Testbericht

12.05.2004 14:52 Uhr

Hitman: Contracts

PC Games-
Spielspaß-Wertung
(Ausgabe 06/2004)
84%
Durchschnittliche
Lesertestwertung:
        
48 %

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Das Profikillergeschäft boomt. Sam Fishers letzter Auftrag ist gerade erst überstanden, da beginnt die Schicht seines Kollegen: des Hitman. Der dritte Teil des Taktik-Shooters gleicht seinen Vorgängern spielerisch fast bis aufs Bit, doch der Kontext ist ein anderer. Bislang war der Hitman ein düsterer Held, der Terroristen ausknipst und die Welt vor Schlimmem bewahrt. Das ist nun anders. Es werden keine großen, zusammenhängenden Geschichten mehr erzählt. Vielmehr steht der Killer als Person im Mittelpunkt. Rasmus Højengaard, Level-Designer bei IO Interactive, sagt dazu unmissverständlich: "Ich denke, viele Spieler scheren sich einen Dreck um die Hintergrundgeschichte." Die Zeit der Reflexion ist angebrochen.

Das Spiel beginnt mit dem Kunstgriff der Rückblenden, den Filme (Forrest Gump) und mittlerweile auch Spiele (Tomb Raider 5: Die Chronik) gerne verwenden: Der Hitman liegt nach einem unglücklichen Schusswechsel angeschlagen in einem Pariser Hotelzimmer. Während sich sein Anzug mit Blut vollsaugt, läuft sein Kahlkopf auf Hochtouren: Wie ist es nur so weit gekommen? Im Delirium entstehen zwölf Flashbacks, die sich wie ein Teppich zur Ausgangssituation ausrollen. Diese Erinnerungen spielen Sie nach.

Offenes Missionsdesign

Was haben der Hitman und das Schaf Dolly gemeinsam? Beide sind das Ergebnis eines Klonversuchs. Doch während Dolly friedlich meckernd übers Gras bummelte, verdient sich der Hitman seinen Lebensunterhalt als Profikiller: In seinen Genen schlummert Kaltblütigkeit. Das Copyright darauf erhebt sein Schöpfer Dr. Orthmeyer, der in einer ukrainischen Nervenklinik experimentiert. Genauer, experimentierte. Denn in Teil 1 bereitete der Hitman, dessen Codename die Nummer 47 ist, seinem Erschaffer ein Ende. Was danach geschah, erleben Sie jetzt. Der Auftrag lautet: Nichts wie raus aus der Klinik! Während man Ihnen die Kontrolle über 47 überlässt, blitzt Blaulicht am Fenster - die Polizei ist hinter Ihnen her! Als Sie durch die Gänge der Irrenanstalt stapfen, dringt die Spezialeinheit allmählich ins Gebäude ein. Sie bahnen sich einen Weg zum Ausgang, weichen draußen den Suchscheinwerfern aus und verschwinden mit dem Fluchtfahrzeug. Das klingt simpel, ist aber wegen des knackigen Schwierigkeitsgrades eine Odyssee: Der Schauplatz erstreckt sich über vier Stockwerke, in denen etliche Überwachungskameras ihre Arbeit verrichten. Hinzu kommen die Polizisten, die mit geladenem Sturmgewehr um Ecken spähen.

Wie Sie vorgehen, bleibt Ihnen überlassen: Im Outfit eines Wärters ließe sich zumindest auf die Distanz der Schein wahren, jemand anders zu sein. Die Polizeiuniform hingegen würde auch aus der Nähe ausreichend täuschen. Vergessen Sie aber nicht, die leblosen Körper zu verstecken, nachdem Sie ihrer Montur habhaft geworden sind. Sonst ist schnell das Chaos los. Oder Sie pfeifen auf Verkleidungen und ballern sich im Patientenkittel durch die Anstalt. Sie entscheiden, welchen Weg Sie einschlagen. Einen richtigen oder falschen Pfad gibt es nicht, Hitman: Contracts trennt nur zwischen einfach und schwer.

Infiltrieren und intrigieren

Nummer 47 ist ein echter Weltenbummler: Neben Holland, England, Ungarn und China bereist er im Verlauf des Spiels auch Sibirien. Dort haben sich Terroristen in einer zur Waffenfabrik umfunktionierten U-Boot-Basis eingenistet. Drinnen entsteht eine nukleare Bombe, die ein Gauner namens Fabian für einen Anschlag braucht. Der Hitman macht daraufhin, was er am besten kann: Er dringt in die Basis ein, erledigt Fabian samt Handelspartner und sprengt zuletzt alles in die Luft. Sie können den Auftrag mit gezückter Kanone bestreiten und sich gegen eine Übermacht von Wachposten durchsetzen. Doch das ist weder elegant noch einfach.
Richtige Auftragskiller sind schlauer: Sie mischen dem Gauner Abführmittel ins Essen und lauern ihm anschließend hinter der Badezimmertür auf. Dort stellen Sie nach erledigter Arbeit fest, dass Ihnen das Outfit des Terroristen wie angegossen passt. Dann noch die Kapuze über die Glatze ziehen und fertig ist die Maskierung, die Ihnen Tür und Tor der Basis öffnet. Der Rest ist ein Kinderspiel: den Kontakt in der Küche ausfindig machen, die Sprengsätze aktivieren, mit dem Flugzeug abdüsen. Wer Missionen immer auf diese Art und Weise löst, freut sich in der abschließenden Einsatzbesprechung über eine gute Wertung. Balsam für die Eitelkeit. Je höher der Bodycount, desto schlechter fällt das Ergebnis aus. Nachteile entstehen dadurch aber keine.

Beim Planen der Missionen helfen ein Nachtsichtgerät und ein Feldstecher, mit dem Sie weit entfernte Situationen abschätzen. Wichtiger noch ist die Karte, die sich jederzeit einblenden lässt. Darauf erfahren Sie nicht nur den möglichen Aufenthaltsort Ihrer Zielpersonen, sondern Sie informieren sich auch über Zivilisten, Ausgänge, Fluchtwege und andere Verstecke. Weil die Areale in Hitman: Contracts sehr verzwickt ausgefallen sind, sind die Blaupausen von unschätzbarem Wert.

Kreativität im Job

In einer Mission dringen Sie ins Anwesen von Lord Beldingford ein. Der liegt gerade im Bett und schnarcht nichts ahnend. Während Sie im Schlafzimmer herumschleichen, fällt Ihr Blick auf ein unbenutztes Kopfkissen ... den Rest können Sie sich ja denken. Auch der Ganove Fritz Fuchs fällt der Kreativität von Nummer 47 zum Opfer: Als die Zielperson aus dem Pool steigt und in Richtung Sauna geht, nehmen Sie die Verfolgung auf. Sobald Herr Fuchs die Sauna betritt, stellen Sie von außen fest, dass der Raum auch als XXL-Ofen funktioniert. Kurz: In Hitman: Contracts sind Sie Meister der Zweckentfremdung. Sämtliche Gegenstände verwandeln sich in den Händen des Hitman zu Mordwerkzeugen.

Neben ausgefallenen Utensilien wie Billardstöcken, Kopfkissen, Fleischerhaken, Klaviersaite und Betäubungsspritze hantieren Sie auch mit richtigen Schusswaffen. Das Arsenal ist außerordentlich üppig ausgefallen: Da sind die Desert Eagle, das M4- und AK74-Sturmgewehr, ein Dragunov- und PGM-Scharfschützengewehr, die MP9-Maschinenpistole, ei-ne Mini-Uzi mit integriertem Schalldämpfer, eine abgesägte Schrotflinte oder die beiden klassischen Silverballer-Pistolen, die der Hitman wie ein Action-Held in einem John-Woo-Film beidhändig bedient.

Wer sich am Schauplatz Hongkong genauer umsieht, entdeckt sogar ein Lager, in dem eine schwere Schnellfeuerkanone verstaut ist. Wenn das kein Argument ist, eine Mission mal zu lösen, als würde man Max Payne 2 und keinen Schleich-Shooter spielen! Zum Schießen dürfen Sie übrigens in die First-Person-Ansicht wechseln; das erleichtert es, zu zielen. Mehr Übersicht beim Schleichen bietet die Verfolgerperspektive: Mit der Maus die Perspektive drehen, mit der Tastatur nach links und rechts ausweichen.

Ungeschminkt und düster

Nachts in England: Ein Sturm wütet, es regnet stark. Ähnlich in Sibirien, wo heftiger Wind die Schneeflocken fast waagrecht sausen lässt. Egal wo sich der Hitman aufhält - stets herrscht ein Wetter, bei dem eine Glatze als Frisur nur vorteilhaft sein kann. Und fast immer ist die Außenumgebung in Sam-Fisher-kompatible Dunkelheit getaucht. Das meinen die Entwickler wohl damit, wenn sie sagen: "Hitman: Contracts ist düsterer geworden." Leider wirken einige Umgebungen wie eine billige Filmkulisse, da man der Glacier-Engine, die übrigens auch den Vorgänger antrieb, ihr Alter mittlerweile anmerkt: Figuren, Texturen und Partikel-Effekte sind im direkten Vergleich zur Far Cry-Engine oder Max Payne 2 reif fürs Museum. Trotzdem haben es die Entwickler geschafft, so viel Stimmung wie möglich aus der Engine herauszuholen: Viele der Levels erwecken einen grotesken Eindruck, der dem Spiel einen Horror-Touch verleiht. Mission 2 zum Beispiel findet in einem Schlachthaus in Rumänien statt. Dort steigt eine eigenwillige Party; als Gastgeber fungiert ein 200-Kilo-Gangsterboss, Fleischkönig genannt. Neben SM-Fetischisten, halbnackten Prostituierten und Ganoven vergnügt sich dort auch ein Metzger. Dessen Leidenschaft ist die Verstümmelung junger Mädchen. Besagten Metzger überraschen Sie später bei der Arbeit in seinem Privatraum. Dort hängen nicht nur Dutzende von Duftbäumchen von der Decke, sondern auch die junge Lady, die Nummer 47 eigentlich retten sollte. Während Sie sich ein Fleischerbeil-Duell mit dem Psychopathen liefern, spielt ein Plattenspieler den Klassiker "Place Your Head On My Shoulder". Die Fantasie der Entwickler kennt wenig Grenzen.

Ein morbider Spaß

Warum sich Hitman: Contracts an moralisch Gefestigte richtet, das verdeutlicht auch die Physik-Engine: Die Ragdoll-Technologie lässt die Gegner realistisch den Löffel abgeben. Ein Kopfschuss bewirkt den sofortigen Exitus, während ein Beintreffer den Widersacher zum Humpeln animiert. Verwundete winden sich sogar am Boden. Getroffene Feinde fallen physikalisch nachvollziehbar über Geländer und machen je nach Sturzrichtung entsprechende Verrenkungen. Realistisch sind die Sterbeanimationen aber selten: Meistens fliegen die Opponenten meterweit durch die Luft, als hätte der liebe Gott die Schwerkraft ausgeschaltet. Sie verstehen jetzt sicher, warum auf der Spielepackung ein rotes Symbol angebracht ist, auf dem steht: "Keine Jugendfreigabe."
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7 Kommentarezum Artikel

Alle Kommentare lesen
fightlight - 13.05.2004 18:26
Ich wollte fragen, wieso die Demo von hitman3 nicht geht...
der geht imma direkt zurück zum desktop
kann mir da einer helfen  
Neo1 - 13.05.2004 13:51
also ich war total con contracts enttäuscht. zum teil nur alte level die man natürlich kennt wenn man die ersten teile gespielt hat und dann auch nur 3,5 stunden bis der abspann kommt. lol
gfuxi - 13.05.2004 10:21
Zitat: (Original von Soki am 13.05.2004 00:57)
Ich hab zwar nur die Demo zu Teil 3 gespielt, aber einfach nur rumballern konnte man auch in der ersten beiden Teilen! Immerhin habe ich sie beide gespielt.


Bin ganz deiner Meinung, mit rumballern konnte man auch die ersaten beiden Teile durchspielen.
Aber wenns ans schleichen geht, bild ich mir halt ein, muss man im dritten Teil viel vorsichtiger sein.

Was mich aber maßlos stört ist, dass ich das Game auf mittlerer Stufe ohne große Problem und ohne viel Speichern in zwei Nachmittagen durchgespielt hab  
Ich mein 12 (oder waren es 13) Missionen und das wars?  
Wenn ich schon für ein Game 50 €uros hinknallen muss, dann will ich aber auch mehr als 10 Stunden Spielspass.
Also für den nächsten Teil: etwas mehr Spieldauer!!!!
Soki - 13.05.2004 00:57
Zitat: (Original von stoffelonkelz am 13.05.2004 00:24)
Hallo, ich habe zwar nur die ersten 3 level gespielt aber danach ist mir auch die lust dran vergangen ! In denn sehr guten ersten beiden teilen muste man meistens ungesehen duchkommen und jetzt reicht es einfach alles umnieten und fertig . Wenn ich wild rumballern will spiele ich lieber MAX Payne 2 !!

Ich hab zwar nur die Demo zu Teil 3 gespielt, aber einfach nur rumballern konnte man auch in der ersten beiden Teilen! Immerhin habe ich sie beide gespielt.
stoffelonkelz - 13.05.2004 00:24
Hallo, ich habe zwar nur die ersten 3 level gespielt aber danach ist mir auch die lust dran vergangen ! In denn sehr guten ersten beiden teilen muste man meistens ungesehen duchkommen und jetzt reicht es einfach alles umnieten und fertig . Wenn ich wild rumballern will spiele ich lieber MAX Payne 2 !!
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Allgemeine Infos

Name Hitman: Contracts
Genre Action-Adventure
Webseite http://www.hitmancontract...
Hersteller IO Interactive
Anbieter Eidos
VÖ-Termin 30.04.2004 - zu diesem Produkt einen Lesertest schreiben!
Preis nicht bekannt
Plattformen: pc.gif
ps2.gif
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