Es fängt so gut an, als John Constantine ins Zimmer marschiert, seine Zigarette ablegt, den Blick zum Fenster hinaus richtet und lässig ignoriert, was da gefesselt auf dem Bett liegt: eine zischende, rumorende Gestalt, offensichtlich vom Teufel besessen. Dann dreht er sich um, exorziert wie ein Profi und verlässt den Raum, nicht ohne die Zigarette wieder aufzunehmen.
All das wäre ein gekonnter Einstieg, würde Constantine einfach den Mund halten. Tut er aber nicht. Und deshalb bekommt man einen Schock, wenn er zu reden beginnt - wie ein 15-Jähriger während seiner ersten Schulaufführung. Alle Coolness mit einem Schlag verspielt.
Constantine mag äußerlich trotz leicht ausgeprägten Silberblicks eine gewisse Ähnlichkeit mit Filmdarsteller Keanu Reeves aufweisen, aber sein misslungener Tonfall macht ihn zum Kasper. Zum Glück beschränkt sich sein Text während des Spielens auf typische Action-Einzeiler ("Toll, Ratten ..."), die kaum von der Dämonenjagd im Schauplatz Los Angeles ablenken.
Schießen und zaubern Bei Constantine handelt es sich um einen Third-Person-Shooter, der in dieser Form bereits hundertfach existiert: Held im Mantel schießt mit lauten Waffen auf Gegner und startet, wenns heikel wird, eine Spezialattacke. Hier sind das Zaubersprüche, die nach einer Tastenkombination losgehen: Cursor nach links, nach rechts, nach oben und nach unten, bevor die Zeit abläuft - schon intoniert Constantine theatralisch ein paar Formeln aus "Schwarze Magie für Dummies". Dann zucken Blitze den Feinden entgegen, Insektenschwärme sausen heran oder ein Spiegelbild von Constantine verwirrt die Angreifer. Sonst sind da typische Waffen wie Schrotflinten, Nagelkanonen (deren Munition sich nach Gebrauch wieder einsammeln lässt) und Weihwasser als Ersatz für Granaten. Weil sich Gegner gerne mal hinter dem Held materialisieren, haben die Entwickler eine "180-Grad-Wendung in unter einer Sekunde"-Taste eingebaut, die mit einem kurzen Slow-Motion-Effekt einhergeht, der Ihnen Zeit zum Reagieren gewährt. Nett, aber nicht neu.
Nicht neu ist auch, dass Constantine zwischen realer Welt und Hölle wechselt, sobald er den entsprechenden Zauberspruch murmelt. In der Unterwelt flirrt atmosphärisch die Luft unter rötlichen Dämpfen, es ist die spannende Seite des sonst öden, weil grafisch fürchterlich biederen Los Angeles.