Vom Zeichenbrett auf den Monitor: In Rogue Trooper fechten Sie mit einer bläulichen Comicfigur die abgedrehte Neuinszenierung des US-Bürgerkriegs aus.
Der Job als Comic-Held kann manchmal ganz schön frustrierend sein. Besonders, wenn es um die Popularität geht. Während Spiderman oder Hulk dank der gleichnamigen Spielfilme auch jüngeren Fans vertraut sind, ist der Rogue Trooper nur Insidern ein Begriff. Dabei ziert der Supersoldat mit dem blauen Teint bereits seit 1981 immer wieder das Cover des britischen Comic-Magazins 2000 AD. Aber womöglich wendet sich das Blatt schon in Bälde. Denn Eidos und Rebellion bastelten ein Actionspiel, in dem der Superheld, den Sie aus der Verfolgerperspektive über eine unwirtliche Planetenoberfläche lotsen, eine ziemlich gute Figur abgibt.
Kampf der Gene
Bereits die Story macht deutlich, dass sich die "Versoftung" unmittelbar am Vorbild orientiert. In der düsteren Zukunftswelt Nu-Earth liefern sich die Southers und Norts einen gnadenlosen Kampf. Keine Partei kann die Überhand gewinnen. Doch das ändert sich vielleicht bald, denn die Southers haben ein Ass im Ärmel: die Genetische Infanterie (G.I.s), der auch der Rogue Trooper, also Sie, angehören.
Dummerweise wird Ihr Trupp verraten und tappt bei der Landung in der Quartz Zone in einen Hinterhalt, der zugleich die ersten beiden Levels des Spiels darstellt. Obwohl Sie binnen einer Stunde alle Kollegen verlieren, sind Sie nicht auf sich allein gestellt. Denn der Geist gefallener G.I.s lebt in deren Bio-Chips weiter. Und eben die schnappen Sie sich von drei Leichen und pinnen sie auf Ihre Ausrüstung.
Gunnar landet zum Beispiel - wen hätte es bei diesem Namen gewundert, schließlich erinnert der an das englische Wort "Gunner" (Kanonier) - auf dem Sturmgewehr, das prompt mit Ihnen redet. Dabei labert Sie Gunnar nicht nur zu, er ist auch in der Lage, Munition, Verbandspäckchen oder Granaten herzustellen. Alles was er dazu benötigt, ist Altmetall von toten Kriegern.
Eigentlich praktisch, müssten Sie sich nur nicht bei jedem Toten bücken und den Schrott umständlich einsammeln - ganz schön nervig! Das ist nicht alles, was die sprechende Knarre auf Lager hat. Per Knopfdruck verwandelt sich Gunnar in ein Stand-MG, das Ihnen den Rücken frei hält, während Sie etwa ein Computerterminal hacken.
Dazu benötigen Sie übrigens Ihren zweiten Kameraden namens Helm. Wo der Rogue Trooper ihn platziert hat, erraten Sie bestimmt. Die dritte Persönlichkeit liefert Bagmans Bio-Chip. Er klebt auf dem Rucksack und erforscht neue Technologien und Waffen, etwa höhere Reichweite fürs Radar, Raketenwerfer, Schrotflinte oder Strahlenkanone. Wermutstropfen: Der Großteil seiner Errungenschaften ist so überflüssig wie ein Regenschirm in der Wüste.
Mit dem Standardgewehr, also Gunnar, behalten Sie in fast jeder Situation die Oberhand. Kein Wunder, abgesehen von Kampfrobotern, deren Schaltkreise Sie mittels EMP-Granaten lahm legen, stellen sich Ihnen sowieso die meiste Zeit nur stinknormale Soldaten in den Weg. Ein paar mehr Gegnertypen wären wünschenswert gewesen. Dafür projiziert Bagman auf Wunsch ein Hologramm des Rogue Troopers in die Landschaft, das die Feinde ablenkt, während Sie über die Flanke vorrücken. Sie sehen, Rogue Trooper bietet mehr als hirnlose Ballereien: nämlich eine gesunde Prise Taktik.
Bescheidene KI
Wenn es darum geht, die Umwelt zum eigenen Vorteil einzusetzen, läuft Rogue zur Höchstform auf. Statt im Kugelhagel zu stehen, sucht der Blaumann mit einem Tastendruck hinter Mauern oder Kisten Schutz. Betätigen Sie den Abzug, springt Rogue aus der Deckung und knallt die ahnungslosen Norts ab. Anschließend taucht er automatisch wieder ab und presst den Rücken an sein Versteck.
Angst vor bösen Überraschungen brauchen Sie dort keine haben, denn der Intelligenzquotient Ihrer Widersacher bewegt sich nur knapp oberhalb der Zimmertemperatur. Statt Sie zu überrennen, warten die Norts brav, bis ihnen der G.I. den Garaus macht. Ähnlich anspruchslos gestaltet sich das Zielsystem, bei dem Rogue Trooper seine Konsolenherkunft nicht verbergen kann: Stimmt die grobe Richtung, landen Sie in der Regel auch einen Treffer.
Nur im Scharfschützenmodus oder wenn Sie beispielsweise die Sauerstoffflasche eines Soldaten erwischen wollen, ist etwas mehr Konzentration vonnöten - dabei ist Rogue Trooper auch so schon nicht gerade schwer. Nicht zuletzt, weil auf knifflige Level-Bosse verzichtet wurde. Unverständlich, liefert das abgefahrene Sciencefiction-Szenario doch die ideale Vorlage für interessante Endgegner.
Kurzweiliges Vergnügen
Was die Optik anbelangt, kann Rogue Trooper nur bedingt überzeugen. Während die Explosionen und Charakteranimationen sehr gut aussehen, mangelt es den weitläufigen und trostlosen Außenarealen arg an Details. Versöhnlich stimmen im Gegenzug die abwechslungsreichen Missionen, die von den Häuserschluchten Nu-Parees über einen gespenstisch wirkenden Wald bis hin zu Gefechten in einem verschachtelten Gebäudekomplex reichen.
Häufig bedienen Sie auch Flugabwehrgeschütze, versenken U-Boote oder nehmen hinter der Bordkanone eines Kampfjets Platz und fegen durch enge Canyons. Einer der 13 Levels spielt auf einem fahrenden Zug, den Sie gegen Jäger und berittene Norts verteidigen sollen. Eine spannende Angelegenheit, die sich allerdings schon nach rund fünf Stunden dem Ende entgegen neigt. Immerhin erlaubt sich Rogue Trooper währenddessen keinen größeren Durchhänger, sondern fesselt vom ersten bis zum letzten Feuergefecht.