Testbericht

14.06.2005 15:45 Uhr

Still Life

So spannend wie Das Schweigen der Lämmer, so gruselig wie Black Mirror: Still Life ist ein Psychothriller für erwachsene Adventure-Fans.

PC Games-
Spielspaß-Wertung
(Ausgabe 07/2005)
80%
Durchschnittliche
Lesertestwertung:
        
76 %

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Mitreißende Atmosphäre Überwiegend durchschnittliche Rätsel
Spannende Hintergrundgeschichte Kurze Spielzeit von zehn Stunden
Markanter Grafikstil  

Prag, 1929: Eine schwarz gewandete Gestalt, so finster, dass sie mit der sie umgebenden Nacht zu verschmelzen scheint, beugt sich bedrohlich über ihr Opfer. Einzig der edel verzierte Krummdolch in ihrer Hand blitzt für einen Moment im fahlen Mondschein auf.

Die orchestrale Hintergrundmusik schwillt Unheil verkündend an, es klingt, als spielten die Geiger sich in einen Rausch. Dann sticht der Mörder zu, wieder und wieder, mit gnadenloser Präzision ... Rund 70 Jahre später wiederholt sich die Geschichte auf einem anderen Kontinent: Im Chicago der Gegenwart tauchen Frauenleichen auf - und die Morde weisen erschreckende Parallelen zu den Fällen von Prag auf.

Viele, viele Klicks

Die taffe FBI-Agentin Victoria McPherson nimmt sich der Aufklärung an. In ihrer Rolle forscht der Spieler nach dem Schuldigen und stößt auf grausige Abgründe der menschlichen Psyche. Adventuretypisch navigieren Sie die Ermittlerin mit der Maus durch die Spielwelt. Per Linksklick sammelt sie Beweisstücke ein, nimmt Proben von Blutflecken, öffnet Türen oder beginnt Dialoge; ein Rechtsklick führt ins Inventar.

An untersuchungswürdigen Stellen verwandelt der Cursor sich in eine Lupe und ein Klick fördert detaillierte Informationen über das Objekt zutage. Leider kann man Gegenstände aus dem Rucksack nicht direkt ins Spielfenster ziehen. Um beispielsweise einen Schwarzlichtfilter an eine Lampe zu montieren, müssen Sie zunächst den Scheinwerfer untersuchen, dann das Inventar öffnen, den Filter markieren und anschließend "Benutzen" wählen - das ist unnötig kompliziert und klicklastig.

Sieben schweigende Lämmer

Die Nähe zu Psycho-Thrillern wie Sieben, From Hell oder Das Schweigen der Lämmer ist Still Life nicht nur bei der Story, sondern auch im eigentlichen Spielaufbau anzumerken. Jeder Schauplatz ist ungeheuer atmosphärisch ausgeleuchtet; schon beim Betreten eines Raumes vermitteln Farbgebung und Beleuchtung wie in einem Film eine Vorahnung der Ereignisse.

Eine verwahrloste Wohnung, der Fundort einer Leiche, ist in kaltes, beklemmendes Grün und Grau getaucht; lange Schatten erdrücken die Spielfigur förmlich. Abschnitte im Jahr 1929 wirken durch stark ausgeblichene Farben antiquiert. Victorias warmes, von Rot- und Brauntönen bestimmtes Zuhause fühlt sich hingegen sicher und einladend an. Ungewöhnliche Kameraperspektiven verstärken diesen Effekt und verleihen vielen Örtlichkeiten eine dramatische Note.

Häufig eingespielte Zwischensequenzen führen die Story mit hollywoodreifen Kamerafahrten und atemberaubend schnellen Schnitten fort. Gelegentlich ist die Frequenz dieser Sequenzen allerdings derart hoch, dass man sich beinahe in einem interaktiven Film wähnt. Das trägt zwar zur Spannung bei, die durch häufige Wendungen und neue Hinweise immer weiter angeheizt wird, schwächt jedoch das Gefühl ab, tatsächlich selbst zu ermitteln und Einfluss auf den Lauf der Handlung zu haben.

Still Life knüpft nicht direkt an den Vorgänger Post Mortem an: Victoria ist die Enkelin des damaligen Protagonisten Gus McPherson. Regelmäßige, geschickt in die Handlung eingewobene Wechsel der Erzählperspektive versetzen Sie jedoch immer wieder in die Rolle des Privatdetektivs. Im Speicher ihres Elternhauses entdeckt die Heldin Aufzeichnungen ihres Großvaters, der in Prag ermittelte und den Täter schließlich identifizierte.

Perspektivenwechsel

Während Victoria liest, lenken Sie Gus, anfangs noch ohne zu wissen, wie die beiden Mordserien zusammenhängen. Viele Puzzleteile fügen sich erst im späteren Verlauf des Spiels zusammen. Undurchschaubare Charaktere werfen Fragen auf: Wem kann man vertrauen? Begeht ein Geisteskranker die Morde oder steckt mehr dahinter? Gekonnt spielen die Entwickler mit filmischen Stilmitteln.

In einer Szene ist Gus beispielsweise kurz davor, den Prager Killer zu stellen. Eine Tür öffnet sich und ein Mann tritt vor. Plötzlich verschwimmt das Bild für eine Sekunde. Überraschend manifestiert sich Miller, ein Kollege von Victoria - er ist unbemerkt in ihr Zimmer getreten und hat sie beim Lesen aufgeschreckt. Ein Hinweis darauf, dass man Miller misstrauen sollte? Ist Victorias Zuhause nicht mehr sicher? Schwebt auch sie in Lebensgefahr?

Rätselschwäche

Überwiegend durchschnittliche Rätsel dämpfen die Stimmung jedoch. Einen Kran setzen Sie durch das korrekte Verschieben von Kugeln in Gang; zum Knacken eines Schlosses bewegen Sie miteinander in Verbindung stehende Stifte in der richtigen Reihenfolge; später öffnen Sie einen versteckten Zugang durch das Zusammensetzen eines Mosaiks.

An anderer Stelle sollen Sie Lebkuchenplätzchen auf Basis eines Rezepts in Gedichtform backen. Welche Zutaten sich hinter "Liebe", "Sinnlichkeit" und "Engagement" verbergen, finden Sie nur durch Probieren heraus. Eines der wenigen Knobel-Highlights: An einer Geheimtür prangt der Text "In meinen Memoiren wirst du das Instrument meiner Leiden finden, mit dem wir unsere Gelübde ablegen" - ein Hinweis auf den richtigen Zahlencode zum Öffnen des Portals.

Denn zuvor hat Victoria im Nebenraum einige versteckte Ziffern entdeckt. Ein Gemälde namens "Erinnerung" enthält die römischen Ziffern IV und II; auf einem Dolch sind 3 und 6 eingraviert; in dem Bild "Dunkle Hochzeit" stecken I und V. Die Lösung: Auf "In meinen Memoiren" (Erinnerung - 4, 2) folgen der Dolch, das "Instrument meiner Leiden" (3, 6) und die bei einer Hochzeit abgelegten "Gelübde" (1, 5). Der Code lautet also 42 36 15. Insgesamt zerbrechen sich geübte Adventure-Spieler aber nur selten den Kopf - nach etwa zehn Stunden Spielzeit ist der Fall gelöst.
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Justin Stolzenberg

Packendes Verwirrspiel mit Gänsehaut-Garantie - und leider nur durchschnittlichen Rätseln.

Ich habe Still Life verschlungen wie einen guten Krimi. Selten fesselte ein Adventure mich dermaßen. Wenn eine neue Leiche auftaucht oder Heldin Victoria in einer der unzähligen, hervorragend gemachten Zwischensequenzen in mörderischer Geschwindigkeit hinter dem Killer herjagt, sträuben sich die Nackenhaare vor Spannung. Dass die Rätselqualität nicht mit Black Mirror, Sherlock Holmes und Nibiru mithalten kann, stört mich in Anbetracht der beeindruckenden Atmosphäre weniger. Ein Beispiel, das veranschaulicht, wie weit das Verwirrspiel geht: Zur Hälfte der Spielzeit war ich felsenfest davon überzeugt, Victoria wäre schizophren und am Ende selbst die Mörderin.
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3 Kommentarezum Artikel

Alle Kommentare lesen
CoMePlayDyinG - 15.06.2005 13:41
Zitat: (Original von AvenDexx am 15.06.2005 00:33)
Zitat: (Original von PuhderBaer am 14.06.2005 22:22)
  kaufen
bin eigentlich kein adventurefan hab sitll life aber begeister gezockt
(allerdings am stück an nem freien tag lang isses nich)
hab zwar bei einigen nervigen rätseln geschummelt weil ich keinen bock mehr hatte (sag nur kekse backen) aber die story iss spannend und gut erzählt


Naja, also Post Mortem gefiel mir sowohl Story-Technisch, als auch Rätsel-Technisch besser. Still Life konnte mich nicht so sehr mitreisen. Denke es liegt bei mir daran, dass es überwiegend in der Gegenwart spielt. Die 20ziger Jahre Noir Stimmung aus Post Mortem gefällt mir besser, wie die moderne Gegenwart.


Die Demo hat mich ja begeistert....aber das Spiel ansich...das ist relativ schwach gehalten...Atmosphäre kam bei mir ja nie auf und die Rätsel waren auch mehr als müde...die meisten bekam man sofort raus und bei den großen war es einfach nur nervige rumprobiererei, das ist nicht der sinn...

Die Story finde ich auch nicht gerade den Hammer, vor allem die 20er Jahre Story war mir ziemlich schwach...war einfach enttäuscht....geschmackssache..

Black Mirror war da um einiges besser, sogar Moment of Silence hat mir besser gefallen.

Ach ja...die größte Enttäuschung waren ja die lahmen Dialoge...die Sprecher waren ja wohl ein witz...und auch keine Handlungsfreiheit bei den Dialogen, sowas stört mich schon sehr bei so einer art von adventure..
AvenDexx - 15.06.2005 00:33
Zitat: (Original von PuhderBaer am 14.06.2005 22:22)
  kaufen
bin eigentlich kein adventurefan hab sitll life aber begeister gezockt
(allerdings am stück an nem freien tag lang isses nich)
hab zwar bei einigen nervigen rätseln geschummelt weil ich keinen bock mehr hatte (sag nur kekse backen) aber die story iss spannend und gut erzählt


Naja, also Post Mortem gefiel mir sowohl Story-Technisch, als auch Rätsel-Technisch besser. Still Life konnte mich nicht so sehr mitreisen. Denke es liegt bei mir daran, dass es überwiegend in der Gegenwart spielt. Die 20ziger Jahre Noir Stimmung aus Post Mortem gefällt mir besser, wie die moderne Gegenwart.
PuhderBaer - 14.06.2005 22:22
  kaufen
bin eigentlich kein adventurefan hab sitll life aber begeister gezockt
(allerdings am stück an nem freien tag lang isses nich)
hab zwar bei einigen nervigen rätseln geschummelt weil ich keinen bock mehr hatte (sag nur kekse backen) aber die story iss spannend und gut erzählt
SYSTEM - 14.06.2005 22:21
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Allgemeine Infos

Name Still Life
Genre Adventure
Webseite http://www.stilllife-game...
Hersteller Microids (FR)
Anbieter Flashpoint AG (DE)
VÖ-Termin 09.05.2005 - zu diesem Produkt einen Lesertest schreiben!
Preis nicht bekannt
Plattformen: pc.gif
xbox.gif
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