Das neuste Abenteuer des Prinzen könnte sein letztes sein. Denn der Wesir will seinen Tod!
Am Anfang seines Abenteuers sah er noch sympathisch und jung aus, im zweiten Teil wandelte er sich in einen arroganten Finsterling. Nun, in Prince of Persia: The Two Thrones, besitzt der Hauptdarsteller gleich zwei Persönlichkeiten. Nach den Geschehnissen in Warrior Within kehrt der persische Held zurück in seine Heimat und findet dort das totale Chaos vor.
Bizarre Kreaturen belagern Babylon, quälen die Bewohner und wollen dem Prinzen an den Kragen. Zu allem Überfluss entführen und töten die Invasoren Kaileena, die Wächterin der Zeit. Dies hat gravierende Konsequenzen für den Protagonisten: Seine dunkle Seite, die ohne Zweifel schon im Vorgänger zum Ausdruck kam, übernimmt im Verlauf von The Two Thrones regelmäßig und ohne Einwirkung des Spielers die Kontrolle über den ursprünglich so barmherzigen und tapferen Königssohn. Das sieht nicht nur gut aus, es spielt sich auch fantastisch.
Gespaltene Persönlichkeit
Der Anblick des Dunklen Prinzen, wie die Macher das Alter Ego nennen, ist Furcht erregend. Schwarze, verbrannte Haut, diabolische Augen und eine ausgefallene Hochfrisur kennzeichnen den bösen Zwillingsbruder. Dieser besitzt zwar den üblichen Dolch gegen seine Widersacher,kann aber auf eine noch effektivere Waffe zurückgreifen. Während Sie als gewöhnlicher Prinz Feinden die Schwerter und Keulen stibitzen, verfügt der dunkle Prinz über eine mächtige Kette, die ganze Gegnerscharen gleichzeitig zu Staub verwandeln kann.
Insgesamt ist der düstere Gegenpart flinker und stärker, aber auch verwundbarer als der "gute" Prinz. Mehr Details zu den Unterschieden zwischen den beiden Seiten des Hauptcharakters finden Sie im Kasten "Jenseits von Gut und Böse" auf der der nächsten Seite. Um das gesamte Potenzial der Kampfkünste des Prinzen auskosten zu können, empfehlen wir Ihnen, im Vorhinein das Handbuch zu studieren.
Dort finden Sie nämlich sämtliche Spezialangriffe. Das Böse existiert jedoch nicht nur in Form des Alter Egos, sondern auch als Stimme im Kopf des Prinzen von Persien. Diese rät dem Helden regelmäßig, hilfsbedürftige Menschen mit ihrem Leid allein zu lassen und Farrah im Kampf gegen den Wesir nicht zur Seite zu stehen. Andererseits dient die Stimme des Dunklen Prinzen als Hilfestellung zum Beispiel bei Bossgegnern.
Timing ist alles!
Prince of Persia: The Two Thrones führt mit den so genannten Speed-Kills eine weitere Neuerung ein, die uns sehr beeindruckte. "Schnelles Töten" - was sich dezent makaber anhört, präsentiert sich im Spiel ausgesprochen spektakulär. Per Knopfdruck aktivieren Sie die zahlreichen Speed-Kill-Sequenzen, bei denen genaues Timing gefragt ist. Das Prinzip ist einfach erklärt: Stoßen Sie auf nichts ahnende Feinde, ist die direkte Konfrontation nicht die einzige Möglichkeit der Konfliktbewältigung.
Sie können sich, ähnlich wie Sam Fisher in Splinter Cell, von hinten anschleichen oder aus sicherer Höhe zum Beispiel auf das Genick des Gegners hechten. Dabei gilt es, im richtigen Moment mit dem Dolch zuzustechen. Geschieht dies nicht, kann der Gegner seinen Angriff abschmettern, ihn zu Boden werfen und seine Kollegen um Hilfe bitten. Die Speed-Kills kommen jedoch auch bei den zahlreichen Bossen zum Einsatz. So müssen Sie beispielsweise dem korpulenten Zwischenboss Klompa erst auf den Nacken springen, das Messer auspacken und ihm das Augenlicht rauben, bis er wild herumirrend durch die Arena stampft und weitere Treffer kassieren kann. Was sich kompliziert anhört, ist in The Two Thrones äußerst einfach gelöst. Schon nach wenigen Malen haben Sie den Dreh heraus und erfreuen sich an den eindrucksvollen Animationen.
Alles bleibt beim Alten. Fast.
Was das Spielprinzip angeht, bleibt Prince of Persia: The Two Thrones bei seinen Wurzeln. In der zehn Stunden andauernden Geschichte rund um den Prinzen und seine hübsche Begleiterin Farrah klettern, hüpfen und schwingen Sie durch die durchdachten Szenarien. Abgründe überwindet der Prinz mit dem Wandlauf, hämmert daraufhin seinen Dolch in die Wand, springt auf die gegenüberliegende Seite, hangelt sich zu einem Vorsprung rüber und schwingt schließlich elegant von Stange zu Stange. Genau dieser flüssige Spielverlauf macht den Reiz der Kletterpartien aus.
Sollten manche Passagen zu schwierig erscheinen, schalten Sie einfach in den Zeitlupenmodus und bewegen sich in bester Matrix-Manier durch die Hindernisse. Meistens wissen Sie aber, vor allem wenn Sie die Vorgänger gespielt haben, wo es langgeht und an welchen Felsvorsprung sich der Prinz am besten hängt. Und sollte der Hauptcharakter mal ins Leere springen, abrutschen oder von den Gegnern in die Tiefe geworfen werden, kommt die praktische Zurückspulfunktion zum Einsatz.
Das Prinzip: versuchen, scheitern, Fehler rückgängig machen. Der Prinz ist wohlauf, alles ist gut - bis zu dem Moment, an dem Sie den kompletten Sandvorrat verbraucht haben und nicht mehr an der Uhr drehen können. Dann finden Sie sich meistens am Anfang des Levelabschnitts wieder. Diese frustrierenden Situationen treten vermehrt bei den Einsätzen des Dunklen Prinzen auf, da er permanent Lebensenergie verliert und Sie somit unter Druck nach dem richtigen Pfad und diversen Schaltern suchen.
Oftmals erreichen Sie in solchen Szenen das Ziel auf den letzten Drücker - Adrenalinschübe sind garantiert. Apropos: Auch die neuen Streitwagensequenzen treiben Ihnen den Schweiß auf die Stirn. In den actionreichen Missionen steuern Sie solch ein antikes Gefährt durch die Straßen Babylons. Dabei behindern feindliche Streitwagen und Straßensperren Sie. Auch hier ist Ihr Timing ausschlaggebend. Drängt Sie ein Gegner von der Bahn, zerschmettern Sie an der nächsten Wand.
Die Frau an seiner Seite
Neben dem Prinzen spielt die geschickte Farrah eine wichtige Rolle in der Hintergrundgeschichte. Schon vor der ersten Begegnung in The Two Thrones laufen sich die beiden über den Weg. Aufmerksame Spieler werden beim ersten Streitwagenrennen bemerken, wie die in einem Käfig gefangene Farrah über die Straße getragen wird.
Doch ihr gelingt die Flucht und sie rettet im späteren Verlauf dem Prinzen mehrmals das Leben. Sie bekommen die hübsche Kriegerin allerdings nur bei gelegentlichen Rätselaufgaben und in Zwischensequenzen zu sehen, zusammen kämpfen darf das Paar nicht.
Volle Kontrolle
Bei der Installation rät das Spiel, ein Analog-Gamepad zu benutzen. Und tatsächlich spielt sich der Titel mit einem Pad genau so gut wie auf einer Konsole. Sie steuern den Prinzen aber genau so präzise mit Maus und Tastatur. Die wichtigen Kommandos wie Wandlauf und Kämpfen führen Sie per Maus, alle anderen Bewegungen mit der Tastatur aus. Optisch haben die Macher das Wüstenszenario weiter aufpoliert.
Der Prinz sieht so detailliert und sympathisch aus wie noch nie und die Schauplätze in und um Babylon bestechen durch viele Details. Eingestürzte Wände, brennende Häuser und verwüstete Straßen - alles ist abermals perfekt in Szene gesetzt. Besonders gefallen haben uns die vielen Tempelanlagen, die von der Gestaltung sowohl von außen als auch von innen brillieren. Lediglich großflächigere Texturen wirken verwaschen, und auch manche Charaktere hätten ein paar Polygone mehr vertragen.
Was den Sound anbelangt, gibt es keinen Anlass zur Kritik. Bei dramatischen Szenen ertönt orientalischer Gesang mit sanften Melodien, während es bei brenzligen Situationen schneller und rockiger zugeht. Die Dialoge zwischen dem Prinzen und Farrah können sich auch hören lassen. Sätze wie "Seid Ihr toll?" (Farrahs Reaktion auf die Risikobereitschaft des Prinzen), oder "Wir müssen diesen Disput später fortsetzen!" (ausschweifende Diskussion), tragen zur Atmosphäre bei.
Garniert wurde die gelungene deutsche Synchronisation mit einer Prise Humor. So trifft der Prinz nach der zweiten Streitwagenszene auf einen gut ausgerüsteten Krieger. Er bereitet sich konzentriert auf den Kampf vor und wird völlig überraschend von hinten getreten. Ein zweiter Krieger taucht auf. Der Prinz: "Nun ja, ich gestehe. Das hätte ich nicht erwartet." Welche anderen Situationen in The Two Thrones uns ebenfalls gefallen oder nicht zugesagt haben, lesen Sie auf den folgenden Seiten in der brandneuen Motivationskurve.
Prince of Persia: The Two Thrones ist wie eine Achterbahnfahrt durch 1001 Nacht.
Man kann nicht bestreiten, dass sich die Ur-Spielmechanik beim dritten Einsatz ein wenig abnutzt. Glücklicherweise hat Ubisoft aber genug motivierende Neuerungen eingebaut, um auch Prince of Persia: The Two Thrones unser Prädikat zu sichern. Jeder Abschnitt wirkt unglaublich stimmungsvoll und auch das Design der Charaktere ist fantastisch, doch gerade die Spielfiguren wirken recht detailarm. Ein weiterer Kritikpunkt: der Schwierigkeitsgrad. Dieser ist zwar generell wohl dosiert, doch einige Trial&Error-Passagen brachten uns zur Weißglut. So gab es hin und wieder Abschnitte, in denen der Prinz mehrere Male dahinschied, um den Lösungsweg zu finden. Doch die neu erlangte Verwandlungsfähigkeit des Prinzen, die atemberaubenden Speed-Kills, die durchgehend fehlerfreie Steuerung, die spektakulären Wagenrennen und nicht zuletzt die spannende Schlussphase der Trilogie machen die wenigen Mankos wieder wett. Um so trauriger, dass Ubisoft Teil 3 als Finale einer Trilogie betrachtet. Wir hoffen trotzdem, dass der Prinz irgendwann auf unsere Monitore zurückkehrt.