Kaufen Sie eine Geburtstagstorte mit zehn Kerzen und schlafen Sie noch mal richtig aus, bevor Sie siedeln, bis der Arzt kommt.
Hühner legen Eier und Bakterien teilen sich, um ihre Art zu erhalten. Doch nach fünf Teilen der erfolgreichen deutschen Spieleserie namens Die Siedler wissen wir immer noch nicht, was bei den knuffigen Wuselmännchen zwischenmenschlich so abgeht. Das ändert sich jetzt, denn anlässlich des zehnjährigen Geburtstags von Die Siedler 2: Veni, Vidi, Vici lässt Ubisoft die Katze aus dem Sack: Das bewährte Spielkonzept präsentiert sich im frischen Grafikgewand und erzählt in einer zehnteiligen Kampagne, welches Geheimnis sich um die Frauen der Römer-Siedler und deren Verschwinden verbirgt - Spoiler - Ende.
Déjà-vu
Nach der erfreulich kurzen Installation (das Spiel belegt nicht mal 500 Megabyte auf der Festplatte) stellen Die Siedler-Veteranen schnell fest, dass sich am Gameplay so gut wie nichts verändert hat. Wie schon vor zehn Jahren geht es in den Kampagnenmissionen darum, ein Portal auf der Karte zu erreichen, durch das man in den nächsten Level vordringt. Als Gegner warten auf Ihre Römer die Völker der Nubier und Asiaten, die Sie im Freien Spiel auch selber übernehmen. In den ersten zwei Missionen gestaltet sich das Aufbauspiel absolut simpel: Die Auftaktkarte ist lediglich für Einsteiger interessant.
Es gibt noch keine Gegner und das Missionsziel beschränkt sich darauf, genügend Holz sowie Steine abzubauen und mit einer Kette von Militärgebäuden das Zielportal zu erreichen. Am Ende einer Mission haben Sie jedoch immer die Wahl, ob Sie die Karte beenden oder weiterspielen möchten. Wenn Sie noch recht wenig oder gar überhaupt keine Siedler-Erfahrung haben, nutzen Sie die Gelegenheit, die erste Karte als Freies Spiel fortzuführen. Dadurch haben Sie die Chance, sich mit den Wirtschaftskreisläufen auseinander zu setzen. Der große Reiz besteht nach wie vor darin, diese Abläufe zu optimieren und dafür eine entsprechende Infrastruktur mittels Straßen zu schaffen.
Jetzt wirds ernst
Mit jeder Mission gestaltet sich das gemütliche Siedeln schwieriger, da Entwickler Funatics immer anspruchsvollere und teils knifflige Karten bereithält. So gibt es beispielsweise karge Startregionen oder aggressive Gegner, die recht fix zu Gange sind, um Ihnen die wichtigen Erzvorkommen streitig zu machen. In der vierten Mission der Kampagne kommen Sie nur voran, indem Sie von Ihrer Start-insel aus Schiffsexpeditionen beginnen, da sich das Ziel auf einem anderen Eiland befindet. Die Pötte lassen sich mit ausreichend Rohstoffen beladen, um an einer geeigneten Anlegestelle einen neuen Startpunkt in Form eines Hafens zu errichten.
Danach fungieren Schiffe als Waren- und Männlein-Transporter. Ein wenig schade allerdings, dass die Nussschalen pro Fahrt zwar mehrere Waren, aber immer nur einen Fahrgast transportieren. Am Zielort angekommen, ist das Portal in gegnerischer Hand. Als Spieler sind Sie nun gefordert, für den nötigen Rohstoffnachschub aus der Heimatinsel zu sorgen und sich gleichzeitig auf dem frisch eroberten Fleckchen Erde erfolgreich zu behaupten. Eine solche Mission kann sich schon mal drei oder mehr Stunden hinziehen.
Optik mit Gewöhnungseffekt
So schön und knuffig die neuen Siedler auch daherkommen, beim Karten-Design schleift sich dieser optische Effekt doch recht bald ab. Wir ertappen uns spätestens ab der fünften Kampagnenmission dabei, nur noch mit dreifacher Geschwindigkeit (Wieso gibt es keinen Faktor zehn?) zu spielen, um möglichst schnell die interessanter gestalteten, letzten Karten der Kampagne freizuschalten. Dort gibt es dann bizarr anmutende Lavalandschaften mit Vulkanen und tollen Lichtspiegelungen auf dem Wasser zu bestaunen. In der Verkaufsversion sind auch Tag-und-Nacht-Zyklen enthalten, die in der Testfassung noch nicht aktiviert waren.
Richtig hübsch und liebevoll sind die Gebäude und deren verspielte Details anzuschauen. Die Geländetexturen sind fein geraten und dezente HDR-Effekte sorgen für Stimmung. Weniger stimmig empfanden wir die Gestaltung der Bäume, deren Oberflächentexturen im Vergleich zu den Gebäuden geradezu plump wirkten. Entwickler Funatics hatte gottlob ein Einsehen und versprach, die Bäume noch mal zu überarbeiten.
Zum Beweis schickte das Team uns Screenshots von den neuen Texturen, die deutlich hübscher ausgefallen sind. Die neuen Siedler stellen keinen Meilenstein in der Grafiktechnik dar. Zum Beispiel sieht es ein wenig merkwürdig aus, wenn die Figuren ständig durch sich hindurchlaufen, als wären sie Geister. Dennoch macht es lange Zeit Spaß, sich die kleine Welt von allen Seiten anzuschauen, was dank der gut bedienbaren Kamera flott von der Hand geht.
Voll auf die Siedlermütze
Kämpfe gestalten sich bei Die Siedler: Die nächste Generation in altbewährter Manier. Sie haben - anders als bei üblichen Strategiespielen - keine direkte Kontrolle über Ihre Kämpfer, sondern bestimmen anhand der Besatzung in den Militärgebäuden, wie groß Ihre Streitmacht an der Front ist. Einmal aufs militärische Zielgebäude geklickt, marschieren die Soldaten automatisch los und fechten Zweikämpfe aus - der Sieger nimmt das Gebäude ein und es findet eine Grenzverschiebung statt. Echtzeitschlachten, wie sie in heutigen Strategiespielen üblich sind, dürfen Sie nicht erwarten.
Gelungen ist die Neuerung, dass sich bestehende Militärgebäude erweitern lassen. Wenn Sie genügend Platz haben, zaubern Sie aus einer schnell an der Grenze errichteten Baracke eine mächtige Festung. In der Testversion fehlte allerdings noch eine Fortschrittsanzeige, sodass man keinen Überblick darüber hatte, wie weit der Ausbau nun gediehen ist. Funatics teilte uns mit, dass dieser Punkt schon auf einer Patch-Liste vermerkt ist.
Stationierte Soldaten lassen sich auslagern und umverteilen, das bringt etwas mehr taktische Tiefe ins Spielgeschehen. Insgesamt bleibt Die Siedler: Die nächste Generation aber ein gemütliches Spiel und ist als Remake ein gelungenes Geschenk für Fans und Einsteiger.
Alte Klassiker neu erleben - solche Remakes könnte es ruhig öfter geben.
Wer hätte es gedacht, dass ein zehn Jahre altes Spielprinzip auch heute noch für viele Stunden vor den Monitor fesselt? Abseits von Features wie "spektakuläre Massenschlachten", epische Story oder "riesiger Technologiebaum" schafft es Funatics, den ganz eigenen Charme des Klassikers von 1996 in die heutige Zeit zu transportieren. Straßen bauen, Wirtschaftskreisläufe erstellen und gemütlich dabei zuschauen, wie sich die 3D-Welt entwickelt - ich muss zugeben, das hat schon einen regelrecht beruhigenden Charakter. Zu ruhig, wie einige meiner Kollegen empfinden. Keine Frage, Die Siedler 2: Die nächste Generation ist in erster Linie ein Spiel für die vielen Fans der Serie. Neueinsteiger im Genre sollten sich vor Augen führen, dass hier keine schnelle oder actionreiche Kost geboten wird. Die wuseligen Männchen lieben es eher gemächlich und beschaulich - man könnte fast sagen, die Siedler sind die Hobbits unter den Strategiespielen. Ein wenig überzogen finde ich allerdings den Preis von 45 Euro, denn trotz all der Knuffigkeit schleicht sich zu schnell Routine im Spiel ein.