Testbericht

24.10.2005 00:10 Uhr

The Suffering: Ties That Bind

PC Games-
Spielspaß-Wertung
(Ausgabe 12/2005)
82%
Durchschnittliche
Lesertestwertung:
        
75 %

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Gelungene Atmosphäre Kurze Spieldauer
Hervorragende Soundkulisse Stellenweise zu schwer
Einzigartige Kreaturen  

Der Nachfolger des Horrorspiels spinnt die Geschichte um einen Verurteilten weiter und führt Sie gleichzeitig durch seine Vergangenheit.

Die Wohnung ist blutbespritzt, das Wasser in der Badewanne dunkelrot. Zerbrochene Möbel sind stumme Zeugen eines grausamen Verbrechens. Die Opfer: eine Frau und zwei Kinder. Der verhaftete Vater Torque, Protagonist von The Suffering, wartet in der Todeszelle auf seine Strafe. Ihm wird vorgeworfen, seine Familie bestialisch ermordet zu haben.

Doch Torque kann sich an nichts erinnern. Aber zur Exekution auf dem elektrischen Stuhl kommt es nicht, denn seltsame Kreaturen greifen das Gefängnis an und zerfleischen wahllos Wächter und Insassen. Panik bricht aus, die Häftlinge kämpfen um ihr Leben. Ab jetzt hat Torque nur noch ein Ziel: Die Gitterhölle lebend zu verlassen. Dies gelingt ihm sogar - am Ende von The Suffering 1.

Die Wahl der Qual

Kenner des ersten Teils erinnern sich: Ihre Entscheidungen beeinflussten geringfügig den Spielverlauf und das Abenteuer mündete in einer von drei Endsequenzen. Waren Sie etwa besonders fies und nieteten bei Ihrem virtuellen Knastausbruch alles und jeden um, marschierte Torque als brutaler Killer aus der Zelle. Ties That Bind knüpft an jedes dieser Enden an, allerdings nur, wenn Sie den entsprechenden Spielstand aus dem Vorgänger noch auf der Platte haben.

Damit starten Sie entweder als guter, neutraler oder als böser Kerl. Das spiegelt sich in kleinen Änderungen der Geschichte wider. Schlüsselcharaktere wie etwa der Psychiater Dr. Killjoy halten neue Monologe ab oder beziehen sich auf die Geschehnisse des Vorgängers. Am Schluss steht der Knastbruder wieder vor mehreren Endszenen - alle abhängig von seinem Tun.

Schreckensvisionen

Statt innerhalb dunkler Gefängnismauern irren Sie in Ties That Bind durch die engen Gassen von Torques Heimat Baltimore. Auch diesen Ort suchen bestialische Kreaturen heim. Doch diesmal tauchen Sie tiefer in Torques Vergangenheit ein und gehen früheren Ereignissen auf den Grund. Wie gewohnt auf eine faszinierend schaurige Weise.

So besuchen Sie zum Beispiel in einem der insgesamt 18 Kapitel Torques verlassenes Appartement. Geisterhafte Erscheinungen seiner toten Ehefrau Carmen führen Sie durch die Wohnung. Einige Augenblicke lang sehen Sie seine Kinder. Aus dem Nebenraum dringen Worte einer lebhaften Unterhaltung. Carmen überredet gerade ihren jungsten Sprößling zum Baden, während sich dieser trotzig dagegen wehrt.

Als Torque jedoch das Badezimmer betritt, erblickt er eine Wanne voller Blut und die entstellte Leiche seiner Frau. Im nächsten Moment ist die Vision vorbei und er findet sich in seinem heruntergekommenen Zuhause wieder. Ganz allein.

Schockierende Gegner

Bei solchen Szenen zweifelt nicht nur der Ex-Sträfling an seiner mentalen Gesundheit. Auch der Spieler grübelt, was nun Torques Wahnvorstellung entspringt und was (Spiel-)Realität ist. Schwer zu sagen, vor allem, weil albtraumhafte Monster Ihnen stets ans Leder wollen. Wie schon im Vorgänger sind die Widersacher wohl einer ungewöhnlichen, aber überaus detailverliebten Entwicklerfantasie entsprungen. Da wären zerschnittene Torsos mit rasierscharfen Klingen anstelle von Armen und Beinen.

Oder Drogentote: Säuglinggroße Körper mit Spritzen im Kopf, abgeschnittenen Beinen und einem verstörten Blick. Klarer Fall: Das Spiel gehört auf gar keinen Fall in die Hände von Kindern und Jugendlichen. Der Anblick solcher Mengen virtuellem Blut könnten sogar manchem Erwachsenen zu heftig sein. Die deutsche Variante ist nur dezent entschärft. Unterschied: Sie können die Köpfe nicht vom Rumpf schießen.

Monströs!

Im Gegensatz zum ersten Suffering schleppt Torque nur noch zwei Waffen gleichzeitig mit. Neben den genreüblichen Ballermännern wie die abgesägte Schrotflinte oder Tommy-Maschinengewehr, greift Ihr Recke auf dickere Gerätschaften wie Granaten- oder Raketenwerfer zurück. Die Begrenzung auf nur zwei Kanonen bringt Taktik ins Spiel. Nicht selten stehen Sie vor der Wahl, ein fast leeres, aber durchschlagkräftiges Maschinengewehr gegen zwei vollgeladene, aber schwache Colts zu tauschen.

Es geht allerdings auch ohne Waffen: Im Wutrausch lassen Sie Torques inneres Monster per Knopfdruck frei. Das Ungeheuer ist drei Köpfe größer als sein Wirt und kämpft nur mit Krallen. Dafür erledigen Sie so die Gegner mit einigen wenigen Schlägen. Übrigens: die Entwicklung des Biests hängt von Ihren Handlungen ab. Hilfsbereite Spieler bekommen ein anderes Monstrum zu Gesicht als böse.

Gruseln und Ballern

Die Optik fällt mit dem Schauplatzwechsel noch düsterer aus als im ersten Teil. Dem Spielspaß tut es keinen Abbruch. Im Gegenteil, die bedrohliche Atmosphäre lässt den Spieler förmlich erzittern. Aber nicht durchgehend - wenn Sie etwa in einem Raum gefangen sind und sich gleichzeitig um mehrere Gegner kümmern, legen Sie schnell Ihre Ängste beiseite und ballern sich stupide durch die Monsterhorden.

Rätsel beschränken sich auf den üblichen Schalter-Einheitsbrei. Liegt die Brut am Boden, stellt sich im nächsten Raum die Gruselstimmung dank hervorragender Geräuschkulisse von selbst wieder ein. Wer in Silent Hill geboren ist und die Zombies aus Resident Evil als Haustiere hält, greift bei The Suffering: Ties That Bind zu. Aber bitte nur, wenn Sie volljährig sind!
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Allgemeine Infos

Name The Suffering: Ties That Bind
Genre Action-Adventure
Webseite http://www.midway.de
Hersteller Surreal Software
Anbieter Midway Games
VÖ-Termin 28.09.2005 - zu diesem Produkt einen Lesertest schreiben!
Preis nicht bekannt
Plattformen: pc.gif
xbox.gif
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