Testbericht

26.06.2006 00:10 Uhr

Rise & Fall: Civilizations at War

PC Games-
Spielspaß-Wertung
(Ausgabe 08/2006)
80%
Durchschnittliche
Lesertestwertung:
        
100 %

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Hervorragende Schlachtatmosphäre Schwache KI-Leistung in den Kampagnen
Riesige Massenschlachten möglich Teilweise üble Wegfindungsprobleme
Überzeugender Skirmish-Modus  

Midways Mix aus Action und Echtzeit-Strategie tritt in den Ring und beschert eine Überraschung: Skirmish ist besser als die Kampagne.

Sandalenfilme aus Hollywood waren in den Sechzigerjahren groß in Mode. Legendäre Schauspieler wie Kirk Douglas oder Peter Ustinov traten in Großproduktionen der Zelluloidindustrie auf, bei denen in quietschbunten und historisch eher freizügig umgesetzten Szenarien der Antike mit tausenden von Statisten in die Schlacht gezogen wurde. In moderneren Kinostreifen wie Braveheart (Mel Gibson) oder Troja (Brad Pitt) scheut man sich nicht, solche Massengemetzel so zu zeigen, wie sie wohl wirklich waren - düster, brutal, grausam. Midways neues Computerspiel Rise & Fall: Civilizations at War wagt sich daran, beides zu vermischen: Farbenfrohe Kulissen treffen auf martialische Kampfszenen, gepaart mit sehenswerter Grafik und bombastischer Soundkulisse.


Reiseziele

Griechenland oder Ägypten? - vor dieser Frage stehen alljährlich urlaubshungrige Touristen. Im Kampagnenmodus von Rise & Fall gilt das Gleiche: Wahlweise auf Seiten von Alexander dem Großen oder der ägyptischen Königin Kleopatra ziehen Sie in die Schlacht. In insgesamt 22 Missionen haben Sie Zeit, große Armeen aufzubauen, um sich gegen Perser und Römer zu behaupten.

Doch anders als in Spielen wie Age of Mythology oder Rome: Total War betrachten Sie das Geschehen nicht nur aus der strategischen Ansicht, nein, Midway holt Sie als Spieler mitten in die Schlachten. Genau hier liegen sowohl Spaß als auch Frust begraben: Mit simpler Tastatur- und recht schwammiger Maussteuerung schnetzeln Sie sich durch feindliche Bataillone wie durch Wackelpudding, begleitet von orchestraler Musik und fetter Sounduntermalung, die absolut kinoreif ist.

Dabei nimmt der Energiebalken am oberen linken Bildrand stets ab, wenn Sie zuschlagen oder Schaden erleiden - ist er gar auf null, endet die Schnetzelorgie und Sie steuern die Figur wie eine gewöhnliche Strategie-Einheit. Sporadisch im jeweiligen Level platzierte Weinkrüge füllen den Energiebalken wieder auf. So weit, so gut - problematisch ist die Sache aber aufgrund der Tatsache, dass Sie als Spieler in vielen Levels nicht die Wahl haben, ob Sie diesen Modus benutzen möchten oder nicht.

In der vierten und fünften Mission des Alexander-Feldzuges etwa behaupten Sie sich zwangsweise in der Action-Ansicht. Dummerweise haben Sie eine solche Mission automatisch verloren, sobald die Energieanzeige aufgebraucht ist. So verfluchten wir förmlich im Test Alexanders Kampf in einer persischen Gladiatorenarena: Der knackige Schwierigkeitsgrad und die Tücken der Steuerung (die Figuren lieben es, an Ecken und Objektkanten hängen zu bleiben) trieben uns mehr als einmal in den Wahnsinn.

Angesichts der nicht enden wollenden Gegnerhorden in der Arena müssten Sie im Sekundentakt auf die Gegner einprügeln, was aber nicht geht, da der Energiebalken durch den Dauerbeschuss feindlicher Bogenschützen viel zu schnell zusammenschrumpft. In der Rolle von Kleopatra ärgert man sich in einer frühen Nachtmission darüber, dass die artistisch aussehende Heldin nicht in der Lage ist, steilere Abhänge runterzulaufen oder zu springen.


Ist das was für mich?

Wer es mit historischen Ereignissen genau nimmt, sollte bei Rise & Fall beide Augen zudrücken: Eine Kleopatra, die sich mit der Statur einer übertrainierten Bodybuilderin wild durch Gegnerhorden metzelt, wirkt unfreiwillig komisch, genauso wie die in Rosaviolett gekleideten Griechen. Die Schlachten in den Kampagnen machen jedoch einen Mordsspaß, wenn man beispielsweise unter ohrenbetäubendem Kriegsgeschrei mit Infanteristen Mauern erstürmt und mit Belagerungswaffen gegnerische Festungen zertrümmert.

Schnell stellt man jedoch fest, dass es in den meisten Missionen genügt, massenhaft Bogenschützen zu produzieren, die von einigen Nahkämpfern zum Schutz sowie zwei, drei Katapulten begleitet werden. Große Belagerungsschlachten gibt es zu wenige und oft überwiegt der Action-Anteil. Dumm, dass sich manchmal ganze Bataillone in der Heldenansicht mit dem Bogen abschießen lassen, ganz so, als stünde man auf dem Jahrmarkt am Schießstand.

Generell geht der Computergegner in den Kampagnen ziemlich passiv vor - das freut Einsteiger, langweilt aber Profis. Meistens ist es gar nicht nötig, großartige Mauerbollwerke um die Basis zu errichten, es sei denn, das Missionsziel sieht das explizit vor. Dagegen starten andere Missionen, wie etwa der Beginn der Kleopatra-Kampagne, recht unfair, da Sie völlig unvorbereitet gegen eine Übermacht kämpfen. Unschön, wenn dann auch noch spielerische Sackgassen auftreten.

Im Test platzierten wir beispielsweise Kleopatra auf einer Mauer, um von dort auf die Gegner zu feuern. Römische Belagerungswaffen zerstörten wenig später unser Festungstor und dabei auch die Leiter, die zur besagten Mauer hochführt. "Kein Problem", denken wir, "setzen wir eben eine neue hin", doch siehe da - Leitern sind in dieser Mission nicht freigeschaltet.

Kleopatra, die später den Hafen erreichen soll, sitzt also fest - Pech gehabt, Mission von vorn beginnen. Solche Ausrutscher kommen gottlob nicht oft vor. Viel mehr freut man sich, wenn beispielsweise eine gut vorbereitete Seeschlacht klappt und man mit Entermanövern und Rammattacken etwa die persische Flotte versenkt beziehungsweise erobert.


Käpt'n auf der Brücke

Die dicken und trägen Galeeren im Spiel dienen als schwimmende Kasernen, in denen Sie Schwert- und Speerkämpfer sowie Bogenschützen ausbilden - das gehört seit Age of Empires 3 schon fast zum guten Ton in Strategiespielen dieser Art. Richtig gut sind die Spezialattacken der Schiffe: Wer Matrosen ausgebildet hat, kann gegnerische Schiffe entern, ein Trommler ermöglicht die Rammattacke.

Sobald Ihr Gefährt den richtigen Abstand und Winkel zum Ziel besitzt, genügt ein Mausklick auf den Rammen-Knopf und schon legen sich die Ruderer mächtig in die Riemen, um durch die gegnerischen Planken zu brechen - ein echt fettes Spektakel. Doch keine Sesterze ohne Kehrseite - auch bei diesen Manövern scheitert es häufiger mal in den Kampagnen an der Wegfindung und die Pötte dümpeln erst mal nervenzehrend hin und her, bis sie navigieren, wie Sie es angeordnet haben.


Wo bleibt die Intelligenz?

Mit einem prall gefüllten Energiebalken ziehen wir in einer Mission mit Kleopatra los, um das Umfeld unserer Basis zu erkunden. Dabei entdecken wir mehrere römische Truppen, die gut postiert herumstehen. Sofort zücken wir den Bogen und feuern auf die Soldaten der ersten Reihe - was folgt, mutet unfreiwillig komisch an: Die vorn entstandene Lücke schließen Soldaten aus den hinteren Reihen, ganz so, wie man es bei der Bundeswehr beim Paradeverhalten lernt. Als nur noch ein paar Überlebende übrig sind, beginnen die Gegner endlich, uns anzugreifen.


Wer braucht eine Story?

Nachdem wir uns gut 20 Stunden im regen Wechsel zwischen Begeisterung und Frust durch die Kampagnen gekämpft haben, starten wir den Skirmish-Modus. Nach wenigen Minuten trauen wir unseren Augen fast nicht - hier spielt sich Rise & Fall deutlich spannender und strategischer als in den Kampagnen. In einer fast vierstündigen Partie gab es keinerlei Probleme mit ständig festhängenden Einheiten, die Wegfindung funktionierte viel besser und selbst die Schiffe landeten dort, wo sie es sollten (eins der größten Mankos in den Kampagnen).

Außerdem ließen sich endlich richtig große Armeen zusammenstellen - eine im Spiel einstellbare maximale Größe von insgesamt 5.000 Einheiten (in der Preview-Version waren es noch 80.000) bringt allerdings auch leistungsstarke PCs ins Stocken. Doch auch mit "nur" 1.000 Soldaten erleben Sie ein unbeschreibliches Schlachtgefühl. Dazu agiert die KI wesentlich fordernder und aggressiver als in den Feldzügen. So dachten wir mehr als einmal, den Gegner schon im sprichwörtlichen Sack zu haben, als er plötzlich an einer anderen Stelle der Karte eine neue Basis aufgebaut hatte oder die passenden Kontereinheiten ins Feld führte. So hätten wir uns das auch in den Kampagnen gewünscht.


Ruhm und Ehre

Wie soll man nun ein solches Spiel werten? Dem genial umgesetzten Schlachtgefühl mit hunderten von Einheiten in prachtvoller Umgebung stehen viele kleine Mängel gegenüber. Reine Action-Spieler fühlen sich auf Dauer gelangweilt und schimpfen über die ungenaue Steuerung, Strategie-Puristen beweisen sich dagegen zwangsweise als Klickfetischisten. Nur wer sich für Elemente aus beiden Genres begeistern kann, wird mit Rise & Fall richtig glücklich. Midways erster Gehversuch, Action mit Strategie zu mixen, ist zwar noch wackelig, aber dennoch mit vielen unterhaltsamen Momenten gespickt.
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Stefan Weiß

Die Massenschlachten sind ein episches Erlebnis - die Kampagnen aber schwächeln.

Selten war ich so hin- und hergerissen wie beim Test von Rise & Fall. Auf der Haben-Seite stehen die großartig inszenierten Massenschlachten, wenn hunderte Einheiten über den Monitor wuseln und sich in infernalischem Kriegslärm aufs Bitterste bekämpfen. Auch die Idee des Heldenmodus ist eine richtig spannende Sache; warum dieser allerdings dem Spieler in den Kampagnen so oft aufgezwungen wird, bleibt ein Rätsel. Zudem hakt es dort an grundlegenden Dingen: Die Gegner-KI ist von vorn bis hinten geskriptet und daher vorhersehbar; die Wegfindung gerät geradewegs zur Achillesferse von Rise & Fall, wenn Schiffe einfach nicht landen wollen und Einheiten aufgrund von Clipping-Fehlern stecken bleiben. Versöhnlich stimmt dagegen der Skirmish-Modus. Hier kann ich mich mit einer zehnstufig einstellbaren KI messen, die von superleicht bis sackschwer alle Varianten vertritt. Ich entscheide dort selbst, ob ich den Heldenmodus nutzen möchte oder nicht. Die Wegfindung klappt wesentlich besser: endlich funktionieren Rammattacken und Entermanöver.
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Allgemeine Infos

Name Rise & Fall: Civilizations at War
Genre Echtzeit-Strategie
Webseite http://www.riseandfallgam...
Hersteller Stainless Steel Studios
Anbieter Midway Games Inc.
VÖ-Termin 16.06.2006 - zu diesem Produkt einen Lesertest schreiben!
Preis nicht bekannt
Plattformen: pc.gif
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