Der Hitman ist reifer geworden. Mit opulenter Grafik, guter Story und vielen Detailverbesserungen bringt Teil vier das Blut in Wallung.
Fiebern Sie zu Hause mit, wenn der schlaue Kommissar im Vor-abendkrimi dem Täter das Handwerk legt? Bis zuletzt scheint der Plan des Mörders perfekt, der Zuschauer tappt im Dunkeln. Doch ein kleiner unbedachter Fehler lässt das Gesetz über den Verbrecher triumphieren, er landet hinter Gittern. Doch manchmal ist ein Killer tatsächlich schlauer, als die Polizei erlaubt.
Als vor rund sechs Jahren die erste Episode der Hitman-Serie erschien, trat mit Nummer 47 solch ein cleveres Kerlchen auf den Plan. Ein finsterer Geselle, der für Geld tötet - und der trotzdem irgendwie sympathisch ist. Der Nervenkitzel ist scheinbar ungleich höher, selbst den perfekten Mord zu inszenieren, statt den Job der Spurensicherung zu erledigen.
Es war ein Unfall!
Das Besondere an der Hitman-Reihe: Viele der Missionen lassen sich lösen, ohne dass Sie auch nur einen einzigen Schuss abgeben, ohne dass irgendwer das Geringste bemerkt - abgesehen vom Opfer selbst. Nach einem genialen Coup lacht sich der Spieler dann ins Fäustchen und die Polizei ist rat- und sprachlos.
Beim jüngsten Spross Hitman: Blood Money haben die Entwickler die Möglichkeiten noch verfeinert, Leute unbemerkt um die Ecke zu bringen. Wer gewieft genug ist, tarnt die Anschläge als Unfälle. Sie manipulieren Gasleitungen, bringen den Gartenparty-Grill auf Hochtouren oder geben unvorsichtigen Zielpersonen im richtigen Moment einen kleinen Schubs - schon purzeln die Betreffenden über die nächste Brüstung.
Das motiviert ungemein und um den perfekten Mord auf dem Bildschirm zu inszenieren, feilt der Spieler teilweise stundenlang in einem der zwölf Levels an Route, Verkleidung und Wahl der Waffen - Ansätze und Lösungsmöglichkeiten gibt es reichlich. So ist es von Belang, welche Kleidung der Hitman trägt - nur mit guter Maskerade gelangt der Protagonist in bestimmte Bereiche.
Bessere Verkleidung kaufen Sie aber nicht mal eben in der Boutique oder dem Secondhandshop - da ist fast immer ein neues Opfer fällig, das nach dem Ableben keine Klamotten mehr benötigt ... Doch nicht nur feinfühlige Typen haben an Hitman ihre Freude - der Spieler kann die Sache auch mit roher Waffengewalt wie in einem Ego-Shooter über die Bühne bringen. Gerade beim erneuten Durchspielen mit ausgebautem Arsenal ist das eine verlockende Alternative.
Kennen wir uns?
Wer wie ein wild gewordener Elefant im Porzellanladen durch die Reihen mäht, kommt allerdings nur schwer voran. Zum einen steckt der Hitman nur wenige Treffer weg, die Wachleute wissen sofort kollektiv Bescheid, stürmen in Massen heran und selbst Zivilisten greifen zu herumliegenden Waffen. Zum anderen haben sich die Entwickler ein paar Dinge einfallen lassen, um den Schwerpunkt verstärkt aufs Schleichen zu verlegen.
Wie bei den vorherigen Episoden erscheint nach jedem Auftrag immer noch eine Leistungsbewertung und wie im ersten Teil scheffelt Hitman nun wieder umso mehr Geld, je unauffälliger er seinen Job erledigt. Allerdings steigt sein Bekanntheitsgrad durch unvorsichtige Aktionen: Zeugen und belastendes Material wie Aufnahmen einer Überwachungskamera fallen für Nummer 47 negativ ins Gewicht, ein entsprechend gutes Fahndungsfoto taucht in der Zeitung auf.
Damit hat der Spieler es schwerer, unerkannt zu bleiben. Die Wachen in den folgenden Levels sind misstrauischer, wenn sie den Agenten sehen, und kommen ihm im schlimmsten Fall sogar bei den geringsten Vergehen auf die Schliche. Wer sich also an einer Stelle unvorsichtigerweise ablichten ließ, sollte besser schnell das belastende Material klauen - aus der Sicherheitszentrale.
Geld ist nicht alles ...
... aber durchaus hilfreich. Damit Ihre Tarnung nicht auffliegt, bestechen Sie Zeugen oder die Polizei. Oder Sie legen sich eine neue Identität zu, was aber verdammt teuer ist. Verhältnismäßig günstig sind dagegen die zusätzlichen Informationen für die laufende Mission, die Hinweise auf Lösungsmöglichkeiten geben.
Als nette Dreingabe kauft der Glatzkopf zusätzliche Ausrüstung oder verbesserte Teile für seine Waffen, wobei nur Dinge wie Schalldämpfer oder ein schnellerer Dietrich wirklich brauchbar sind. Die Kohle und eine perfekte Bewertung sind auch der Anreiz, vor der Flucht vom Tatort wieder in den abgelegten Maßanzug zu schlüpfen, denn die Wiederbeschaffung schlägt sonst mit schlappen 5.000 Dollar zu Buche.
Ähnlich sieht es mit Waffen aus: Die Spezialanfertigungen sollten Sie nicht achtlos liegen lassen, denn wenn ein Kurier das Ding für Sie vor den Ermittlern retten muss, ist der Griff zum Portemonnaie unumgänglich ... Damit das nicht passiert, gibt es vor Ort mehrere von Ihrer Auftragsagentur platzierte Kisten. Dort holen Sie sich sperrige Waffen ab, mit denen Sie sonst sofort auffallen würden.
Sie können darin aber auch gerade nicht benötigte oder gefundene Ballermänner unterbringen, die Ihnen anschließend als Bonus zur Verfügung stehen. Für so manches Schießeisen nimmt ein Sammler ziemlich jede Gefahr auf sich: Maximal 24 Feuerwaffen hat Agent 47 schließlich im Keller, wobei er unterwegs auch auf Haushaltsgegenstände und Werkzeuge zurückgreift.
Neue Tricks und alte Tugenden
Alte Hasen kennen die Prozedur: Wer nicht von Wachen erwischt werden will, schaut häufig auf die Übersichtskarte. Dort sehen Sie, wer sich wo befindet und mit welcher Blickrichtung und erkennen die Schwachstellen der zyklisch ablaufenden Tätigkeiten. Hört sich dröge an, ist aber erstaunlich spannend. Nervig ist es erst, wenn der Agent mal den richtigen Moment verpasst und dann recht lange auf die nächste Chance wartet:
Eine Zeitbeschleunigung fehlt nämlich nach wie vor. Auch wohin Treppen führen, sehen Sie auf der Karte weiterhin nicht, dabei würde eine einfache Markierung beim Durchblättern der Ebenen schon genügen. Aber der Hitman hat dazugelernt: er klettert nun an wesentlich mehr Stellen, lauert in Schränken Gegnern auf, schaut durch Schlüssellöcher, entwaffnet Kontahenten im Nahkampf und verbirgt Opfer in den herumstehenden Kisten.
Die künstliche Intelligenz bietet weiter Spielraum für Verbesserungen: Zwar handelt sie konsequent, aber nicht durchgehend logisch. Einen Würstchenverkäufer muss es nicht gleich alarmieren, wenn ein FBI-Agent den Sicherungskasten öffnet ... Den größten Sprung nach vorn macht die Glacier-Engine, die wundervolle Bilder auf den Schirm zaubert.
Gepaart mit den abgefahrenen Charakteren, der über jeden Zweifel erhabenen Musik und einer überraschenden Story kommt eine beeindruckende Atmosphäre auf. Das ist etwas ganz anderes als der laue Aufguss, den der dritte Teil Hitman: Contracts abgab.
Mit vielen Verbesserungen und guter Story der bislang beste Hitman.
In einer verschneiten, luxuriösen Villa direkt am Meer: Während einer fröhlichen Weihnachtsparty stürzen gleich zwei Personen von den eisigen Klippen. Tragische Unfälle, die an diesem Abend unbemerkt von den übrigen Gästen bleiben. Nichts macht mir mehr Spaß, als nach so einem perfekt gelungenen Auftrag mit Agent 47 wieder in den schwarzen Maßanzug zu wechseln und spurlos zu verschwinden. Die Hitman-Serie hat schon ihren besonderen Reiz. In keinem anderen Spiel verfolgt man derart gebannt die Regungen auf der Karte und freut sich so diebisch, wenn ein Plan aufgeht. Im vierten Anlauf haben sich die Entwickler wieder wirklich ins Zeug gelegt. Superbe Grafik und Story zum einen, viele kleine Verbesserungen und neue Features zum anderen, bringen das Spiel voran - genau richtig nach dem verhaltenen Contracts. Insgesamt stört mich wenig an Blood Money, da lasse ich sogar den Agenten, der im Dunkeln leuchtet, im Regen stehen ... Da ich beim Spielen noch nicht alle Möglichkeiten ausprobiert habe und nun ein volles Arsenal im Keller steht, spiele ich den Titel auf jeden Fall erneut durch.