Eine Frau erscheint. Allein das reicht häufig aus, damit das Unheil seinen Lauf nimmt. Als George Stobbart, Held der Serie um Baphomets Fluch, in sein Büro kommt, steht darin eine Blondine, die ihn um Hilfe bittet. So beginnt Der Engel des Todes: Als Hommage an den Film noir. Die Blondine, Anna Maria ist ihr Name, behauptet, sie sei im Besitz eines Manuskripts, das den Weg zu einem sagenhaften Schatz weise. George ist geneigt, ihr Glauben zu schenken, denn kurz darauf schwirren die Kugeln: Mafiosi sind hinter der Sache her, George und Anna Maria flüchten übers Dach. Revolution-Chef Charles Cecil vertritt eine interessante Meinung: "Sex", findet er, "kommt in Spielen zu kurz." Womit er Recht hat. Deshalb verfällt George dem Charme Anna Marias, landet mit ihr im Bett. Seine Freundin Nico, übrigens der zweite spielbare Charakter, ist über diese Tatsache not amused. Zwischenmenschliches gehört in Der Engel des Todes zum Spannungsgemisch, so Cecils Plan. Die andere Zutat heißt Slapstick. Eine Vorabversion demonstriert, was die Lachmuskeln erwartet: Skurrile Charaktere, Ironien des Schicksals, viele lustige Sprüche und Aktionen. Ein Beispiel: Toni heißt einer der Mafiosi, die George und Anna Maria verfolgen. Bevor er die Beschattung aufnimmt, schärft ihm sein Gaunerkollege ein, die Sache nicht zu vermasseln. Später, George ist seinen Jägern entkommen, trifft man Toni wieder: An einem Fleischerhaken zwischen Schweinen hängend. Hinter all dem schwarzen Humor steckt ein Adventure mit klassischen Kombinationsrätseln der Marke "Benutze Golfschläger mit klemmender Tür". Ans 21. Jahrhundert hat Cecil nur das dreidimensionale Zugeständnis gemacht. Figuren, Hintergründe, Objekte, alles in 3D. Wenn George per Cursor-Tasten oder Mausklicks durch die Umgebung joggt, bewegt sie sich geschmeidig mit. Das Inventar klebt am oberen Bildrand, ist nur sichtbar, wenn der Cursor darübergleitet. Nicht nur der fortschreitenden Technik, auch dem aktuellen Geschmack zollt Cecil Tribut. So lässt sich das eingangs erwähnte Manuskript über den Bildschirm ausbreiten und um jeden Millimeter mit der Maus abfahren: über Burgen, vorbei an Rittern, hin zu kryptischen Symbolen. Zu Vielem weiß George Historisches zu sagen. Dann klingt er wie Robert Langdon in Sakrileg.
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