Gesetzt den Fall, das Spiel soll heiß machen auf den Film - niemand wird ihn sehen wollen.
Im Comic sind sie Kult, auf Zelluloid Publikumsmagnet und im Spiel langweilig. Was das Mutantentrio Nightcrawler, Iceman und Wolverine hier an Show abzieht, kurbelt im Menschen die Produktion von Schlafhormonen an. Will sagen: Man läuft blindlings prügelnd und feuernd durch Areale, die dahingeklatscht aussehen wie frisch vom 08/15-Generator.
Damit man nicht einnickt vor Ermüdung, ist die Steuerung kompliziert gestaltet. Der im Genre bewährte Mix aus Maus und Tastatur wich einer Lenkung per Tastatur: Vier Tasten zum Schlagen und Schießen, zwei für Spezialfähigkeiten wie Heilung oder Teleportation, weitere fürs Drehen der Kamera. Jongleure kommen vielleicht damit zurecht, andere bringen bloß Keyboards zum Piepsen. Mit einem Gamepad ist man imstande, mehr als einen der 28 Levels zu sehen.
Am interessantesten sind jene, die Iceman auftreten lassen: Er rutscht auf einer Eisspur durch die Luft und schießt Kältestrahlen, um Brände zu löschen. Manchmal saust er auch durch Röhren und weicht Hindernissen aus.
Wolverine ist auf den Nahkampf beschränkt. Ihn befehligen Sie durch einen scheinbar nie versiegenden Strom an Gegnern, bis Sie aus lauter Langeweile Fehler begehen, die das Game Over herbeiführen. Und dann bleibt bloß der Level-Neustart, denn freies Speichern ist nicht - neben der Steuerung und der einfachen Grafik ein weiteres Indiz dafür, dass X-Men seine Abstammung von der Konsole hat.
Nightcrawlers Fähigkeit, sich blitzschnell an beliebige Stellen zu teleportieren, machen ihn zum unbezwingbaren Superheld. Gut für ihn, schlecht für den Spieler. Der fragt sich, wo die Herausforderung liegt, wenn man sich hinter den Rücken eines jeden Gegners beamen kann. Das ist wie Pumuckl in einem Schleichspiel.
Nach jeder Mission verteilen Sie Punkte auf Fähigkeiten wie Kampf und Ausdauer - und merken davon im nächsten Abschnitt wenig. Entweder, weil sich die Auswirkungen tatsächlich kaum bemerkbar machen. Oder Sie schlafen schon.
Ein Spiel mit X, das war wohl nix: Der Berg schlechter Filmumsetzungen wird größer.
"Du kannst mit [sic] X-Men:The Official Game mit deinem USB-Gamepad spielen. Das steht im Handbuch. Ich möchte diesen Hinweis präzisieren, weil mir das Wohl der Leser am Herzen liegt: Vermeiden Sie unter allen Umständen eine Verwendung der Tastatur, es droht der Nervenzusammenbruch. Kein Mensch kann mit zwölf Tasten gleichzeitig hantieren und den Verstand behalten. Am allerbesten ist, Sie bleiben ganz fern von diesem Werk. Dann kriegen Sie nichts mit von der Abwesenheit interessanter Kombo-Angriffe, der Eintönigkeit der Levels, der Grafik von vorgestern. Die wirre Story geht so oder so an Ihnen vorbei. X-Men ist kein wirklich schlechtes Spiel, es ist nur fürchterlich substanzlos und langweilig. Wie die meisten Lizenzspiele eben, die kurzfristig als Begleitung zum Film gebraucht werden. Schauen Sie lieber den an.