum Spionagesystem (0)
11:33 Aliens vs. Predator: Download-Content Swarm-Mappack veröffentlicht (24)
11:05 Bubble Universe 2: Das Profi-Geschäft und wie Clans gemanaged werden (17)
11:05 Das Phänomen Farmville: Der Reiz hinter dem simplem Facebook-Spiel (0)
10:13 Google: Angle-Projekt soll 3D über den Browser ermöglichen (0)
09:41 Splinter Cell Conviction: Exklusives Entwickler-Interview über Multicore und Physik sowie die PC-Version (PCGH)
09:39 Die aktuellen Steam-Charts: Bad Company 2 dominiert, Aliens vs. Predator wieder dabei (5)
09:28 Schnäppchenführer: FIFA 10 für PS3 und 360 für je 29,99 Euro + günstige DVDs und Blu-rays [Anzeige] (71)
09:01 Saturn-Charts: Bad Company 2 weiter vorn, C&C 4 und Metro 2033 steigen ein (2)
08:51 F1 2010: Neue Videos zeigen Arcade-Modus und Third-Person-Ansicht (23)
Sonntag, 21.03.2010
19:36 Der PC Games Podcast 37: C&C 4, Fallout: New Vegas, Portal 2 und Nonsens (38)
19:30 Left 4 Dead 2: The Passing: Chet Faliszek spoilert die DLC-Story (60)
19:29 COMPUTEC BÄM! Award 2010: Jetzt Vorschläge für die Nominierungen einreichen! (35)
14:15 Cinematic Mod-Macher Jürgen Vierheilig im Interview über HL2: Episode Three und CryEngine 2 (20)
14:02 Bildungsreform durch World of Warcraft - Erfahrungspunkte statt Noten (17)

button arrow right Zum News-Archiv

button arrow right Alle User-News    button arrow right User-News erstellen


Anzeige
Weitere Neuheiten:
Assassins Creed 2
Supreme Commander
Battlefield BC 2
Einzelne PC-Spiele zum Kaufen & Runterladen
Mehr Infos
1. LoL Collector
2. Anno 1404
3. A1404 Venedig
4. C&C: AR3
5. Drakensang : AFDZ

Aktuelles Video

Video 08.15 Uhr - 15.02.2010

Cryminator: City-Map-Trailer gibt Ausblick auf das

Update vom 21. Februar 2010: [br]Crysis 2 spielt bekanntlich nicht mehr im Dschungel. Diesmal ...


Verfügbare Downloads zum Produkt

Download: Demo 08:48 Uhr - Freitag 09.02.07

Deutsche Demo zu War Front: Nachdem Sie bereits in der englischen…

Download: Demo 18:45 Uhr - Donnerstag 11.01.07

Einzelspielerdemo zu War Front: Turning Point: In der neuen, knapp 850 MByte großen,…

Download: Demo 15:24 Uhr - Mittwoch 29.11.06

Mehrspieler Demo erschienen: Was wäre, wenn Hitler schon in den frühen Tagen…


Copyright © 2010 by Computec Media AG      Kontakt  •  Impressum  •  AGB  •  Datenschutz  •  Mediadaten  •  Foren-Regeln  •  Redaktions-Blog