Testbericht

07.03.2001 15:51 Uhr

Die Freakshow muss weitergehen

Entfesselte Monsterscharen lassen Maschinengewehr und Machete nicht kalt werden.

PC Games-
Spielspaß-Wertung
74%
Durchschnittliche
Lesertestwertung:
        
- %

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Den Namen Kiss verbinden die meisten Menschen mit Rockgitarrensoli, schwarzweiß geschminkten Gesichtern und dezimeterhohen Plateausohlen. Der erste Kiss-Auftritt in einem Computerspiel sorgt dafür, dass satanische Missgeburten, Megawummen und Blutfontänen das Repertoire der Assoziationen bereichern.
Hätten Sie doch nicht die Kiste zerschlagen! Über die Holztrümmer hinweg trapsen fünf, sechs, sieben, acht schwarze Krabbelviecher von der Größe ausgewachsener Schimpansen und greifen mit ihren autoantennenlangen Krallen nach dem Störenfried - und der sind Sie. Es bleibt keine Zeit, um sich von dem Schrecken zu erholen. Mit fünf, sechs, sieben, acht Hieben seiner Machete zerstückelt Ihr Alter Ego die Kreaturen. Er hätte seine Knarre einsetzen können, doch Munition ist rar und nicht alle Gegner lassen sich mit der scharfen Klinge des Schwertes besiegen. Beispielsweise schweben die Ballonkreaturen frei durch die Luft und begeben sich nur in Bodennähe, um ihren Widersachern giftige Ausdünstungen entgegenzuschleudern.
Diese Widersacher sind vier Herren, die mit ihren 70er-Jahre-Frisuren stark an die Musiker besagter Hardrockcombo erinnern. Ihre Aufgabe ist es, so viele Monster wie möglich zu verhackstücken und sämtliche Teile einer Rüstung zusammenzusuchen, die dem Kiss-Bühnenoutfit gleichen wie ein Schlagzeugsolo dem anderen. Die Hintergrundgeschichte gibt vor, in welcher Reihenfolge die vier Desperados durch die Welt des Psycho Circus gejagt werden; wenn Sie mögen, dürfen Sie selbst entscheiden, in die Haut welches Spielcharakters Sie als Erstes schlüpfen. Jeder der vier erlebt eine andere Geschichte, kämpft mit exklusiven Waffen und verfügt über individuelle Stärken. Steuern Sie als Erstes den Starbearer aus der Ich-Perspektive ins Abenteuer, dann schlagen Sie sich mit einer Machete durch - und dies im wahrsten Sinne des Wortes: Weder in Daikatana noch in Half-Life (dt.) zerhäckseln Sie derart große Gegnermassen. An einigen Stellen stehen Brutstätten, die so lange neue Unholde produzieren, bis Sie die Monstermaschinen zerstören. Neben dem ständigen Gemetzel müssen Sie Hebel umlegen, um Türen und Tore zu öffnen. Einige Sprungübungen stehen genauso auf dem Programm wie kleine Rätsel. Deren Lösung ist meist so offenkundig, dass selbst solche Zeitgenossen kein Problem damit haben, die nicht klüger sind als die allgegenwärtigen Krabbelviecher, denen es häufig nicht zu peinlich ist, mit dem Kopf gegen die erstbeste Wand zu rennen. Hilfreich ist ein kleines Kästchen am unteren Bildrand, in dem Symbole Tipps geben, welche Handlung Sie zum gegenwärtigen Zeitpunkt ausüben sollten. Laufen Sie etwa über einen Steg und das Symbol "Hebel" leuchtet auf, dann können Sie Ihre Schrotkanone darauf verwetten, dass im Umkreis von einigen Metern ein Hebel darauf wartet, von Ihnen betätigt zu werden. Die eigene Lebensenergie wird am Bildrand angezeigt, genau wie die verbleibende Energie eines Angreifers. Bei den Endgegnern werden Sie sehnsüchtig darauf warten, dass der Energiebalken endlich kleiner wird, denn diese zunächst unscheinbaren Kontrahenten machen Ihnen das Überleben schwer. Die Höllenwesen sind allesamt ähnlich dumm wie ihre Kollegen aus John Romeros Daikatana, Sie dürfen sich daher ruhig an einem der mittleren Schwierigkeitsgrade versuchen.
Das Design der Spielwelten ist übersichtlich und abwechslungsreich: Einmal klettern Sie durch eine Bibliothek, in der jedes einzelne Buch so groß ist wie ein dreigeschossiges Haus; ein andermal laufen Sie durch eine stillgelegte Achterbahn mit intaktem Höllenfeuer unterhalb der Schienen. Für den Aufbau solch fantasiereicher und bunter Welten wurde die LithTech-Technik verwendet, die in einer früheren Version bereits in Shogo zum Einsatz kam. Zu hören gibt"s unheimliche Geräusche wie herumtapsende Krabbelviecher oder hämisch lachende Dämonen sowie rockige Musik, zum Teil von Kiss selbst eingespielt. Der Mehrspielermodus bietet mehrere Death-Match-Varianten, die auf den einfallsreich gestalteten Karten für gute Laune sorgen.
  Der Beitrag ist noch nicht bewertet.  
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Florian Stangl

Und jetzt alle: I was made for shooting you - das Spiel ist eingängig wie ein Kiss-Song.

Gut, ich gebe zu, dass ich erblich vorbelastet bin. Als Kiss-Fan seit anno 79 verzeihe ich gerne die mäßige Abwechslung und vergnüge mich mit den abgefahrenen Charakteren und dem Versuch, in die Plateau-Fußstapfen meiner Schmink-Helden zu treten. Seit dem ersten, in Deutschland indizierten, Doom ist endlich mal wieder wüstes Ballern gegen Dutzende von ekligen Gegner gleichzeitig angesagt. Mit Action-Boliden wie Half-Life oder auch Deus Ex hat das natürlich nix zu tun, macht aber eine Zeit lang mächtig Spaß.
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Allgemeine Infos

Name KISS: Psycho Circus
Genre Actionspiel
Webseite http://www.take2.de
Hersteller Third Law
Anbieter Take-Two Interactive
VÖ-Termin 25.09.2000 - zu diesem Produkt einen Lesertest schreiben!
Preis nicht bekannt
Plattformen: pc.gif
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