News

21.11.2006 18:06 Uhr

Entwicklerverband bezieht Stellung zum Amoklauf

Stellungnahme des Bundesverbandes der Entwickler von Computerspielen - G.A.M.E. e.V. mit Sitz in Berlin zu den tragischen Ereignissen vom 20.11.2006 an einer Schule im westfälischen Emsdetten:

Wir vertreten über 40 Produzenten und Dienstleister im deutschsprachigen Raum. Unsere Mitglieder sind jedes Jahr an der Produktion der verschiedensten Computer- und Videospiele in Deutschland und Österreich beteiligt.Das Schicksal der Opfer der Tat berührt uns zutiefst. Viele von uns sind Väter, Mütter; haben Familie. Wir sind erschrocken und betrübt über diese Tat. Wir möchten allen Betroffenen unser tiefes Mitgefühl aussprechen und wünschen den Verletzten eine rasche und ollständige Genesung. Energisch wenden wir uns allerdings gegen die politische Instrumentalisierung der Vorkommnisse. Wir wenden uns gegen die Kriminalisierung unseres Berufstandes und den Versuch einiger Verantwortlicher in unserem Land, ein international öffentlich, wissenschaftlich und kulturell anerkanntes Medium und dessen Künstler und Kreative mit nicht haltbaren Argumenten als Verantwortliche für den Amoklauf zu diffamieren.

Computer- und Videospiele sind nicht die Ursache für diese Tat. Das bestätigen viele aktuelle Aussagen von Experten, Psychologen und Pädagogen in der Presse. Vielmehr geht es um die Sorgen und Nöte einer Generation jugendlicher Menschen, die in Familie, Schule, Beruf und Gesellschaft offensichtlich zu wenige Möglichkeiten für Selbstbestätigung, Anerkennung und Hilfe im Krisenfall findet.

Wir finden es schlicht unseriös, Computer- und Videospiele immer wieder für ein gesamtgesellschaftliches Problem anzuprangern. Wie schon so oft in der Vergangenheit werden wir nach unserer Verantwortung als Produzenten gefragt. Wir sind uns dieser Verantwortung bewusst und vertrauen auch ganz bewusst auf die Vielzahl gesetzlicher Regelungen in Deutschland, mit deren Hilfe Gerichte, Bundes- Behörden und die Bundesländer Kinder und Jugendliche vor Inhalten schützen, die für sie ungeeignet sind. Dieses Aufgebot an professionellem Jugendschutz ist
weltweit einmalig und wird von uns aktiv unterstützt. Computerspieler sind keine Randgruppe. Gespielt wird in jeder Bevölkerungsgruppe. Computerspiele begeistern das sechsjährige Mädchen ebenso, wie den 40-jährigen Politiker, die Sekretärin oder einen 70 Jahre alten Rentner. Diese Menschen haben innerhalb des gesetzlichen Rahmens das Recht, selbst zu entscheiden, was sie spielen möchten. Dieses Recht gilt es ebenso zu wahren wie den Jugendschutz zu gewährleisten. Jugendschutz darf nicht an der Kinderzimmertür aufhören. Eltern müssen kontrollieren, was ihre Kinder dort tun - ob und was sie spielen, welche Musik sie hören und welche anderen Interessen sie haben. Eltern und Pädagogen haben die Pflicht, sich aktiv um Kinder und Jugendliche zu kümmern und müssen reagieren, wenn sich diese auffällig verhalten und immer aggressiver
und verschlossener werden. Während also medial die Symptome in den Vordergrund gestellt werden, fällt die Frage nach der Ursache für das Attentat unter den Tisch: Wie kommt ein 18-jähriger an Waffen, Munition und Sprengstoff? Wie kann es sein, dass er von seinem sozialen Umfeld so im Stich gelassen wurde? Wie kann es sein, dass er seit über drei Jahren in verschiedenster Form im Internet, im Freundeskreis, in der Schule und sogar bei professionellen, psychologischen Diensten auffällig geworden ist und um Hilfe bat, ohne dass darauf entsprechend reagiert wurde? Wir fordern die Politik daher auf, nicht erneut das Versagen unserer sozialen Systeme zu ignorieren und den schwarzen Peter wieder einmal unreflektiert an die Computerspieleindustrie weiterzureichen.
Wir brauchen in Deutschland keine strengeren "Verbote" - bestehende Verbote müssen besser überwacht werden. Wie sonst sind Robert Steinhäuser und Bastian B. an ihre Waffen bzw. Bomben gekommen? Wir brauchen mehr Initiativen, die Schülern und Jugendlichen Hilfe bei sozialen Problemen bieten. Wir brauchen mehr professionelle psychologische und pädagogische Ansprechpartner für Lehrer, Eltern und Pädagogen, die bei der Erziehung von Jugendlichen und
Schülern überfordert sind. Öffentliche Gelder müssen wieder verstärkt in die Unterstützung unserer sozialen Systeme fließen und nicht in den Aufbau von strengeren Zensurbehörden oder von kriminalistischen Instituten, die sich nur mit den Symptomen und nicht mit den Ursachen
beschäftigen.
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FossilZ - 23.11.2006 18:54
Zitat: (Original von Ra-Tiel am 23.11.2006 07:59)

Warum? In einem Schützenverein lerne ich den wirklichen Umgang mit Feuerwaffen. Laden, Entsichern, Zielen, Störungsbeseitigung, etc pp.

Da muss ich dich leider enttäuschen, aber die fett geschriebenen sachen lernst du in einem DSB-Verein sicherlich nicht. Es sei denn, du meinst den Schützenverein eine Nr. größer
 

PS: ja, mag zwar pingelig sein, konnte ich mir aber nicht verkneifen  
Spassbremse - 23.11.2006 14:09
Zitat: (Original von Boesor am 23.11.2006 14:02)


Auf was schieße ich im Schützenverein?
Auf was schieße ich (visuell) bei "Killerspielen"?


Um die rhetorischen Fragen zu beantworten...
 

Natürlich schieße ich im Schützenverein auf Zielscheiben, während ich in "Killerspielen" virtuelle Abbilder von Menschen umniete.

Fakt ist aber, dass man evtl. durch Killerspiele zwar die Hemmschwelle abbauen kann, auf echte Menschen zu schießen, in Schützenvereinen aber definitiv die Technik erlernt, mit echten Waffen treffsicher zu schießen.

Insofern sehe ich bei entsprechend gefährdeten Personen dann eine wirkliche Gefahr, wenn beides eintritt - siehe Steinhäuser.

Im Gegensatz zum Glück eher "inkompetenten" Bastian B., war Robert S. in Erfurt deutlich "effizienter", da er im Schützenverein regelmäßig seine Fähigkeiten trainieren konnte.

Gruss,
Bremse
Boesor - 23.11.2006 14:02
Zitat: (Original von Ra-Tiel am 23.11.2006 07:59)
Zitat: (Original von Boesor am 22.11.2006 20:27)
Zitat: (Original von oslowski am 22.11.2006 19:29)


Außerdem müsste man jeden Schützenverein in Deutschland verbieten und schließen. Da hat man real eine Waffe in der Hand. Aber das ist egal. Virtuell ist ja viel schlimmer!!



Gehts vielleicht noch unsachlicher?
Ist der Unterschied wirklich nicht klar?

Warum? In einem Schützenverein lerne ich den wirklichen Umgang mit Feuerwaffen. Laden, Entsichern, Zielen, Störungsbeseitgung, etc pp.

Zeig mir doch mal bitte den 16jährigen CS Spieler der ein G3 laden und entsichern kann. Geschweige denn noch irgendwas treffen kann was weiter weg ist als 3m und kleiner als ein Scheunentor.  


Auf was schieße ich im Schützenverein?
Auf was schieße ich (visuell) bei "Killerspielen"?
Ra-Tiel - 23.11.2006 07:59
Zitat: (Original von Boesor am 22.11.2006 20:27)
Zitat: (Original von oslowski am 22.11.2006 19:29)


Außerdem müsste man jeden Schützenverein in Deutschland verbieten und schließen. Da hat man real eine Waffe in der Hand. Aber das ist egal. Virtuell ist ja viel schlimmer!!



Gehts vielleicht noch unsachlicher?
Ist der Unterschied wirklich nicht klar?

Warum? In einem Schützenverein lerne ich den wirklichen Umgang mit Feuerwaffen. Laden, Entsichern, Zielen, Störungsbeseitgung, etc pp.

Zeig mir doch mal bitte den 16jährigen CS Spieler der ein G3 laden und entsichern kann. Geschweige denn noch irgendwas treffen kann was weiter weg ist als 3m und kleiner als ein Scheunentor.  
Boesor - 22.11.2006 20:27
Zitat: (Original von oslowski am 22.11.2006 19:29)


Außerdem müsste man jeden Schützenverein in Deutschland verbieten und schließen. Da hat man real eine Waffe in der Hand. Aber das ist egal. Virtuell ist ja viel schlimmer!!



Gehts vielleicht noch unsachlicher?
Ist der Unterschied wirklich nicht klar?
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small button News - 01.24 Uhr - Freitag 29.02.2008

Bundesverband G.A.M.E. mahnt zur Vorsicht hinsichtlich der GAMESCom in Köln

[IMG=783096]Der Bundesverband der Entwickler von Computerspielen G.A.M.E. äußerte sich nun in einer Pressemitteilung zur GAMESCom. Erst Anfang der Woche [url=http://www.pcgames.de/?article_id=633538]entschied sich der BIU für den Standort Köln[/url] als Austragungsort der GAMESCom, der neuen Games-Messe, die als Ersatz für die Games Convention im Jahr 2009 stattfinden soll. [br][br]Die Pressemitteilung von G.A.M.E.: [br][br]"Es ist kein Geheimnis, G.A.M.E. wäre gerne auch nach 2008 in Leipzig geblieben. Für uns und unsere Mitglieder ist der Standort Leipzig und unsere dort jährlich stattfindende Branchenmesse GC der Höhepunkt eines jeden Messejahres und ein guter Messestandort. [br][br]Die GC war in der Vergangenheit "unsere" Messe, die sich in den letzten sechs Jahren hervorragend entwickelt hat und der wir und unsere Mitglieder Jahr für Jahr begeistert entgegen gesehen haben. Die GC hat nicht zuletzt auch die wachsende Bedeutung und Entwicklung unseres Verbandes miterlebt: Waren wir dort 2004 erstmals mit knapp 100m² vertreten, wird der Gemeinschaftsstand von G.A.M.E. in 2008 bereits über 800m² groß sein und wir werden in Leipzig mit über 70 Mitgliedsunternehmen, verschiedenen Landesständen sowie fast einem Dutzend Nachwuchsentwicklern vertreten sein. Dies ist nicht zuletzt auch durch die tolle Unterstützung der Leipziger Messe und des engagierten Teams dort möglich. [br][br]Das sich der BIU - dessen Mitglieder nach Informationen der Leipziger Messe ca. 30% der Ausstellungsfläche in 2007 gebucht hatten - nun dafür entschieden hat, eine neue Branchenmesse in Köln zu etablieren, stellt uns, unsere Mitglieder und auch unsere Branche vor vollendete Tatsachen und diese sorgen nicht überall für Begeisterung. [br][br]Natürlich haben wir alle mitbekommen, dass es eine Standortdiskussion gab. [br][br]Aber durch Gespräche während der letzten Wochen wissen wir auch, dass viele Unternehmen in die Meinungsbildung zum Messeumzug nicht einbezogen wurden und dies sorgt vielerorts für deutliche Verstimmungen. Diese Kritik muss sich der BIU m. E. zu Recht gefallen lassen. [br][br]Wichtig ist nun, dass vor allem die inhaltlichen Punkte, die letztlich trotz der hervorragenden Arbeit der Leipziger zur Entscheidung gegen Leipzig und für Köln geführt haben, im Detail transparent gemacht werden. [br][br]Denn sicherlich bietet Köln, gerade mit Blick auf eine internationale Leitmesse, Vorteile gegenüber Leipzig, trotzdem darf dabei nicht das vergessen werden, was Leipzig erfolgreich gemacht hat: Ein engagiertes Team. Ein sehr gutes Umfeld. Eine lebendige Ausstellerszene. Eine Stadt und eine Region, die komplett im Zeichen der GC stand... [br][br]Werfen wir einen Blick auf die Zeit nach der GC 2008: [br][br]Eine Branchenmesse ohne Nintendo, Microsoft, EA und die anderen großen internationalen Player ist nicht vorstellbar - aber ebenso wenig kann man sich eine Messe ohne die vielen mittleren und kleinen Aussteller vorstellen. [br]Die GC hat insbesondere durch das Engagement vieler einzelner deutscher Unternehmen in den letzten Jahren ihre jetzige Größe, ihr Profil und ihre Bedeutung bekommen. Wir hoffen, dass das Messekonzept der GAMEScom offen ist für Vorschläge all derer, die nicht im BIU organisiert sind. Dafür gibt es sowohl vom BIU als auch von der Kölnmesse bereits deutliche Signale und wir freuen uns auf die Gespräche der nächsten Wochen. [br][br]Das schlimmste, was uns als Standort Deutschland passieren kann, ist, dass wir "englische Verhältnisse" bekommen - d.h. das wir nicht mehr eine gemeinsame, große Messe veranstalten, sondern mehrere kleine, denn dann versinken wir und die Aufbauarbeit der Vergangenheit die unsere gesamte Industrie - und natürlich auch die Unternehmen des BIUs - gemeinsam mit der GC geleistet hat, unweigerlich in der internationalen Bedeutungslosigkeit. [br][br]Die Leipziger haben in den letzten Jahren hervorragende Arbeit geleistet, die es nun in Köln fortzusetzen gilt. [br][br]Wir müssen daher 2009 den Standortwechsel nach Köln auf Anhieb zu einem großen, internationalen Erfolg machen und dazu - alle gemeinsam - unsere Netzwerke aktivieren, auf den Wechsel hinweisen und unsere Geschäftspartner dorthin einladen. Sollte uns dies nicht gelingen, werden wir in 2009 zwar eine große Publikumsmesse in Köln erleben - denn dazu ist der Standort dort tatsächlich ideal - aber eine bedeutungslose Business-Messe. Dies müssen wir mit allen Kräften verhindern. [br][br]Wir hoffen daher, dass sowohl die Kölnmesse, als auch der BIU gezielt Vorschläge und Ideen der deutschen Entwickler und der deutschen Industrie aufgreifen. Nur gemeinsam können wir die aus unserer Sicht unbestrittene Erfolgsgeschichte der Leipziger GC in Köln weiterführen. Für G.A.M.E. steht dabei der Standort Deutschland im Vordergrund und wir bieten dem BIU und der Kölnmesse unsere Zusammenarbeit bei der Planung und Entwicklung der Messe in Köln an. Dazu stehen wir natürlich auch den Vorschlägen der Unternehmen offen, die bisher nicht im Bundesverband G.A.M.E. organisiert sind. [br][br]In diesem Jahr werden wir noch einmal alle Energien auf Leipzig ausrichten. Die GC 2008 muss ohne Wenn und Aber erneut zu einem Highlight im internationalen Messegeschäft werden. Wir haben in Deutschland die einmalige Chance, nicht nur die europäische sondern die internationale Leitmesse der Gamesindustrie zu veranstalten. Unsere Engagement 2008 und 2009 ist dabei entscheidend. Diese Chance dürfen wir nicht vergeuden."

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