Der jüngere Bruder von Serious Sam und Will Rock heißt Daniel Garner. Wie seine Geschwister schnetzelt sich der himmlische Rächer im Sekundentakt durch Horden von Fieslingen.
Wer Daniel Garner ist, woher er kommt und warum er im Auftrag des Himmels den höllischen Heerscharen Feuer unterm Hintern machen soll, das versucht die abstruse Hintergrundstory in einer Handvoll dürftiger Rendersequenzen vergeblich zu ergründen. Was aber nicht weiter stört - seit wann brauchen Action-Heroen eine Rechtfertigung für ihr Tun? Wichtig ist nur: Daniel ist der Gute, was in der Spielwelt sonst noch kreucht und fleucht hingegen zum Abschuss freigegeben. Das sind die üblichen Verdächtigen: Zombies, Skelette, allerhand dämonisches Viehzeug eben. Ein paar originellere Gesellen haben ebenfalls bei der Armee der Finsternis angeheuert. In Zwangsjacken eingewickelte Irrenhaus-Insassen etwa, die mit Funken sprühenden Elektroschockkappen heulend auf Daniel zu wanken, um sich mit einem ohrenbetäubenden Knall selbst in die Luft zu jagen. Oder untote Fleischergesellen, die dem himmlischen Rächer ihre eigenen Körperteile entgegen schleudern. Meistens bekommt er pro Level nicht mehr als zwei, drei Gegnertypen zu sehen - die aber in Massen. Vier-, fünfhundert Monster in einem Abschnitt sind keine Seltenheit.
Bis zum letzten Mann Den Ablauf kennen Sie, wenn Sie Will Rock oder Serious Sam gespielt haben: Sie hetzen durch düstere Gänge von einer Arena in die nächste. Dort strömen aus allen Ecken Gegner auf Sie ein, und Sie halten im Rückwärtsgang einfach so lange drauf, bis sich nichts mehr bewegt. Erst wenn der letzte Dämon wieder zur Hölle gefahren ist, öffnet sich das Tor zum nächsten Areal. Dann und wann durchbricht Painkiller (dt.) den Aufbau mit finsteren Labyrinthen im Stil von Survival-Horror-Spielen wie Resident Evil. Zum Abschluss jedes Kapitels erwartet Sie ein besonders kräftiger Bossgegner, der sich meist nur mit einem Trick besiegen lässt: Dem haushohen Zyklopen, der in einem antiken Theater wütet, müssen Sie beispielsweise erst den gigantischen Hammer aus der Hand schießen, dem scheinbar unverwundbaren Sumpfmonster kommen Sie nur bei, indem Sie die Gasblasen unter ihm entzünden.
Die Schauplätze sind dem morbiden, apokalyptischen Szenario angemessen: Eine verrottete Nervenklinik, in der Blut und Erbrochenes die zerfetzten Tapeten zieren, ein düsterer Friedhof, auf dem Nebelschwaden die Gräber umwehen, eine entweihte Kirche. Aber auch ungewöhnliche Orte wie eine verlassene Armeebasis, antike Tempelanlagen und sogar ein ganz normaler Bahnhof stehen auf Ihrem Sightseeing-Programm. Die Levels sind mit Abstand das Highlight von Painkiller (dt.). Abwechslungsreich, stimmungsvoll, wunderschön konstruiert. Nur farbenfroh sind sie nicht gerade zu nennen - es dominieren die aus id-Spielen bekannten Braun- und Grautöne.
Dämon am Stil Entsprechend dem Fantasy-Setting schleppt Daniel weder Maschinenpistole noch Scharfschützengewehr mit sich herum. Stattdessen gibt's fünf abgedrehte Waffen wie ein Bolzenschussgerät, ein Nagel-MG und einen viktorianischen Raketenwerfer mit mächtig Wumms. Alle Knarren verfügen über einen sekundären Feuermodus, mit der Schrotflinte beispielsweise werden Zombies kurzerhand schockgefrostet, bevor sie eine Ladung grobes Korn von den Füßen reißt. Nicht alle Schießprügel eignen sich gleich gut für alle Bösewichte - Ausprobieren ist angesagt.
Wer sich an die beiden höheren von insgesamt vier Schwierigkeitsgraden wagt, sollte nicht nur lernen, genau zu zielen, sondern auch, sich flott und präzise durch den Level zu bewegnen. Ähnlich wie bei Unreal Tournament 2004 (dt.) und anderen Shooter-Kollegen hat Daniel eine Reihe von Tricks auf Lager, ist beispielsweise durch rhythmisches Springen ("Bunny Hopping") seinen Gegnern immer den entscheidenden Schritt voraus. Und noch einen Vorteil genießt der Auftragskiller: Wenn er 66 der Energiekugeln einsammelt, die seine Opponenten hinterlassen, wird er für ein paar Sekunden selbst zum alles verschlingenden Dämon - eine Art himmlischer Quad-Damage-Modus. Schließlich gibt es noch eine Reihe von Extras, die auf Knopfdruck für kurze Zeit Daniel etwa schneller nachladen oder mehr Schaden wegstecken lassen. Diese Boni verdient man sich, indem man kleine Nebenaufgaben in den Levels erfüllt, etwa einen Bossgegner binnen einer knappen Zeitspanne zu überwältigen.
Für id-Veteranen Wer nach etwa ein bis zwei Abenden den Solo-Feldzug durch hat, findet im Multiplayer-Modus eine nette, wenn auch nicht spektakuläre Abwechslung zu den üblichen Verdächtigen. Fünf Spielarten und sieben Karten stehen zur Wahl. Allesamt hübsch designt und spaßig zu spielen. Wegen der vergleichsweise hohen Geschwindigkeit, der fordernden Waffen und der Trickbewegungen ist Painkiller (dt.) im Mehrspieler-Modus allerdings eher etwas für Veteranen der id-Klassiker und keine echte Konkurrenz zum viel umfangreicheren UT 2004 (dt.).
Wie schon an Serious Sam und Will Rock, so werden sich auch an Painkiller (dt.) wieder die Geister scheiden. Keine intelligenten Gegner, keine Fahrzeuge, keine Skript-Ereignisse, keine richtige Story, nur Dauerfeuer im Moorhuhn-Stil - das ist vielen zu anspruchslos. Ich gehöre zu denen, die sich gerade bei so einer hirnlosen Baller-Orgie wunderbar entspannen können. Ein, zwei Stunden Painkiller (dt.) machen den Kopf wieder frei. Allerdings macht die deutsche Ausgabe weit weniger Laune, als sie könnte: Mit braunem "Blut" und zensierter Waffenwirkung wirkt das schießwütige Spektakel schlicht albern. Zudem ist die Synchronisation der Zwischensequenzen alles andere als gelungen. Wer sich daran nicht stört, mag bedenkenlos zugreifen.