Die Macher von Unreal Tournament 2004 (dt.) haben einen Ego-Shooter nach Norm entwickelt: Mit Fahrzeugen, Innen- und Außenlevels, coolen Waffen und vielen Gegnern.
Dafür dass hier angeblich ein Virus wütet, schaut es ziemlich gemütlich aus: Die Sonne guckt strahlend durchs Wolkendach, ein Windhauch trägt Blätter durch die Luft und zwischen Felswänden plätschert ein Bach. Doch dann fallen die ersten Schüsse. Dr. Mason, frisch auf diesen Planeten namens Erde abgestürzt, ist die Zielscheibe. Auf den hippokratischen Eid pfeifend, greift Mason zu den Waffen. Und Sie werden ihn 18 Levels lang steuern. Wenn Pariah nicht Ihr erster Ego-Shooter ist, sehen Sie die Endsequenz in rund zehn Stunden.
Wie kommt es, dass ein Arzt nicht mehr Leben rettet, sondern auslöscht? Pariah erklärt das im Vorspann, dessen Drehbuch so gut ist, dass er eine gewaltige Erwartungshaltung schafft. Gezeigt wird, wie ein Routineflug schief geht: Eine Rakete schlägt ein, das Raumschiff stürzt ab, nur eine Hand voll Leute überleben. Darunter Dr. Mason und Karina, die Patientin, deren Transport er hätte überwachen sollen. In einer meisterhaften Szene infiziert sich Mason mit dem Virus, den Karina bereits in sich trägt. Dann kommen Männer in Rüstungen und schießen scharf - Mason schießt zurück. Die Ausgangssituation ist Adrenalin: zwei Infizierte unter Hunderten von Jägern.
Im Freien auf Gegner
Die Unreal-Engine ist der Grafik-Antrieb von Pariah, und weil die Unreal-Engine am besten mit Außenarealen zurechtkommt, spielen Sie die meiste Zeit in eben solchen. Berge dienen als Levelbegrenzung, der Weg ist stark vorgeschrieben: Wie auf Schienen bewegt man sich durchs Paradies, links und rechts mit dem Schnellfeuergewehr auf Gegner schießend.
Diese verhalten sich schlau wie eine trainierte Spezialeinheit, indem sie Deckung suchen, Sperrfeuer geben oder sich von hinten heranschleichen. Einerseits. Andererseits gibt es auch Feinde, deren IQ nur ein Minuswert sein kann. Feinde, die auch unter Beschuss dastehen, als wären sie zur Salzsäule erstarrt. Oder welche, die sich hinter Fässern verkriechen, um dort alt zu werden.
KI-Aussetzer sind verzeihbar, kein Computerspiel ist davon gefeit. Unentschuldbar ist aber, dass einen Pariah dauernd dieselben gesichtslosen Gegner vorsetzt: Vermummte Männer mit Granat- und Raketenwerfern, Schnellfeuer- und Plasmagewehren. Manche davon tragen Schilde, enden aber trotzdem als Kanonenfutter.
Einmal gut, einmal schlecht
Der erste Level gehört zu den schönsten: Sie kämpfen sich einen Hügel hinauf, bis Sie allmählich im Gebiet des Gegners landen. Dort stehen Wachtürme, die spektakulär in sich zusammenfallen, wenn man mit dem Schnellfeuergewehr draufhält. Wie das physikalisch sein kann, dass ein paar Projektile einen tonnenschweren Verteidigungsturm einstürzen lassen, fragt man sich dann gar nicht mehr, von der bombastischen Action abgelenkt. Später agieren Sie innerhalb der Basis, deren Decke von Betonsäulen gehalten wird. Auch diese Pfeiler zerbröckeln so aufwendig im Kugelhagel, dass es eine Freude ist.
Gelegentlich bewegen Sie sich auf ein blinkendes Kontrollpult zu, drücken "E" für Benutzen und öffnen Schranken oder deaktivieren Geschütztürme. Doch nie stehen Sie vor großen Rätselhürden; wenn Sie nicht weiterkommen, dann wegen des manchmal verwirrenden Level-designs. Ein Schauplatz gleicht einer futuristischen Fabrikhalle, Eisengeländer und Fahrstühle überall, dazu etliche Tore, von denen aber immer nur eines aufgeht. Welcher Durchgang der richtige ist, finden Sie heraus, nachdem Sie zu viele Sackgassen gesehen haben.
Bemerkenswert die schwankende Levelqualität von Pariah: Einmal rasen Sie im Buggy über die Planetenoberfläche, schießen Sprengladungen ab und haben Spaß; ein anderes Mal hocken Sie gelangweilt hinter stationären Geschütztürmen und zielen auf Raumschiffe, die gemächlich durchs Bild brummen. Sterben können Sie nicht, auch die Munition geht nicht aus. Solche Sequenzen ziehen die Spieldauer unnötig in die Länge.
Es lässt sich auch der Eindruck nicht verscheuchen, dass es für die Entwickler zunehmend schwieriger wurde, die Innenlevels sinnvoll zu füllen. Eckige Räume reihen sich aneinander und das Spiel wird einzig dadurch schwieriger, dass mehr und mehr Gegner auftauchen. Mitunter stehen bis zu fünf Feinde auf engstem Raum und treffen sich beim Feuern gegenseitig, was sie mit einem "Hey, pass doch auf!" kommentieren. Überhaupt sind die Feinde mitteilungsbedürftig; leider klingen sie wie eine hängende Schallplatte. Den Satz "Es geht uns nur um das Mädchen, Doc, es geht uns immer nur um die Mädchen" werden Sie so oft hören, bis alle Ihre Sicherungen durchbrennen, Sie irre lachend den Granatwerfer auspacken und schnaubend auf die Feuertaste hämmern, um die Widersacher endlich ruhig zu stellen.
Waffen-Tuning
Eine Besonderheit von Pariah sind die Waffen. Es gibt keine alternativen Feuermodi, doch dafür können Sie Ihre Kanonen mittels Energiekernen aufwerten. Energiekerne sind wertvoll, aber nicht sonderlich gut versteckt: Das Leveldesign ist so linear, dass Sie zwangsläufig über alle Extras stolpern; sparen Sie sich also den Blick unters Treppengeländer, dort liegt nichts.
Jede Waffe lässt sich dreimal verbessern. Beispiel Schnellfeuergewehr: Die erste Verbesserung bewirkt eine schnellere Schussfrequenz, die zweite mildert den Rückstoß ab, die dritte gibt panzerbrechende Munition. Doch vielleicht wollen Sie lieber ein Wärmesichtgerät ins Scharfschützengewehr einbauen oder dem Granatwerfer einen manuellen Zünder verpassen?
Dr. Mason hat auch ein Injektionsgerät dabei, das, sofern gefüllt, jederzeit anwendbar ist: Per Knopfdruck spritzt sich Mason ein Heilserum in die Adern, das verlorene Lebensenergie zurückgibt. Je länger Sie sich verarzten, desto verschwommener die Konturen auf dem Bildschirm.
Viel Ballerspaß, wenig Story
Pariah sollte ursprünglich großen Wert auf eine erwachsene Story legen. Und tatsächlich ist die Einleitungssequenz der beste Auftakt, den man sich für ein Spiel wünschen kann. Dann geht es steil bergab: Dr. Mason und Karina tun Dinge, die man niemals von Menschen erwarten würde, die zum Sterben verdammt sind. In einem Moment ist Karina die kühle Heldin, die Sprüche klopft, im nächsten Augenblick hockt sie bibbernd in der Ecke und fleht, nicht verlassen zu werden - nur um in der folgenden Mission wieder abzuhauen. Man wird aus diesem Charakter nicht schlau.
Schlimmer ist, dass man selten weiß, gegen wen man kämpft. Hintergründe erklärt Pariah unzureichend, die Wechsel zwischen den Schauplätzen sind abrupt und verwirrend. Anstatt die Story sinnvoll weiterzuspinnen, konzentriert sich das Spiel auf Zwischensequenzen, in denen sich Figuren gegenseitig mit Kraftausdrücken beleidigen.
Pariah ist ein spaßiger Ego-Shooter, aber die Sache mit der Story sollten die Entwickler zukünftig jemandem anders überlassen.
Die große Ego-Shooter-Konkurrenz macht es Pariah schwer, Fuß zu fassen.
Noch nachhaltig von Far Cry (dt.) und Half-Life 2 beeindruckt, habe ich mich ziemlich apathisch durch Pariah geballert. Nichts hat mich in diesem schablonenartigen Ego-Shooter staunend innehalten lassen. Andererseits gibt´s auch wenig, das man diesem Spiel wirklich ankreiden kann. Die Action ist solide, die Waffen machen rums, die Fahrzeuge sind eine nette Abwechslung - der Spielablauf ist schon okay, irgendwie. Die im Vorfeld mit Trommelwirbel angekündigte Story nervt mich noch am meisten: Ich jage in Computerspielen gern Bösewichter mit Charakter, doch in Pariah entsteht einfach kein richtiges Feindbild.
Zitat: (Original von Nali_WarCow am 02.06.2005 17:41)
Zitat: (Original von Kajetan am 02.06.2005 17:28)
Pariah ist das Opfer eines vor allem im Bereich Ego-Shooter maßlos überzogenen Anspruchsdenken geworden. Ein Spiel in diesem Sektor muss BAHNBRECHEND, SENSATIONELL und ÜBERRAGEND sein. Alles andere ist Kinderkacke und Futter für die Software-Pyramide!
Pariah ist "nur" ein guter, unterhaltsamer Shooter. Ich habe damit mehr Spass gehabt, als bei Doom3 oder HL2. Vielleicht, weil ich von Pariah nichts großartiges erwartet habe und dann angenehm von der Qualität des Titels überrascht war.
Also dem kann ich nicht ganz zustimmen. Sicherlich hat es ein einfacher Shooter ohne große Innovationen schwer eine gute Wertung zu bekommen, wenn er nicht gerade HL 2 heißt. Aber Pariah macht eben nicht mal das simple "nur ein Shooter" richtig. Es sind so viele Kleinigkeiten, welche zumindest mir den Spielspaß im Laufe des Spiels stark genommen haben. Egal ob Gegner KI, Fahrzeugsteuerung, Movement (hatte beispielsweise nie das Gefühl Schaden auszuteilen. Komisch zu beschreiben.), die Level waren anfangs schön aber wurden später immer schlechter. Da wiederholte sich das lineare Leveldesign, die Gegner kamen strikt per Skipt an einem Ort und dann so lange, bis man einen unsichtbaren Schalter überschritt. Gegen erkunden brauchte man gar nicht erst versuchen und die Spielzeit war extrem kurz. Was sich die Entwickler beispielsweise beim Design des Zug- oder Fluglevels gedacht haben will ich erst gar nicht wissen. Auch die Storypräsentation war sehr kurios. Vom MP gar nicht gesprochen. Das Problem ist nicht, daß Pariah nix Neues bietet, sondern alles schon deutlich besser gemacht wurde von andern Games.
Ich steh dann wohl mit meiner Meinung genau zwischen euch beiden. Pariah ist halt so ein Game bei dem man nur die Nachteile sieht, weil es einfach nicht versteht seine Vorteile richtig in Szene zu setzen. Am besten kann man das an der Story erkennen, da wurde durch diese langweiligen Rendersequenzen so viel Potential verschenkt. Genau das Gleiche ist es mit den KI Aussetzern, sowas ist einfach nur unnötig. Aber wenn man über solche Dinge mal hinwegsehen kann dann bekommt man bei Pariah einen soliden Shooter mit Stärken und Schwächen. Keinen 4. klassigen Schrott. Solche Underdogs bekommen bei mir auch einen kleinen Exotenbonus den sie entweder komplett verspielen oder eben nicht. Und die läpischen 10 Euro die es inzwischen nur noch kostet dürfte es ja wohl auf jeden Fall wert sein. Ich fand die PCG Wertung von 74% jedenfalls schon ein bisschen untertrieben. 4 - 5% mehr hättens ruhig sein können. Aber Luftsprünge hab ich beim Zocken natürlich auch nicht gemacht.
Wer noch mehr lesen möchte, hier gehts zu meinem Lesertest von Pariah. Bitte auch fleissig bewerten.
Ach ja, gut geschrieben war der Bericht von Thomas Weiss natürlich auch.
Aber ansonsten hört sich das Game echt ned toll an...hab aber auch nie damit gerechnet dass die ne ordentliche Story hinbekommen.....
Pariah ist das Opfer eines vor allem im Bereich Ego-Shooter maßlos überzogenen Anspruchsdenken geworden. Ein Spiel in diesem Sektor muss BAHNBRECHEND, SENSATIONELL und ÜBERRAGEND sein. Alles andere ist Kinderkacke und Futter für die Software-Pyramide!
Pariah ist "nur" ein guter, unterhaltsamer Shooter. Ich habe damit mehr Spass gehabt, als bei Doom3 oder HL2. Vielleicht, weil ich von Pariah nichts großartiges erwartet habe und dann angenehm von der Qualität des Titels überrascht war.
Nö, gut war es nicht Auf jeden Fall ist Pariah keinen Vollpreis wert, dazu macht es viel zu viel falsch. Nicht, daß es bei mir immer tolle Grafik oder superkomplexes Gameplay sein müsste, aber ich hab auch mit Sachen wie Kill.Switch weit mehr Spaß gehabt als mit Pariah, obwohl P. deutlich die bessere Grafik hat. Aber die machen einfach zuviel falsch
Pariah ist das Opfer eines vor allem im Bereich Ego-Shooter maßlos überzogenen Anspruchsdenken geworden. Ein Spiel in diesem Sektor muss BAHNBRECHEND, SENSATIONELL und ÜBERRAGEND sein. Alles andere ist Kinderkacke und Futter für die Software-Pyramide!
Pariah ist "nur" ein guter, unterhaltsamer Shooter. Ich habe damit mehr Spass gehabt, als bei Doom3 oder HL2. Vielleicht, weil ich von Pariah nichts großartiges erwartet habe und dann angenehm von der Qualität des Titels überrascht war.
Also dem kann ich nicht ganz zustimmen. Sicherlich hat es ein einfacher Shooter ohne große Innovationen schwer eine gute Wertung zu bekommen, wenn er nicht gerade HL 2 heißt. Aber Pariah macht eben nicht mal das simple "nur ein Shooter" richtig. Es sind so viele Kleinigkeiten, welche zumindest mir den Spielspaß im Laufe des Spiels stark genommen haben. Egal ob Gegner KI, Fahrzeugsteuerung, Movement (hatte beispielsweise nie das Gefühl Schaden auszuteilen. Komisch zu beschreiben.), die Level waren anfangs schön aber wurden später immer schlechter. Da wiederholte sich das lineare Leveldesign, die Gegner kamen strikt per Skipt an einem Ort und dann so lange, bis man einen unsichtbaren Schalter überschritt. Gegen erkunden brauchte man gar nicht erst versuchen und die Spielzeit war extrem kurz. Was sich die Entwickler beispielsweise beim Design des Zug- oder Fluglevels gedacht haben will ich erst gar nicht wissen. Auch die Storypräsentation war sehr kurios. Vom MP gar nicht gesprochen. Das Problem ist nicht, daß Pariah nix Neues bietet, sondern alles schon deutlich besser gemacht wurde von andern Games.
Aber ansonsten hört sich das Game echt ned toll an...hab aber auch nie damit gerechnet dass die ne ordentliche Story hinbekommen.....
Pariah ist das Opfer eines vor allem im Bereich Ego-Shooter maßlos überzogenen Anspruchsdenken geworden. Ein Spiel in diesem Sektor muss BAHNBRECHEND, SENSATIONELL und ÜBERRAGEND sein. Alles andere ist Kinderkacke und Futter für die Software-Pyramide!
Pariah ist "nur" ein guter, unterhaltsamer Shooter. Ich habe damit mehr Spass gehabt, als bei Doom3 oder HL2. Vielleicht, weil ich von Pariah nichts großartiges erwartet habe und dann angenehm von der Qualität des Titels überrascht war.
Wollen Sie einen Kommentar abgeben ?
Melden Sie sich bitte an oder registrieren Sie sich, wenn Sie noch keine Kennung besitzen. Registrieren