Zum zweiten Mal ruft die Pflicht: Vor buchstäblich kriegsentscheidendenKulissen liefern Sie sich die bis dato intensivsten Shooter-Gefechte.
Alles begann damals mit Medal of Honor: Allied Assault. Es folgten Call of Duty und populäre Mehrspielerableger wie Battlefield 1942. Zuletzt versuchte noch Brothers in Arms im Frühjahr dieses Jahres, die Gunst der anspruchsvollen Action-Spieler zu gewinnen. Langsam könnte man meinen, die Welt hat genug Ego-Shooter mit der Thematik Zweiter Weltkrieg gesehen.
Aber nun kommt Infinity Wards Call of Duty 2. Was kann das Teil denn bitte schön noch bieten? Sämtliche relevanten Schlachten und historischen Ereignisse kennen wir doch schon aus den letzten Jahren. Und alles andere haben wir im Fernsehen miterleben dürfen, wie beispielsweise bei der Miniserie Band of Brothers oder in Der Soldat James Ryan. Doch wie im wahren Leben kommt es nie so, wie man es erwartet.
Erfahrungsbericht
8. Dezember 1944, 07:30 Uhr. Bergstein, Deutschland. Wetter: bedeckt, 7° Celsius. "Ich habe nicht mehr geschlafen, seit wir Bergstein am 6. eingenommen haben. Wir haben uns oben auf dem Hügel eingegraben und Befestigungen aus allem gebaut, was wir nur in der Gegend finden konnten. Unsere einfachen Verteidigungen sollen den Feind in bestimmte Trefferbereiche lenken.
Das Problem ist, dass wir so viele Verluste in den letzten 24 Stunden erleiden mussten, dass fast niemand mehr da ist, der sie dann auch treffen und ausschalten könnte. Gezeichnet: Corporal Bill Taylor, D-Kompanie, 2. Ranger-Bataillon." Die Lage ist ernst für den Ranger und seine Kameraden. Jeden Moment könnte der Angriff der Deutschen erfolgen. Der Hügel, um den es sich hier handelt, ist eine Kuppe im östlichen Teil des Burgbergs in der Eifel.
Hitler benutzte ihn als Stellung für seinen wahnwitzigen Westwall. Die Eroberung der Anhöhe war nicht einfach und von großen Verlusten gezeichnet. Die Deutschen verschanzten sich in den massiven Bunkern und hatten eine bessere Ausgangsposition als die heranstürmenden US-Elite-Soldaten, die sich nur mit Rauchgranaten vor dem MG-Feuer und den feindlichen Scharfschützen absichern konnten. Die alliierten Streitkräfte suchten hinter Panzersperren und Bäumen Deckung - meistens ohne Erfolg.
Die, die übrig blieben, müssen sich jetzt auf der Hügelspitze behaupten. Dumpfes Knattern aus nicht allzu weiter Ferne ist zu hören, dann ein heftiges Donnern. Deutsches Artilleriefeuer! Ihre Kameraden schreien wild umher: "Verschanzen Sie sich im Schützengraben, Corporal! Es wird vielleicht nicht viel bringen, aber besser als hier draußen ist es auf alle Fälle!"
Sie rennen los, es herrscht unerträglicher Lärm. Sie werden durch die Wucht aufschlagender Geschosse zu Boden geworfen, retten sich aber in den Graben und harren wenige Momente aus. Plötzlich tauchen rund um die Stellung graue Rauchschwaden auf. "Woher kommt der Feind? Ich kann nichts sehen!", schreit Ihnen ein Kamerad panisch entgegen. Sie bleiben ganz ruhig und legen Ihren Karabiner an. Sie warten. Dann erscheinen sie - schwarze Gestalten. Sie eröffnen sofort das Feuer und kämpfen um Ihr Leben.
Spannende Missionen
Der Zweite Weltkrieg bietet der Entwicklern Infinity Ward noch genug Stoff für eine acht bis zehn Stunden lange Kriegssimulation. Sogar solche eher unbekannten Schlachten sind derart imposant inszeniert, dass wohl selbst ein Steven Spielberg vor Neid erblassen würde. Es vergeht kein Moment, in dem nicht etwas Spektakuläres geschieht. Beispiel: Als britischer Soldat fahren Sie auf einem Panzerkonvoi durch eine tunesische Kleinstadt.
Alles scheint ruhig, Ihre Kollegen unterhalten sich: "Schon gehört, dass Norman zu Hause ist?" - "Der Glückliche..." - "Der Glückliche' hat ein Bein ab!" Dann zerstört eine Explosion die Ruhe. Der vordere Tank wird attackiert, Kameraden sacken zusammen. Sie springen mit Ihren Kollegen auf und befinden sich inmitten eines erbitterten Straßenkampfes. Dabei präsentieren sich die Schusswechsel, je nach Schwierigkeitsgrad, recht anspruchsvoll.
Wer sich unüberlegt fortbewegt, kann schon mal die ein oder andere Maschinengewehrsalve verpasst bekommen. Sie sollten sich stets von Deckung zu Deckung fortbewegen und freie Flächen umgehen. So können beispielsweise auf weit entlegenen Dachböden Scharfschützen lauern oder an taktisch wichtigen Plätzen MG-Nester und Flakstellungen positioniert sein. Meistens gilt: Halten Sie sich an Ihre Kameraden, geht es Ihnen gut.
Denn die KI-Soldaten stellen sich in der Regel sehr geschickt an und agieren durchgehend intelligent. Befinden Sie sich also mal in der prekären Lage, bei einer direkten Konfrontation mit dem Feind das Magazin wechseln zu müssen, springen die Kollegen schon mal hinter Ihrer Schulter hervor und bringen zu Ende, was Sie angefangen haben. Auch beim Thema Häuserkampf stellen sich Ihre Recken ziemlich clever an: Ein oder zwei Männer postieren sich neben der Tür und linsen hinein, während wahlweise Sie oder ein Kamerad das besetzte Gebäude zuerst betritt.
Bei Feindkontakt melden die Jungs regelmäßig den Standort, wie zum Beispiel "Feindliche Truppen im Westen", oder "Deutsche Truppenverbände hinter den Sandsäcken dort!" Zwar dürfen Sie keine Befehle wie etwa in Taktik-Shootern à la SWAT verteilen, doch die Mannschaftseinsätze machen trotzdem sehr viel Spaß.
Sprachtalent
Im Kampf bekommen Sie ständig Feedback von Ihren Kameraden, das erscheint zunächst lobenswert. Schließlich macht der Sound einen Großteil der Atmosphäre in Call of Duty 2 aus. So propagieren die Deutschen in der Sowjet-Kampagne, dass sich die russischen Soldaten gefälligst ergeben sollen: "Seid ihr hungrig? Ist euch kalt? Die Wehrmacht wird euch gut behandeln!" Und als Sie einen russischen Scharfschützen in einem zerstörten Hochhaus unterstützen sollen, lässt er nach jedem Schuss verlauten: "Das ist für meine Mutter! Und das für meinen Vater! Und das für meinen Hund!"
Doch genau hier liegt das Problem. Ihre Kameraden sprechen deutsch, genau wie der Feind auch. So kommt es oftmals zu Irritationen. Wer schreit denn hier überhaupt, dass Feinde in Anmarsch sind? Die eigenen Leute, die Gegner am Horizont entdeckt haben, oder doch eher Wehrmachtstruppen, die sich im Gebäude vor unserer Nase verschanzen? Die deutsche Version in allen Ehren, aber Spieler mit guten Englischkenntnissen würden es sich sicherlich wünschen, zwischen komplett lokalisierter und Original-Fassung der Synchronisation entscheiden zu dürfen. Untertitel reichen doch fürs Verständnis, finden wir.
Unterschiedliche Sprachen hätten der ohnehin schon grandiosen Atmosphäre das i-Tüpfelchen verpasst. Außerdem müssen wir eine nervige Phrase hervorheben, die wir von unseren britischen Kameraden einfach zu oft zu hören bekamen. Als Angriffsschrei riefen sie: "Du siehst die Radieschen ganz eindeutig noch vor dem Kriegsende von unten!" Immer und immer wieder. Solche sinnfreien Sätze hätten sich die Synchronsprecher sparen können. Dafür werden Ihre Ohren nach siegreichen Schlachten mit feinen Orchesterstücken belohnt.
Schöne Aussichten
Nicht nur die musikalische Untermalung ist ein Genuss: Die Geräuschkulisse verstärkt den Filmeindruck zusätzlich. Gerade Besitzer von Surround-Anlagen werden mit erderschütternden Artillerieeinschlägen und Fliegerangriffen konfrontiert. Es kracht an allen Ecken, Soldaten schreien um ihr Leben und Schüsse pfeifen Ihnen um die Ohren. Damit einher geht die generelle Grafikqualität: Selten zuvor haben wir derart detaillierte Landschaft und realistische Waffen- und Spielermodelle erlebt.
Schaut man sich die Gesichter der KI-Kollegen an, erkennt man sogar Bartwuchs, Hautunreinheiten und realistische Mimik mit lippensynchroner Sprachausgabe. Und auch die in anderen Weltkriegstiteln eher vernachlässigte Rauchgranate spielt bei Call of Duty 2 eine große spielerische Rolle. Als Schutz vor feindlichen Blicken und Angriffen vernebeln Sie damit ganze Straßenzüge und Gebäude - dies ist vor allem im späteren Verlauf relevant. Dabei schaut der graue Rauch so voluminös und echt aus wie noch nie.
Weltreisender
Im Verlauf der Einzelspielerkampagne erleben Sie den simulierten Zweiten Weltkrieg aus Sicht der Russen in Stalingrad und Moskau, der Briten in Nordafrika und der Amerikaner in der Normandie und Deutschland. Dabei fallen die optischen und spielerischen Unterschiede zwischen den drei Parteien auf. Während Sie als Vasili I. Koslov den Angriff der Wehrmacht auf die Sowjetunion in verschneiten Großstadtruinen miterleben, treibt es Sie mit Sergeant John Davis in die afrikanische Wüste und als David Welsh sogar in einen britischen Crusader-Panzer.
Doch die drei großen Missionen wirken ziemlich zusammengeschustert. Es hätte uns besser gefallen, wenn sich so etwas wie ein Thema oder ein roter Faden durch das Spiel gezogen hätte. Auch eine Hintergrundgeschichte fehlt. Eine echte emotionale Verbindung zu Ihren Kameraden entsteht deshalb nicht. Es hätte schon einen Reiz, zu wissen, dass der Kamerad, dem Sie gerade das Leben gerettet haben, auch in den folgenden Missionen noch an Ihrer Seite kämpft.
Und das, obwohl sich die Macher die Mühe gemacht haben, jedem einzelnen Soldaten und sogar jedem Panzer einen Namen zu geben (unser Favorit: Tank Greta Garbo, benannt nach der schwedischen Schauspiellegende). Da wäre mehr drin gewesen. Doch zurück zu Ihren Einsätzen in aller Welt. Zwar sollten Sie nicht allzu viel Abwechslung erwarten - das lineare Spielprinzip gleich dem des Vorgängers.
Jedoch überzeugen die Schauplätze durch die gute Levelarchitektur und die zahlreichen "Magic Moments". An manche spektakulären Ereignisse und Szenen erinnern Sie sich garantiert noch nach Monaten. Deshalb wollen wir nicht zu viel verraten und Ihnen empfehlen, sich selbst an Call of Duty 2 heranzuwagen.
Der intensivste und bestaussehendste Weltkriegs-Shooter, den es je gab.
Schon nach den ersten Spielstunden mit Call of Duty 2 war ich total begeistert. So intensiv und spannend inszeniert habe ich Schusswechsel in einem Spiel vor dieser Kulisse noch nicht erlebt. Auch mit der künstlichen Intelligenz bin ich mehr als zufrieden: Feinde werfen Granaten zurück, die Kameraden haben nur wenige Aussetzer. Und dann diese imposante Technik: Weitreichende Landschaften, spektakuläre Explosionen, detaillierte Soldatengesichter, Ohren und Sinne betäubender Sound - Call of Duty 2 ist ohne Frage ein Muss für jeden Shooter-Fan.