Testbericht

24.10.2005 00:10 Uhr

Age of Empires 3

PC Games-
Spielspaß-Wertung
(Ausgabe 12/2005)
89%
Durchschnittliche
Lesertestwertung:
        
69 %

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Sehr schöne Grafik Mäßige Einzelspielerkampagne
Stimmungsvolle Spielwelt  
Dutzende verschiedene Einheiten  

Frieden und Freiheit - suchten die ersten Siedler in der Neuen Welt. Doch der Krieg warf seinen Schatten bereits voraus. Werden Sie die Kolonialkriege überstehen?

Pulverschwaden ziehen über das Schlachtfeld, Kanonenkugeln schlagen in Ihren Linien ein. Plötzlich tauchen Rotröcke aus dem Nebel auf und setzen zum Sturm an. Ein dramatischer Kampf Mann gegen Mann entbrennt - so spannend kann Age of Empires 3 sein. Doch spielen nicht alle drei Solokampagnen während der aufregenden Kolonialkriege zwischen Frankreich und England.

Age of Empires beginnt mit einer storytechnisch eher schrägen Kampagne: Sie sollen als Ritter Morgan Black den maltesischen Orden Knights of St. John vor den Osmanen bewahren. Nach schweren Kämpfen können Sie die Invasoren zwar vertreiben, aber die Gefahr ist noch nicht gebannt: Die Angreifer waren gar nicht hinter Ihnen her, sondern suchen nach Informationen über einen Jungbrunnen ... und der soll sich wo befinden? Richtig, in Amerika. Ein solches Instrument in den Händen von Muslimen, das ist für einen christlichen Ritter vollkommen inakzeptabel. Also rauf auf‘s Schiff und hinterher.

Nach acht Schlachten mit Morgan Black startet die zweite Kampagne mit Enkel John Black. In den Wirren des Französisch-Englischen-Krieges kämpft John um sein Überleben ... und das seiner indianischen Gefährtin. In Kampagne Nummer 3 erobern Sie als Ururenkelin Amelia Black schließlich den Wilden Westen mithilfe der Eisenbahn. Nicht ohne Widerstand - Osmanen, Engländer und Indianer haben es auf den Black-Clan abgesehen. Und die Geheimorganisation "Zirkel von Ossus" ist obendrein auch noch hinter ihnen her.

Drei Kampagnen

Eine fantastische Geschichte? Stimmt, alle drei Storys sind frei erfunden, der historische Hintergrund stimmt zumindest halbwegs. Der Spannungsbogen zieht zudem erst Mitte der ersten Kampagne richtig an. Anfangs stehen Pflichtmissionen wie "Sammeln Sie ein paar Schätze ein" oder "Schlagen Sie den Angriff der Osmanen zurück" an, die kaum taktischen Spielraum lassen.

Erst wenn Segelschiffe, große Armeen und eigene Siedlungen ins Spiel kommen, steigt die Spannung. Die Geschichte wird mit schön inszenierten Zwischensequenzen auf Basis der Grafik-Engine erzählt. Allerdings haben sich hier und da Logikfehler eingeschlichen. Beispielweise gibt es Einheiten zu sehen, die im Spiel noch gar nicht verfügbar sind, weil sie einer späteren Epoche angehören.

In der ersten Kampagne stehen fast ausschließlich mittelalterliche Truppen wie Armbrustschützen oder Schwertkämpfer zur Verfügung. Was leider dazu führt, dass sich Age of Empires 3 zunächst wie ein Add-on zum Vorgänger Age of Kings spielt. Die zweite Kampagne entschädigt aber für den zähen Start. Musketiere, Plänkler, Feldgeschütze und Kürassiere gehören zum verfügbaren Militär-Personal.

Die dritte Kampagne legt mit dem spaßigen Eisenbahnbau gut los, fällt aber ab Mission drei wieder ab. Amelia Black reist in den südamerikanischen Dschungel, um jenen Jungbrunnen zu suchen, den ihr Großvater einst vernichtet hatte. Dabei absolvieren Sie lästige Aufgaben wie "Führen Sie Ihre Heldin von A nach B" und fangen zwischendurch feindliche Späher ab. Was sich hier interessant anhört, entpuppt sich als anspruchsloser Pausenfüller. Magische Momente, sprich echte spielerische Höhepunkte, sind in der dritten Kampagne absolute Mangelware.

So spielt‘s sich

Der Missionsstart ist selten gleich. Zum Beispiel verfügen Sie sofort zu Beginn der ersten Mission über eine voll ausgestattete, mittelalterliche Festung, die von osmanischen Heerscharen belagert wird. Später landen Sie mit ein paar Getreuen in Florida und versuchen, eine Siedlung aus dem Nichts aufzubauen. Der Feind erwartet Sie natürlich schon und so kümmern Sie sich neben Basisbau ständig um Angreifer - das hält auf Trab.

Haben Sie die ersten Attacken überstanden, drehen Sie den Spieß um und zerstören das osmanische Lager. Knifflige Missionen wie diese bekommt der erfahrene Strategiespieler schnell in den Griff: erst das eigene Lager befestigen, dann eine stattliche Armee aufbauen. Währenddessen werden so viele Ressourcen wie möglich abgebaut. Anschließend rückt die eigene Truppe aus, um das Lager des Gegners auszuräuchern. Ende.

Haben Sie einmal den Bogen raus, verlaufen viele Missionen nach diesem Schema. Wichtig ist aber nicht nur die Strategie, auch taktische Kämpfe spielen eine große Rolle. Es reicht nämlich nicht, eine riesige Armee mit nur einem Truppentyp aufzustellen und damit draufloszuwalzen. Kluge Feldherren achten auf ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Infanterie, Kavallerie und Artillerie. Und lassen die Armee in Schlachtordnung ausrücken: robuste Nahkämpfer vorn, empfindliche Fernkämpfer hinten. Kavallerie gibt Flankenschutz. Ob das auch reibungslos funktioniert, erfahren Sie auf der Seite 90 in unserem Blickpunkt "Balancing, KI und Wegfindung".

Zeitreise mit Age of Empires

Bei Age of Empires 3 durchlebt Ihr Volk - wie bei den anderen Age-Teilen - verschiedene Zeitalter. Sie starten in der Regel in einer frühen Zeitepoche mit einem Dorfzentrum und arbeiten sich über verschiedene Abschnitte wie Kolonialzeit, Festungszeitalter, Industrialisierung bis zur imperialen Epoche vor. Als Entdecker können Sie noch keine Militäreinheiten bauen, erst zur Kolonialzeit wird es kriegerisch.

Sie müssen aber nicht bei jedem Spiel komplett neu anfangen. In vielen Kampagnenmissionen starten Sie schon in späteren Epochen; die erste Mission beginnt zum Beispiel im Festungszeitalter. Im Netzwerk oder bei Sofortgefechten legen Sie vorab fest, in welchem Zeitalter Sie starten. In diesem Spielmodi stehen mit "Nomaden" und "Post-Imperial" zudem noch zwei weitere Abschnitte zur Wahl, die in der Kampagne nicht enthalten sind.

Als Nomade ist aber Ihr Stadtzentrum nicht aufgestellt; Sie haben einen Planwagen, der Ihnen ein Zentrum baut. Post-Imperial bietet im Vergleich zur Imperialzeit nur ein weiteres Gebäude mit extrem mächtigen Upgrades. Den Sprung von einem Zeitalter zum anderen erkaufen Sie sich mit Nahrung und Münzen - zwei der insgesamt vier Ressourcen im Spiel. Modernere Epochen bieten natürlich bessere Militäreinheiten, wie schwere Kanonen oder eine effektivere Ökonomie. Upgrades für Mühlen, Holzsammler oder Minenarbeiter bringen die Wirtschaft auf Trab.

Eine Frage der Ära

Der Siedlungsbau geht im Age-Stil leicht von der Hand. An erster Stelle steht dabei das Dorfzentrum, danach wird die Kolonie um ein paar Wohnhäuser erweitert, um die Populationsgrenze Ihres Volkes zu erhöhen. Als drittes stellen Sie einen Marktplatz zum Warentausch auf. Im Gegensatz zu Age of Empires und Age of Kings sind Militärgebäude wie Kasernen, Ställe und Schmieden erst ab der zweiten Epoche "Kolonialzeit" verfügbar.

Diese Tatsache beeinflusst besonders den Mehrspielermodus. So genannte Rush-Taktiken - also sehr frühe Angriffe auf Gegenspieler - sind nur mit viel Können und optimalen Produktionswegen möglich. Immer vorausgesetzt, die Partie beginnt zur Zeit der Entdecker. Starten Sie in einer späteren Epoche, können Sie Militäreinheiten natürlich sofort bauen.

Mit welchem Zeitalter Sie in der Kampagne starten, hängt vom jeweiligen Szenario ab. Auf Malta beginnen Sie die meisten Missionen im Festungszeitalter, in der Neuen Welt erst im Entdeckerstadium und später zur Kolonialzeit. Eine umfangreiche Palette an Gebäuden, Einheiten und Upgrades bietet jedoch erst das Festungszeitalter.

Für den Bau von Einheiten, Upgrades und Gebäuden brauchen Sie drei Ressourcen. Nahrung und Holz gehören seit jeher zu den typischen Age-Rohstoffen, Gold wird im dritten Teil durch Münzen ersetzt. Diese Änderung ist sinnvoll, da nun Baumwollplantagen und Banken hinzugekommen sind, die unendlich Münzen produzieren. Neben Nahrungsmitteln sind Münzen schon die zweite Ressource, die unbeschränkt zur Verfügung steht (denn Nahrung lässt sich seit Age of Kings in Mühlen unbegrenzt herstellen).

Im Vergleich zum Vorgänger verbrauchen sich aber die zugehörigen Kornfelder nicht mehr - das entschlackt den Wirtschaftskreislauf. Der Holzvorrat kann nachgefüllt werden, selbst wenn alle Bäume abgeholzt sind. Sie können nämlich Holz auf dem Marktplatz kaufen oder eine Fabrik aufstellen, die alle drei Grund-ressourcen produziert.

Dies sind aber nicht die einzigen Änderungen im Wirtschaftskreislauf. Dorfbewohner bringen abgebaute oder geerntete Ressourcen nicht mehr wie gewohnt zum Dorfzentrum oder einem Depot. Die Rohstoffe fließen jetzt automatisch und kontinuierlich auf Ihr Konto. Neu hinzugekommen ist eine vierte, wichtige Ressource: Erfahrungspunkte. Die erwerben Sie durch Kämpfe, Siedlungsbau, Ressourcenmanagement und Entdeckungen. Klären Sie beispielsweise die Spielkarte komplett auf, bekommen Sie zusätzliche Punkte. Retten Sie einen Eingeborenen vor Wölfen, erhöht sich Ihr Punktekonto ebenfalls.

Da natürliche Ressourcen wie Wälder, Tierherden, Beerensträucher, Silber- und Goldminen irgendwann ausgebeutet sind, haben die Macher von Age of Empires eine weitere unbegrenzte Ressourcenquelle entwickelt: Handelsrouten. Auf vielen Mehrspielerkarten und in einigen Kampagnenmissionen gibt es Strecken, auf denen Händler verkehren. Bauen Sie auf einem der fest definierten Umschlagplätze einen Handelsposten, bekommen Sie - je nach Ausbaustufe des Postens - Nahrung, Holz, Münzen oder Erfahrungspunkte.

Zu Anfang werden auf den Handelsstraßen noch Handkarren gezogen, nach dem ersten Upgrade fahren bereits schmucke Postkutschen. Nach der zweiten Erweiterung rauscht schließlich eine Eisenbahn durch die Karte. Einfache Faustregel: Je schneller das Verkehrsmittel, desto mehr Ressourcen fließen pro Minute auf Ihr Konto. Und das kommt besonders Ihrer Heimatstadt zugute.

Das alte Europa

Die wohl innovativste Neuerung ist die Heimatstadt, ein sicherer Hafen im alten Europa, der Nachschub in Ihre Kolonie schickt. Sie können hier weitere Siedler, Kämpfer, Ressourcen und Upgrades für Gebäude und Einheiten bestellen. Allerdings gibt es die Care-Pakete nicht umsonst, bezahlt wird mit Erfahrungspunkten. Den Nachschub kaufen Sie in Form von simulierten Spielkarten.

Haben Sie genügend Punkte für eine Nachschublieferung zusammen, suchen Sie sich in der Heimatstadt eine Karte aus. Nach Ablauf von zwölf Sekunden erscheint die Bestellung in Ihrer Kolonie. Setzen Sie Rohstoff- und Upgrade-Karten geschickt ein, fällt der Wechsel zu neuen Zeitaltern wesentlich leichter. Lassen Sie sich Militäreinheiten schicken, können Sie Ihre Gegenspieler frühzeitig angreifen.

Drei Spielmodi
Neben der klassischen Kampagne bietet Age of Empires 3 obligatorische Sofortgefechte gegen KI-gesteuerte Gegner. Bis zu acht Parteien können auf 15 verschiedenen Spielkarten mit- und gegeneinander antreten. Die malerischen Schauplätze reichen vom verschneiten Yukon über karibische Inseln bis zu südamerikanischem Hochland.

Acht verschiedene Völker sind wählbar: Deutsche, Engländer, Franzosen, Spanier, Holländer, Portugiesen, Russen und Osmanen. Die Schwächen und Stärken der Völker orientieren sich an historischen Eigenheiten. So verfügt Deutschland über Elite-Dorfbewohner, die doppelt so schnell arbeiten wie normale Siedler, in der Bevölkerungsstatistik aber nur als einzelne Arbeiter zählen. Engländer besitzen dagegen eine starke Flotte und können als einzige Nation Langbogenschützen ausbilden.

Zeit für Helden
Die Ensemble Studios spendieren Age of Empires 3 waschechte Helden. Allerdings sind diese nicht so mächtig wie ihre Kollegen aus Age of Mythology oder Warcraft 3. Die Haudegen besitzen lediglich ein paar zusätzliche Fähigkeiten wie Heilkräfte oder gezielte Schüsse. Viel wichtiger ist, dass Helden zwei bedeutende Gebäude errichten können: Handelsposten und Dorfzentren. Letzteres ist besonders wichtig, da Dorfbewohnern diese Fähigkeit fehlt.
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Oliver Haake

Ensemble sei Dank: Trotz vieler Neuerungen wurde das Age-Flair nicht verwässert.

Gott sei Dank, es ist ein echtes Age of Empires! Ich hatte schon befürchtet, dass die vielen Neuerungen das so geliebte Age-Flair verwässern würden. Aber nix is: Heimatstadt und Änderungen am Wirtschaftskreislauf fügen sich so harmonisch ein, als hätten sie schon immer dazu gehört. Besonders die Mehrspielerpartien haben dadurch mehr Pfiff bekommen.Nur mit der Kampagne werde ich nicht richtig warm. Okay, die Vorgänger haben in diesem Punkt auch nicht brilliert, aber die absurde Geschichte um geheime Zirkel und Piraten gehören nicht in ein Age of Empires-Spiel.
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Allgemeine Infos

Name Age of Empires 3
Genre Echtzeit-Strategie
Webseite http://www.ageofempires3....
Hersteller Ensemble Studios
Anbieter Microsoft
VÖ-Termin 04.11.2005 - zu diesem Produkt einen Lesertest schreiben!
Preis nicht bekannt
Plattformen: pc.gif
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