Testbericht

20.04.2005 15:10 Uhr

Act of War

Act of War sieht fantastisch aus. Ob das Echtzeitstrategie-Spektakel auch spielerisch überzeugt, verrät unser Test.

PC Games-
Spielspaß-Wertung
(Ausgabe 05/2005)
84%
Durchschnittliche
Lesertestwertung:
        
76 %

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Fantastische 3D-Optik Teils mangelnde Übersicht und miese Wegfindung
Spannende Story  
Aufwendige Zwischensequenzen  

Mit seiner vollmundigen Ankündigung "Unser Spiel ist der Command & Conquer-Killer!" erntete Act of War-Chefentwickler Alexis Le Dressay im Spätsommer letzten Jahres bei der aus aller Herren Länder angereisten Journalistenschar nur ein müdes Lächeln. Die wenige Augenblicke zuvor präsentierte Demo-Mission sah zwar gigantisch aus, ruckelte aber auch besorgniserregend und ließ praktisch keinen Spielfluss zu. Dass das französische Entwicklerstudio Eugene Systems nicht zu viel versprochen hatte, sollte sich erst Anfang 2005 herausstellen. Da endlich verschmolzen alle Elemente des Echtzeit-Strategiespiels miteinander und neben der überragenden Technik, dem ausgeklügelten Missionsdesign und den intelligent agierenden Computergegnern kam die fesselnde und filmreif inszenierte Hintergrundgeschichte vollends zum Tragen. Wer bereits unsere Vorschau-Artikel gelesen hat, weiß, dass es in den bisherigen Beta-Versionen noch Probleme bei der Wegfindung sowie der Übersicht gab. Hier versprachen die Entwickler allerdings bis zur finalen Version, die Grundlage dieses Artikels ist, Besserung. Ob die tatsächlich eingetreten ist? Dazu später mehr.

Ein Profi liefert die Story

Im Gegensatz zu Command & Conquer Generäle, das praktisch gar keine Story bietet, setzt Act of War auf eine extrem spannende Hintergrundgeschichte, die sich wie ein roter Faden durch das gesamte Spiel zieht. Sie stammt aus der Feder des amerikanischen Bestsellerautors Dale Brown (Feuerflug, Armageddon) und spielt um das Jahr 2010 auf Mutter Erde. In dem "geopolitischen Techno-Thriller" wird das, was sich bereits heutzutage als mögliches Horrorszenario abzeichnet, bittere Realität: Stetig steigende Benzinpreise haben Autofahren um das Jahr 2010 herum zu einem horrend teuren Vergnügen gemacht, das sich nur die wenigsten leisten können, die meisten aber müssen. Von dieser Not profitieren in erster Linie die Rohöllieferanten, denen dadurch tagtäglich Milliarden in die ohnehin schon proppevollen Kassen gespült werden. Doch das reicht den raffgierigen Ölmultis noch lange nicht - sie wollen die Erdbevölkerung weiter schröpfen. Zu diesem Zweck haben sie sich zusammengetan und einen fiesen Plan ausgebrütet: Eine international operierende Terrororganisation soll für das skrupellose Sprit-Kartell rund um den Globus verheerende Anschläge vom Ausmaß des 11. September durchführen, um die Weltwirtschaft endgültig in die Knie zu zwingen und den Spritpreis in noch unverschämtere Höhen zu treiben. Doch der amerikanische Geheimdienst bekommt Wind von der Geschichte und lokalisiert anhand einer abgefangenen Anschlagsplanung den vermeintlichen Stützpunkt der Terroristen in der libyschen Wüste. Wenige Stunden später ist mit der amerikanischen Task Force Talon bereits die weltweit beste Spezialeinheit auf dem Weg nach Nordafrika, um den Verbrechern ihr schmutziges Handwerk zu legen.

Ganz großes Strategie-Kino

So weit, so gut - doch es geht noch besser. Denn die Art und Weise, wie bei Act of War die fortlaufende Story erzählt wird, ist einzigartig. Missionsbesprechungen mit peinlichen Laiendarstellern vor austauschbaren Kulissen oder von einem Off-Sprecher vor blinkenden Karten gähnend langweilig verlesene Monologe gibt es hier glücklicherweise nicht. Stattdessen erwarten Sie mitreißende Zwischensequenzen, an deren Entstehung Profis mitwirkten, die bereits an der Herr der Ringe-Kinotrilogie oder dem letzten Star Wars-Streifen beteiligt waren. Der Clou: Nicht nur zwischen den einzelnen Missionen, sondern auch während der Einsätze sorgen in Extrafenstern eingespielte Videos für zusätzliche Atmosphäre. Insgesamt bietet Act of War Filmsequenzen mit einer Länge von einer guten Stunde, dazu kommen nochmals knapp 30 Minuten mittels der Spiele-Engine erstellte Szenen, was deren Qualität jedoch keinen Abbruch tut.

Die totale Krise

In der 34 Missionen umfassenden Einzelspielerkampagne schlüpfen Sie in die Rolle von Sergeant Ray Jefferson, einem hoch dekorierten amerikanischen Elite-Soldaten und zugleich Anführer des amerikanischen Anti-Terror-Kommandos Task Force Talon sowie - in einigen Einsätzen - Kommandant einer Spezialeinheit der US Army. Ihre Aufgabe klingt anfangs nach einem Routineeinsatz: Mit einem 15 Mann starken Trupp sollen Sie eine Terrorzelle in der libyschen Wüste sprengen und deren Boss dingfest machen. Nach dem filmreifen Intro finden Sie sich in der staubigen Einöde vor den Toren des Stützpunktes wieder, der inklusive des Anführers binnen weniger Minuten in Ihren Händen ist. Doch damit fangen die Probleme erst an - denn der gefangen genommene Terrorist lässt wie Skandal-Schiri Hoyzer die Hosen runter und erklärt der CIA, dass er lediglich ein kleines Glied einer riesigen Kette und die Gefahr terroristischer Anschläge mit seiner Festnahme sicher nicht gebannt ist. Und tatsächlich: Kurze Zeit später steht Jefferson mit seiner Truppe in den von Globalisierungsgegnern gesäumten Straßen Londons, um einen hochrangigen Politiker aus den Fängen der Sprit-Kartell-Schergen zu befreien. Ist auch das geglückt, geht es weiter um den halben Globus: Sie müssen die Sprengung der Golden Gate Bridge verhindern, eine ägyptische Ölraffinerie bei Al Ousayr gegen die Privat-Armee der Benzin-Multis verteidigen, Geiseln aus einem russischen Stützpunkt freibomben, in der arabischen Pilgerstätte Medina für Ordnung sorgen und schlussendlich zum großen Showdown einen Anschlag auf das Weiße Haus in Washington D.C. verhindern. Während Medina im Spiel wie eine x-beliebige islamisch geprägte Stadt aussieht und San Francisco in erster Linie anhand einer guten Imitation der Golden Gate Bridge identifiziert werden kann, sind die originalgetreuen Nachbildungen von London inklusive des Buckingham Palace oder Washington D.C. mit Kapitol und Weißem Haus umso beeindruckender. Mittels GPS-Daten haben die Entwickler beide Metropolen maßstabsgetreu nachgebaut und mit viel Liebe zum Detail zu charakteristischem Leben erweckt. So flitzen über die Straßen der britischen Hauptstadt die berühmten roten Doppeldeckerbusse, während rund um George Bushs Amtssitz dicke Limousinen oder die typisch gelben Taxen anzutreffen sind.

Und wie spielt sich das Ganze?

Im Gegensatz zu Command & Conquer: Generäle setzt Act of War auch, aber nicht nur auf klassischen Basisbau. Forschungsoptionen sucht man hierbei allerdings vergebens. Sämtliche Einheiten sind - das entsprechende Produktionsgebäude vorausgesetzt - stets verfügbar. Dafür bietet Act of War auch kurzweilige "Direct Action"-Missionen, bei denen Sie mit einer überschaubaren Streitmacht als schnelle Eingreiftruppe mitten im Krisengebiet landen und nur wenig Zeit haben, die Lage unter Kontrolle zu bringen. In jeder Mission gibt es Haupt- und Nebenziele. Das Spiel ist vorbei, sobald Ihr Alter Ego Jefferson stirbt. Dankenswerterweise lässt sich der Spielstand jederzeit speichern. In beinahe jeder Mission müssen Sie sämtliche Terroristen inklusive möglicher Hauptquartiere von der Karte ausradieren, Geiseln befreien oder eine Raketenabschuss-Stellung sprengen. Wenn Sie Bonus-Ziele, etwa die Befreiung verschleppter Polizisten, erreichen, werden Sie mit frischen Kämpfern oder neuen Fahrzeugen belohnt.

Moderne Kriegsführung

Im Spielverlauf bekommen Sie es mit knapp 100 realen und futuristischen Kampfeinheiten zu tun. Marines, Scharfschützen oder Raketenwerfer-Soldaten sind eine gute Waffe gegen Infanteristen und leicht gepanzerte Fahrzeuge. Mit den futuristischen Shield-Kampfrobotern hingegen schalten Sie sogar M2A3-Bradley-Panzer oder Paladin-155mm-Haubitzen aus. Gewiefte Taktiker verschanzen ihre Soldaten in Wäldern oder auf Häuserdächern und erhöhen damit deren Angriffskraft. Als gefährlich erweist sich beim Befehligen der Einheiten die ansonsten ordentliche Steuerung: Im Gegensatz zu anderen Spielen wählen Sie mit einem rechten Mausklick auf ein freies Feld nicht die jeweilige Einheit ab, sondern schicken diese dorthin. Zum Glück lässt sich dieser Unsinn im Optionsmenü abstellen. Zurück zum Thema: Besonders wirkungsvoll sind auch die AH-64D-Apache-Longbow-Kampfhubschrauber sowie die UGCV-Panzer. Den Letztgenannten schrauben Sie je nach Bedarf Spionagedrohnen, Kanonen oder Raketenwerfer auf den Geschützturm. Wer über das nötige Kleingeld verfügt, errichtet einen Luftwaffen-Kontrollturm und ordert Luftschläge von MIG-21-Bombern oder F18-Kampfflugzeugen bequem per Mausklick. Nach jedem Scharmützel gewinnen Ihre Einheiten Erfahrungspunkte und gewinnen an Stärke. Wie alles im Leben hat auch fortschrittlichere Kriegsmaschinerie ihren Preis. Bei Act of War gibt es drei Möglichkeiten, an genug Kohle für eine schlagkräftige Armee zu kommen: Sie bauen mit Raffinerien und Tanklastern Öl ab, besetzen eine Bank oder machen Kriegsgefangene.

Famose Optik

Egal ob Sie einen terroristischen Unterschlupf in der ägyptischen Wüste auseinander nehmen oder die Sprengung des Kapitols in Washington D.C. verhindern: Über die famose 3D-Optik von Act of War kann man nur staunen. Eine derart riesige, lebendige, effektvolle, realistische und komplett zerstörbare Spielwelt bot bisher kein vergleichbarer Titel. Die 3D-Engine ist frei drehbar und lässt sich stufenlos zoomen. So ist es genauso möglich, mit seinen Kämpfern in der Verfolgerperspektive durch die Straßenschluchten zu streifen, wie in eine übersichtlichere Iso-Perspektive zu wechseln. Die Animationen der Einheiten sind flüssig und extrem detailliert. Variantenreiche Explosionen in Filmqualität und über die Karte ziehende Rauchschwaden sind an der Tagesordnung. Da die riesige 3D-Welt verdammt hardwarehungrig ist, kann man nur bis zu einem bestimmten Punkt aus dem Geschehen rauszoomen. Und das ist gerade in den Städtemissionen ein Problem, weil man seine Einheiten hinter den riesigen Hochäusern nur schwer erkennt und ständiges Drehen der Karte die Übersicht noch mehr erschwert. Im Eifer des Gefechts den Überblick zu behalten, ist dann praktisch unmöglich. Und auch auf der stets eingeblendeten Minimap lassen sich die als weiße Pünktchen dargestellten, eigenen Krieger kaum identifizieren.

Kein Ausweg?

Für zusätzlichen Ärger sorgt die immer noch dürftige Wegfindung: Soldaten machen häufig riesige Umwege, Baukräne kommen nicht mehr voran und Panzer bleiben stecken, weil eine Baubegrenzung wie bei Command & Conquer: Generäle verhindert, dass beispielsweise ein Kraftwerk direkt vor die Ausfahrt der Rüstungsfabrik gepflanzt werden kann. So bleibt der Abriss bereits bestehender Gebäude oft der einzige Ausweg, um seine Einheiten wieder zu "befreien". Nervig! Wenig zu meckern gibt es hingegen über die künstliche Intelligenz. Sowohl Ihre Mitstreiter als auch die Gegner gehen taktisch äußerst klug vor und stellen im höchsten der drei Schwierigkeitsgrade selbst altgediente Echtzeit-Strategie-Experten vor schwere Aufgaben. Das Missionsdesign ist herrlich abwechslungsreich und dank der fesselnden Story immer für eine Überraschung gut. Schade, dass man lediglich mit einer Partei spielen kann - somit endet die Kampagne nach 15 kurzweiligen Stunden. Wer mag, versucht sich anschließend im herausfordernden Skirmish-Modus oder liefert sich in den Mehrspieler-Modi via Netzwerk oder Internet mit bis zu acht Kontrahenten spannende, aber auch etwas ruckelige Online-Gefechte. Hier dürfen Sie immerhin das, was Ihnen im Solospiel verwehrt bleibt: aufseiten der bösen Terroristen mit Piranha-Geschützen oder Tunguska-Raketenwerfern in die Schlacht ziehen.
(Christian Sauerteig)
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Christian Sauerteig

Wow! Erstklassige, aber noch nicht ganz perfekte Strategie gegen den Terror!

Selten hat mich ein Spiel derart gefesselt wie Act of War. Selbst zu nachtschlafender Zeit lieferten sich in der PC-Games-Redaktion Terroristen und Task Force Talon erbitterte Netzwerkgefechte ohne Rücksicht auf Schlafmangel oder Artikel-Deadlines. Dennoch ist Act of War nicht das geworden, was es vom Potenzial her hätte werden müssen: ein Referenzspiel. Die Präsentation ist einzigartig und die Story für ein Computerspiel sensationell. Solange aber das Wegfindungssystem derart gravierende und frustrierende Mängel aufweist und man aus Städten nicht ganz herauszoomen kann, reicht es nicht für einen Spitzenplatz im Genre.
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Allgemeine Infos

Name Act of War
Genre Echtzeit-Strategie
Webseite http://www.atari.de
Hersteller Eugen Systems
Anbieter Atari Germany (DE)
VÖ-Termin 17.03.2005 - zu diesem Produkt einen Lesertest schreiben!
Preis nicht bekannt
Plattformen: pc.gif
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