Die letzte NHL-Saison ging als schwärzestes Jahr der nordamerikanischen Eishockeyliga in die Geschichte ein. Da sich Spielergewerkschaft und Vereine nicht auf eine Gehaltsobergrenze einigen konnten, wurde die komplette Spielzeit abgeblasen. Jetzt ist der Streit vom Tisch und am 5. Oktober jagen die NHL-Kufenflitzer nach einjähriger Zwangspause wieder übers Eis.
Alles andere als untätig waren in der Zwischenzeit die Macher von EA Sports Eishockey-Sahne-Simulation NHL Hockey. Auf dem PC konkurrenzlos, keimte vor allem auf dem heiß umkämpften Konsolenmarkt leichte Kritik auf: "Gut, aber eine Puckbreite zu arcadelastig!", oder "schneller und actionreicher als nötig!", spotteten einige Fans. Dieser - teils berechtigten - Rüffel nahmen sich die Entwickler an und unterzogen NHL 06 einer gründlichen Frischzellenkur - und nicht nur marginalen Detailverbesserungen wie im Vorjahr.
Spektakuläre Tricks
Gravierendste Neuerung ist die komplett überarbeitete Steuerung, die zwingend ein Gamepad mit zwei Analogsticks voraussetzt. Während Sie mit dem linken geschmeidig übers Eis gleiten und mithilfe der neuen Deking-Funktion Gegner schwindelig Spielen, fungiert der rechte Steuerknubbel als Trick-Stick - allerdings nur für Star-Spieler vom Schlage eines Brett Hull, Steve Yzerman oder Mario Lemieux. Spinoramas (schnelle Drehungen um die eigene Achse), Toe-Drags (Puck mit der Fußspitze stoppen und zurück zum Schläger ziehen), Bat-Ins (Spielgerät von hinten über das Tor lupfen) oder Between-the-Legs (Schuss durch die eigenen Beine) heißen die beeindruckenden Kunststücke, welche die Superstars aufs Eis zaubern.
Intuitivere Steuerung
Damit Sie sich im Eifer des Gefechts keine Knoten in die Finger spielen, entscheidet NHL 06 je nach Situation für Sie, welcher Move nach Betätigung des Trick-Sticks angewendet wird. Das alles geht nicht nur erfreulich leicht von der Hand, sondern sieht auch noch verdammt gut aus. Genau wie das neue Zielsystem beim Torschuss: Je nach gewähltem Schwierigkeitsgrad ist es nun möglich, den Puck zentimetergenau ins Toreck zu zimmern oder durch die Beine des Goalies zu spitzeln.
Neulinge hingegen brauchen sich nur aufs richtige Timing beim Schuss zu konzentrieren, den Rest regelt die KI. Angst vor handballähnlichen Resultaten ist allerdings unbegründet, denn die Torsteher haben ebenfalls ordentlich dazu gelernt und bringen einen mit ihren Paraden häufig an den Rand des Wahnsinns. Perfekt sind sie allerdings noch nicht: Vor allem Profis bemängeln deren teils unlogisches Stellungsspiel. Bei unserer Testversion warfen sich die Jungs gelegentlich zu früh aufs Eis, sodass es für den gegnerischen Stürmer leicht war, den Puck ins Netz zu dreschen.
Ruhigeres Spiel, weniger Hektik
Besserung haben die Entwickler auch für die Intelligenz der Mit- und Gegenspieler versprochen - und größtenteils Wort gehalten. Das Resultat mit schöneren und variantenreicheren Spielzügen, mehr Torszenen sowie nicht ganz so vielen überharten Body- oder Bandenchecks macht einen sehr viel authentischeren Eindruck. Nicht immer authentisch ist hingegen das Verhalten der gegnerischen Abwehrrecken: Erst im höchsten Schwierigkeitsgrad gehen diese vor dem eigenen Tor entsprechend aggressiv zu Werke.
In niedrigeren Spielstufen greifen die Verteidiger hingegen oftmals zu zaghaft an. Nichts zu meckern gibt es hinsichtlich der neuerlich überarbeiteten Optik. Bei Stopps und Drehungen hinterlassen die Spieler zukünftig noch tiefere Kratzer auf dem Eis, die Gesichter der Schlägerstars sind detaillierter und animierter als zuvor. Nach Treffern grinsen Perlweiß-Goalgetter in die Kameras oder verziehen fluchend die Mundwinkel, wenn Sie nach einem gegnerischen Powerplay-Tor aus der Kühlbox tippeln.
Realistischer wirkt auch die neue Puck-Physik. Abpraller oder Fernschüsse weisen eine noch realistischere Flugbahn auf und bei Volltreffern fliegt sogar die Trinkflasche des Torhüters physikalisch korrekt vom Netz. Außerdem gleiten größere oder schwerere Spieler nun merklich langsamer als normal gebaute Kufencracks über die Spielflächen der originalgetreu nachgebildeten Stadien. Dort hüpfen die polygonisierten Zuschauer auf und ab und peitschen ihr Team mit einfallsreichen Schlachtrufen nach vorn.
Das englischsprachige Kommentatorenduo der Vorgänger ist auch wieder mit von der Partie und weiß neuerdings witzige Anekdoten aus Leben und Karriere zahlloser Spieler zu berichten. Neben der NHL und diversen Nationalmannschaften sind die Deutsche Eishockey Liga sowie Schwedens Eliteserie und Finnlands SM-Liga mit allen Originaldaten vertreten. Wem das nicht reicht, der erstellt sich mithilfe des wiederbelebten Spieler-Editors seine eigenen Teams und Ligen. Wie beim Vorgänger bringen Saison- und Dynasty-Modus am meisten Laune. Netzwerk- oder Internet-Partien rocken genauso wie der neue Menü-Soundtrack (allerdings kam es während unserer Testpartien noch zu einigen unschönen Rucklern).