Kolumne: Wie die Werbeindustrie Computerspieler ins Visier nimmt
Es gibt eine Seite im Internet, die erst aufklärt und dann nervös macht. Die Seite heißt "national cheese emporium.org" (ohne Leerzeichen) und sie behandelt das Thema Werbung in Computerspielen. Die zwei Autoren, Detektivqualitäten muss man ihnen zweifellos zusprechen, haben ihre ganz persönliche Verschwörung aufgedeckt: Beim Spielen von SWAT 4 bemerkten sie Werbeplakate, ganz und gar auffällig in den Levels verstreut. Das wäre an sich nichts Besonderes, auch Splinter Cell 3 wirbt wie wahnsinnig, nur: Diese Werbeplakate waren beim erstmaligen Spielen noch nicht da. Woher also kommen sie? Einer der beiden Autoren, nennen wir ihn Sherlock Holmes, hat eine plötzliche Eingebung. Wie ein Blitz durchzuckt sie sein Gehirn, es fällt ihm ein Satz ein, einer unter vielen Sätzen in der Readme-Datei der Patch-Version 1.1. Er steht da zwischen Updates und Bugfixes, getarnt im Format der Normalität:
"Added Massive Streaming Ad Support"
Es ist ein Satz, den man leicht überliest. Doch jetzt, nach Auftauchen der Werbeplakate, scheint er zu glühen. Sherlock Holmes startet einen Packet Dumper, das ist ein Werkzeug, mit dem Profis hantieren, so etwas wie die Infrarot-Sonnenbrille von James Bond: Das Programm protokolliert Daten, die zwischen Rechner und Internet hin- und hergehen. Und siehe da, ein ganzer Informationsschwall wird beim Starten von SWAT 4 an einen Server der Firma Massive gesendet: Wann man spielt, wie die Gamer-ID lautet, wie lange man die Werbeplakate betrachtet, aus welcher Entfernung und aus welchem Winkel. Es ist die totale Überwachung, der totale Albtraum für Internet-Benutzer, die sich an ihre Anonymität kuscheln wollen.
Sherlock Holmes macht die Ergebnisse öffentlich, das geölte Internet-Zahnrad setzt sich in Gang, schnell sind die meisten News-Seiten gefüllt mit diesem Skandal. Darunter die Kommentare der Leser, alles von "Mit mir nicht!!!" bis "So eine riesige Schweinerei!!!". Man regt sich eben gerne auf, wenn einem sonst jegliche Sensation fehlt.
Wenige fragen: Wem tut es weh, dass Daten gesammelt werden? Sehen Sie's doch mal positiv: Wenn die Werbung in Computerspielen zum Mainstream wird, dann sinken vielleicht die Preise. Ich persönlich halte das Ganze ja so: Ihr könnt mein Bankkonto ausspionieren, meine Tagebücher lesen, es ist mir alles egal, solange Jamba-Küken Sweety in den Ladepausen keine Klingeltöne zu verkaufen versucht.

Sehr guter Beitrag, der vieles von dem nennt, was auch mir durch den Kopf ging. Danke dafür.
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Der Witz liegt darin, dass es einigen gar nicht in den Sinn käme, sich über das andere zu beschweren, weil sie es nicht als das auffassen, was es ist: die gleiche Art von Spionage wie in SWAT 4.
http://www.heise.de/newst...
Nur weil man davon mangels Sensibilisierung für das Thema nichts mitbekommt, heißt das noch lange nicht, daß es nicht Unmut gibt. Außerdem: Was für eine bizarre Rechtfertigung ist das? Genauso könnte ja ein Kaufhausdieb argumentieren: "Wenn andere beim Stehlen nicht erwischt werden und nicht bestraft werden, warum werde dann ich bestraft?" Eine falsche Handlung wird dadurch nicht richtig, daß andere sie ebenfalls unbehindert begehen. Eine Überwachung ist nicht dadurch in Ordnung, weil man sich anderswo (scheinbar) über Überwachung nicht beschwert.
Ganz nach Belieben geschieht es ja nicht. Kundenkarten muss man beantragen. Zur Weiterverwendung der Daten nach einer Anmeldung braucht's ein Kreuzchen für die entsprechende Erlaubnis. Im Falle von SWAT 4 eine Klick auf "JA" in den Nutzungsbestimmungen. Das Recht erfolgt durch Zustimmung bzw. der Gesetzgebung, wenn es um Sicherheitsfragen geht.
Beispiel: Aufgrund der Zwangsregistrierung und der Schnüffelerlaubnis, die sich Valve/Steam für meinen PC und mein Spielverhalten zusichern ließ, habe ich Half-Life 2 weder gespielt noch gekauft - obwohl ich mich zuvor jahrelang darauf gefreut hatte. Hier war für mich persönlich der Gesamtnutzen negativ geworden. Für viele andere offenbar nicht - wobei in Deutschland viele die englischsprachige Privacy Policy von Steam überhaupt nicht verstanden haben dürften. Das wurde von deutschen Vertreiber offenbar in Kenntnis der gesetzlichen Ungültigkeit ihres Vorgehens kaltblütig in Kauf genommen.
Tatsächlich verweigern sich immer mehr der Werbung. Die Klagen der Fernsehsender über sinkende Werbeeinnahmen, das Aufkommen von DVD-Rekordern mit Werbe-Schnittfunktionen, Popup-Blocker und und und - ich finde, das sind alles Zeichen, daß Konsumenten nicht ständig von Werbung berieselt werden wollen.
Und noch ein Wort zum Totschlagargument: Wer nichts zu verbergen hat, braucht nicht gegen Überwachung zu sein. Damit kann man auch den Wegfall von Duschvorhängen oder sichtgeschützter Toiletten als logisch erklären. Jeder hat ein Recht auf Schutz der Privatsphäre, auf einen Schutz vor der Neugier anderer. Sich zurückziehen zu können ist ein normales menschliches Bedürfnis.
Wie wäre es denn mal damit: Zu diesem Thema mal einen (soliden!) und gut recherchierten Artikel bringen, in dem die Hintergründe beleuchtet werden und Fachleute verschiedener "Fraktionen" zu Wort kommen? Das wäre doch bestimmt lesenswert (wenn es ähnlich gut wäre wie damals der Gamestar-Report über Gewalt).
so ein par plakate in swat werden meine kaufgewohnheiten nicht ändern..
aber trotzdem net ok sowas...
http://www.heise.de/tp/r4/artikel/20/20905/1.html
Aber hey, das bekommt ja ein gottesfürchtiger, immer gesetzestreuer Representant eines Konsumenten nicht mit und selbst wen, wayne nicht wahr ;-) .
MfG
Look
Die Testübersicht soll ja gerade das sein: Eine Übersicht über alle Tests in der Ausgabe plus Tests der weniger wichtigen Spiele. Die Testübersicht wurde vor allem eingeführt, damit wir beispielsweise für Moorhuhn XYZ keine Viertelseite mehr verschwenden müssen - der Platz soll wichtigeren Titeln zugute kommen.
Aber ich will diese Diskussion hier jetzt nicht fortführen, hier geht's um Werbung in Spielen *g*