Testbericht

25.09.2006 00:10 Uhr

Faces of War

PC Games-
Spielspaß-Wertung
(Ausgabe 11/2006)
78%
Durchschnittliche
Lesertestwertung:
        
50 %

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Hoher taktischer Anspruch Teils umständlich geratene Steuerung
Groß inszenierte Schlachten Nerviges Inventar-Handling
Abwechslungsreiche Missionen  

Commandos verspeisen Sie zum Frühstück und Codename Panzers gehört für Sie in den Kindergarten? Glückwunsch, Sie sind der richtige Kandidat für Faces of War.

Soldiers: Heroes of World War 2 ließ im Juli 2004 hartgesottene Fans von Taktikspielen aufjubeln, strategische Leichtathleten verzweifelten jedoch am knackigen Schwierigkeitsgrad. Anspruchsvolle Missionen und eine damals erstklassige Grafik sorgten für langen Spielhochgenuss. Lediglich ärgerliche Bugs trübten die Spielerseele. Jetzt steht der Quasi-Nachfolger in den Startlöchern und schickt Sie erneut an die Fronten des Zweiten Weltkriegs.

Für die drei Kampagnen (es grüßt das deutsch-alliiert-russische Trio) gibt es insgesamt je drei Tutorial-Missionen, die jedoch identisch sind. Schade, hier hätten wir etwas mehr Fantasie erwartet. Aber spätestens in der ersten Kampagnen-Mission der Deutschen zeigt Faces of War seine Muskeln: Sie steuern drei Soldaten und wehren zusammen mit sehr clever agierenden KI-Landsern eine riesige Übermacht der Tommies beziehungsweise der englischen Truppen bei der Brücke von Nimwegen ab.

Sofort fühlt man sich mittendrin im Schlachtgeschehen und ist als Einsteiger gleichwohl überfordert. Der von uns gewählte Taktik-Modus ist als sackschwer zu bezeichnen und nur ausdauernden und erfahrenen Spielern zu empfehlen. Wer sich Frust ersparen will, startet im sogenannten Arcade-Modus, in dem die eigenen Figuren mehr einstecken und sich automatisch heilen, sofern Medikits vorhanden sind.

Zu viel des Guten?

Hunderte von Waffen und Objekten stehen Ihren Figuren zur Verfügung. Leichen, Kisten und Lager lassen sich plündern, die Soldaten nach Belieben ausrüsten. Die Folge von all der Vielfalt ist ein ziemlich überladenes Spielmenü, das so überfrachtet ist, dass man zum Beispiel allein 36 Befehlsschaltflächen in einem dreigeteilten Menü am rechten unteren Bildrand untergebracht hat. Was hier eindeutig fehlt, ist ein streng kontextbezogenes Maus-Interface.

Die Ansätze dafür sind durchaus da: Fährt man mit der Maus über ein Objekt, erscheint ein Icon, um es aufzuheben. Bei einem toten Soldaten oder einer Kiste taucht ein Auge (Objekt untersuchen) auf. Will man dagegen ein Fahrzeug reparieren, muss man zuerst den richtigen Befehlsreiter auswählen, dort auf das Schraubenschlüsselsymbol und dann aufs Ziel klicken. Zum Glück gibt es Hotkeys.

Wenn Sie eine Gruppe Soldaten, die unterschiedliche Waffen tragen, durch die Gegend führen, sind die entsprechenden Icons im Menü hervorgehoben. Klickt man beispielsweise auf das Panzerfaust-Icon und dann auf ein Zielfahrzeug, setzt die richtige Einheit diese Waffe ein. Klingt gut, dennoch ist diese Art der Befehlsgebung in den recht hektischen Gefechten manchmal einfach zu umständlich. Effektiv wäre es gewesen, wenn zum Beispiel bei ausgewählter Gruppe und Rechtsklick auf ein Ziel einfach die verfügbaren Icons um den Maus-Cursor erscheinen - schnell das Gewünschte anklicken und fertig.

Lohn der Mühen

Sobald Sie sich mit den Tücken der Steuerung angefreundet haben, dürfen Sie sich auf teils riesigen Schlachtfeldern austoben. Spektakulär ist die Art und Weise, wie Sie die Figuren durchs Gelände bewegen. Weiße Silhouetten zeigen sofort, wie sich die Gruppe am Ziel aufbaut - ob sie beispielsweise kniend an einer Mauer in Deckung geht oder sich links und rechts von Türen aufbaut. Das schafft ein tolles Commander-Feeling. Dazu kommen klasse Physik-Effekte - alles lässt sich zerstören und frisch entstandene Trümmer bieten neue Deckung.

Die Kampagnen-Missionen sind zudem meist sehr lange und abwechslungsreich aufgebaut. Oft dachten wir: "Zum Glück ist die Mission ja gleich zu Ende, uns geht langsam die Puste und die Munition aus". Nein, da schicken die Entwickler skriptgesteuerte Nachschubtruppen ins Feld - das erscheint manchmal zu sehr in die Länge gezogen. Für solche Einsätze dürfen Sie ruhig mehrere Spielstunden einplanen, um alle Feinheiten auszutüfteln. Es wäre durchaus sinnvoll gewesen, manche überlangen Missionen aufzuteilen.

Grafisch spielt Faces of War auf jeden Fall in der oberen Liga mit - die Levelkarten sind sehr detailverliebt und vor allem die Animationen der Soldaten machen was her. Wenn Sie beispielsweise einen Trupp an einer Hausecke platzieren und eine Weile zuschauen, sehen Sie, wie die Jungs sich an die Mauern pressen und immer wieder um die Ecke spitzen - das schafft ordentlich Atmosphäre.

Auch die Fahrzeuge sehen klasse aus. Es gibt mehrstufige Schadensmodelle, Ketten von Panzern zerfetzt es in Minenfeldern, Räder von explodierenden Vehikeln fliegen durch die Luft - da steht uns öfter der Mund vor Staunen offen. Was etwas stört, ist der deutlich weichgezeichnete Grafik-Look, der Faces of War irgendwie zu sauber aussehen lässt. Company of Heroes zaubert eine deutlich düstere und stimmigere Kriegsszenerie auf.

Wo bleibt der Nachschub?

Bei den langen Gefechten geht Ihren Schützlingen zwangsläufig irgendwann die Munition aus. Dann heißt es, Kisten und Leichen plündern. Das erscheint am Anfang noch realistisch, nervt aber im fortlaufenden Spiel mehr, als es Spaß bereitet. Da Sie ja auch nicht im Vorfeld wissen, ob das gewählte Objekt die gewünschte Munition oder Ausrüstung bei sich hat, müssen Sie viele Mausklicks und Zeit für Ausrüstungstauscherei einplanen.

Bloß dumm, dass Sie gerade im knüppelharten Taktik-Modus genau diese Zeit nicht haben. Hier wäre eine automatische Spielunterbrechung bei geöffnetem Inventar schön gewesen. Oder noch besser: eine Schaltfläche für automatisches Durchsuchen nach Ausrüstung in einem gewissen Aktionsradius. Entwickler Best Way hätte sich ruhig bei Rollenspielkollegen wie Dungeon Siege oder Sacred bedienen dürfen, die solche Komfortfunktionen besitzen.

Was genau mache ich hier?

So vielseitig die Missionen bei Faces of War auch sind, man fühlt sich oft etwas hilflos und die Missionsziele sind nicht immer eindeutig. Im Test kam es öfter vor, dass plötzlich die Meldung "Missionsziel erreicht" zu lesen war, obwohl wir nicht genau wussten warum. Irritierend sind weiterhin Programmierpatzer, zum Beispiel in einer Mission der deutschen Kampagne, in der es im Missionstext heißt: "Überqueren Sie den Fluss und zerstören Sie die Brücke."

Seltsamerweise befindet sich aber der Missionsmarker an einer Straßenkreuzung weit vor besagter Brücke. Das sorgt für Verwirrung. Schade ist auch, dass die Protagonisten wie austauschbare Figuren erscheinen. Es handelt sich um die "Massenware" Soldat. Ob Sie eine Mission mit nur einem Überlebenden oder mit einem intakten Team beenden, spielt keine Rolle und hängt lediglich von Ihrem Ehrgeiz ab. So richtig motivierend ist das jedenfalls nicht.

Viel ansprechender dagegen sind die vielen taktischen Winkelzüge, die das Spiel bietet. Flankenangriffe, gegnerische Panzer kapern, Minen legen, es gibt viele verschiedene Wege, wie Sie an eine Mission herangehen, und das macht den eigentlichen Spielreiz aus.

Company of Soldiers

All die bislang genannten Mängel sind für sich genommen nicht gravierend, machen sich aber in der Summe negativ bemerkbar und gehören einfach nicht in ein zeitgemäßes Spiel, das zu den Besten gehören will. Der Spitzenreiter des Echtzeit-Strategie-Genres Company of Heroes zeigt beispielsweise, wie es geht. Natürlich ist Relics Glanzstück ein Quasi-Hollywood-Projekt und echte Taktik-Fans werden es wahrscheinlich als zu leicht betrachten.

Dennoch muss sich Faces of War den Vergleich gefallen lassen, vor allem in puncto Bedienungsfreundlichkeit und Präsentation gibt es bessere Spiele. So bleibt Ubisofts Taktik-Spiel zwar ein durchaus guter Titel, verschenkt aber letztlich den besten Platz ganz oben im Taktik-Himmel.
  Aktuelle Durchschnittswertung:
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Stefan Weiß

Das Missionsdesign ist bestens gelungen, dafür schmerzt die Steuerung.

Vorgänger Soldiers bot taktisch anspruchsvolle Kost, aber auch haufenweis Bugs. Faces of War macht das besser: Schlimme Fehler traten nicht auf. In den Gefechten kann ich mich richtig austoben. Die Missionen sind fordernd und es kracht und rumst an allen Ecken. Je länger ein Kampf dauert, desto deutlicher macht sich das auf dem Schlachtfeld bemerkbar. Anfangs halbwegs intakte Städte bleiben als rauchende Trümmerhaufen zurück. Jede Veränderung kann ich wiederum für taktische Zwecke nutzen  das ist genial. Wieso Faces of War aber dennoch der Sprung in die 80er-Klasse verwehrt bleibt? Das liegt zum größten Teil an der recht umständlich geratenen Steuerung und Menüführung. Vor allem das frickelige Umhergerenne, um Munition aufzusammeln, hätte komfor-tabler gelöst werden können. Schade ist auch, dass einem die Figuren in keiner Weise ans Herz wachsen, da es völlig egal ist, mit wie viel Einheiten Sie die jeweiligen Missionsziele erreichen. Medaillenvergaben im Debriefing hätten hier für bedeutend mehr Motivation gesorgt.
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Allgemeine Infos

Name Faces of War
Genre Echtzeit-Strategie
Webseite http://www.facesofwargame...
Hersteller Best Way
Anbieter Ubisoft
VÖ-Termin 14.09.2006 - zu diesem Produkt einen Lesertest schreiben!
Preis nicht bekannt
Plattformen: pc.gif
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