Mit eingängiger Steuerung und einem Querschnitt durch die Welt des Wintersports garantiert das offizielle Spiel zur Olympiade Party-Spaß.
Das Hamburger Entwicklerstudio 49Games erweist sich zur Zeit als besonders emsig. Kaum sind die beiden Wintersporttitel RTL Ski Springen 2006 und Ski Alpin 2006 in den Regalen angekommen, setzt die Spieleschmiede nach. Das neue Baby hört auf den Namen Torino 2006 und ist stolze 15 Wintersportdisziplinen schwer. Marktechnisch ist das äußerst clever, schließlich kamen die beiden zuerst genannten Titel genau rechtzeitig, um fesch verpackt unter dem Weihnachtsbaum zu landen, während Torino 2006 kurz vor der Winterolympiade erscheint.
Die vom 10. bis 26. Februar in Turin stattfindenden Olympischen Winterspiele gehen angesichts der kommenden Fußballweltmeisterschaft in Deutschland zwar bislang ein wenig unter, doch die PC-Umsetzung macht richtig Lust auf das Mega-Event. Die bunte Mischung besteht aus acht Hauptzutaten: Skifahren, Skispringen, Eisschnelllauf, Langlauf, Bobfahren, Rodeln, Biathlon und Nordische Kombination.
Dank Originallizenz finden alle Veranstaltungen auch am authentischen Austragungsort statt. Das bedeutet aber auch, dass Ihnen pro Wettbewerb nur ein bis maximal zwei Skipisten, Bobbahnen oder Langlaufkurse zur Verfügung stehen. Nach einigen Meisterschaften kennt man die Parcours auswendig und Verbesserungen spielen sich nur noch im Sekundenbruchteilbereich ab.
Ein wenig mehr Abwechslung hätte gut getan, schließlich sausen echte Skiprofis auch nicht andauernd denselben Hang hinab, sondern bekommen von Weltcup zu Weltcup neue Pisten vor die Nase gesetzt. Bei Torino 2006 hingegen sind Sie gezwungen, sich auf die vorgegebenen Schauplätze zu spezialisieren. Durch das gelungene Leveldesign kann man den Weg zur Perfektion aber eben auch als besondere Herausforderung betrachten.
Feten-Kracher
Die acht genannten Hauptsportarten teilen sich in 15 Unterdisziplinen auf. Bis auf Biathlon und Langlauf geht jede Veranstaltung schnell von der Hand. Das ist wichtig, schließlich darf es bei den Mehrspielerpartien, bei denen bis zu vier PC-Athleten um Medaillen kämpfen, nicht zu langen Wartepausen kommen. Torino 2006 ist nämlich in erster Linie für einen geselligen Schneeabend geeignet. Im Einzelspielermodus kann man zwar Übungsmeisterschaften gegen die talentierten Computergegner bestreiten, aber gegen menschliche Widersacher macht Torino 2006 wesentlich mehr Spaß.
So ist es in Einzelspielerwettkämpfen nicht möglich, die Namen der KI-Gegner zu ändern. Die neuen Freunde mit den Namen "Computer 1" bis "Computer 7" wollen einem nicht so recht ans Herz wachsen. Da es in Torino 2006 keinen Internet- oder Netzwerk-Modus gibt und das Spiel nur mit Maus- und Tastatur-Steuerung funktioniert, drängen sich die Mehrspieler-Teilnehmer um einen Monitor und spielen immer dann, wenn der Nächste an die Reihe kommt - die Reise nach Jerusalem.
Medaillen-König
Eine Einzelspielerpartie mit allen Disziplinen ist in knapp 40 Minuten erledigt. Ein Vierspieler-Wettkampf stellt dagegen eine abendfüllende Sache dar. Durch die optisch ansprechende Umsetzung auf die Mattscheibe macht es Spaß, den Kontrahenten zuzugucken, wie sie sich abplagen. Dank der eingängigen und sehr innovativen Steuerung erzielen auch Neulinge sofort annehmbare Ergebnisse. Im Gegensatz zu dem üblichen Tastengehämmer à la Winterspiele setzt 49Games auf geschmeidige rhythmische Lenkbewegungen, wie zum Beispiel beim Slalom, oder auf strategische Kräfteeinteilung, wie beim Langlauf.
Das hat den Vorteil, dass sich auch verwandte Sportarten wie Bobfahren oder Rodeln unterschiedlich anfühlen und einen eigenen Reiz besitzen. Warum an dieser Winterolympiade lediglich 24 Nationen antreten, bleibt wohl das Geheimnis der Entwickler. Zum Vergleich: Bei den realen Wettkämpfen treten mehr als dreimal so viele Länder an. Immerhin trumpft jedes Volk mit authentischer Wintergarderobe in den Nationalfarben auf.
Hier wartet eine nette Überraschung auf Sie: Wenn Sie bestimmte Vorgaben erfüllen, heimsen Sie diverse Boni wie das Jamaika-Bob-Outfit ein. Doch auch ohne Sonderklamotten stehen alle Teilnehmer stets adrett am Start. Schöne Spiegeleffekte auf Visieren oder Eisflächen sorgen für eine stimmige Winteratmosphäre. Obwohl die Bewegungen hin und wieder etwas ungelenk wirken, fallen die Animationen der Bildschirmsportler überraschend realistisch aus: Beim Slalom wird elegant gewedelt, während die Eisschnellläufer scheinbar locker-lässig eine Kufe vor die andere setzen und dabei wie im realen Vorbild mit den Armen im Takt rudern.
Vor allem bei den Wiederholungssequenzen erinnert Torino 2006 stark an eine Fernsehübertragung. Hier wäre es schön, wenn man besonders gute Läufe oder Sprünge abspeichern könnte, um damit bei Freunden zu protzen. Eine solche Option gibt es aber nicht. Dafür sind Ihre Rekorde samt Namen in einer Liste verewigt. Apropos Listen: Nach Beendigung eines kompletten Wettkampfes erhalten Sie eine detaillierte Aufstellung über Ihre Stärken und Schwächen inklusive neuer Rekorde, Lieblingsdisziplin und Einstufung. Und wertvolle Tipps für die kommenden Turniere gibt es auch.
Torino 2006 ist eine willkommene Abkühlung auf heißen Partys.
Nach 13 Testläufen war sich das Sportressort einig: Torino 2006 sticht mit den abwechslungsreichen Disziplinen und der hervorragenden Steuerung die Konkurrenz von Winterspiele klar aus. Obwohl das Spiel pro Disziplin mit maximal zwei Kursen aufwartet, motiviert das gelungene Streckendesign, die Bestzeit erneut zu knacken. Warum die Entwickler keinen Internet- und LAN-Modus integrierten, bleibt uns ein Rätsel. Der Spielrunde bleibt nichts anderes übrig, als sich vor einem PC zu drängen. Da man keinen Controller benutzen kann, muss man häufiger die Plätze wechseln. Besonders beeindruckend finden wir die Umsetzung von Langlauf und Biathlon. Hier kann man dank der eingängigen Steuerung sehr taktisch vorgehen, die Konkurrenz bluffen und mit plötzlichen Sprinteinlagen glänzen. Wer nicht alle Disziplinen der Reihe nach absolvieren möchte, bastelt sich eine Privat-Olympiade aus seinen Lieblingswettkämpfen zusammen. Insgesamt ein liebevoll gestalteter Titel für alle Wintersportfreunde.