Boiling Point
Stresssituationen meistert Saul Myers für gewöhnlich wie kein anderer. Schließlich hat er während seiner zehnjährigen Dienstzeit bei der Fremdenlegion gelernt, selbst dann einen kühlen Kopf zu bewahren, wenn wenige Meter neben ihm die Granaten einschlagen.
Doch als der Protagonist von Boiling Point, für dessen Äußeres kein Geringerer als Hollywood-Schauspieler Arnold Vosloo (Die Mumie) Modell stand, erfährt, seine Tochter Lisa sei entführt worden, sieht der Muskelprotz rot.
Ohne lang zu überlegen, packt Myers seine Neun-Millimeter-Knarre und das Kampfmesser ein und hockt sich in den nächsten Flieger nach Realia, um die Strolche zur Rechenschaft zu ziehen. In diesem fiktiven lateinamerikanischen Staat arbeitete Lisa zuletzt als Reporterin - und scheint bei ihrer Berichterstattung über den brutalen Bürgerkrieg wohl einen Schritt zu weit gegangen zu sein.
Eine Frage der Diplomatie
Wie zu erwarten war, gestaltet sich die Suche nach Lisa extrem knifflig. Niemand will etwas gesehen oder gehört haben. Und wenn, dann nur gegen Bezahlung. Selbst die Polizei entpuppt sich als korrupt und kassiert für lächerliche Informationen fünfstellige Beträge.
Zwangsläufig bleibt Ihnen nichts anderes übrig, als Ihren Kontostand mit diversen Lakaienjobs für die sieben verfeindeten Parteien aufzubessern. Aber überlegen Sie vorher gut, für wen Sie jobben. Schlagen Sie sich beispielsweise auf die Seite der Guerillas, eröffnen die Regierungstruppen sofort das Feuer und Sie kommen nur noch durch Umwege in die Hauptstadt Puerto Sombra.
Kämpfen Sie hingegen für die CIA, trachten Ihnen die Mafiosi nach dem Leben. Dies ist ein überaus interessantes Feature, das allerdings noch nicht ganz ausgereift ist und gelegentlich für Frust sorgt. Etwa wenn Sie aufgrund der hakeligen Steuerung aus Versehen eine Oma beim Überqueren der Straße anfahren. Dann wird Saul nämlich auf der Stelle von sämtlichen Zivilisten Realias gehasst. Glücklicherweise kann er die politische Zugehörigkeit auch wieder rückgängig machen, indem er einfach ein paar Typen der Gegenseite kalt stellt.
Eine interessante Mixtur
Und wie spielt sich das Ganze? Am leichtesten lässt sich Boiling Point als eine Mischung aus Action-Adventure, Rollenspiel und Ego-Shooter beschreiben. Also GTA Vice City kombiniert mit Deus Ex 2 und Far Cry (dt.). Liefern Sie sich nicht gerade in der Ich-Perspektive Feuergefechte oder kaufen in den Shops bessere Ausrüstung, leiern Sie den Bewohnern neue Aufträge aus dem Kreuz, die im übersichtlichen Quest-Tagebuch festgehalten werden.
Klicken Sie die entsprechende Mission an, erfahren Sie sofort, wohin die Reise als Nächstes gehen soll. Das kann die Villa eines Drogenbosses in den Bergen sein, eine verlassene Fabrikhalle mitten in der Pampa oder aber die Kneipe um die Ecke. Ein rotes Kreuz markiert das Ziel millimetergenau auf der Karte. Und das ist gut so! Denn die frei begehbare Spielwelt ist im wahrsten Sinne des Wortes gigantisch. Simulierte 625 Quadratkilometer warten darauf, erkundet zu werden.
Zu Fuß wären Sie von einem Kartenrand zum anderen mehrere Stunden in Echtzeit unterwegs. Wohlgemerkt ohne Ladezeiten. Dafür dauert der Spielstart - ähnlich wie bei Söldner - etwas länger. Kein Wunder bei dieser Datenmenge. Natürlich artet Boiling Point nicht in einen Marathonlauf aus. Größere Wegstrecken bewältigen Sie mit dem Auto, das wie im echten Leben regelmäßig in die Werkstatt muss und Benzin frisst.

Ich bin mir ganz sicher dass die Jungs sich die Zeit nehmen, das Spiel komplett durchzuchecken ... deshalb denk ich auch nicht dass es vor 2006 rauskommt, aber das Warten ists mir wert, wenn es dann das wird, was die Entwickler versprechen.