07.03.2001 15:51 Uhr
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Teil Neun soll den spektakulären Abschluss einer traditionsreichen Rollenspielserie bilden: Nostalgie ist garantiert.
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Ursprünglich ein Epos für leidenschaftliche Rollenspieler, hatte sich Ultima in Part 8 zum massentauglichen Abenteuer für jedermann verbogen. Jetzt die erneute Kehrtwende: Großer Umfang und märchenhafte Geschichten sollen die Legende in modernem Gewand aufleben lassen. Der Handlungsauftakt ist weit entfernt von allem Fantasy-Brimborium: In seinem gemütlichen Heim turnt der Avatar, Kennern der Saga über ein Jahrzehnt ans Herz gewachsen, von der Küche ins Bad, von dort ins Wohnzimmer und wieder zurück. Er durchwühlt seinen Kühlschrank, gibt sich räkelnd dem Fernsehkonsum hin und scheint überhaupt fernab von allem Übel dieser Welt. Lange soll die Idylle allerdings nicht währen. Stimmen aus dem sagenhaften Britannia flüstern ihm alsbald ins Ohr, dass seine Heldendienste einmal mehr gefragt sind. Dunkle Mächte sollen sich über dem Land ausgebreitet haben, die alles bislang Erlebte wie Hannis und Nannis Häkelstunde wirken lassen. Die Reise Richtung Paralleldimension beginnt, sobald eine Abgesandte Britannias die Lebensphilosophie Ihres Alter Ego durch geschickte Fragen ergründet hat. Hier der erste Scheideweg: Möchten Sie den Heroen mehr Gewicht auf Gerechtigkeit, auf Ehre oder auf Kampfbereitschaft legen lassen? Eine folgenreiche Frage, denn je nach Antwort wird er vom Programm in andere Kategorien gequetscht - in die der Paladine, der Druiden oder Kämpfer etwa. Interaktive Einleitungen sind schwer in Mode: Tomb Raider 4 macht es vor, Ultima 9 zieht fröhlich nach. Während des gesamten Prologs dürfen Sie den Avatar eigenhändig bewegen, um sich mit der Steuerung und der neuen grafischen Perspektive (dritte Person, an Stelle der alten isometrischen Draufsicht) eingehend vertraut zu machen. Das Dirigieren geht verhältnismäßig einfach von der Hand und erinnert in Grundzügen an das Genre der Action-Adventures. Aber: Das Spielprinzip bleibt dem klassischen Rollenspiel ohne Einschnitte treu. Ihr erster Anlaufpunkt in Britannia ist das hochherrschaftliche Schloss, in dem Lord British ein nur grobes Bild von den tragischen Zuständen zeichnet. Beim Gang ins Stadtzentrum nimmt die bedrückende Situation dann klare Formen an: Wo einst freundliche Menschen wohnten, finden sich heute Miesepeter. Wo einst jeder um den anderen besorgt war, finden sich heute penetrante Egoisten. Dafür verantwortlich sollen seltsame Steinsäulen sein, die landauf, landab aus dem Boden sprießen - mit Hass und Missgunst im Schlepptau. Noch will der eigentliche Gegner allerdings keine Gestalt annehmen. Was also tun? Ausrüstung beschaffen, Bildung zulegen, Fertigkeiten trainieren. Sie scheuchen Ihre Marionette von einem Haus ins nächste, lassen ihn jeden sichtbaren Winkel inspizieren, Leute aushorchen und Bücher studieren. Nicht nur, dass die Umwelt so langsam beginnt zu atmen - die Charakterwerte der Hauptfigur klettern gleichzeitig steil nach oben. Auf der anderen Seite tritt in dieser Phase das natürliche Problem aller Rollenspiele zu Tage: Die Dinge kommen nur gähnend langsam ins Rollen. Davon abgesehen bewegt sich der Avatar extrem gemächlichen Schrittes - merkwürdigerweise selbst beim Rennen. Spannender gestaltet sich der Ablauf, sobald die Streifzüge ins wilde Ödland beginnen - nur einen rostigen Säbel im Gepäck, weil die gesamte Bevölkerung nicht mehr als 100 Goldstücke für ihre Rettung aufbringen wollte. Gegner stellen sich Ihnen anfangs nur in Form von überdimensionierten Ratten, Wölfen und anderem Getier in den Weg. Später nehmen deren Platz aber Drachen, mächtige Krieger und Magier des Dunklen ein. Insgesamt umfasst der Feindverein über 60 Typen. In der Konfrontation dürfen Sie zahlreiche Instrumente von der Doppelaxt bis zum Langschwert benutzen. Alternativ sprechen Sie einen von 45 martialischen Zaubersprüchen. Technisch scheint Ultima 9 keine leibhaftige Sensation zu werden, sieht man vom riesigen Ausmaß der dargestellten Welt ab. Clippingfehler treten in der aktuellen Version regelmäßig auf, normalsterblichen Rechnern geht vor lauter Arbeit verhältnismäßig oft die Puste aus. Pluspunkte sind der sichtbare Regen sowie die Tag- und Nachtwechsel. Darüber hinaus wirkt Britannia enorm lebendig. Maßgeblich für die Serie waren ohnehin seit jeher die unendlich verzweigten Missionsbäume, die schillernden Figuren und dramatischen Höhepunkte in der Handlung. All das ist ohne Einschränkung wieder enthalten.
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