Geld, Glanz, Glamour regiert die Welt - und ganz besonders Hollywood. Dank The Movies können nun auch Sie als Filmemacher die große Karriere starten.
Nebelschwaden wabern über die Gräber eines Friedhofs. Knarrend öffnet sich ein Sarg, als ... ein rosa Plüschhase in Menschengröße durchs Bild hoppelt. Gibts nicht? Gibt es wohl, wenn Sie Lionheads The Movies spielen. Als Chef eines Filmstudios treten Sie an, um Hollywood zu erobern. Peter Molyneux (Black & White, Dungeon Keeper, Fable) schafft es erneut, uns ein Spiel zu präsentieren, das mit jeder Menge witziger Ideen daherkommt und sich in keine Genre-Schublade pressen lässt. Aber ist The Movies damit schon ein Spiel der Sonderklasse? PC Games hat alle Ecken und Enden durchleuchtet: Betreten Sie mit uns die illustre Welt der Stars und Sternchen.
Wege zum Ruhm
Nach einem recht dürftigen Tutorial, das lediglich die Grundsteuerung erklärt, haben Sie die Wahl zwischen zwei verschiedenen Spielmodi. "Neues Spiel" lässt Sie mit einer Art Kampagne beginnen, bei der Sie im Jahr 1920 mit einem Koffer druckfrischer Dollarscheine vor einem leeren Firmengelände stehen. Hier legen Sie den Grundstein für Ihr künftiges Filmimperium.
Sie haben nun bis zum Jahr 2005 Zeit, Ihr Studio in Konkurrenz mit anderen Zelluloidfabriken an die Spitze der Charts zu führen, fleißig Blockbuster zu produzieren und damit Geld zu erwirtschaften. Die verdiente Kohle stecken Sie in den Bau neuer Gebäude, verschönern Ihren Filmpark mit Blumen, Palmen, Papierkörben, Autos, Liegestühlen - alles wichtige Elemente, um Ihre Stars bei Laune zu halten.
Denn nur zufriedene Schauspieler und Regisseure liefern gute Arbeit ab, was sich auf die Qualität eines Films auswirkt. Den zeitlichen Fortschritt lesen Sie anhand einer Zeitlinie am oberen Bildschirmrand ab. Ein integrierter Radiosender, den Sie auch abschalten können, versorgt Sie mit historisch passenden Informationen, wie etwa dem Ausbruch oder Ende des Zweiten Weltkriegs.
Spielerisch wirkt sich das so aus, dass einschneidende Ereignisse der Geschichte auch bestimmte Filmvorlieben beim Publikum hervorrufen. In den Kriegsjahren 1939 bis 1945 sind zum Beispiel eher Komödien und Romanzen angesagt, Action und Horror gab es zu dieser Zeit schließlich genug. In den Fünfzigerjahren lassen dagegen spannende Sciencefiction-Streifen die Kinokassen klingeln.
Im Sandkasten-Modus wählen Sie aus, in welchem Jahr und mit wie viel Startkapital Sie loslegen möchten. Dort können Sie auch weitere Spieleinstellungen vornehmen, beispielsweise gleich mit einem vorgefertigten Studio anfangen, den Filmdreh automatisieren sowie Launen der Schauspieler deaktivieren. Wer also keine Lust hat, sich von den Anfängen im Jahre 1920 mühsam hochzuarbeiten, steigt gleich in diesen Spielmodus ein, verpasst damit aber auch den ganz eigenen Charme des Spiels.
"Peter, was mache ich hier eigentlich?"
Molyneux-Spiele sind immer wie ein großer Kessel Buntes zusammengemixt aus verschiedenen Genres. The Movies ist da keine Ausnahme. Der Aufbau des Studios und das Wirtschaftsmanagement erinnern an Rollercoaster Tycoon oder Theme Park, während die Hege und Pflege Ihrer Stars mit all ihren Ansprüchen Sims-Atmosphäre aufkommen lässt. Damit nicht genug: Wer will, kann sich mit einem simpel zu bedienenden Video-Editor stundenlang damit beschäftigen, die selbst gedrehten Filmchen zu schneiden.
Der Clou: Eigene Sound- und Musikstücke lassen sich im *.wav- oder *.ogg-Format nachträglich einbinden. Wer über ein Mikrofon verfügt, kann sogar Sprachaufnahmen machen und diese einbauen. Damit das Ganze realistisch wirkt, spendierte Lionhead dem Video-Editor eine Lippensynchronisierung, sprich: Das Programm sucht passende Mundbewegungen für die Dialogdateien heraus. Das funktioniert in der Praxis sogar recht gut und sorgt für den Feinschliff.
An die Hand genommen
Nach dem Spielstart in den Zwanzigerjahren beginnen Sie erst einmal damit, Ihr Studio einzurichten. Wenn Sie in den Spieloptionen maximale Hilfe einstellen, führt Sie das Programm Stück für Stück durch den Aufbau und versorgt Sie mit wichtigen Informationen, was als Nächstes zu tun ist. Der Baumodus ist denkbar einfach: Sie wählen im Menü das gewünschte Gebäude und platzieren es mit der Maus an eine beliebige Stelle. Eine farbige Umrahmung sagt Ihnen, ob Sie das Gebäude absetzen können oder nicht.
Die Arbeiten führen Handwerker aus, die Sie zuvor einstellen. Damit sind Sie auch schon mitten im Theme Park- oder Rollercoaster Tycoon-Bereich des Spiels. Im Laufe der Zeit haben Sie Zugriff auf über 40 Filmsets, dazu kommen Versorgungsgebäude wie Snack-Wagen, Bars, Toiletten und Restaurants. Hausmeister kümmern sich um den anfallenden Müll und halten Ihre Anlagen sauber. Ein Spielziel besteht nämlich darin, einen möglichst attraktiven Studiopark auf die Beine zu stellen, um einen hohen Prestigewert zu erhalten.
Die Gebäude müssen dazu mit Wegen verbunden sein, damit Filmcrew, Schauspieler und Regisseure schnell an die Drehorte gelangen. Eine kreative und abwechslungsreiche Bepflanzung erhöht ebenfalls die Attraktivität. Wenn Sie später Ihr Studio verändern möchten, stellt das kein Problem dar. Alle Gebäude und Objekte lassen sich abreißen oder versetzen.
Wie gut es um Ihren Park bestellt ist, können Sie jederzeit ablesen, wenn Sie Ihr Produktionsbüro betreten. Damit Sie nicht erst mühsam Menüleisten öffnen müssen, führt Lionhead eine neuartige Bedienungsoberfläche ein: Ein Linksklick auf ein Gebäude lässt dessen Texturen verschwinden und bringt den Gebäudegrundriss zum Vorschein. Dort sind wie in einer Architektur-Skizze verschiedene Räume eingezeichnet, die Ihnen Zugriff auf diverse Spielfunktionen und Info-Bildschirme geben.
So erfahren Sie zum Beispiel im Raum "Kritiken", wie gut es um Ihr Studio bestellt, ob Catering-Service und Sauberkeit in Ordnung und wie berühmt Ihre Stars sind. Eine zusätzliche Balkenanzeige verrät Ihnen, wo es noch Schwachstellen gibt. Dieses Informationssystem kommt im gesamten Spiel vor - machen Sie beispielsweise einen Rechtsklick auf ein Star-Icon, erscheinen mehrere "Sprechblasen", in denen alle wichtigen Werte in Balkenform aufgelistet sind. Genau wie bei den Sims verdeutlichen unterschiedliche Balkenfarben, wie gut oder schlecht es um Ihre Schützlinge bestellt ist.
Starallüren
Treibende Kraft Ihrer Stars ist deren Laune, die im Spiel von verschiedenen Faktoren beeinflusst wird. Schon bei der Auswahl Ihrer Protagonisten können Sie anhand der Charakterinfos erkennen, wo ein künftiger Star seine Stärken hat oder wo es Probleme geben könnte. Einige Stars verfallen schnell dem Alkohol, während andere nicht gerade stressresistent sind.
Anfangs noch recht genügsam, fordern die Diven im Laufe des Spiels immer höhere Gagen und verlangen mehr Komfort, den Sie etwa durch die Anschaffung eines größeren Wohntrailers, eines teureren Autos oder einer attraktiveren Palmenumgebung sicherstellen. Image und Aussehen sind für die Hollywood-Prominenz natürlich ebenfalls sehr wichtig. Dafür greifen Sie auf ein Ausstattungs-Gebäude zurück, in dem Sie Ihren Star nach Gutdünken einkleiden und mit neuen Frisuren und Schmuck versehen. Sind die ersten Falten sichtbar, verordnen Sie eine Verjüngungskur in der Schönheitsklinik. Alternativ können Sie unliebsame Stars auch am Markt verkaufen, genau wie Ihre Drehbücher.
And the Oscar goes...
Wer "Hollywood" denkt, sagt "Oscar-Verleihung". Alle fünf Jahre zieht The Movies eine Bilanz Ihres cineastischen Könnens und vergleicht es mit den Leistungen der Konkurrenz. Wenn Sie es schaffen, einen Award abzustauben, erhalten Sie quasi als Wanderpokal einen Bonus. Zum Beispiel erforschen Ihre Wissenschaftler schneller neue Filmtechnologien, Kostüme und Filmsets.
Zusätzlich stellt Sie The Movies vor die Aufgabe, eine neunstufige Karriereleiter zu erklimmen, um vom Grünschnabel zum Filmmogul aufzusteigen. Für jede Stufe gibt es Voraussetzungen, wie zum Beispiel eine bestimmte Menge Geld oder Prestige, das es zu erwirtschaften gilt. Zur Belohnung gibt es jedes Mal ein kleines Extra in Form eines neuen Filmsets oder verbesserten Drehbuchbüros.
Und was kommt jetzt?
Irgendwann haben Sie auch das letzte Filmset freigeschaltet und sind nach gut 40 Spielstunden an der Spitze der Filmbranche und im Jahr 2005 angekommen. Bis dahin stellen Sie fest, dass die Spannung im "Kampagnenspiel" etwas ausgelutscht ist, da sich die Grundzüge doch oft wiederholen: Drehbuch schreiben, Casting, Filmdreh, Nachbearbeitung und Veröffentlichung.
Dazwischen immer wieder Studioausbau und Imagepflege der Stars und Sternchen. Motivierend ist aber auf jeden Fall Lionheads Online-Wettbewerb. Dazu legen Sie ein Konto an (im Handbuch beschrieben) und exportieren Ihre fertigen Filme auf die Community-Webseite. Dies geht mithilfe des Video-Editors ganz einfach. Für Ihre Uploads erhalten Sie Credits - je besser die Streifen bei der Community ankommen, um so mehr bekommen Sie gutgeschrieben.
Zur Belohnung dürfen Sie sich damit zusätzliche Spielinhalte wie beispielsweise neue Sets "kaufen" und downloaden. Eine tolle Idee. Allerdings gibt es keine spezielle deutsche Seite dafür, Sie sollten daher international verständliche Filme abliefern (englische Dialoge oder zumindest Untertitel benutzen).
Geht das Konzept auf?
The Movies bietet großartige Unterhaltung für alle, die sich auch nur im Entferntesten für Hollywood-Filme interessieren oder Spaß am Basteln einer eigenen kleinen Welt haben, in der sich schnell Erfolge im Spiel einstellen. Die Mischung aus Simulation, Wirtschaftsspiel und Videobearbeitung geht dank der sorgfältig ausgearbeiteten Steuerung flink von der Hand.
Optisch ist The Movies vergleichbar mit Die Sims 2 - viele kleine Details an den Gebäuden und sonstigen Einrichtungsgegenständen zaubern eine wirklich hübsch anzuschauende Spielwelt auf den Monitor. Wer genau hinblickt, entdeckt auch jede Menge Eastereggs, wie Fotos der Entwickler an Gebäudewänden oder das Affenkostüm, mit dem Sie als Black & White-Kreatur übers Studiogelände flitzen können.
Die musikalische Untermalung sorgt für ein perfektes Ambiente, da die verschiedenen Stücke der jeweiligen Spielzeit angepasst sind. Der Swing aus den Zwanzigerjahren ist also ebenso vertreten wie Miami Vice-Mucke aus den Achtzigern. Unverständlich ist dagegen, warum die Gebäude des Studios im gesamten Spiel gleich aussehen.
Das Post-Production-Büro beispielsweise passt mit seinem futuristischen Look absolut nicht in die Dreißigerjahre, in denen Sie es aber bereits freischalten können. Kurios: Im Test konnten wir mit unserem Forschungsteam schon in den Sechzigerjahren Technologien fertig stellen, die sich aber erst im Spieljahr 1985 einsetzen lassen.
So schön und unterhaltsam The Movies ist, hartgesottene Wirtschaftssimulations-Fans vermissen die echte Herausforderung. Warum lassen sich beispielsweise keine Schauspieler direkt abwerben? Auch gibt es keinerlei Intrigen oder echte Skandalsituationen, die in Hollywood eigentlich an der Tagesordnung sind. The Movies ist also mit Sicherheit nicht perfekt, aber wer leichte und stressfreie Unterhaltung am PC erleben möchte, wird bestens bedient.
Ein erfrischendes Spielkonzept, leider noch nicht ganz perfekt umgesetzt.
Anfangs war ich ja skeptisch, ob The Movies wirklich in der Lage sein würde, mir als alten Kino-Fan ein glaubhaftes Hollywood vorzugaukeln. Das ist den Entwicklern wirklich gelungen. Gern sehe ich dabei über die kleineren Macken und hohen Hardware-Anforderungen hinweg, die mich im Spielfluss etwas einengen. Das sich die Grundzüge (Studiobau und Filmdreh) auf Dauer wiederholen, finde ich nicht weiter tragisch, da ich doch immer wieder neue Details entdecke, wie ich meinen Park aufrüsten oder meine Stars besser motivieren kann.