Testbericht

24.10.2005 00:10 Uhr

Quake 4 (dt.)

PC Games-
Spielspaß-Wertung
(Ausgabe 12/2005)
88%
Durchschnittliche
Lesertestwertung:
        
74 %

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Sehr gelungenes Spieldesign Fahrzeuglevels zum Teil gestreckt
Viel Abwechslung und tolle Endbosse Deutsche Version stark geschnitten
Flotter, klassischer Mehrspielermodus  

Sowohl die Einzelspieler- als auch die Mehrspielergemeinde wartet gespannt auf das neueste Shooter-Highlight. Was kann die Doom 3-Engine wirklich?

Die Kritik an ids Vorzeigeshooter Doom 3 war im Nachhinein groß. Auf Dauer zu monoton und langweilig, hieß es. Zu wenige Außenschauplätze, bemängelten Enttäuschte. Die Endlosgegner nerven, kritisierten manche. Quake 4 (dt.) hingegen könnte als perfektionierte Variante seines Engine-Kollegen angesehen werden.

Die Shooter-Pioniere id Software engagierten nämliche die Spieleschmiede Raven Software für die Entwicklung des lang erwarteten Einzelspieler- und Mehrspieler-Highlights - und haben auf ganzer Linie Erfolg. Außeneinsätze en masse, spannende Gefechte im Team und eine interessante Hintergrundgeschichte machen den Titel zu einem Muss für Shooter-Fanatiker.

Außerirdische Bedrohung

Im Gegensatz zu Genre-Kollegen wie Half-Life 2 geht es bei Quake 4 (dt.) von Anfang an zur Sache. Keine Lagebesprechung, kein spannungssteigerndes Herumgelaufe. Sie starten sofort am Schauplatz des Geschehens, dem Heimatplaneten der Strogg. Die außerirdische Rasse hat es sich zum Ziel gesetzt, sämtliche Zivilisationen im Universum barbarisch zu versklaven.

Ihre aktuelle Station: die Erde. Die Strogg sperren Menschen in ihre Labors und verwandeln sie mit äußerst brutalen Methoden zu ihresgleichen. Doch die Erde gibt sich der Übermacht der widerwärtigen Aliens nicht geschlagen und schickt ihre tapfersten Krieger auf die alles entscheidende Mission zum Ursprung allen Übels.

Sie übernehmen die Rolle des Elitekämpfers Matthew Kane, der zusammen mit seinen Kameraden des Rhino-Squads auf dem stark umkämpften Strogg-Planeten abgesetzt wird. Dort ist mittlerweile die Hölle los. Die Strogg feuern aus riesigen Kanonen auf die Invasoren, die wiederum in Schützengräben nach Deckung suchen. Überall Explosionen, Raumschiffe fliegen über Ihren Kopf hinweg, Zerstörung, soweit das Auge reicht.

Doch Sie müssen sich gleich zu Beginn in dieser prekären Lage behaupten. Hier werden sofort die Unterschiede zum inoffiziellen Vorgänger Doom 3 deutlich. Sie rennen oftmals nicht allein durch düstere Gänge, dann hätten Sie nämlich nicht die geringste Chance aufs Überleben. Sie suchen nach den Kameraden und schließen sich Ihnen an.

Darunter ein Sanitäter, der Sie jederzeit mit einer Gesundheitsspritze behandeln kann, sowie ein so genannter Tech, der Ihre Rüstung aufbessert. Die Teamkameraden dürfen Sie nicht befehligen. Das ist auch gut so, denn die Jungs bewegen sich geschickt durch das fremde Terrain und führen Sie immer zum nächsten Missionsziel. Tauchen Gegner auf, verhalten sich die KI-Kollegen intelligent und suchen oft auch Schutz hinter Pfeilern und Umgebungsgegenständen.

Sie sollten Ihre Kollegen stets im Auge behalten, damit diese nicht allzu schnell ins virtuelle Gras beißen. Der wohl interessanteste Aspekt an Quake 4 (dt.) ist, dass Sie selbst in einen Strogg verwandelt werden. Während Matthew Kane zu Beginn noch recht gemächlich durch die Gänge schlurft, kann er später höher springen und schneller laufen - genau wie im Mehrspielermodus.

Da die Verwandlung zum Halb-Strogg jedoch sehr blutig von statten geht, wurde diese Zwischensequenz, in der Sie Ihren virtuellen Körper aus der Ich-Perspektive bei den Eingriffen beobachten dürfen, für die deutsche Fassung herausgeschnitten. Mit Kanes verändertem Aussehen freundet sich aber nicht jeder an. Es kann also vorkommen, dass Ihnen der eine oder andere Marine sein Misstrauen mitteilt und Sie mit "Geh weg, du Strogg!" verscheucht.

Schön widerlich?

Die optische Gestaltung von Quake 4 (dt.) mag für zartbesaitete Gemüter abstoßend wirken. In den Produktionshallen der Strogg wunderten wir uns nicht selten über in Maschinen eingeschlossene Menschenköpfe und Körper ohne Extremitäten sowie Marines, deren Brustkörbe zu Versuchszwecken aufgerissen wurden. In der ursprünglichen Fassung müssen Sie sogar mit ansehen, wie lebende Kameraden auf Haken aufgespießt und in die Strogg-Maschinerie geschleust werden.

Außerdem begegnen Ihnen in der Originalversion regelmäßig virtuelle verstümmelte Leichen - ein Spiel für Kinder und Jugendliche ist Quake 4 (dt.) wahrlich nicht. Was sich genau in der deutschen Version getan hat, lesen Sie in unserem Extrakasten. Das Design der Feinde ist schön schaurig und sehr detailliert. Betrachtet man den ein oder anderen Strogg-Mutanten, bemerkt man Hautfetzen, die über die Metalbrust geschnallt wurden.

Charakterfrage

Quake 4 (dt.) führt Sie geschickt durch das Spielgeschehen, ohne beispielsweise unsichtbare Barrieren zu errichten und Ihre spielerische Freiheit zu beschränken. Sind Sie einmal in die falsche Richtung gelaufen und treffen auf verbündete Soldaten, kriegen Sie Texte wie "Hier gibt’s nichts zu sehen!", oder "Gehen Sie gefälligst woanders hin!", zu hören.

Dieser rote Faden reißt bis zum Ende des Abenteuers nicht ab und vermeidet somit frustrierende Erlebnisse. Im Verlauf der Hintergrundgeschichte umgibt Sie ein permanentes "Mittendrin"-Gefühl. Die Nichtspielercharaktere in Ihrer Umgebung wirken allesamt sehr lebendig. Da wären zum Beispiel der etwas arrogante Scharfschütze Cortez mit seinem spanischen Akzent und der sympathische Captain Voss, auf dessen Raumschiff Hannibal die späteren Lagebesprechungen stattfinden.

Alle Nichtspielercharaktere verhalten sich sehr menschlich. Ebenfalls erwähnenswert ist der (vermutlich) deutsche Johann Strauss. Der übervorsichtige und ständig pessimistische Ingenieur kämpft in einer Mission sogar an Ihrer Seite. Auch zu den anderen Jungs entwickeln Sie eine emotionale Beziehung, die durch das eine oder andere unvorhergesehene Ereignis zerstört wird.

So erleben Sie in einer Zwischensequenz wie vor Ihren Augen Narbengesicht Sledge von einem Strogg angegriffen und in die Tiefen der Strogg-Verarbeitungsanlagen gerissen wird. Sie merken, die Hintergrundgeschichte kommt bei Quake 4 (dt.) nicht zu kurz. Ungewöhnlich für einen actiongeladenen Ego-Shooter, doch trotzdem überzeugend.

Nie wieder langweilig

Zur Abwechslung dürfen Sie zwischen den Schusswechseln in zwei Einsätzen die Kontrolle über einen futuristischen Panzer übernehmen. Sie rollen durch diverse Freiluftareale, die zwar ganz nett ausschauen, aber durch ihre Monotonität nicht wirklich überzeugen können. Vor allem die Steuerung lässt zu wünschen übrig. Das Gefährt lässt sich nur schwammig lenken und die ständigen Raketenangriffe der Feinde gingen uns schnell auf die Nerven.

Anders schaut es jedoch bei den Missionen aus, bei denen Sie in einen riesigen Mech-Anzug schlüpfen. Mit Maschinengewehr oder Granatwerfer kämpfen Sie sogar gegen eine hochhausgroße Metallspinne. Dass Derartiges mit ids aktueller Engine überhaupt möglich ist, überraschte uns. Schließlich beschränkte sich Doom 3 auf düstere, mit Grafikeffekten vollgepumpte Umgebungen und Gegner. Einsätze an der frischen Luft waren Mangelware. Nun lenken Sie Mister Kane im Mech-Anzug durch riesige rote Berglandschaften, die an den Mars erinnern.

Waffenkäfig

Die an die Serie angelehnten Waffen präsentieren sich gewohnt durchdacht. Halten Sie anfangs nur eine mickrige Blaster-Pistole in den Händen, kommen die altbewährten Kandidaten wie Maschinenpistole, Schrotflinte, Lightning-Gun, Granat- und Raketenwerfer hinzu. Und was nur wäre die Quake-Reihe ohne die Railgun? Die Strahlenkanone kann aus den Strogg-Fieslingen in wenigen Momenten eine Staubwolke machen.

Außerdem werden manche Schießeisen im Verlauf der Geschichte durch Ingenieure aufgemotzt. So verfügt beispielsweise die Shotgun später über ein größeres Fassungsvermögen. Besonders gefallen hat uns das Nailgun-Upgrade. Per Mausklick schalten Sie in eine Zoom-Ansicht und können Gegner anpeilen, sodass sich die Munition selbst ihren Weg zum Opfer sucht.

Am spektakulärsten ist aber mit Abstand die Dark Matter Gun, kurz DMG. Die Knarre ist mit schwarzer Materie geladen. Einmal den Abzug gedrückt, verschlingt ein schwarzes Loch imposant alle Gegner, die sich in der Nähe befinden. Die DMG löst die alte Überwaffe, das Plasmagewehr BFG (Big Fucking Gun) ab und ist im Multiplayer genau so tödlich wie im Einzelspielermodus.

Freundeskreis

Apropos: Der Mehrspielermodus hat uns besonders erstaunt. Schließlich war nicht zu erwarten, dass mit der Doom 3-Engine schnelle, hitzige Ballereinlagen im Internet und Netzwerk möglich wären, ohne dass die Framerate in den Keller stürzt. Schließlich beschränkte id vergangenes Jahr den Mehrspielermodus von Doom 3 auf vier Spieler, um einen reibungslosen Ablauf gewährleisten zu können. Doch der Multiplayer von Quake 4 (dt.) gleicht spielerisch dem Vorgänger Arena.

Die nötige Hardware vorausgesetzt, läuft der Titel mit einer konstanten Bildwiederholrate und mit einer starken Verbindung auch ohne Lags. Ein guter Ping ist deshalb wichtig, weil vor allem beim Benutzen einer Waffe wie der Railgun jeder Moment über Sieg oder Niederlage entscheiden kann. Auch die 14 Mehrspielerkarten sind intelligent gestaltet und kommen an die Qualität der Karten des Vorgängers heran. Auch die legendären Jumppads sind aus den Vorgängern übernommen und verleihen dem Mehrspielermodus den typischen Quake-Touch.

Ende gut, alles gut

Nach zehn bis zwölf Stunden und einigen Zwischengegnern ist Matthew Kanes Kampf gegen die Strogg vorbei. Sogar auf dem Schwierigkeitsgrad "Einfach" wagen Sie es besser nicht, wie ein wildgewordener Möchtegern-Rambo durch die Levels zu düsen. Profis trauen sich an die drei höheren Grade heran. An Abwechslungsreichtum und Atmosphäre wird Quake 4 (dt.) gerade mal von Genre-Primus Half-Life 2 übertroffen. Die Entwickler schaffen es, den Spieler von Anfang bis Ende für das düstere Sciencefiction-Szenario zu begeistern. Dafür verdienen sie unseren Respekt.
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Thomas Weiß

Ich bin schlichtweg begeistert - sowohl allein als auch im Netz einfach top!

Manche Spiele haben einen guten Einzelspielermodus, dafür ist der Mehrspieler eher lau. Andererseits haben Mehrspieler-Titel selten einen gelungenen Story-Modus. Quake 4 (dt.) vereint beides in einem äußerst gut aussehenden Paket. Dass eine buchstäblich einschneidende Sequenz, die "Stroggifikation", in der deutschen Version nicht enthalten ist, schmälert das Vergnügen. Schließlich diente die Szene hauptsächlich dazu, sich in die Rolle von Matthew Kane hineinzuversetzen. Dennoch: Quake 4 (dt.) ist neben F.E.A.R. der Höhepunkt des Shooter-Jahres.
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3 Kommentarezum Artikel

Alle Kommentare lesen
LordMephisto - 04.09.2006 20:05
Zitat: (Original von Echtzeitmensch am 04.09.2006 19:48)

Soviel zum Klugscheißmodus: DSL 2000 bis 6000 erhöhen die Ping-Rate genau um 0. Sie erhöhen NUR die Downloadgeschwindigkeit.

Mal davon ab, dass du hier grade nen fast ein Jahr alten Thread hochziehst. Wo hat ex bitte was davon geschrieben? Er sagt nur das man Fastpath haben sollte.
Ach und zum Thema Klugscheißmodus: Wäre auch schlecht wenn sich der Ping erhöhen würde  
Echtzeitmensch - 04.09.2006 19:48
Zitat: (Original von eX2tremiousU am 24.10.2005 12:00)


Zum MP: "mit entsprechender Hardware und euner guten Internetverbindung". Hier kann man eigentlich direkt schreiben "Ohne 3 GHz CPU, 1 GB RAM und GeForce 6800 macht der Titel bei mehr als 8 Spielern keinen Spaß weil es sonst sogar damit ruckelt". Und ohne DSL 2000 mit FP braucht man sich gar nicht erst an größere Schlachten mit mehr als 4 Spielern ranzuwagen. DSL 1000 ohne FP und alles darunter bringen nichts mehr. Komisch: Bei BField 2 reicht DSL 1000 noch locker zum spielen aus, trotz größerer Karten und WESENTLICH mehr Gegnern. Die D3-Engine ist wohl in solchen Punkten "etwas" anspruchsvoller.

Regards, eX!



Soviel zum Klugscheißmodus: DSL 2000 bis 6000 erhöhen die Ping-Rate genau um 0. Sie erhöhen NUR die Downloadgeschwindigkeit.
eX2tremiousU - 24.10.2005 12:00
Schnöner Test, nur frage ich mich ob die inhaltlichen Fehler absichtlich engebaut wurden? *Klugscheißmodus an*  

"Voss" ist kein Cpt. sondern nur ein Lt., sprich er ist Squad-Leader (was bei uns wohl ein Gruppenführer wäre). Des weiteren ist die "Hannibal" nicht sein Schiff, es steht unter dem Kommando von General "Schlagmichtot".

So erleben Sie in einer Zwischensequenz wie vor Ihren Augen Narbengesicht Sledge von einem Strogg angegriffen und in die Tiefen der Strogg-Verarbeitungsanlagen gerissen wird.

Falsch, Sledge, der Herr mit dem russischen Akzent wird nicht in einen "Strogg-Prototypen" verwandelt. Auch hier ist es Lt. Voss der dran glauben muss und später "leicht" modifiziert wieder auftaucht.

Zum MP: "mit entsprechender Hardware und euner guten Internetverbindung". Hier kann man eigentlich direkt schreiben "Ohne 3 GHz CPU, 1 GB RAM und GeForce 6800 macht der Titel bei mehr als 8 Spielern keinen Spaß weil es sonst sogar damit ruckelt". Und ohne DSL 2000 mit FP braucht man sich gar nicht erst an größere Schlachten mit mehr als 4 Spielern ranzuwagen. DSL 1000 ohne FP und alles darunter bringen nichts mehr. Komisch: Bei BField 2 reicht DSL 1000 noch locker zum spielen aus, trotz größerer Karten und WESENTLICH mehr Gegnern. Die D3-Engine ist wohl in solchen Punkten "etwas" anspruchsvoller.

Regards, eX!
SYSTEM - 24.10.2005 11:59
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Allgemeine Infos

Name Quake 4 (dt.)
Genre Actionspiel
Webseite http://www.ravensoft.com
Hersteller Raven Software
Anbieter Activision Deutschland GmbH (DE)
VÖ-Termin 03.11.2005 - zu diesem Produkt einen Lesertest schreiben!
Preis nicht bekannt
Plattformen: pc.gif
xbox360.gif
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