Wenn die diplomatischen Verhandlungen scheitern und Polizisten verängstigt hinter ihren Streifenwagen in Deckung gehen, gibt es nur noch einen Ausweg: die Profis vom SWAT. Diese vier Buchstaben verkörpern den ultimativen Albtraum eines jeden Verbrechers. Denn Amerikas Special Weapons and Tactics Team zählt zu den schlagkräftigsten Sondereinsatzkommandos der Welt. Ihre Aufgabe: Geiselnehmer und Terroristen unschädlich machen und gleichzeitig das Leben Unschuldiger schützen. Fühlen Sie sich dazu in der Lage? Dann sind Sie bei SWAT 4 genau richtig. Denn hier kämpfen Sie genauso wie im Vorgänger SWAT 3 als Anführer eines fünfköpfigen SWAT-Teams aus der Ego-Perspektive für Recht und Ordnung. Mit einem Unterschied: Der vierte Teil der Serie spielt erstmals nicht in Los Angeles, sondern in einer fiktiven US-Metropole. Was nicht weiter stört. Denn die 13 Schauplätze der Einzelspielerkampagne sind dermaßen stimmungsvoll und realistisch in Szene gesetzt, dass Sie stets den Eindruck haben, in New York, San Francisco oder L.A., nicht aber in einer Fantasiestadt unterwegs zu sein.
Lesen bildet
Ihr erster Einsatz verschlägt Sie zum Chinesen um die Ecke. Der Inhaber des Schnellrestaurants ist in dubiose Waffengeschäfte verstrickt. Da der Mann als extrem gefährlich eingestuft wird, muss Ihre Truppe anrücken, um den Asiaten hinter schwedische Gardinen zu befördern. Über die Lage vor Ort, also ob Geiseln genommen wurden und was vor Ihrer Ankunft alles passiert ist, informieren mehrere stinklangweilige Kurzromane. Wer zum Schmökern zu faul ist, lässt sich die Textwüste per Knopfdruck vorlesen. Eine Alternative zu Videosequenzen, etwa einer spannenden Nachrichtensendung, ist das allerdings nicht. Schade, hier verspielt SWAT 4 wertvolle Punkte gegenüber der Konkurrenz, etwa Raven Shield. Zumal der Taktik-Shooter auf eine Story komplett verzichtet. Die Kampagne besteht lediglich aus 13 aneinander gereihten Missionen, die nur eines gemeinsam haben: die Verbrechensbekämpfung.
Qual der Wahl
Bevor Sie schließlich zur Tat schreiten, legen Sie die Ausrüstung für das gesamte Team fest. Wollen Sie verdeckt vorgehen? Dann packen Sie am besten die schallgedämpfte MP5 von Heckler & Koch ein. Stehen Sie hingegen eher auf rohe Gewalt, empfiehlt es sich, entweder die Schrotflinte oder ein Sturmgewehr wie das G-36 oder die M4A1 in die Hand zu nehmen. Sogar Pazifisten werden bei dem großen Arsenal von SWAT 4 glücklich. Eine mit Reizgas bestückte Paintball-Kanone ist ebenso mit von der Partie wie die Elektroschocker-Pistole. Für die normalen Schusswaffen steht Ihnen ferner ein zweiter Munitionstyp zur Verfügung. Die so genannten Vollmantelgeschosse machen besonders in den späteren und zugleich kniffligeren Einsätzen Sinn. Dann nämlich tragen Ihre Widersacher Schutzwesten, an denen 08/15-Kugeln beinahe wirkungslos abprallen. Neben den Ballermännern wartet SWAT 4 unter anderem mit CS- und Blendgranaten, Pfefferspray, C2-Sprengstoff, einem Türkeil sowie der Optiwand auf. Letzteres Tool sollte unbedingt mindestens einer Ihrer Männer mit sich führen. Denn mit diesem elektronischen Spiegel spähen Sie unter Türen hindurch oder werfen einen unauffälligen Blick um Ecken. So wissen Sie fast immer, was Sie im nächsten Raum erwartet. Zu guter Letzt hat jeder SWAT-Polizist standardmäßig einen Dietrich zum Schlösserknacken sowie einen Stapel Plastikhandschellen im Gepäck. Haben Sie alles zusammen? Dann entscheiden Sie sich nur noch schnell für einen Einstiegspunkt, etwa das Dach oder den Lieferanteneingang, und los geht's.
Sie sind der Boss
Im Gegensatz zu Republic Commando heften sich die Kameraden nicht automatisch an Ihre Fersen. Ihre Jungs zwingen lediglich von selbst Gegner mit einem harschen "Polizei! Waffe weg!" zur Aufgabe oder aber betätigen im Notfall den Abzug. Alle anderen Aktionen bestimmen Sie höchstpersönlich anhand einer übersichtlichen Liste, die Sie jederzeit mit der rechten Maustaste aufrufen. Je nachdem, welches Objekt Sie dabei anvisieren, stehen andere Befehle zur Wahl. Bei Türen bieten sich die meisten Optionen: Wollen Sie das Schloss sprengen oder aufschießen? Sollen Ihre Untergebenen vor dem Betreten eine Blendgranate schmeißen? Egal für welche Aktion Sie sich entscheiden, Ihr Team meistert beinahe jeden Befehl mit Bravour und leistet sich so gut wie keine Schnitzer. Insbesondere das Sichern eines Raumes klappt hervorragend. Anstatt dass alle auf einmal hinein stürmen, rücken die SWAT-Mitglieder nach und nach vor und geben sich Deckung. Manchmal scheinen die PC-Cops allerdings einen Röntgenblick zu besitzen und erkennen Feinde, noch bevor diese in Sichtweite sind. Wollen Sie Ihre Widersacher in die Zange nehmen oder aber einen bestimmten Teil der Karte überwachen, teilen Sie Ihre Einheit im Handumdrehen in zwei Trupps auf. Während Sie mit Team Rot gemeinsam vorrücken, behalten Sie Team Blau über ein Pop-up-Fenster im Auge und erteilen bei Bedarf Befehle. Ein äußerst simples System, das hervorragend funktioniert.
Kurzes Vergnügen
Sobald Sie alle Zivilisten gerettet und die Situation unter Kontrolle gebracht haben, ist die Mission gewonnen. Das heißt aber noch längst nicht, dass Sie weiterkommen. Denn nur, wenn Sie eine bestimmte Punktzahl - SWAT 4 belohnt korrektes Verhalten - erzielen, schalten Sie den nächsten Einsatz frei. Es sei denn, Sie spielen auf dem einfachsten der vier Schwierigkeitsgrade. Dann führen auch ruppigere Aktionen mit hohen Verlusten zum Ziel. Auf diese Art und Weise bewältigen Sie die Kampagne locker an einem Nachmittag. Den meisten Spaß bereitet SWAT 4 allerdings, wenn Sie sich wie ein echtes Polizeiteam von Raum zu Raum vortasten und dabei möglichst viele Terroristen zum Aufgeben zwingen. Angesichts der gelungenen Gegner-KI ist das aber nicht immer einfach. Während einige Typen beim bloßen Anblick der Uniformierten die Hände hoch nehmen, tun andere erst so, als würden sie kapitulieren, und eröffnen im nächsten Augenblick das Feuer. Besonders gegen Ende werden Ihre Widersacher dermaßen skrupellos, dass sie selbst Geiseln erschießen. Passiert das, ist der Einsatz gescheitert und Sie müssen von vorne anfangen. Eine Speicherfunktion gibt es nämlich auch dieses Mal nicht. Frustmomente sind somit im wahrsten Sinne des Wortes vorprogrammiert. Keine Sorgen brauchen Sie sich dafür über das Wohl Ihrer Kollegen zu machen. Die Officers sind unsterblich und werden schlimmstenfalls kampfunfähig geschossen. Bereits in der darauf folgenden Mission sind alle Verletzungen auf wundersame Weise geheilt. Dadurch wachsen Ihnen die vier Polizisten nicht annähernd ans Herz - wie bei der Konkurrenz. In Raven Shield hatten Sie beispielsweise allen Grund, auf Ihre Schäfchen aufzupassen. Denn diese gewannen wie bei einem Rollenspiel mit jedem absolvierten Auftrag an Erfahrung. Einen gut ausgebildeten Mann zu verlieren wäre hier tragisch gewesen.
Die Uhr tickt
Neben der eingängigen Steuerung und der soliden künstlichen Intelligenz glänzt SWAT 4 besonders beim Missionsdesign. Auch wenn alle Einsätze nach demselben Schema ablaufen, langweilig wird Ihnen so gut wie nie. Dafür sind die Geiselbefreiungsszenarien viel zu spannend und authentisch inszeniert. Sie durchforsten den Keller eines Kinderschänders nach einem vermissten Mädchen, vereiteln einen Juwelenraub und schreiten bei einem Tankstellenüberfall ein. Nichts für schwache Nerven ist ferner der Selbstmordversuch einer Sekte. In letzter Minute verhindern Sie, dass sich die Gruppe selbst in die Luft jagt. Als Sie schließlich den Keller unter die Lupe nehmen, machen Sie eine furchtbare Entdeckung: Die Fanatiker haben ihre Kinder geopfert und in einem Massengrab verscharrt. Von solchen Schockmomenten abgesehen, bleiben überraschende Wendungen in der Kampagne aus. Nur in der vorletzten Mission staunen Sie nicht schlecht, als Sie plötzlich über eine Bombe stolpern und innerhalb von neun Minuten die restlichen Zünder finden sollen. Kein leichtes Unterfangen, da überall schwer bewaffnete Terroristen lauern. SWAT 4 spielt übrigens nicht nur in puncto Atmosphäre in der ersten Liga der Taktik-Shooter. Auch optisch macht die Verbrecherhatz dank Tribes: Vengeance-Engine einiges her. Statt trister Innenräume erwarten Sie liebevoll detaillierte Schauplätze. So zieren beispielsweise häufig hübsche Poster, Gemälde und Graffiti die Wände. Ebenfalls top: die geschmeidig animierten Charaktere.
Spaß in der Gruppe
Keinesfalls entgehen lassen sollten Sie sich den exzellenten Mehrspieler-Modus. Hier gibt Ihnen SWAT 4 die Gelegenheit, die Solo-Kampagne mit bis zu fünf Gleichgesinnten im LAN oder übers Internet gemeinsam zu bewältigen, was sogar noch einen Tick mehr Laune bereitet als mit den computergesteuerten Kameraden. Darüber hinaus wartet SWAT 4 mit den populären Spielvarianten Team-Deathmatch, VIP-Eskorte und Bombe entschärfen auf. Bei allen dreien dürfen Sie neben der Bewaffnung auch noch festlegen, ob Sie eine kugelsichere Weste und eine Gasmake tragen möchten. Aber Vorsicht: Ihr Charakter wird dadurch extrem langsam und Sie haben mit einem eingeschränkten Sichtfeld zu kämpfen.