Das Spiel zum Film zum Buch ist fertig. Anspruchsvolle Computerspieler lässt es kalt.
Noch ist die Bibel das meistgelesene Buch, doch Sakrileg, ein vergnügt übertriebener Roman nach Thriller-Zubereitung, holt auf. 50 Millionen haben Dan Browns Werk wenn nicht gelesen so doch gekauft, und im Windschatten des Films versucht sich das Spiel als Umsetzung.
Es obliegt Ihnen die Steuerung von Robert und Sophie, zwei abenteuerlustigen Denkern auf Schnitzeljagd. Ein Mord im Louvre verstrickt die beiden in Verschwörungen, die zum Mittelpunkt den heiligen Gral haben. Bei der Suche nach demselbigen wackelt Sakrileg zwischen Abenteuer- und Schleichspiel: Mal wird mit Gegenständen hantiert, mal Verstecken mit Wachen gespielt.
Das Letzte hält nur aus, wer ein großes Maß an Leidensfähigkeit aufweist. So belanglos ist das Vorbeihuschen an Wachen, dass man sich gern erwischen lässt. Dann kommt es zu Kämpfen, die zwar schön choreographiert sind, aber eine spielerische Talfahrt bedeuten: Am Bildschirmrand entstehen Maustasten, der Spieler soll sie rechtzeitig drücken. Ein Unterfangen, das auch nach einer Vollnarkose gelänge. Halbherzig versteckte Erste-Hilfe-Kästen geben zur Not Lebensenergie zurück.
Sakrileg macht weniger falsch, wenn es die Geschichte vom Buch nacherzählt. Die Handlung ist dicht dran, manch ein Puzzle sogar direkt dem Original entliehen. Immer wieder blitzt Spannung auf, kein Wunder bei der starken Story. Zwischendurch verschleiert viel Palaver von Mythologie, versteckten Botschaften und vertuschten Informationen, worum es eigentlich geht: Ums Entschlüsseln einfacher Codes, die zum jeweils nächsten Schauplatz führen, etwa die Kirche Saint-Sulpice, das Anwesen des ermordeten Sauniéres, eine Bank in Zürich.
Auch die Inszenierung stellt einen vor Rätsel. Warum drücken zwei schwarze Balken den Spielausschnitt zum Schlitz zusammen? Wer träufelte den Sprechern Narkotika ins Getränk? Einzig klar ist, weshalb die Steuerung mit ihrem umständlichen Mischmasch aus Maus und Tastatur Finger auskugelt: Sakrileg wurde für Konsolen-Pads gemacht.
Alles wie immer: Sakrileg ist ein weiteres durchschnittliches Lizenzspiel.
Als Ergänzung zum Film ist Sakrileg brauchbar, allein stünde es winzig klein unter Adventures wie Fahrenheit, Ankh und Dreamfall. Zu oft habe ich mich geärgert über dieses Spiel, das offensichtlich husch husch zum Kinostart veröffentlicht wurde: Einmal waren die Kommentare von Hauptdarsteller Langdon so irreführend, dass das dazugehörige Rätsel im Schwierigkeitsgrad durch die Decke ging, ein anderes Mal lag ein Schubladen-Hotspot zum Schreien schlecht - zwei Fruststellen sind zwei zuviel nach meinem Geschmack. Schmerzbereitschaft bedürfen auch die Schleich- und Kampfabschnitte, die, völlig frei von spielerischer Relevanz, wohl nur eingebaut wurden, damit der Hersteller das verkaufsfördernde "Offener Kampf auf die Packung kritzeln konnte. Wer das aushält, findet vielleicht Spaß darin, wie Sakrileg Legendenstoff um Jesus verarbeitet.