"Entscheidend is' auf'm Platz!" - EA Sports bleibt hinter seinen Möglichkeiten zurück, liefert aber trotzdem ein gutes Spiel ab. Die Bugs hingegen stören.
Die Bundesligasaison ist schon gut zwei Monate alt, nun wartet der Fußball Manager auf Sie. Noch immer investieren Sie viel Zeit in die einzelnen Einstellungen - und davon gibt es reichlich. Informationen, Tabellen und Zahlen erschlagen Einsteiger förmlich. Doch genau das ist der Reiz für viele alteingesessene Fans der Serie. Eine Informationswelle nach der anderen rollt auf den Spieler zu und versorgt ihn mit allem, was er wissen muss und wissen will.
Dabei hat die Vielfalt im Gegensatz zum Vorgänger deutlich an Fahrt aufgenommen. In der 07er-Ausgabe trainieren Sie nämlich auch die A-, B-, C- und D-Jugend Ihres Vereins, schicken die Jungs in Trainingscamps oder beordern gute Männer in den ersten Kader. Außerdem kümmern Sie sich wieder um Ihr Privatleben, kaufen Autos, mieten Wohnungen, spielen Golf oder machen Ihrer Frau ein Geschenk. Eine der gravierenden Neuerungen ist die Spielerkarriere. Neben der normalen Managersimulation lenken Sie die Geschicke eines einzelnen Spielers.
Im Klartext: Sie übernehmen die Steuerung Ihres Auserwählten per Gamepad oder Tastatur. Das stellt sich allerdings als schwammig heraus, denn die Steuerung kann mit dem hauseigenen FIFA 07 nicht ansatzweise mithalten und wirkt oft verzögert, was einen reibungslosen und perfekt abgestimmten Spielfluss unmöglich macht.
Hohe Fehlerquote
Neben dem Textmodus steht Ihnen für die Spieldarstellung auch wieder der 3D-Modus zur Verfügung, der sich im Vergleich zum Vorgänger grafisch nicht verbessert hat. Profis greifen eh zum Textmodus, denn die Grafikvariante weist einige eklatante Fehler auf: Da rennt der Torwart bis zur Mittellinie, um den Ball abzufangen, der Schiedsrichter pfeift Abseits, wo kein Abseits ist, und verteilt Gelbe Karten, wenn das vermeintliche Foul ein sanfter Schubser ist. Solche Ungereimtheiten bleiben Ihnen im Textmodus zumeist erspart, aber Fehler sind trotzdem vorhanden.
In unserem Test kam es in fast jeder Partie dazu, dass der Schiedsrichter mehrmals im Spiel vom Ball getroffen wurde und so ein Tor oder eine Chance verhinderte. Das frustriert ungemein, schließlich kommt so etwas in einem wirklichen Fußballspiel selten vor. Ansonsten präsentiert sich der Textmodus wieder äußerst spannend, denn die Abschnitte sind aufregend geschrieben und durch Gedankenpunkte abgetrennt, was die Spannung auf die Spitze treibt.
Auch sind die Auswirkungen Ihrer Anweisungen im Textmodus sofort ersichtlich. Befehlen Sie den vollen Angriff, blinken fast ausschließlich noch Angriffe Ihrer Mannschaft auf. Die Gefahr eines Konters seitens des Gegners steigt so aber rapide an. Ihr Co-Trainer weist Sie jedoch frühzeitig darauf hin, sodass Sie die Möglichkeit bekommen, einzugreifen.
Gewaltiger Umfang
Der Managerpart ist wie immer gelungen und erfüllt jedes Fanherz mit Freude. Der Umfang ist schier unerschöpflich. Sie legen Gehälter fest, schließen Transfers ab, sprechen mit Ihren Spielern, kümmern sich um die Fans, bauen das Stadion aus und betreiben Jugendarbeit. Sie holen Sponsoren an Land und schließen jetzt auch Kooperationsverträge mit anderen Vereinen ab.
So sammeln die jungen Spieler kleinerer Vereine Spielpraxis und die großen Vereine sichern sich frühzeitig Talente. Hinzu kommt, dass sämtliche Menüs auf Vordermann gebracht wurden - die Übersicht ist maximiert. Außerdem fließen die Vereinsfarben mit in das Gesamtbild ein. Spielen Sie den FC Bayern, sind die Menüs in Rot und Weiß gehalten. Spielen Sie hingegen den VfL Bochum, locken blau-weiße Tabellen und Anzeigen.
Verzichten Sie lieber auf viele Informationen während eines laufenden Spiels, verfolgen Sie es im neuen Videotext-Modus. Durch die Lizenzen nationaler und internationaler Spitzenligen kommt eine großartige Atmosphäre für Fußballfans auf und Transfers vereinfachen sich allein schon durch die Namen der Spieler. Dabei fällt allerdings wieder ein bekannter Fehler auf: Im privaten Gespräch sagt Spieler X Ihnen, dass er mit der momentanen Situation im Kader unzufrieden ist und wechseln will. Bei den Verhandlungen hingegen möchte er seinem Verein die Stange halten. Verkaufen Sie ihn, wirkt sich das negativ auf die Mannschaft aus. Behalten Sie ihn, ist der Spieler unzufrieden, was sich ebenfalls auf die Kollegen auswirken kann.
Das geht besser
Auch im Mehrspielermodus treiben Sie wieder Ihr Spiel. Um die Partien ein wenig anzuheizen, setzen Sie ein Zeitlimit. In diesem Rahmen müssen alle Aktionen getätigt sein, dann geht's aufs Spielfeld. Dort aber hat die Konkurrenz die Nase vorn, denn wirklich spannender als die Spiele gegen die KI sind Mehrspielerpartien bei EA Sports' Fußball Manager nicht. Das kann Heimspiel 2006 besser.
Chance vertan! Trotz einiger Neuerungen bleibe ich lieber beim Vorgänger!
Schön, dass EA Sports mir nun erlaubt, einen einzelnen Spieler auf dem Platz zu steuern. Nur was nutzt mir dieses Feature, wenn es unausgereift daherkommt? Da verzichte ich lieber und genieße das Spiel im wirklich spannend geschriebenen Textmodus. Die Verbesserungen seitens EA Sports sind insgesamt wirklich schöne Ideen, die es weiter zu verbessern und auszubauen gilt. Wie der legendäre Dortmunder Borusse Adi Preißler (1921 - 2003) aber mit seinem berühmt-berüchtigten Zitat schon sagte, zählt das, was auf dem Platz passiert - und nicht das, was passieren könnte. Wenn im nächsten Jahr alle Fehler ausgemerzt sind, ich meinen Spieler vernünftig steuern kann und die Co-Trainer schlauer agieren, gibt's auch wieder eine bessere Wertung. Genug der Meckereien: Der Fußball Manager 07 ist trotzdem ein sehr gutes Spiel!