Die USA sind zerfallen, Splittergruppen kämpfen um die Überreste der einst großen Nation. Ihr Job: Die Scherben auflesen und das Land wiedervereinigen.
Im Jahre 2012 sind die Vereinigten Staaten von Amerika nicht mehr das, was sie mal waren. Ein unrechtmäßig ernannter Präsident herrscht mit eiserner Faust und unterdrückt die Opposition. Gewalt erzeugt Gegengewalt und so kommt es zu atomaren Anschlägen auf verschiedene amerikanische Großstädte - darunter Washington D.C. Der Regierungsapparat ist ausgelöscht, die USA zerfallen in sechs Splitterstaaten. Russland wittert leichte Beute und annektiert Alaska, ohne auf Widerstand zu stoßen. Die Europäische Union bleibt ebenfalls nicht untätig und entsendet Friedenstruppen. Jetzt kommen Sie ins Spiel.
Der Feldherr sind Sie!
Bei Shattered Union führen Sie in der Einzelspielerkampagne eine der sechs separatistischen Parteien oder die EU-Truppe über amerikanische Schlachtfelder. Das rundenbasierte Spielprinzip erinnert an Rome: Total War und ist in zwei Phasen unterteilt. In strategische Runden, in denen Sie nach Feldherrenart Angriff und Verteidigung planen und natürlich in handfeste Schlachten, in deren Verlauf Sie Ihre Einheiten ebenfalls rundenweise über dreidimensionales Hexfeldterrain ziehen.
Die strategische Karte erinnert stark an das Brettspiel Risiko. Das Spielfeld umfasst das Gebiet der heutigen USA, mit Ausnahme von Alaska und Hawaii. Allerdings sind die 24 zu erobernden Gebiete nicht den Bundesstaaten nachempfunden, die Entwickler haben "gefühlte" Grenzen gezogen. So gehört beispielsweise die westliche Hälfte des früheren Staates Ohio zur Great Plains Federation, während sich die östliche Hälfte der New England Alliance angeschlossen hat. Fünf der insgesamt sieben Krieg führenden Parteien besitzen vier Startländer, die New England Alliance hat drei Gebiete und die EU-Truppen ein mageres Territorium in der Gegend von New York.
Armeen ausheben
Pro strategischer Runde können Sie einen Angriff auf ein benachbartes Feld durchführen. Hierfür stellen Sie aus Ihrem Einheiten-Pool eine Armee zusammen, die Auswahl ist denkbar einfach (siehe Kasten "Strategische Planung"). Ihnen stehen maximal 42 Einheiten verschiedener Kategorien wie schwere Panzer, Luftabwehr oder Flieger zur Verfügung.
Dabei wählen Sie zwischen aktuellen Waffensystemen wie dem M1A1-Abrams-Panzer, Apache-Helikopter oder Leopard 2 aus. Attackiert ein Gegner Sie in derselben strategischen Runde, schöpfen Sie Verteidigungstruppen aus demselben Pool. Wurden jedoch alle Einheiten bereits beim Angriff eingesetzt, bleibt Ihnen für die Abwehrschlacht nichts mehr übrig und Sie geben das attackierte Gebiet kampflos auf.
Neue Kampfeinheiten bekommen Sie auch nicht geschenkt. Diese kosten je nach Wert zwischen 3.000 und 125.000 Dollar. Geld nehmen Sie ein, indem Sie Territorien erobern und halten. Dabei werfen die Gebiete pro strategischer Runde unterschiedlich viel ab. Stark industrialisierte Gegenden wie New York sind natürlich lukrativer als ländliche Gebiete. Größere Verluste können Sie jedoch selbst mit hohem Einkommen kaum ausgleichen; schonen Sie daher Ihre Truppen wo es nur geht.
Angeschlagene Panzer sollten Sie erst einmal zurückziehen, bevor Sie diese komplett verlieren. Reparaturen nehmen Sie nicht per Hand vor. Lassen Sie eine beschädigte Einheit eine Runde lang stehen, sind anschließend 25 Prozent der Lebenspunkte automatisch wiederhergestellt. Die Betankung funktioniert auf die gleiche Weise. Auf Munition brauchen Sie nicht zu achten, da alle Truppen unendlich viel besitzen. Ab und zu werfen auch russische Flugzeuge zufallsbedingt Versorgungskisten ab. Diese Kisten bringen bei Aufnahme entweder einen Bonus, wie etwa zusätzliche Verteidigungspunkte, oder aber sie beschädigen die Einheit, die sie aufgesammelt hat.
Auf in die Schlacht!
Die Gefechte führen Sie auf 3D-Terrain, erzeugt mit einer überarbeiteten Version der Railroad Tycoon 3-Engine. Das Gelände ist in Hexfelder unterteilt und bietet unterschiedliche Deckungsmöglichkeiten. Stationieren Sie zum Beispiel Infanterie auf freier Fläche, sin d Ihre Fußsoldaten ein gefundenes Fressen für feindliche Panzer. In Städten steigt der Verteidigungsbonus jedoch.
Wälder geben ebenfalls Deckung. Bei gleichem Terrain gilt das Schere-Stein-Papier-Prinzip. Gepanzerte Fahrzeuge und Bomber bezwingen Infanterie, Flieger schlagen Panzer. Luft-Boden-Batterien und Abfangjäger schießen Bomber locker vom Himmel. Die Konsequenz: Mit einer Waffengattung allein kommen Sie in der Regel nicht weit. Damit die Gefechte nicht bis zum Morgengrauen dauern, gibt das Spiel eine maximale Rundenzahl vor, je nach Karte 13 bis 15 Umdrehungen.
Bis zum Ablauf der Frist erobern Sie wie beim Genre-Urahn Panzer General 3D bestimmte Städte, sonst ist der Angriff gescheitert. Allerdings brauchen Sie bei Shattered Union nicht alle als kriegswichtig markierten Positionen einzunehmen. Jede Stadt besitzt einen gewissen Punktwert. So bringt San Francisco 100 Punkte, kleinere Vororte nur 25. Auf jeder Karte hat der Angreifer eine bestimmte Anzahl - beispielsweise 150 - zu erreichen, will er die Schlacht gewinnen.
So können Sie entscheiden, welche Städte Sie einnehmen wollen und welche nicht, da auf jeder Spielkarte verschiedene Kombinationen möglich sind. Der Verteidiger stellt dagegen seine Truppen so auf, dass er reagieren kann. Dieses simple Prinzip sorgt für großen taktischen Spielraum, Bewegungsschlachten wie Belagerungen sind möglich. Kämpfe enden allerdings auch sehr häufig durch den Rückzug einer Partei oder die komplette Auslöschung des Gegners. Sehr angenehm: Die Steuerung ist kinderleicht. Tastaturkürzel brauchen Sie keine, Sie ziehen Einheiten per Mauszeiger.
Spezialaktionen
Damit Gefechte sich nicht zu dröge gestalten, haben sich Poptop Software noch was Nettes einfallen lassen. Alle paar Runden stehen Spezialaktionen wie Säureattacken, Verteidigungsboni oder Atombomben zur Verfügung. Welche Aktionen dabei für Sie infrage kommen, hängt von Ihrem Ruf ab. Bombardieren Sie gern Städte und zerstören Sie mit Vorliebe Wahrzeichen der USA - etwa die Golden Gate Bridge - erhalten Sie zum Beispiel biologische Waffen. Patrioten bekommen dagegen Schutzmechanismen oder Aufklärungsboni. Beliebten Feldherren stehen kostenlose Partisanen zur Seite.
KI und Spielmodi
Bei der künstlichen Intelligenz haben sich die Entwickler noch mal kräftig ins Zeug gelegt. Ließ sich der Computergegner in der Preview-Version noch ohne großes Theater aus der Reserve locken, ist die schwere KI-Stufe in der Testversion eine weitaus härtere Nuss. Erst werden wichtige Einheiten wie Luftabwehrbatterien oder Artillerie ausgeschaltet, danach decken Flieger und Helikopter Ihre schweren Panzer ein.
Eigene Unterstützungseinheiten entblößt die KI zudem nicht mehr so leicht. Wie reagiert der Computer aber, wenn Sie die Tankrush-Taktik fahren? Auf mittlerer Stufe ist die KI mit etwas Können noch zu besiegen, wenn Sie ausschließlich schwere Panzer einsetzen. Auf "Sehr schwer" gleicht diese Vorgehensweise einem Himmelfahrtskommando.
Neben der Einzelspielerkampagne bietet das Spiel Sofortgefechte gegen die KI (Skirmish) und einen kleinen Mehrspielerteil. Hier sind jedoch nur simple 1-gegen-1-Gefechte im LAN, Internet oder an einem Computer (Hotseat) möglich. Der reizvolle Kampf um die USA steht im Multiplayer-Teil nicht zur Verfügung.
Ein ausgewogenes Spiel, das nicht nur Hardcore-Strategen anspricht.
Runden-Strategie ist nur was für Hardcore-Strategen? Falsch! Poptop Software bringt mit Shattered Union einen ausgewogenen Titel, der zwar strategischen und taktischen Anspruch bietet, stundenlanges Handbuchwälzen jedoch vermeidet. Dazu wurde Gott sei Dank die KI im Vergleich zur Preview-Version deutlich verbessert. Einzig der Mehrspielerteil enttäuscht mich. Warum kann ich die spannende Kampagne nicht mit meinen Kollegen im Netzwerk spielen? Der 1-gegen-1-Modus ist zwar nett, aber nicht mehr als ein Snack für zwischendurch.