Knights of Honor
Wer sich für Städteplanung, Diplomatie und Handel so gar nicht begeistern kann, wird sich in der von Sunflowers (Anno 1503) veröffentlichten mittelalterlichen Eroberungssimulation schnell als Vasall eines Großreichs wiederfinden. Die eigenen Provinzen aufbauen, die Versorgung sichern, Armeen aufstellen und andere Länder erobern - klingt einfach? Ist es aber dank des enormen Tiefgangs, den Knights of Honor bietet, nicht.
Europa erobern
Schon das Tutorial trifft den Neuling am Hofe wie der Morgenstern von Prinz Eisenherz persönlich: Unmengen an Aufgaben warten auf den frisch gebackenen Hofherren. Da die Einführung kaum Anwendungsmöglichkeiten für das Gelernte bietet, fühlt man sich als Einsteiger schnell überfordert.
Zu Beginn der Einzelspielerkampagne entscheiden Sie sich zunächst für eines von drei Zeitaltern. Diese unterscheiden sich historisch korrekt durch die stärkere Zersplitterung des Kontinents von Epoche zu Epoche. So ringen im Frühmittelalter noch 47 Reiche um die Vorherrschaft, im Hochmittelalter schon 53 und im Spätmittelalter sind es sage und schreibe 60 Staaten, die Europa dominieren wollen.
Nahezu alle Reiche, die im europäischen Mittelalter eine Rolle gespielt haben, finden sich auch in der Auswahlliste wieder. Traditionelle mitteleuropäische Reiche, aber auch Königtümer wie Kasan in Osteuropa oder Jerusalem im arabischen Teil der Karte sorgen für Abwechslung im Spiel.
Zusätzlich zu den drei Schwierigkeits-Modi bestimmt auch die Auswahl des Königreichs den Anspruch: Große Reiche mit vielen Provinzen bieten sofort zu Beginn viele Ressourcen - ein Luxus, den sich Kleinstaaten wie Granada erst erkämpfen müssen.
Im Zentrum der Auseinandersetzungen: das mittelalterliche Europa. Um den rechtmäßigen Herrscher über den Kontinent zu bestimmen, treffen sich in regelmäßigen Abständen die Herrscher der sieben größten Länder und wählen den Mächtigsten unter sich. Wird man selbst auserkoren, ist das Spielziel erreicht. Für die rustikaleren Spieler bleibt die Möglichkeit, ganz Europa gewaltsam unter die eigene Herrschaft zu bringen und so die Wahl überflüssig werden zu lassen.
Komplett in Echtzeit
Knights of Honor läuft normalerweise in Echtzeit ab, zum Taktieren darf jedoch der Pausen-Modus genutzt werden. Eine Zeitanzeige gibt es allerdings nicht, der Wechsel zwischen Tag und Nacht ist der einzige spürbare Zeitfaktor.
Da die Schatzkammer am Anfang des Spiels noch so leer ist wie der Biervorrat nach einem ritterlichen Gelage, gehört der Abschluss von Handelsverträgen zu den ersten Aufgaben des neuen Königs. Neben Handelsverträgen lassen sich Nichtangriffspakte und Bündnisverträge mit den anderen Herrschern aushandeln. Möchte man die diplomatische Beziehung vertiefen, so kann man auch die eigenen Nachkommen mit denen der befreundeten Despoten verheiraten. Dies kann jedoch weitreichende Folgen haben, denn wenn der eigene König stirbt, haben eingeheiratete Prinzen plötzlich ebenfalls das Recht, Ländereien als Erbe einzufordern. Bei allen diplomatischen Aktivitäten spielen die Charaktereigenschaften der Staatschefs eine Rolle. Expansionistische Herrscher, die ein Auge auf das Kleinreich des Spielers geworfen haben, lassen sich nur mit Tributzahlungen zur Unterzeichnung von Friedens- oder gar Nichtangriffsverträgen überreden. Vertragsbrüche prägen sich in das jeweilige Herrschergedächtnis ein, bei zukünftigen Verhandlungen gilt man dann als unzuverlässig. Zu allem Überfluss nimmt einem die eigene Bevölkerung die Verfehlungen auch noch übel. Hohe Steuern, keine Vergnügungsmöglichkeiten und übermäßige Kriegsführung führen schnell zu Rebellionen. Mit barer Münze und dem Bau von Gotteshäusern lässt sich die königliche Machtposition jedoch wieder verbessern.
