Testbericht

09.10.2004 15:00 Uhr

Evil Genius

Putzfrauen schubsen, Geheimagenten einsperren und den Eiffelturm in die Luft jagen - Evil Genius ist Futter für den inneren Schweinehund.

PC Games-
Spielspaß-Wertung
(Ausgabe 11/2004)
81%
Durchschnittliche
Lesertestwertung:
        
88 %

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Sehr guter Aufbau-Part Unspektakuläre Präsentation
Schwarzer Humor Fallen sind fast nutzlos
  Schwerer Einstieg

1997 durfte man in Dungeon Keeper wunder-voll böse sein. Evil Ge--nius spielt in einer ähnlichen Liga und ernennt Sie zum Chef-Bösewicht in einem überzeichneten Flo-wer-Power-Szenario: Da wären der Wirtschaftsmogul Maximilian, die schöne Millionenerbin Alexis und Shen Yu, dessen kühles Gemüt Klimaanlagen überflüssig macht. Für welchen Sie sich auch entscheiden, die Wahl Ihres Fieslings bedient hauptsächlich Ihre optischen Vorlieben und beeinflusst den Spielablauf kaum.

Erste Schritte zur Weltherrschaft

Auf einer Insel im Nirgendwo trügt der Schein: Die Sonne scheint, das Meer rauscht, die Möwen kreischen. Unter der idyllischen Oberfläche steht bald eine Geheimbasis, in der Pläne zur Weltherrschaft reifen. Wohlgemerkt Pläne, denn bevor Sie erste "Öffentlichkeitsarbeit" leisten, stellen Sie architektonische Überlegungen an. Mit der Maus ziehen Sie Markierungen in den Berg und geben anschließend grünes Licht: Ihre Untertanen machen sich an die Arbeit und sprengen millimetergenaue Löcher in Felswände - schwuppdiwupp stehen dort Unterkünfte, Tresorräume und Kontrollzentren.

Jetzt besteht die Möglichkeit des Geldverdienens. Im Kontrollzentrum hocken Denker hinter Schaltkonsolen und prüfen die Ergiebigkeit der Länder: Informationen über Polizeiaufkommen und Geldreserven erscheinen auf einer Übersichtskarte, wo Sie auch den Startschuss für kriminelle Aktionen erteilen. Je mehr von Ihren Gaunern in einem Land zugegen sind, desto schneller fließt die Kohle. Zwei Nachteile gehen damit einher: Erstens stehen Ihnen in der Heimbasis weniger Arbeiter zur Verfügung, zweitens erregen Außeneinsätze die Aufmerksamkeit der Gesetzeshüter. Ehe Sie sichs versehen, kullern Ihre Gangster wie umgestoßene Schachfiguren über die Karte.

Betreten auf eigene Gefahr

Anfangs sabotieren Sie vielleicht mal eine Politikerwahl. Später vollführen Sie terroristische Akte, die Ihnen einen oberen Platz in der Wanted-Liste des FBI sichern: Eiffelturm in die Luft sprengen, Popstars kidnappen, Aufstände anzetteln. Je höher Ihr Bosheits-Faktor, desto hartnäckiger die Polizeibesuche. Irgendwann strömen Sondereinsatzkommandos in Ihre Basis und schießen mit Sturmgewehren, bis die Wände Feuer fangen. Ihre Handlanger eignen sich zur Abwehr solcher Eindringlinge, weil sie sich wie in einem Echtzeit-Strategiespiel aktiv steuern lassen: Per Rechtsklick lotsen Sie Ihre Helden durch die Gänge und aktivieren gelernte Spezialattacken wie "gezielter Kopfschuss". Während Ihre Untertanen nach getaner Schlacht automatisch die Leichensäcke mit den Gefallenen in die Kühlkammer hieven (erregt weniger Aufmerksamkeit bei den Behörden!), verteilen Sie gewonnene Erfahrungspunkte auf bis zu drei Fähigkeiten - und züchten so immer stärkere Handlanger heran.

Die zweite Möglichkeit, unangemeldete Besucher gebührend zu empfangen, ist der Fallenbau. Wie wäre es mit einem zusätzlichen Eingang, der nicht in Ihre Basis, sondern in einen tödlichen Parcours führt? Treten die Agenten auf eine von Ihnen platzierte Bodenplattform, kommen Sägeblätter aus Wänden hervor, Windmaschinen pusten durch Gänge und betäubendes Gas strömt heran. Leider lassen sich die Fallen kaum in eine bereits bestehende Basis integrieren, weil schlicht der Platz fehlt. Hinderlich ist auch die komplexe Bedienung: So müssen gebaute Fallen mit einem Auslöser kombiniert werden, damit sie funktionieren - ein kompliziertes Herumgeklicke mit der Maus!

Flower-Power pur

Man kann sich über die Grafik von Evil Genius streiten: Einerseits kommen moderne Grafikkarten mit den kunterbunten, polygonarmen Umgebungen im Schlaf zurecht, andererseits unterstreicht der eigenwillige Grafikstil perfekt die 60er-Jahre-Atmosphäre. Gut gelungen sind die Animationen: Da verteilen Ihre Schergen beispielsweise gewaltige Backpfeifen, welche die Opfer auf dem Verhörstuhl wie einen Kreisel drehen lassen. Evil Genius trieft vor schwarzem Humor!
  Aktuelle Durchschnittswertung:
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Thomas Weiß

Wenn Bosheit dermaßen anstrengend ist, bleib ich lieber Redakteur.

Und wieder schrillt die Alarmsirene: Agenten stolpern entsetzt über Leichen in der Tiefkühlkammer, während Vermummte im Tresorraum die Geldkoffer stibitzen. Als wahnsinniger Bösewicht habe ich in Evil Genius alle Hände voll zu tun. Manchmal denke ich, wegen der fehlenden Pause-Funktion ein Echtzeit-Strategiespiel zu spielen. Doch gerade der hohe Schwierigkeitsgrad weckt den Sturkopf in mir: Das MUSS doch zu schaffen sein - und siehe da, irgendwann hat man den Dreh raus, dann flutscht es mit der Weltherrschaft und dem Spielspaß. Ein teuflisches Vergnügen für alle wahnsinnigen Genies!
Zum Profil von Thomas Weiß


1 Kommentarezum Artikel

Alle Kommentare lesen
schmeo - 03.11.2007 17:54
innovatives und wirklich geiles spiel
schade dass es keinen nachfolger gibt
System - 03.11.2007 17:54
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Allgemeine Infos

Name Evil Genius
Genre Wirtschafts-Simulation
Webseite http://www.howevilareyou....
Hersteller Elixir Studios
Anbieter Vivendi Universal
VÖ-Termin 01.10.2004 - zu diesem Produkt einen Lesertest schreiben!
Preis nicht bekannt
Plattformen: pc.gif
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