Testbericht

12.04.2002 23:50 Uhr

Phänomenaler Star-Wars-Shooter

Als Jedi-Ritter bestehen Sie mit Lichtschwert, Grips und Maus-Akrobatik ein atemberaubendes Star-Wars-Abenteuer, das selbst Luke Skywalkers Story verblassen lässt.

PC Games-
Spielspaß-Wertung
(Ausgabe 05/2002)
90%
Durchschnittliche
Lesertestwertung:
        
97 %

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Was könnte man als Jedi Ritter nicht alles anstellen? Grillhähnchen per Fingerzeig rösten etwa. Oder das Universum retten. Klar, eine Karriere als Bratmaxe wäre auch einträglich, aber Kyle Katarn, dem Star von Jedi Knight 2: Jedi Outcast, ist die Heldenrolle nun mal auf den Leib geschrieben. Und das ist auch gut so, denn der Ego-Shooter hat das Zeug dazu, mit seiner intelligenten Mischung aus schweißtreibenden Schusswechseln, einfallsreichen Rätseln und Akrobatikeinlagen à la Tomb Raider selbst Jar-Jar-Binks-Geschädigte wieder in glühende Star Wars-Verehrer zu verwandeln.
Schon in der ersten Mission, die Sie zusammen mit Kyles Kollegin Jan zu einem imperialen Außenposten führt, ist es nicht damit getan, die berüchtigten Sturmtruppen aus ihren Plastikrüstungen zu ballern. Um in die Basis einzudringen, müssen Sie außerdem ein Lasergeschütz erobern, damit das Eingangstor aufsprengen, durch Lüftungsschächte an Energiebarrieren vorbeikriechen, Zugangscodes einsacken und diese schließlich am Zentralterminal eingeben. Schnöder Schlüsseldienst war für das Designer-Duo von LucasArts (Indiana Jones und der Turm von Babel) und Raven Software (Elite Force) augenscheinlich tabu, denn jeder Spielabschnitt überrascht mit neuen Rätselvarianten. Um zum Beispiel im späteren Spielverlauf einen Durchgang freizulegen, gilt es gleich eine ganze Reihe von Hindernissen zu überwinden: Ein Abluftschacht führt zu einer Müllpresse, dahinter - Vorsicht, Dampfhammer! - laden turmhohe Kistenstapel zu einer Kletterpartie ein. Nun noch zwei Loren aus dem Weg gezerrt, und die Passage steht offen.
Jedi Outcast spielt sich wie ein Star Wars-Film. Dafür sorgen nicht nur Charaktere wie Lando Calrissian oder Luke Skywalker, denen die Drehbuchschreiber tragende Rollen zugedacht haben. Es ist auch nicht allein John Williams’ legendärer Soundtrack, weder die originalen Soundeffekte noch die vertrauten Synchronsprecher. Die Mischung macht’s. Details wie die Offiziere, die Kyle als Rebellen-Abschaum beschimpfen oder sich untereinander über ihren bevorstehenden Urlaub unterhalten. Oder die vorgefertigten Spielsequenzen, die immer wieder für Adrenalinschübe sorgen. Etwa, wenn in einem düsteren Lagerraum plötzlich Kampfroboter hervorbrechen, und Sie aus allen Rohren beharken. Oder wenn Sie auf einem Überwachungsmonitor einen Blick auf ein Sturmtruppenkommando erhaschen: Die Jungs bemerken die Kamera, ein Knall - und plötzlich stehen sie direkt neben Ihnen in der Schaltzentrale. Besser kann man das Star Wars-Popcorn-Kino kaum auf den Computermonitor bannen.
Bevor Sie jedoch wie weiland Obi Wan auf der Leinwand schwerelos durch die Luft preschen, Wachposten per Gedankenkontrolle ablenken oder Ihren Lichtsäbel auf die Weißhelme niedersausen lassen, sind Sie einige Spielstunden als gewöhnlicher Söldner unterwegs. Kyle Katarn hat den Ritter-Umhang nämlich ursprünglich an den Nagel gehängt. Erst als das Schicksal der Allianz und seiner Freundin Jan auf dem Spiel steht, greift Kyle wieder zur Macht. Mit den aus den Star Wars-Filmen bekannten Zauberkunststückchen schmettert Kyle dann Patrouillen an die Wand, schleudert ihnen Blitze entgegen oder schnürt ihnen im Darth-Vader-Style die Luft ab. Auch bei manchen Puzzles kommen Ihnen die Jedi-Kräfte gelegen. Etwa um einen scheinbar unerreichbaren Hebel per „Macht Griff“ aus der Ferne umzulegen oder mit „Macht Geschwindigkeit“ unter tödlichen Laserstrahlen hindurchzutauchen.
Die Königsdisziplin schließlich ist der Kampf mit dem Lichtschwert. Das surrende Energiebündel schneidet durch Panzerrüstungen wie durch Butter, wehrt anfliegende Geschosse automatisch ab und verwandelt sich auf Knopfdruck in einen tödlichen Bumerang - kurz: Es ist die ultimative Waffe, die die anderen zwölf Knarren die meiste Zeit über in den Rucksack verbannt. Sturmtruppen werden Ihnen damit nur selten gefährlich, auch wenn sie hin und wieder versuchen, Ihnen in den Rücken zu fallen. Wenn Sie aber auf einen Dunklen Jedi treffen, ist Ihre ganze Kampfkunst gefordert. Die Burschen schleudern ihr eigenes Laserschwert punktgenau, parieren Hiebe und lassen Attacken ins Leere laufen. Anfangs entscheiden oft Glückstreffer die hektischen Duelle. Aber die präzisen Steuerung und die übersichtliche, automatisch aktivierte Verfolgerperspektive lassen Sie mit etwas Übung schon bald ebenso spektakuläre Manöver vollführen wie Obi Wan Kenobi in Episode 1. Da stößt sich Kyle im Sprung von einer Wand ab, setzt mit einem Salto über seine Opponenten hinweg und streckt mit einem Rundumstreich gleich drei Gegner gleichzeitig nieder. Es gibt viele solcher Bewegungs- und Schlagkombinationen zu entdecken. Mit der Zeit erlangt Ihr Jedi-Azubi in jeder Spielart der Macht Perfektion, springt höher, heilt Wunden schneller und lenkt mit dem Lichtschwert Lasersalven gezielt zurück auf die Angreifer.
Die Jedi-Tricks machen auch die Mehrspielergefechte zu einem ungewöhnlichen Erlebnis. Bis zu 32 Krieger stehen sich im Netzwerk oder Internet gegenüber. Jeder gegen jeden, Team Deathmatch, Capture The Flag, mit oder ohne Magie - sogar an einen Turniermodus haben die Entwickler gedacht. „Capture The Ysalamari“ ist eine abgewandelte Variante der Flaggenhatz, bei dem die Fahnenträger auf ihre Jedi-Fähigkeiten verzichten müssen. „Jedi Meister“ schließlich erinnert an das klassische „King of the Hill“, nur dass Sie keine Stellung besetzen müssen, um zu gewinnen, sondern möglichst lange im Besitz des einzigen Lichtschwerts in der Arena bleiben. Dank Quake 3 Arena-Netcode lässt die Technik keine Wünsche offen.
Das gilt auch für die Grafik, die ebenfalls auf der Engine des Ego-Shooters von id Software aufbaut. Die schiere Größe der Levels lässt einen staunend zurück. So arbeiten Sie sich in Lando Calrissians Wolkenstadt auf Bespin durch einen gigantischen Reaktortrakt in schwindelerregender Höhen oder wandern auf schmalen Simsen durch das Häusermehr von Nar Shadaa. Einen zugkräftigen Rechner vorausgesetzt, glänzt Jedi Outcast mit eindrucksvollen Licht-und-Schatten-Spielen, hochdetaillierten Polygonmodellen und einer Fülle an Animationen. Vom Lichtschwert dahingeraffte Gegner wirbeln in Zeitlupe herum, bevor sie in sich zusammensinken, Sturmtruppen stürzen mit den Armen rudernd in Abgründe, Dunkle Jedis vollführen tollkühne Hechtsprünge und Rückwärtsrollen. Der einzige Schönheitsfehler ist, dass sich die überwältigende Architektur in einigen Levels hinter recht blassen Texturen versteckt. Trotzdem: Jedi Knight 2: Jedi Outcast ist optisch wie spielerisch ein Genuss, den sich kein Genrefan entgehen lassen sollte.
(Rüdiger Steidle)
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Rüdiger Steidle

Geil, Kyle! Jedi Knight 2 macht mich zum Ritter aus Leidenschaft.

Ich bin fast ein bisschen sauer auf Lucas Arts, weil ich trotz nächtelanger Laserschwert-Orgien kaum einen Fleck auf der weißen Spielspaß-Weste von Jedi Knight 2 gefunden habe. Die Lichtsäbelduelle möchte ich trotz Anfangsschwierigkeiten mit der ungewohnten Steuerung nicht mehr missen. Es macht unglaublich viel Spaß, sich mit dem summenden Leuchtschwert wie ein Berserker durch Gegnerhorden zu schnetzeln. Manches Gefecht habe ich mehrmals absolviert, nur um es beim nächsten Mal noch einen Tick besser und schöner zu machen. Okay, hin und wieder bin ich auch einfach kläglich gescheitert. Dass sich Jedi Outcast stellenweise sehr auf die Schnellspeichertaste verlässt, ist tatsächlich ein Schönheitsfehler. Doch die einfallsreichen Rätsel und Geschicklichkeitsprüfungen machen das mehr als wieder weg. Herz, was willst du mehr? Eine Fortsetzung! Ich brauche dringend eine Fortsetzung.
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Allgemeine Infos

Name Star Wars: Jedi Knight 2 - Jedi Outcast
Genre Ego-Shooter
Webseite http://www.jedioutcast.co...
Hersteller Raven Software
Anbieter Activision Deutschland GmbH (DE)
VÖ-Termin 29.03.2002 - zu diesem Produkt einen Lesertest schreiben!
Preis nicht bekannt
Plattformen: pc.gif
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