Testbericht

28.08.2006 00:10 Uhr

Sin Episodes: Emergence (dt.)

PC Games-
Spielspaß-Wertung
(Ausgabe 10/2006)
68%
Durchschnittliche
Lesertestwertung:
        
78 %

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Dank Source-Engine gute Figuren und Physik Dämliches Balancing-System
Schießereien mit Old-School-Feeling Nur drei Waffen, wenig Abwechslung
  Vier Stunden Spielzeit ohne Höhepunkte

Der Shooter im Episodenformat hat es - leicht gekürzt - endlich nach Deutschland geschafft. Aber kann er auch überzeugen?

Pralle, wippende Brüste. Viel mehr sieht man nicht, wenn Sin Episodes: Emergence (dt.) beginnt. Eigentlich ganz okay, auch wenn man dem Gespräch zwischen Elexis, dem üppigen Pfundsweib, und einem bösen Gangster kaum folgen kann, das vor einem abläuft. Es geht in etwa darum, dass man auf einem Stuhl festgeschnallt ist und die Übeltäter uns irgendeine Substanz verabreicht haben. Noch ehe man weiß, was eigentlich abgeht, fängt irgendwer das Ballern an und alsbald befreit Jessica, ein niedlicher Rotschopf mit Schrotflinte, unser Alter Ego.

Jetzt erinnern wir uns: Wir schlüpfen in die Haut von Blade, einem knallharten Superbullen, der sich bereits 1998 im indizierten Vorgänger von Sin Episodes (dt.) durch eine düstere Zukunftsvision ballerte. Damals jagte er Elexis Sinclaire, Busenwunder und Mutanten züchtende Wissenschaftlerin mit irren Welteroberungsabsichten. Alles klar. Der indizierte Vorläufer und Sin Episodes (dt.) teilen neben der Handlung noch eine Gemeinsamkeit: Beide sind ziemlich veraltet.


Wenig drin

Noch ehe man sich in die Atmosphäre des Spiels hineingefunden hat, wird man schon durch ein Hafenviertel gescheucht. Dort soll man jemanden treffen - die Gründe dafür bleiben ob des verkorksten Erzähltempos auf der Strecke. Eine nette Fluchtsequenz mitsamt krachenden Holzbalken und explodierendem Kleinkram führt zu etwas, das wir schon gern früher gehabt hätten: die erste Knarre.

Mit der Magnum feuern wir neben dem langsamen Standardschuss auch Energieprojektile ab, die mehrere Gegnerreihen durchschlagen und einen schicken blauen Schweif hinterlassen. Das ist eine von lediglich drei (!) sehr konventionellen Waffen - mehr gibt es für die gesamte Spielzeit von vier Stunden nicht. Schrotflinte und Schnellfeuergewehr besitzen sekundäre Schussmodi, sind aber auch nicht wirklich aufregend.

So schießt man sich durch Hunderschaften von Soldaten. Das Gegneraufgebot ist ähnlich abwechslungsreich wie das der eigenen Bewaffnung: Drei Soldatentypen, zwei Mutanten, ein Riesen-Mutant als Bossgegner (der sogar zwei Mal auftaucht) und eine fliegende Sicherheitsdrohne - mehr ist nicht.


Bemühte Erzählweise

Das Ergebnis ist eine erschreckend simple Spielmechanik: Sie rennen durch sehr lineare Laboratorien, Kanalisationen und Hafengegenden und pusten alles weg, was nicht bei drei auf den Bäumen ist. Sicher, andere Shooter funktionieren ebenso. Doch die haben irgendeine Besonderheit, einen Höhepunkt, einen Moment mit "Wow!"-Effekt. Das fehlt Sin Episodes (dt.). Obwohl sich die Entwickler durchaus Mühe geben, Atmosphäre und sogar eine Spur Dramatik aufzubauen: Die Charaktere sind dank guter englischer Sprachausgabe (deutsche Untertitel sind zuschaltbar) und glaubhafter Mimik gut gelungen, während die treibende Musik oft eine Erwartungshaltung erzeugt, dass da etwas Großes kommt. Doch das passiert nicht.

Häufige Dialoge und kurze Skriptsequenzen sind nämlich nicht wirkungsvoll genug, um die uninspirierten Ballereien auszugleichen. Der Effekt: Es reißt nicht mit. Tragisch, wenn man bedenkt, welches Potenzial die Verbindung aus spannender Geschichte und beklemmender Spielwelt entfalten könnte! Immerhin: Optisch ist das Spiel dank Source-Engine gut gelungen, gerade die Physik- und Explosionseffekte gefallen. Aber: Innenlevels kennen ebensowenig Detailliebe wie das Beleuchtungssystem. Es gibt nicht mal eine Taschenlampe, auch Mündungsfeuer erhellt die Umgebung nicht.


Anpassungsfähig

Interessant: Es gibt keinen definierten Schwierigkeitsgrad, das Programm passt sich stattdessen der eigenen Spielweise an. Was super klingt, ist stark verbesserungswürdig: So hat man als geübter Shooter-Spieler früh das Gefühl, die Gegner hätten Zielwasser getrunken, derart präzise feuern sie selbst auf große Distanzen. Die Lebensenergieanzeige ächzt darunter solange, bis das Spiel den Anspruch herunterregelt. Mit anderen Worten: Wer oft genug stirbt, bekommt die Szene irgendwann leichter vorgesetzt.

Wir haben Emergence daher wiederholt durchgespielt und gravierende Unterschiede festgestellt: Beim ersten Durchlauf spielten wir normal und mussten früh gegen schwer gepanzerte Soldaten antreten. Beim zweiten Versuch stellten wir uns absichtlich dumm an - und siehe da, die schweren Gegner ließen sich lange Zeit nicht blicken, außerdem waren sämtliche Feinde nicht in der Lage, sich auch nur selbst in den Fuß zu schießen. Der Effekt: Ein stark schwankender Schwierigkeitsgrad und eine unglaubwürdige Feind-KI.

Emergence ist die erste von mehreren Episoden, das Spiel ist also noch nicht abgeschlossen. Das Erscheinungsdatum für Teil zwei ist zwar augenblicklich unbekannt, aber dafür soll ein Mehrspielermodus demnächst kostenlos per Steam folgen.
  Der Beitrag ist noch nicht bewertet.  
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Felix Schütz

Zu kurz, zu altbacken, zu gewöhnlich - Sin Episodes (dt.) lässt viele Wünsche offen.

Gegen das Episodenformat habe ich überhaupt nichts - immerhin kostet das siebenstündige Prey auch seine 40 Taler und da störts niemanden. Das Problem des grundsoliden Sin Episodes (dt.) ist vielmehr das Fehlen echter Highlights. Warum, liebe Entwickler, ist das so? Weil ich wenigstens eine (!) Eigenständigkeit von einem Spiel erwarte, das mit der exzellenten Source-Technologie betrieben wird! Stattdessen gibts nur gutes Mittelmaß. Man betrachte die Konkurrenz: An Prey und Half-Life 2 erinnere ich mich immer wieder gern. Aber welche Denkwürdigkeiten hat Emergence zu bieten? Drei Waffen, nette Charaktere und einen adaptiven Schwierigkeitsgrad, der mehr schlecht als recht funktioniert. Wenn die nächste Episode also nicht mal etwas Gas gibt und mich mit wenigstens zwei, drei klugen, spannenden Einfällen überrascht, spare ich mir die Kohle.
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Allgemeine Infos

Name Sin Episodes: Emergence (dt.)
Genre Ego-Shooter
Webseite http://www.sinepisodes.co...
Hersteller Ritual Entertainment
Anbieter Electronic Arts
VÖ-Termin 20.07.2006 - zu diesem Produkt einen Lesertest schreiben!
Preis nicht bekannt
Plattformen: pc.gif
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